20. Juni: Weltflüchtlingstag

Oder sollte ich statt „Flüchtlinge“ besser Abwasserrohrbruch schreiben? Von Flüchtlingswellen und -tsunamis, von unserem, seit dem Strauß-Wahlkampf 1980 „vollen Boot“ berichten? Wie schreibt man von unserem Zutun und Versagen an einer Welt im Krieg? Refugees on a boat.jpg Refugees on a boat unbekannter Fotograf (Photo ID: 050615-N-TW583- 001)

Nein, ich schreibe zunächst von meiner Nachbarin, einer kultivierten und klugen Psychotherapeutin, die ich ewig nicht gesehen und vor einigen Tagen zum Essen eingeladen hatte. Mache ich nicht nochmal, sie saß an meinem Küchentisch, atmete Wein und Essen ein und sabbelte ohne Pause von „Gutmenschen“, Houellebecqs trauriger Unterwerfung, von Szenarien à la „Das Heerlager der Heiligen“ (neu übersetzt und frisch erschienen im rechtsextremen Verlag Antaios), von ganz Afrika, das nach Europa wolle, von Muslimen, die am Rollback gegen Frauen schuld seien, von Zäunen, die höher gezogen und militärisch verteidigt werden müssen und vor allem von sich selbst.

Sie: privilegiert geboren und aufgewachsen, privilegiert wohnend, lebend und arbeitend, sie ist verheiratet, kinderlos, mit nicht unter zwei Fernreisen/Jahr, Zweitwohnsitz in einer westdeutschen Idylle und gewillt, ihre Privilegien mit Klauen und Zähnen zu verteidigen. Wogegen ja noch nicht allzuviel einzuwenden wäre, würde sie sich nicht als Opfer gerieren, eine sie unmittelbar bedrohende Gefahr heraufbeschwören, Menschen entmenschlichen und einen vorauseilenden Abgesang auf Europa anstimmen.

Als ich ihr von einem der vielen unbegleiteten Flüchtlingskinder in Deutschland erzählte – einer mittlerweile 19jährigen jungen Frau aus dem Südsudan, die als kleines Mädchen die Ermordung ihrer Eltern mitansehen mußte, vielfach gefoltert und vergewaltigt wurde, mit 12 auf verschlungenen Wegen nach Deutschland kam und von Freunden als Pflegetochter angenommen und vollfinanziert wurde, die letztes Jahr einen Superschulabschluß hingelegt hat, Krankenpflegerin werden will und eben ihre Probezeit erfolgreich absolviert hat und die immer wieder zur Nigerianerin gemacht und abgeschoben werden soll – da war die Nachbarin plötzlich sehr müde und ging mitten im Satz.

Szenenwechsel: Journalisten aus 15 europäischen Ländern haben die Kosten der Festung Europa recherchiert: The Migrant Files. Für die Proportion: der G8-1-Gipfel kostete rund 360 Millionen Euro. Angela Merkel hat in jedem Jahr ihrer Amtszeit im Durchschnitt Waffenexporte im Wert von 8,16 Mrd. Euro genehmigt, der Tod kommt aus Deutschland.

Szenenwechsel: die von global agierenden Konzernen in Afrika hinterzogenen Steuern toppen die gezahlten Entwicklungshilfegelder um Längen. Glauben Sie nicht? Ist wahr:

Szenenwechsel: Australien steht im Verdacht, aktiv Schlepper zu bezahlen. „Die australische Marine hat Ende Mai indonesischen Menschenschleppern je 5000 US-Dollar (rund 4400 Euro) gegeben, damit diese ein Flüchtlingsboot zurückbringen. Das haben Flüchtlinge gegenüber der indonesischen Polizei erklärt. Am Sonntag bestätigte das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) die Zeugenaussagen. Die Asylsuchenden waren auf dem Weg von Indonesien nach Neuseeland, als sie von der australischen Marine abgefangen wurden. Australische Zollbeamte sollen fünf Menschenschleppern „Bündel mit druckfrischen Dollarnoten zugesteckt“ haben, bevor diese das Boot wendeten und sich auf den Rückweg machten. … Später weigerte sich Premierminister Tony Abbott, eine solche Praxis kategorisch auszuschließen: „Die australische Regierung wird tun, was immer notwendig ist, um diesen bösen Handel zu stoppen.“ … Abbotts Behauptung, er habe „die Boote gestoppt“, kann jedoch nicht unabhängig geprüft werden: Sämtliche Aktivitäten „auf dem Wasser“ sind von Australien zur Geheimsache erklärt worden.“ Wie viele der verfolgten, versklavten und ertrunkenen Rohingya wohl auf das Konto der australischen Cleverness gehen, das Land von der Weltkarte der Flüchtlinge ausradieren zu wollen?

Szenenwechsel: Der UNHCR meldet knapp 60 Millionen Flüchtlinge weltweit, darunter über 38 Millionen Binnenflüchtlinge. Rund 20 Millionen fliehen außer Landes, 1,8 Millionen bitten in einem Industrieland Asyl. 86% aller Flüchtlinge fliehen in Entwicklungsländer/n, 51% sind Minderjährige. Die 10 Hauptherkunftsländer: Syrien, Afghanistan, Somalia, Sudan, Südsudan, DR Kongo, Myanmar, Zentralafrikanische Republik, Irak, Eritrea. Die Hauptaufnahmeländer: Türkei, Pakistan, Libanon, Iran und Äthiopien.

Szenenwechsel: Die Toten kommen! Das Zentrum für politische Schönheit hat an den europäischen Außengrenzen recherchiert und stieß auf am Wegrand verscharrte Flüchtlingsleichen und auf defekte Kühlkammern, in denen tote Körper seit 8 Monaten wie Müll gelagert werden.

Die öffentliche Empörung gilt aber nicht diesem europäischen Offenbarungseid der Entmenschlichung über den Tod hinaus oder den 40 bei der Beerdigung leergebliebenen Stühlen der regierenden Schreibtischtäter, sondern der würdigen Bestattung einer ertrunkenen Syrerin in Berlin-Gatow und einem für Sonntag geplanten Marsch der Entschlossenen zum Kanzleramt (Start 14h Unter den Linden 12, Ecke Charlottenstraße). Die in Deutschland lebende Familie der toten Frau und ihres im Mittelmeer vermissten 2jährigen Kindes durfte nicht dabei sein, die Residenzpflicht ist heilig. Am 19. Juni 2015 wurde auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof (Kolonnenstr. 24-25, 10829 Berlin) ein 60jähriger Muslim beigesetzt, der die Festung Europa ebenfalls nicht überlebt hat. Er, ein zuvor in Syrien lebender Palästinenser, war an Krebs erkrankt und starb an den Strapazen der Mittelmeerüberquerung. Sein toter Körper wurde von den italienischen Behörden in Geiselhaft genommen, um die Familie zu einer Falschaussage gegen die Schlepper zu nötigen.

Ines Pohl in der taz: „Was sagt es aus, dass bei uns in Europa die Leichen jener, die hierherkamen, verscharrt werden wie Dreck? Das Wegsehen fällt in Deutschland besonders leicht. Hier gibt es das Problem Flüchtlingsleiche nicht. … Zynisch ist nicht dieses Projekt. Zynisch ist eine Gesellschaft, die buchstäblich über Leichen stolpern muss, um hoffentlich wahrzunehmen, dass die Flüchtlinge keine statistische Größe sind, sondern Menschen, die ein Recht auf unsere Unterstützung haben.

Wußten Sie, daß der 20. Juni auch der Gedenktag für die deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen ist?

Das zerstörte Nachkriegsdeutschland nahm mindestens 12 Millionen heimatlos gewordene Menschen auf, feindselig, widerwillig und unter Bereitung einer möglichst Kalten Heimat.

Ist ja nicht so, daß wir nicht wüßten, was Empathie ist und wie Integration geht^^

->Update 20.6. 16h45:

Stündlich tauchen neue Gräber auf, überall in der Republik.

