„Das ist mir zu billig“

Wer den Hintergrund nicht kennt, macht sich am besten beim Bildblog schlau. Oder bei der Titanic, bei Arnd Festerling, Frankfurter Rundschau, bei Stefan Kuzmany, Spon, Prof. Volker Lilienthal, Journalist, Journalismusforscher, Christoph Lauer, Tagesspiegel oder bei Twitter unter #miomiogate.

Neben Julian Reichelt schafft es nur noch Jakob Augstein, gleich 5 gedankliche Kurzschlüsse in einem einzigen Tweet unterzubringen.

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Universalkuchen

Meine eine Oma strickte, um ihre Enkel zu erfreuen und die andere hätte das besser auch getan. Stattdessen buk sie Sandkuchen, der seinem Namen alle Ehre machte und nur mit Hilfe reissender Ströme von Zitronen(instant)tee durch Mund und Kehle in den Magen rutschte. Ein winziger Bissen Kuchen, eine halbe Tasse Tee – fatal war, vor dem Ent-Desertifikations-Schluck angesprochen zu werden und antworten zu müssen – erhöhte die Feinstaubemmission enorm.

Kurz: mir war der Sandkuchen der anderen Oma verhasst. Ich fürchte, sie war einfach geizig, verwendete zuviel Mehl und statt Butter zu wenig Margarine und maximal ein Ei, dafür aber rauhe Mengen an künstlichem Zitronen- und Vanillearoma.

Dabei gibt es ein artverwandtes Rezept, das watscheneinfach, leicht zu merken, unendlich zu variieren und flott in die überaus köstliche Tat umgesetzt ist. Das Maß aller Zutaten ist das Ei, für den Pfundkuchen, Pound Cake, Gâteau Quatre-Quarts, Queque Seco.

Nur die wenigsten kommen in die Verlegenheit, 2 Kilo Kuchen auf einmal zu verfüttern, er besteht in jedem Fall zu gleichen Teilen aus Ei, Zucker, Butter und Mehl. Da Größe und Gewicht von Eiern keine ganz exakte Wissenschaft ist, schlage man im Zweifel zuerst die Eier auf, wiege deren Inhalt und bemesse die übrigen Zutaten danach. Im Mittel wiegt so ein Ei um die 50 Gramm. Man nehme also für eine Springform mit 20cm Durchmesser (oder eine kleine Kasten- oder Gugelhupfform):

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… wenn Dein brauner Arm es will