Unsere regierenden Schreibtischtäter fürchten sich so sehr davor, daß der Marsch der Entschlossenen mehr oder weniger verboten wurde. Dazu das Zentrum für politische Schönheit:

Bitte bringt zum Marsch keine Holzkreuze, keine Särge, keine „sargähnlichen Behältnisse“, keine Bagger, keine Schaufeln, keine Grablichter, keinen Schnellzement oder Presslufthammer mit, sondern allerhöchstens Blumen, die sich auf der Marschroute zum Bundeskanzleramt nicht im Schutze der breiten Masse festbetonieren lassen.
Ganz ohne Ironie bitten wir Euch um Folgendes: Geht NICHT massenhaft mit Särgen vors Kanzleramt! Organisiert Euch auf KEINEN Fall selbst, seid NICHT ungehorsam, seid NICHT kreativ, tragt auf KEINEN Fall selbst irgendeine Verantwortung, verselbständigt NICHT die Aktionen. Und errichtet NIEMALS in der Nacht zum Sonntag in ganz Europa Gräber in der Öffentlichkeit und ERST RECHT NICHT während des Marsches. Auch NICHT auf der Wiese des Bundestags oder sonstwo.

Fügt Euch und arrangiert Euch mit diesem von den staatlichen Organen künstlerisch umgestalteten „Marsch der Unentschlossenen“ am:

Sonntag, 21. Juni, 14 Uhr
Startpunkt: Unter den Linden 12 (Ecke Charlottenstraße)

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95 Gedanken zu „20. Juni: Weltflüchtlingstag

  1. Das Boot ist voll erinnert zudem an eine andere, sehr europäische Flüchtlingswelle und man fragt sich, wieso Europa daraus nichts, aber auch gar nichts gelernt hat.

    http://www.tourism-watch.de/content/das-boot-ist-voll-ursprung

    http://www.zeit.de/2014/05/1942-widerstand-rorschach-schulklasse-brief/seite-2

    Der Schweizerische Bundesrat Eduard von Steiger scheint Pate gestanden zu haben für eine Flüchtlingspolitik, die das Elend der Flüchtenden ignoriert. Das ist nicht als Vergleich mit dem Holocaust gemeint. Vielmehr so, dass gerade Europa und Deutschland durch seine Geschichte eine andere Haltung in der Flüchtlingsfrage einnehmen müsste.

    Danke für die informative Zusammenfassung.

    • Oh, vielen Dank für die beiden Quellen, das wußte ich nicht.

      Außerdem warmen Dank für den allerersten Kommentar in meinem allerersten eigenen und brandneuen Blog! Damit ist er in Betrieb und ich freu mich!

  2. Darf ich einmal lyrisch antworten? Dabei ist nicht die Lyrik das Besondere, sondern die Tatsache, dass diese Ende der 90er Jahre bereits von mir geschrieben wurde. Das bedeutet, wenn ich damals schon einen lyrischen Beitrag über das Elend schrieb und wir nun 16 oder 17 Jahre später haben, zeigt das nur, welches elende leere Geschwätz auf allen politischen Ebenen zu absolut gar nichts geführt hat.

    Weiter ist man eigentlich nur in einem Punkt, nämlich dass man vom damalig zunächst erfolgreichen Verdrängen ins heutige Eingeständnis des Scheiterns gekommen ist. Und das ist bemerkenswert, bringt uns aber keinen Schritt weiter. Die Hilfe, die vor Jahrzehnten schon vor Ort hätte geleistet werden müssen durch Infrastruktur, echte Hilfe zur Selbsthilfe statt einer entmündigten Fütterung, ist voll verpasst worden. Soll man am Ende jetzt auf die Chinesen hoffen, die ihre ganz eigenen wirtschaftlichen eigenen Interessen verfolgen, aber zumindest (!) schon mal Straßen bauen (wenngleich nicht aus sozialer Absicht, aber evtl. mit positiven Folgen) und für mehr Infrastruktur sorgen, als „wir“ westliche Kolonialisten der alten und neuen Machart (Shell) es nicht einmal vermochten?

    Hundertmillionen und mehr sind auf der Flucht. Tendenz weiter steigend. Der soziale Friede droht immer brüchiger zu werden. Ost-West-Aufrüstung macht prächtig Fortschritte. Da sieht man doch, wofür Geld immerzu da ist!
    Das Ziel der Flüchtenden: Europa … Deutschland besonders gern! Die Zeiten, als Prävention möglich war, sind vorbei. Jetzt ist die Frage, ob denn noch ein finanziell gut ausgestatteter Feuerlöschzug mit intelligent-nachhaltiger Hilfe im Gepäck ausrückt, um drohende Flächenbrände vielfacher Art zu verhindern.

    Deutsche Turnhallen und Sozialhilfe allein werden dieses globale Problem nicht lösen …. aber in manchen Fällen vorübergehend doch wenigstens menschlich lindern… Wer hat eine Antwort darauf, so kurz nach zwölf?

    Stolz
    Schritt die Schwarze
    Aus dem Grasland
    Gegen Algier

    Im Wickelbündel
    Festgezurrt das eine
    Das andre an der Hand
    Ein Drittes lief voraus

    Gibraltar war so nah
    Und duftete
    Nach frischen
    Oleanderblüten

    Patrouillenboote
    Tauchten Menschen überfüllte Boote
    In gleißendes Licht
    Auf tintenschwarzem Wellenmeer

    „Allahu Akbar“
    Schrie die stolze Schwarze
    Aus dem Grasland

    Die nächste Welle
    Riss das Wickelbündel
    Ihr aus Kraft verlassenen Armen

    Geräuscharm schlossen sich
    Die Wellenberge
    Über schwarzen
    Hungerleibern

    Aus West wehte ein zarter Hauch
    von Oleanderduft

    by Christa Schyboll, 1998 (!!!)

  3. Georg Diez ‚Berichterstattung über Flüchtlinge: Die zurechtgestutzte Katastrophe‘ http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fluechtlinge-protest-beerdigung-in-berlin-kommentar-a-1039642.html

    Wenn eine Künstlergruppe Flüchtlingsleichen zu Grabe trägt, sprechen Medien von „politischer Pornografie“. Der Journalismus hat einen Panzer gebildet gegen die Erschütterungen der Welt – die Grenzen, an denen Menschen sterben, werden im Feuilleton neu errichtet.

    Wer soll hier diskreditiert werden? Die Menschen, die sich davon bewegen lassen? Wie roh muss man sein, um in diesem Fall eine Verbindung von Tod und Sexualität so drastisch herzustellen?

    Und wann genau wurde etwa Thomas de Maizière oder überhaupt ein Politiker mit ähnlich scharfen Worten kritisiert? Mit wie vielerlei Maß wird hier gemessen?

    Und überhaupt: Was soll es heißen, wenn in der „Süddeutschen Zeitung“ weiter zu lesen ist, diese Aktion nehme den Toten „das Letzte, was sie haben“?

    Ihre Würde also? Warum genau? Weil sie unter Teilnahme der Medien beerdigt wurden? Was ist daran schlecht? Vor allem aber, und das steht in dem Text nicht: Die Frau, um die es geht, lag zuvor in einem anonymen Grab, verscharrt, irgendwo, und ihre Familie wusste nicht, wo sie war.

    Wenn sie nun in Berlin ein Grab gefunden hat, wie genau, liebe „Süddeutsche“, hat sie dann das Letzte verloren, was sie hat?

    Und ist es nicht gerade andersherum das Problem, dass der Journalismus in Deutschland zu sehr einen Panzer gebildet hat, ein professionelles Hinnehmen und Schulterzucken, eine Undurchlässigkeit für die Erschütterungen der Welt.

    Was bedeutet es also, wenn in der „Frankfurter Allgemeinen“ in einem Text über diese Aktion des Zentrums für Politische Schönheit folgender Satz zu lesen ist: „Paradoxerweise demonstriert das eine Grenze der Kunst in ihrem Grenzverletzungsfuror: In diesem Fall wäre sie der Realität näher gekommen, wenn sie eine Grenze respektiert hätte.“

    Merkt der Autor gar nicht, welche bittere Ironie darin steckt, in einem Satz fast zwanghaft dreimal das Wort Grenze zu wiederholen – in einem Text, in dem es genau darum geht, wie Menschen ihr Leben riskieren und verlieren, weil sie an Grenzen scheitern, realen Grenzen, die hier mit feuilletonistischem Schnischnaschnu wieder errichtet werden?

    „Die Ordnung herrscht in Berlin“, so hat der Philosoph Francesco Masci diesen Zustand beschrieben: Eine Politik, die sich in der eigenen Machtlosigkeit einrichtet, eine Kultur, die diese Machtlosigkeit restaurativ oder reaktionär überwölbt.

    Es wird also wieder ein Flüchtling begraben, es wird wieder ein Schiff kentern, es wird wieder ein Weltflüchtlingstag ignoriert an diesem Samstag, es wird den „Marsch der Entschlossenen“ geben am Sonntag, es geht zum Kanzleramt, mit Baggern und Parolen, und weil die Welt auch am Montag noch die gleiche sein wird, werden die Schulterzucker wieder sagen, seht ihr, wir hatten doch recht, es ist wie immer.

    Aber irgendetwas ändert sich, wir werden es schon noch merken.

    • Mein Freund hat mir den Artikel heute vorgelesen. Und zusammen mit einem anderen Pro Griechenland Artikel im Spiegel stellte ich mir kurz die Frage, ob die nen neuen Chefstab haben, Blome gefeuert und Fleischhauer hinterhergeschickt haben.
      Aber sind wohl doch Ausrutscher gewesen.

    • Ein großartiger Kommentar im dradio-> Abstrakte Menschenrechte nützen wenig

      „Die Unbeliebtheit der Flüchtlinge hat viel mit dem zweideutigen legalen Status zu tun, unter dem sie leiden“, schreibt Hannah Arendt.

      Im Mittelmeer ertrinken tausende Flüchtlinge − auch weil die EU ihre Menschenrechte weitgehend ignoriert. Dahinter steckt ein Muster, das schon die Philosophin Hannah Arendt hellsichtig analysiert hat, kommentiert Arno Orzessek.

      Man mag es sinnvoll, effektheischerisch oder makaber finden, dass sich das „Zentrum für politische Schönheit“ buchstäblich mit fremden Leichen schmückt. Fest steht, dass die Aktionen des ZPS die komfortable innere Distanz zwischen uns und der Todeszone Mittelmeer schmerzhaft verringern und den Verdacht verstärken, dass die EU hinsichtlich der sterbenden Flüchtlinge die Menschenrechte weitgehend ignoriert.

      Was nolens volens den englischen Philosophen und Politiker Edmund Burke bestätigt. Burke hatte 1790 die von der Französischen Revolution proklamierten universellen Menschenrechte als eine abstrakt-geschichtslose Konstruktion gegeißelt, die zum Scheitern verurteilt sei. Die Rechte eines Engländers oder Bürgers anderer Nationalität, die konnte sich Burke vorstellen – aber keineswegs die Rechte des Menschen an sich. Für Burke ließen sich Menschenrechte nur als konkrete Bürgerrechte verwirklichen.
      Der edle Anschein, bedingungslos zu gelten, ist ein leeres Versprechen

      Bootsflüchtlinge aber, die aus einsichtigen Gründen keine Ausweispapiere bei sich tragen und ohnehin oft aus zerstörten Gemeinwesen kommen, sind de facto staatenlos. Ein finsterer Zustand, den die Philosophin Hannah Arendt, die 1933 aus Deutschland floh, jahrelang am eigenen Leib erlebt hat.

      „Die Unbeliebtheit der Flüchtlinge hat wenig mit ihrem Verhalten und viel mit dem zweideutigen legalen Status zu tun, unter dem sie […] leiden“, bemerkte Arendt im Blick auf jüdische Flüchtlinge in Amerika. Und polemisierte später unter Berufung auf Burke gegen den von der UN nobilitierten Begriff „Menschenrechte“. Der edle Anschein, bedingungslos zu gelten, sei ein leeres Versprechen.

      Die Welt, so Arendt auch im Rückblick auf den Holocaust, „hat an der abstrakten Nacktheit des Menschseins an sich nichts Ehrfurchterregendes finden können“.

      Das „Zentrum für politische Schönheit“ macht sich verdient, insofern es diese tödliche Ignoranz, die bis heute anzutreffen ist, drastisch sichtbar macht. Andererseits steht auch das ZPS auf der Sonnenseite der Geschichte und unterliegt dem Fundamentalwiderspruch, den Arendt fixiert hat:

      „Keine Paradoxie zeitgenössischer Politik [wetterte sie] ist von einer bittereren Ironie erfüllt als die Diskrepanz wohlmeinender Idealisten, welche beharrlich Rechte als unabdingbare Menschenrechte hinstellen, derer sich nur die Bürger der blühendsten und zivilisiertesten Länder erfreuen, und die Situation der Entrechteten selbst.“
      Die nackte menschliche Existenz aber begründet kein politisch wirksames Recht

      Der Verweis auf das in Deutschland grundgesetzlich garantierte Asylrecht löst das Dilemma übrigens nicht auf. Armut und Hunger, düstere Lebensperspektiven, Ungerechtigkeitserfahrungen oder simple Sehnsucht nach Wohlstand und Sicherheit, Motive, die im hiesigen Alltag das Streben nach Veränderung voll und ganz rechtfertigen, gelten nicht als legitime Fluchtgründe, die Aussicht auf Asyl gewähren. Wer abgelehnt wird, fällt in die Rechtlosigkeit zurück.

      Die nackte menschliche Existenz aber begründet kein politisch wirksames Recht – das haben für Arendt die Erfahrungen der Staatenlosen während des Nationalsozialismus bewiesen. Ein fundamentales „Recht auf Rechte“ müsse sich vielmehr stets auf ein politisch organisierte Gemeinschaft beziehen, nicht allein aufs Menschsein.

      Für Arendt ist dieses – einer funktionierenden Gemeinschaft anzugehören – gerade im Blick auf die Staatenlosen, die Flüchtigen, die displaced persons das erste Menschenrecht.

      Falls das „Zentrum für politische Schönheit“ noch intellektuelle Kapazitäten frei hat, könnte es sei¬ne spektakulären Aktionen mit dieser anspruchsvollen Forderung unterfüttern. Der Forderung nach einer globalen Konvention, die sämtlichen Flüchtlingen, also auch Wirtschaftsflüchtlingen, einen einklagbaren Rechtsstatus garantiert, auf den sie sich an jedem Ort berufen können – auf hoher See genauso wie in der Abschiebe-Unterkunft.

      Denn abstrakte Menschenrechte zählen dort fast nichts.

  4. Noch eine weitere Ergänzung im Blogtext, nämlich: „Er, ein zuvor in Syrien lebender Palästinenser, war an Krebs erkrankt und starb an den Strapazen der Mittelmeerüberquerung. Sein toter Körper wurde von den italienischen Behörden in Geiselhaft genommen, um die Familie zu einer Falschaussage gegen die Schlepper zu nötigen.“ dahinter verlinkt ein Video der gestrigen Beerdigung in Schöneberg.

    Bei Indiegogo wurden in 5 Tagen über 50.000€ für „Die Toten kommen“ gespendet.
    Eine Beerdigung, Überführung, Recherche kostet 14.900€-> https://www.indiegogo.com/projects/die-toten-kommen#/story

    Lesenswert: Fragen und Antworten-> http://www.politicalbeauty.de/faq.html
    Dazu (und überhaupt) lesenswert der oberste Bundesrichter Thomas Fischer-> „Deutschland wird auch im Mittelmeer verteidigt“ http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-05/fluechtlingswelle-bekaempfung-bundesmarine-mittelmeer-strafrecht/komplettansicht

  5. Hallo, liebe Dame von Welt, erfreulich, dass Sie hier an dieser Stelle nun zu finden und zu lesen sind! Anlässlich des Weltflüchtlingstages könnten wir uns auch vor Augen führen, dass die Situation, vor etwas zu fliehen oder fliehen zu müssen, jedem von uns blühen kann und urmenschlich ist. Solidarität mit anderen ist daher auch Achtung vor sich selber.

    • Mrs. Q, I presume? Willkommen, schön, daß Sie sich eingefunden haben!
      Solidarität ist eine Art Voodoo, selbst nicht in Flucht- oder andere üble Situationen zu kommen und wenn, dann lieber auf solche wie Sie als auf Hasser zu stoßen. Vermutlich ist Fremdenhaß ebenfalls eine Art Anti-Flucht-Voodoo, eine extrem kurzgedachte Art.

      Das ZPS hat eine Stellungnahme zum medialen Vorwurf der „Protest“-Beerdigungen veröffentlicht-> https://www.facebook.com/politische.schoenheit/posts/835326806522372

    • Mrs Q? Nein, ich blöke in der FC unter der Flagge des kleinen weißen Einhorns :-)
      An Voodoo hatte ich in Verbindung mit Flüchtlingen, Solidarität und Gastfreundschaft noch nicht gedacht, aber eine solche Perspektive ist durchaus denkbar: Rituale, um den Geist der Freundschaft und des alle Menschen Verbindenden zu beschwören…
      Habe gesehen, dass Sie höflicherweise (?) meine wordpress-webseite abonniert haben. Möchte aber vorweg anmerken, dass ich da oft „nur“ Lieblingssongs oder Filme einstelle, die mir gefallen, ganz selten Mal ein Gedicht und kaum Selbstgeschriebenes. Fundstücke also. Nur damit Sie später nicht enttäuscht sind. Beste Grüße!

  6. Überall tauchen Gräber im öffentlichen Raum auf-> http://unknownrefugees.tumblr.com/ -> https://www.facebook.com/politische.schoenheit/photos/a.104887069566353.10809.104873672901026/835437976511255/?type=1&theater

    Unsere Regierung hat Angst vor den Toten, der morgige Marsch der Entschlossenen wurde mehr oder weniger verboten, dazu das Zentrum für politische Schönheit:

    BREAKING NEWS: Bundeskanzleramt will „Marsch der Entschlossenen“ polizeilich verhindern!

    Mit allen verfügbaren Mitteln hat das Bundeskanzleramt das Kunstwerk „Der Marsch der Entschlossenen“ zerstört und versucht jetzt, die Umgestaltung des Vorplatzes am Kanzleramt in einen Friedhof für die Opfer der militärischen Abriegelung Europas zu stoppen (siehe unten).

    Die Absicht des Bundeskanzleramts ist klar: Es soll am Sonntag keine Grabanlage für die Opfer der militärischen Abriegelung Europas vor dem Bundeskanzleramt geben. Jede halbwegs ikonische Sichtbarkeit soll staatlich verhindert werden.

    Wir verurteilen diesen Akt grober Staatsgewalt in die Kunstfreiheit. Seit Tagen heben die Menschen in ganz Deutschland spontan überall auf öffentlichen Straßen Gräber aus, so in Berlin, Mannheim, Leipzig, Duisburg, Klewe. Das Phänomen greift mittlerweile auch auf andere EU-Mitgliedsstaaten über. Wie es verboten sein soll, vor dem Kanzleramt einen Sarg mitzuführen, bleibt uns schleierhaft.

    Wir würden sehr gerne ein bleibendes Mal in der Hauptstadt hinterlassen. Aber das ist uns nun unmöglich. Wir fordern Euch deswegen auf:

    Bitte bringt zum Marsch keine Holzkreuze, keine Särge, keine „sargähnlichen Behältnisse“, keine Bagger, keine Schaufeln, keine Grablichter, keinen Schnellzement oder Presslufthammer mit, sondern allerhöchstens Blumen, die sich auf der Marschroute zum Bundeskanzleramt nicht im Schutze der breiten Masse festbetonieren lassen.
    Ganz ohne Ironie bitten wir Euch um Folgendes: Geht NICHT massenhaft mit Särgen vors Kanzleramt! Organisiert Euch auf KEINEN Fall selbst, seid NICHT ungehorsam, seid NICHT kreativ, tragt auf KEINEN Fall selbst irgendeine Verantwortung, verselbständigt NICHT die Aktionen. Und errichtet NIEMALS in der Nacht zum Sonntag in ganz Europa Gräber in der Öffentlichkeit und ERST RECHT NICHT während des Marsches. Auch NICHT auf der Wiese des Bundestags oder sonstwo.

    Fügt Euch und arrangiert Euch mit diesem von den staatlichen Organen künstlerisch umgestalteten „Marsch der Unentschlossenen“ am:

    Sonntag, 21. Juni, 14 Uhr
    Startpunkt: Unter den Linden 12 (Ecke Charlottenstraße)

    Die Toten kommen!


    https://www.facebook.com/politische.schoenheit
    #dietotenkommen https://twitter.com/hashtag/dietotenkommen?vertical=default&f=tweets

  7. Die Toten kommen!

    Überall und dauernd tauchen neue Gräber auf, in Brüssel, Stockholm, St.Pölten, Maastricht, Hannover, Düsseldorf, Leipzig, Witten, Halle, Köln, Dresden, Koblenz, Hildesheim, München, Hamburg, Bochum, Fulda, Eberswalde, Wuppertal, Bensberg, Kleve, Duisburg, Mannheim http://unknownrefugees.tumblr.com/ Viele Gräber in Berlin, sogar am Brandenburger Tor, vorm Kanzleramt, vorm Reichstag.

  8. Die Polizei weist sogar Demonstranten mit Blumen zurück °_O
    Laurie Penny twittert: „I’m at #dietotenkommen demonstration in Berlin. Hundreds of people here. They’re advising everyone with flowers to leave the area.“
    Bei Twitter #dietotenkommen https://twitter.com/hashtag/dietotenkommen?src=hash&vertical=default&f=tweets sieht man ein Bild von einem älteren gut gekleideten Mann im dreiteiligen Anzug mit einem Spielzeugbagger mit zugebundener Schaufel, im Disput mit der Polizei.
    Das ZPS twittert, daß es gut ist, daß der Transport der toten Körper auf dem Wasserweg kein Bestandteil der polizeilichen Auflagen ist und daß der Bagger nie beim Marsch der Entschlossenen „mitgeführt“ werden sollte, sondern vor’s Kanzleramt gehört.

  9. Liebe Dame.v.Welt,

    herzlichen Dank für Ihre prägnante Synopsis.
    Initiativen wie die folgende arbeiten sich sicher auch (nur) an den Symptomen der weltweiten Flüchtlingsbewegungen ab, aber dies immerhin sehr konkret:
    http://www.w2eu.info/turkey.en/articles/turkey-seasafety.en.html
    „…This document aims neither to deter nor to encourage people to attempt the crossing but seeks to provide objective information about risks, rights and vital safety measures to take at sea. We wish that the information contained in this document can save your life but you should know it will not make the crossing safer….“

    Herzliche Grüße und viel Erfolg für Ihren wohlverdient eigenen Blog ;-!

  10. Die Trauer-Gemeinde wurde laut Twitter https://twitter.com/hashtag/dietotenkommen?src=hash&vertical=default&f=tweets vor einigen Minuten von der Polizei für aufgelöst erklärt, es gab offenbar erste Festnahmen und es scheint Polizeiverstärkung auf dem Weg zu sein.
    Ich bin nur gespannt, wie die Polizei die Räumung der Wiese vor dem Reichstag bewerkstelligen will, sind viele Familien mit Kindern unter den Trauernden. Teilnehmerzahl laut ZPS https://www.facebook.com/politische.schoenheit : 5.500.

  11. Es wird immer wieder laut, Wannen ohne Ende stehen direkt vorm Reichstag, wo zuvor die Reichsbürger-Deppen mahnwachten. Die Polizei veröffentlichte die Aufforderung zum Verlassen der Reichstagswiese und der Trauergemeinde zwischenzeitlich auf Twitter und sagte das auch eben per Megaphon zum 3. Mal durch. Vor dem Reichstag wurde ein Friedhof mit mindestens 50 Gräber angelegt, gerade wurde eine große Gehwegplatte zum Grabstein umgewidmet.

  12. Anke Domscheit-Berg bleibt sowas von ruhig und geduldig, angesichts von jeder Menge Polizisten, die nach einem blutigen Übergriff auf einen Journalisten ihre Nummern (Brust) verdeckt tragen und sich ums Verrecken nicht umdrehen wollen (Nummer auf dem Rücken), um der Vorschrift zu ihrer Identifizierung im Land Berlin zu genügen.

    Die Wiese vor dem Reichstag ist weitgehend geräumt, der Zaun steht wieder und das Schild Rasen betreten verboten wird wohl demnächst ein Geschwister bekommen: Gräber verboten

  13. Üble Festnahmen, übles Polizeiverhalten gegenüber Journalisten, die von der Berichterstattung und vom Zugführer ferngehalten werden, wieder das gleiche Gehühnere mit den Polizei-Nummern °_O
    O-Ton Polizei: Die Pressefreiheit wurde doch schon auf dier Wiese eingeschränkt.

  14. Vielen Dank für die Berichterstattung über die Aktion. Die Alphajournalisten verspüren wenig Hang, sich ernsthaft mit der Flüchtlings-Thematik zu befassen. Insbesondere wird jeder Zusammenhang zwischen dem Reichtum der Einen und dem Elend der Anderen verleugnet. Dieses Fass will offenbar niemand aufmachen, der in den Redaktionsstuben etwas zu verlieren oder noch etwas zu gewinnen hat.

    Bei dieser Gelegenheit herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Blog. So bleibt eine engagierte Stimme interessierten Lesern doch erhalten.

  15. Liebe Dame,
    Hut ab vor Ihren Entscheidungen, wenn auch mit einem weinenden Auge…
    Ich verfolge Sie nicht, aber ich werde Ihnen folgen. Hierher fand ich mit Hilfe von JRs China Blog, der verlinkte (danke dafür), und bin froh drum. Erstmal ’nur‘ einen Gruß durch die Nacht und einen an den Kleinen König : )

      • Oh, habbich gestern ganz vergessen, liebe SuzieQ: auch von mir DANKE für Ihre Kommentare. Was war ich froh, ehrlich!

        Angesichts der Nachtretereien, der Jaulereien über verschwundene Kommentare °_O und dem allgemeinen Nichtkapieren hatte ich mich schon sehr gefragt, wozu ich eigentlich 6 Jahre beim Freitag gegen Unwissen über sexualisierte Gewalt angeschrieben hatte – nachdem dort kaum jemand verstehen will oder kann, daß diese Gewalt gegen Kinder nicht davon weniger wird, daß Christian Füller seine Mission der Kriminalisierung verfolgt, „Opfer“ für sein journalistisches Geschäftsmodell macht und mißbraucht, JJK zu sinnverändernder Editierung von Füllers üblem *Mitläufer und Metöken*-Spruch veranlasst werden kann und Füllers Mission noch für *plausibel* gehalten und zur Blattlinie gemacht wird.
        Umso kostbarer, daß Sie mich verstanden haben, danke dafür.

        Es wird noch ein bißchen dauern, bis mir dieser dF/FC-Offenbarungseid halbwegs kurz und prägnant aus der Tastatur geht, aber daraus wird noch ein Blog. Im Moment bin ich dazu noch zu fassungslos und zu zornig.

  16. Vielen Dank fürs Dranbleiben, liebe Dame von Welt. Ich konnte heute nicht ganz folgen und jetzt nach dem Nachlesen ist mir wieder schlecht.
    Und wieder von alledem nichts in den Öffentlich Rechtlichen Nachrichten

    • Und wieder von alledem nichts in den Öffentlich Rechtlichen Nachrichten

      Lauthals lachen mußte ich ja gestern bei den 20h-Nachrichten der ARD: dort wurde geschwafelt von z.B. auf der Wiese vor dem Reichstag sollen Löcher gegraben worden sein
      Das ARD-Hauptstadtstudio befindet sich etwa 300m vom Reichstag entfernt. Wen wollen die verarschen?

      Ich fand’s groß und war beeindruckt von der zeitweiligen Stille und Feierlichkeit unter den weit über 5000 Teilnehmern (was den Teilnehmern und nicht dem ZPS zuzuschreiben ist, die könnten sich noch ein bißchen °wie organisiere und leite ich eine Demo° draufschaffen).
      Und bin ich sehr gespannt, was das ZPS als Nächstes tut: so weit ich das begriffen habe, warten in Berlin noch mindestens 2 Tote auf ihre Bestattung.

  17. Ach. Dann kam da doch noch was. Ich habe erst nach dem Fussballspiel Frankreich gegen Südkorea geschaut und da war in den Nachrichten nix.
    Ach ja, das Staats TV. Ich erinnere mich noch an Blockupy Reichstag, da wurde in den Nachrichten regelrecht falsch informiert und aus einer friedlichen Demo bei der ich selbst anwesend war eine Chaotenveranstaltung generiert.

    Und dann wieder macht die Mioska die Tagesthemen am Weltflüchtlingstag damit auf, dass wir uns schön daran erinnern sollten, dass auch Deutsche nach dem zweiten Weltkrieg auf der Flucht waren und froh waren aufgenommen zu werden.
    Wenn es auch eine Mär ist, dass die Vertriebenen damals mit offenen Armen empfangen wurden.
    Xenophobie und Rassismus sind ein Rhisom, das man anscheinend nicht zu packen kriegt. Manchmal habe ich das Gefühl man kann nur Schlimmeres verhindern.

    • Die Art der Aufnahme der Flüchtlinge und Vertriebenen wäre eigentlich eine goldglänzende Möglichkeit, zwei Dinge zu begreifen:
      1. hat geklappt mit der Integration und
      2. Kalte Heimat ist völlig überflüssig.
      Ohne ginge Integration schneller und weniger schmerzvoll für Neuhinzugekommene.

      Das gilt (in order of appearance) für die Flüchtlinge und Vertriebenen, die „Gastarbeiter“, die Bürger der Ex-DDR und gilt heute für Einwanderer und Flüchtlinge.

      Im Grunde könnte sich Deutschland mal ein bißchen entspannen, mit einem kleinen Anflug von Stolz auf knapp 70 Jahre °erfolgreiche° Integrationsgeschichte zurückblicken und an den Feinheiten im Umgang mit °Fremden° arbeiten. Statt ständig den Untergang des christlich-jüdischen Abendlandes und den Clash of Cultures herbei zu phantasieren – woher kommt bloß diese Angstlust?

    • Den Fabian Köhler mochte ich gestern sowieso sehr, der bat um Nachsicht mit seinem Artikel, er sei unter erschwerten Umständen entstanden.
      Die Natur der erschwerten Umstände kann man hier nachlesen: „10 Bsp. wie @PolizeiBerlin mich heute an Arbeit hinderte. Nr. 5 endete mit Bluterguss + kaputtem Hemd“ –> https://twitter.com/fabikde

  18. Hach. Jule Löffler hat einen ganz großartigen-> Artikel über den Marsch der Entschlossenen geschrieben, ich erlaube mir dessen Reblog (und habe die Bildunterschriften gelöscht, eine Bilderseite hänge ich unten an)

    „Die Toten werden sichtbar“

    Das Zentrum für Politische Schönheit veranstaltet einen „Marsch der Entschlossenen“ gegen die Flüchtlingspolitik und trifft einen Nerv. Die Aktion verselbstständigt sich.

    Plötzlich waren es zu viele Menschen zwischen Bundeskanzleramt und Reichstag. Sie rannten die Zäune um den Platz der Republik einfach nieder und strömten zu Tausenden auf die Rasenfläche, während die Polizei nur hilflos zusehen konnte. Die Polit-Künstler vom Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) veranstaltete die größte Aktion ihrer jüngsten Kampagne „Die Toten kommen“, mit der sie auf die toten Flüchtlinge aus dem Mittelmeer aufmerksam machen wollen. Nach eigener Aussage ließen sie Leichen nach Berlin transportierten und bestatten. Heute fand dazu der „Marsch der Entschlossenen“ statt, bei der nach vorläufigen Angaben der Polizeipressestelle mehr als 5.000 Menschen teilnahmen.

    Ursprünglich sollte der Trauerzug vor das Bundeskanzleramt ziehen und dort mit Hilfe eines Baggers Gräber für drei Särge ausheben. „Eine Gedenkstätte für die Opfer der militärischen Abriegelung Europas unter dem titelgebenden Bogen Den unbekannten Einwanderern“, so kündigte das Künstlerkollektiv die Aktion auf ihrer Webseite an. Dazu kam es jedoch nicht, weil die Berliner Polizei den Einsatz des Baggers nicht genehmigte und die angekündigten Särge von einem Gerichtsmediziner untersuchen ließ – der Transport von den mutmaßlichen Leichen auf der Demo wurde mit Verweis auf das Bestattungsgesetz nicht zugelassen.

    Man kann davon ausgehen, dass das ZPS diese Einschränkungen bei der Planung ihrer Aktion wissend in Kauf genommen hat – genau wie vorher klar war, dass die Aktion gar nicht erst bis zum Bundeskanzleramt vordringen würde, sondern vor einem großen Baustellenschild der Künstlergruppe stoppen musste und rein symbolisch bleiben würde. „Hier baut die Europäische Union“ steht darauf, unten prangt ein Bild von Bundesinnenminister Thomas de Maizière – als einer der politisch verantwortlichen Akteure für das Massensterben im Mittelmeer.

    Dass sich die Aktion an dieser Stelle verselbstständigte, hätte das ZPS zwar ahnen, jedoch nicht planen können. Natürlich könnte man nun über die Grenzen von Kunst und Politikaktivismus diskutieren. Man könnte sich aber auch einfach den politischen Realitäten zuwenden, gegen welche die Menschen heute in Berlin zusammenkamen: dass allein in diesem Jahr schon über 103.000 Bootsflüchtlinge nach Europa kamen, dass rund 2.000 von ihnen dabei gestorben sind, dass sie danach in anonymen Gräbern verscharrt werden, ohne dass ihre Angehörigen benachrichtigt werden und dass das Problem nicht kleiner wird, sondern zu einer globalen humanitären Katastrophe.

    Fakt ist, dass das ZPS mit ihrer Aktion eine künstlerische Intervention begonnen hat, die zwangsläufig in politischen Protest münden musste – allein schon, weil die Bürgerinnen und Bürger, die an ihr teilnehmen, sich nicht als Künstler, sondern als politische Bürger verstehen, die nicht bereit sind, die tödlichen Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und der EU unwidersprochen mitzutragen. Und so fanden sich unter der Demonstrierenden zwar der schwarze Block und Antifa-Fahnen, aber auch jede Menge Familien, Studierende und Schüler.

    Zwei Jungen des John-Lennon-Gymnasiums und der Reformschule Charlottenburg, zwölf und dreizehn Jahre alt, stehen auf der Wiese. „Wir finden das nicht richtig, dass Flüchtlinge ertrinken. Und diejenigen die schon hier sind, sollten hier bleiben dürfen“, finden sie. Kein Mensch ist illegal, steht auf ihren Pullovern. Ihre Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Ob sie selbst Erfahrungen mit dem Thema gemacht hätten? Sein 16-jähriger Bruder kenne illegale Flüchtlinge in Berlin, erzählt einer von ihnen.

    Das Thema Flüchtlingspolitik zieht sich sich wie eine offene Wunde durch die Stadt. Mit den Flüchtlingsprotesten seit knapp drei Jahren und der zunehmenden medialen Aufmerksamkeit ist das Thema zu groß geworden, um dazu keine Haltung entwickeln zu können. Das Zentrum für Politische Schönheit bahnt mit seinen Aktionen den Menschen in der Stadt einen Weg, ihre Meinung dazu kanalisieren zu können.

    Und wie sie das tun. Innerhalb kürzester Zeit beginnen die Menschen auf der Wiese, mit Spaten, Händen und Füßen kleine Gräber auszuheben, bald scharen sie sich gruppenweise um kleine Erdhügel, auf denen Kreuze stehen mit Aufschriften wie „Grenzen töten“ oder „Stoppt das Morden“. Eine junge Frau legt einen linierten Zettel auf ein Grab auf den sie „In lauter Trauer“ geschrieben hatten, andere legen Blumen auf die symbolischen Grabstätten, andere bewerfen damit Polizisten. #dietotenkommen trendet auf Twitter, Kleinkinder tanzen auf den umgestoßenen Zäunen, eine Sitzblockade positioniert sich vor den enger zusammenrückenden Polizisten, „Solidarité avec les Sans-Papiers“ singen die Menschen, fassen sich an den Händen und bilden einen großen Kreis um das Gräbermeer auf dem Platz der Republik. Dabei kommt es auch immer wieder zu Zusammenstößen. Laut Pressestelle hielt die Polizei von rund 90 Personen die Personalien fest, immer wieder transportiert sie Protestierende von dem Platz ab, auf Twitter berichten Teilnehmer von gewaltsamen Übergriffen.

    Die Aktivisten des Zentrums für Politische Schönheit sind nicht mehr zu sehen, längst hat sich die Aktion verselbstständigt. Gegen 18 Uhr wird die Sitzblockade geräumt und die Aktivisten festgenommen. Zurück bleiben die vielen Erdhügel, kleine Mahnmale im politischen Zentrum des Landes, die daran erinnern, dass die Politik beginnen muss, sich mit dem Konsens auseinanderzusetzen, der heute demonstriert wurde: Die Toten der Festung Europa sind sichtbar und sie werden nicht länger akzeptiert. Darüber sollte nun diskutiert werden.

    Danke dafür! Jule Löffler ist in der Öde der sonstigen „Berichterstattung“ eine der wenigen Ausnahmen.

    Bilder-> https://www.google.de/search?q=die+toten+kommen&biw=1432&bih=840&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=b-GHVZzrMoaKsgGn2IDQAw&ved=0CAgQ_AUoAw#tbm=isch&q=Marsch+der+Entschlossenen+die+toten+kommen

    • Mehr Bilder (c) Nick Jaussi und ein bißchen taz:
      „Der Zaun fällt, als wäre er eine Streichholzkonstruktion. Kein Wunder, schließlich handelt es sich nicht um eine Polizeiabsperrung, sondern um einen Schutzzaun des Grünflächenamts für den Rasen vor dem Reichstag. Wenig später ist die Wiese vor dem Parlament bunt vor Menschen. Die ersten Demonstranten heben mit kleinen Schaufeln symbolische Gräber aus, stellen Holzkreuze und Kerzen auf – als mahnende Erinnerung an Tausende Flüchtlinge, die auf der Flucht nach Europa sterben.
      Die Polizei schaut zunächst zu. Gut 5.000 Demonstranten sind ihrer Schätzung nach an diesem Sonntagnachmittag quer durch das Regierungsviertel bis vor das Kanzleramt gezogen, angeführt von dem Leichenwagen eines muslimischen Bestatters. Die Demonstration auf der Wiese sei ’nicht vorgesehen und nicht zulässig‘, sagt ein Polizeisprecher. Das ‚Buddeln‘ symbolischer Gräber wolle man unterbinden.“
      taz

  19. Nachlese:
    Hannah Beitzer in der Süddeutschen-> Die Mittel schaden dem Zweck °kopfschüttel° immer diese unerbetenen Ratschläge an Künstler! Aber die Titanic hat einen passenden Brief an die Leserin verfasst-> Hannah Beitzer, c/o Süddeutsche.de!

    Lenz Jacobsen bei Zeit Online-> Und in Berlin fällt ein Zaun um der Angriffe gegen Journalisten und Pressefreiheit im Gezipark irgendwie erwähnenswerter fand °_O
    Am 16.6. gab’s schon einen selten dummen und herablassenden Artikel von ihm über die Bestattung in Gatow-> Diese Leichen sollen alle aufwecken

    Die Geschwisterzeitung Tagesspiegel macht Zeit Online vor, wie sachliche Berichterstattung geht-> Protestaktion „Die Toten kommen“ vor Bundestag (obwohl die Überschrift mit den 50 Festnahmen nicht stimmt, s. Berliner Zeitung + nd)

    n-tv-> „Die Polizisten haben einfach zugeschlagen“ das außer hpd m.W. EINZIGE Medium in Deutschland, dem der Umgang der Polizei mit Journalisten überhaupt einer Erwähnung wert war.

    Frank Nicolai für den Humanistischer Pressedienst-> Ein wunderschöner Akt des zivilen Ungehorsams Klasseartikel mit vielen Querverweisen

    nd-> »Die Toten kommen«: Insgesamt 91 Festnahmen nach Aktion

    Berliner Zeitung-> 91 Festnahmen nach Gräber-Demonstration vor Reichstag macht mehr als doppelt so viele Festnahmen wie am letzten 1. Mai.

    Astrid Geisler in der taz-> Gräber auf der Reichstagswiese

    Esther Slevogt für die nachtkritik-> Leichte Beute ein ziemlicher Rundumschlag mit einigen weniger wahrheitshaltigen Details, trotzdem eine lesenswerte Meinung.

    Jan Vollmer für Vice-> Warum „Die Toten kommen“ viel mehr war als eine „poppige“ Kunstaktion guter Artikel!

    Und anderswo?

    NRWlokal-> Unbekannte errichteten Grabstätten in Bochum !! Zusammenhang mit Berliner Künstlergruppe nicht ausgeschlossen / Staatsschutz ermittelt

  20. Wenn man sich durch die Presse liest, fällt etwas auf, dass ein Schlag inin die Visage der Beitzer ist. Überall hat es Nachahmer gegeben, die symbolische Gräber errichtet haben. Wien, Freiburg, Schwerin sind mir sofort ins Auge gescbossen.
    Nein, Frau Beitzer es ist Zeit laut zu werden. Wir dürfen den lauten Protest nicht Pegida überlassen.

    • Die Orte der Gräber habe ich gestern abend mal schnell zusammengeschrieben, mittlerweile sind’s bestimmt schon wieder mehr, in:
      Brüssel (Belgien)
      Stockholm (Schweden)
      St.Pölten (Österreich)
      Maastricht (Niederlande)
      Hannover
      Düsseldorf
      Leipzig
      Witten
      Halle
      Köln
      Dresden
      Koblenz
      Hildesheim
      München
      Hamburg
      Bochum
      Fulda
      Eberswalde
      Wuppertal
      Bensberg
      Kleve
      Duisburg
      Mannheim
      Bern (Schweiz)
      Zürich (Schweiz)
      Karlsruhe
      Scheveningen (Niederlande)
      Gmunden/Traunsee (Österreich)
      Aachen
      Luxemburg
      Schwerin
      Freiburg
      Osnabrück
      Ingolstadt
      Weimar
      Wolfhagen
      Gießen,
      Bremen
      Saarbrücken
      Mainz
      Konstanz
      Sofia (Bulgarien)
      Schönheide
      Wismar
      Basel (Schweiz)
      Nida (Litauen)
      Türkei an einem nicht näher benannten Ort
      Dangast
      Amberg
      Landshut
      Neuruppin

      Die Reichstagswiese kann so schnell wieder hübsch gemacht und die Gräber allerorten geräumt werden, wie es den Potzöberen beliebt: das geht nicht mehr weg.

      Georg Diez hat völlig recht: Aber irgendetwas ändert sich, wir werden es schon noch merken.

    • Und hinterher wundern sich wieder welche, wenn Rechtsextremisten das tun, was ihnen von Politikern ins Hirn geträufelt wird. Liebermann, der vielbemühte.

  21. Die Partei „Der III. Weg“ hat auf ihrer facebook Seite eine interaktive Karte, auf der sogenannte „Asylantenheime“ verzeichnet sind.
    http://www.fr-online.de/politik/neonazis-der-dritte-weg-fuehrt-nach-rechts,1472596,29771076.html
    http://www.endstation-rechts-bayern.de/tag/der-iii-weg/
    „Der III. Weg“ ist die Nachfolgeorganisation des „Freien Netz Süd“, das verboten worden ist.
    http://www.br.de/nachrichten/rechtsextremismus/rechtsextremismus-dritter-weg-kolumne-100.html

  22. Ein-> Rechtskommentar zu den Auflagen der Berliner Verwaltung für den ‚Marsch der Entschlossenen‘

    Ob die Versammlungsbehörde erkennt, dass der Amtsschimmel hier vor den Karren des satirischen Künstlers gespannt wird? Sie lässt es sich jedenfalls nicht anmerken. Wer sich auf die Suche nach den Grenzen des Primats des Rechts macht, der wird hier eine solche finden: Es ist die Satire, die das Recht kontrolliert, und nicht umgekehrt.

  23. Der Seehofer hat sich wieder etwas ausgedacht. Grenznah sollen Abschiebezentren (Lager hat er sie nicht genannt) für Asylbewerber mit wenig Aussicht auf Asyl errichtet werden. Die Landkreise Passau und Rosenheim, an der Grenze zu Österreich, sollen solche Zentren bauen.
    Wer ein Abschiebezentrum einrichtet, wird von zusätzlichen Belastungen in der Asylfrage befreit.
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/seehofers-asylpolitik-wer-abschiebt-wird-entlastet-1.2575695
    http://www.br.de/nachrichten/landtag-asyl-debatte-100.html

  24. Eine Erheiterung der unappetitlichen Art:
    Martin Lichtmesz nimmt übel, daß nicht nur er seine „persönlichen Hausgötter“ (Jean Raspail und Pier Paolo Pasolini) „gleichermaßen gut kennt“, sondern sie von Ulrich Ladurner im April kundig verglichen wurden-> Unser Blick übers Meer.
    Der Herr Lichtmesz mußte allerdings erst auf Ladurners Artikel aufmerksam gemacht werden^^

    Im Rahmen seiner Übelnehmerei kam auch mein Blog und zwar gleich in der Überschrift zu, hmnuja, Ehren und zu einer Verlinkung bei der wannabe-intellektuellen ‚Sezession im Netz‘, er erfährt seitdem reichlich Traffic von dort. (Verlinkung erspare ich Ihnen und mir)

    Es scheint Lichtmesz bitterlich zu schmerzen, daß er seit Jahren von allen seriösen Medien und Blogs ignoriert wird und nur im braunen Verborgenen à la ‚Sezession‘ und ‚eigentümlich frei‘ an seiner Nazirevolution häkeln darf. Sein aktueller Blog zeigt allerdings, warum er wenig Aufmerksamkeit erfährt: außer Eitelkeiten, dem Wiederkäuen alter Texte, der bestärkenden Referenznahme auf den braunen Teil des Zeit-Online-Kommentariates und gedrechselten Formulierungen ist nicht viel gewesen.

    Die Essenz seiner Suada, mit der er u.a. mich an die Hand nehmen möchte:

    Wir alle sind in Gefahr! Auch und gerade durch die Pervertierung unserer eigenen Werte!

    Ihr und alle anderen, die heute den Kopf in den Sand stecken und sich an ihren humanitären Gefühlen und guten Absichten berauschen, ihr tätet gut daran, euch eure eigene „tief sitzende Angst“, die zweifellos vorhanden ist (ja vorhanden sein muß, wenn ihr noch alle Tassen im Schrank habt) endlich einzugestehen und euch der Wirklichkeit zu stellen.

    Herrn Lichtmesz sei empfohlen-> „Das Mittelmeer. Eine Biografie“ von David Abulafia und das Wagen eines mutigen Gedankens:

    Der Unterschied zwischen einerseits seiner Perspektive (Wien-Kreuzberg-Wien, btw: good riddance!) und andererseits der Perspektive von Ulrich Ladurner und in geringerem Umfang auch der meinen liegt in einer gewissen Kenntnis der Welt, jenseits von Lichtmesz‘ deutsch-österreichischem Jägerzaun. Ulrich Ladurner sorgt als reisender Journalist seit 6 Jahren für-> „Einblicke in unübersichtliche Landschaften“ und ich war auch schon in einigen entlegeneren und ärmeren Gegenden der Welt unterwegs.

    Kenntnis ist ein wirksames Mittel gegen Überfremdungs- und -schwemmungs-Ängste, wie Lichtmesz sie pflegt und zu schüren versucht. Das Schüren von Ängsten wiederum ist der älteste und billigste Trick, um hasenherzige Heldenkrieger an die Hand zu nehmen, ihnen als vorauseilende Rechtfertigung eine Art Notwehr herbei zu schreiben und sie auf diese Weise zu rassistisch motivierter Gewalt zu animieren.

    Woran sich der saubere Herr Lichtmesz selbstredend niemalsnienicht die feingliederigen Publizisten-Finger schmutzig machen würde, der braucht seine Neger. Die einen schön ordentlich unter ihresgleichen in Afrika, wo man sie widerspruchslos ihrer Rohstoffe berauben und sie in Armut und Rechtlosigkeit halten kann und die anderen hier, für’s Grobe gegen Flüchtlinge und gegen diejenigen, die „unsere eigenen Werte“ (wie Grundgesetz, AEMR, Nächstenliebe) vor ihrer Pervertierung durch Biedermänner wie Lichtmesz bewahren und sie mit Leben erfüllen.

    Eine der Wirklichkeiten, die Lichtmesz ignoriert, ist die immense Hilfsbereitschaft der deutschen Zivilgesellschaft, die das Politikversagen an den-> wenigen Flüchtlingen, die es überhaupt bis nach Europa schaffen, wenigstens etwas kompensieren und die ihre unbezahlbare Freizeit in deren möglichst warme Aufnahme investieren.

    Die braune Revolution findet nicht statt, trotz mindestens der Verdopplung rechtsradikaler Gewalt in diesem Jahr, im Vergleich zu den Vorjahren. Unbetreutes Denken mag für Latenznazis „Asylkritiker“ eine ungewohnte Tätigkeit sein, aber man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben:

    Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.

    (Francis Picabia)

  25. Ein sehr eindrücklicher Text-> Julian Zwingel ‚Das Grauen-Zwei Tage bei den Refugees vor der LaGeSo‘.

    Darin geht es um die seit mehr als 2 Wochen andauernde Not der Flüchtlinge und Helfer, um Ausnahmezustand und Staatsversagen und zu allem Überfluß um Schikanen des Veterinäramtes und Idioten von Bärgida. Den Superblog von Julian Zwingel mit den großartigen Fotos von-> Sozialfotografie hatte ich ursprünglich bei mir gespiegelt, verlinkt, Autor und Fotografen genannt und das bei den Blogrebellen vermerkt.

    Leider teilte mir eben jemand von den Blogrebellen mit, daß ihnen ihre Exklusivrechte wichtiger sind als die Verbreitung des Blogs. Weswegen ich die Spiegelung wieder gelöscht habe und um Entschuldigung für meinen Irrtum bzgl. der Prioritäten der Blogrebellen bitte. Schade drum!

  26. Tagesspiegel: Netzaktivistin Domscheit-Berg wehrt sich gegen Strafbefehl

    Bei einer Mahnwache soll Anke Domscheit-Berg Polizisten attackiert haben – mit Blumen. Gegen einen ergangenen Strafbefehl wegen Körperverletzung wehrt sie sich vor Gericht.

    Die Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg steht am heutigen Montag wegen mutmaßlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Die frühere Piraten-Politikerin, die am Wochenende auf Platz drei der Linken-Landesliste in Brandenburg gewählt worden war, soll im Juni 2015 bei einer Mahnwache in der Hauptstadt Polizisten attackiert haben.

    Countdown läuft: 12uhr werde ich mich gg falsche vorwürfe der polizei verteidigen. Ich habe keinerlei gewalt angewendet bei #dietotenkommen
    — anke domscheit-berg (@anked) 28. November 2016

    Sie soll mit einem Blumenstrauß gegen die Kamera eines Beamten geschlagen haben, um Aufnahmen zu verhindern. Im Gerangel soll sie zudem einen Polizisten gekratzt und einem weiteren mit Blumenstielen ins Gesicht gestochen haben. Gegen Domscheit-Berg war zunächst ein Strafbefehl in Höhe von 900 Euro ergangen. Dagegen erhob die 48-Jährige Einspruch. (dpa)

    Um diesem absurden Prozess zu folgen, bietet sich der Twitter Account des Zentrum für politische Schönheit an (ab dem verlinkten Tweet 3 Stunden aufwärts), es geht um Blumen, die in einen Helm gestochen worden sein sollen ja/nein, bzw. mit denen auf eine Polizistin eingeschlagen worden sein soll. Die heftige Polizeigewalt gegen Demonstranten und Journalisten will unisono nicht bemerkt worden sein. Der Prozess wurde vertagt, als die Richterin nicht mehr klar denken konnte.

      • Okä … Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht gehen davon aus, dass „sag’s mit Blumen“ nur am Muttertag gilt. Frage: Welche Produkte der Flora sind so hartleibig, dass man damit Personen in voller postmoderner Rittermontur, aka Bundes- und Berliner Polizei im SEK-Asset verletzten kann? Rosen? Vogelbeerenstrauch? Rosmarin? Was auch immer dabei rumkommt, der Satirewert wider zur Kenntlichkeit Uniformierte bleibt.

        • Frage: Welche Produkte der Flora sind so hartleibig, dass man damit Personen in voller postmoderner Rittermontur, aka Bundes- und Berliner Polizei im SEK-Asset verletzten kann? Rosen? Vogelbeerenstrauch? Rosmarin?

          Vergessen Sie bloß die Schwertlilien nicht, große Gefahr von #blumengewalt.

          • Sie sind mir aber auch sowas von einer Anarchistin vor Linné: Zu den Schwertlinien gibbet „200 bis 285 Arten“, die „alle von der Nordhalbkugel“ stammen, „meist aus den gemäßigten Zonen“. Tscha … Mäßigung.

          • Apropos Mäßigung: eine knappe Zusammenfassung des Marsches der Entschlossenen

            und die Berliner Polizei in zwei beispielhaften Videos.

            Immerhin hatten die Tauben was von der Wiederherstellung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung auf der Wiese vorm Reichstag.

          • Mehr Polizei vs Journalisten und Demonstranten (scusi, RT-Video), Anke Domscheit-Bergs roten Hut sieht man auch ein paar Mal in der Menge (also wenn ich randalieren oder Polizisten körperverletzen wollte, trüge ich eins sicher nicht: einen roten Hut)

          • Und noch mehr Berliner Polizei, Anke Domscheit-Berg nimmt dazu Stellung (sie spricht auch bei Minute 15:15 und 12:06)

            Ich habe den Marsch damals per Livestream verfolgt und erinnere meine Bewunderung dafür, wie geduldig und maßvoll sie auf die Drohgebärden und die Gewalt von Polizisten reagierte, leider scheint es davon aber kein öffentliches Video zu geben.

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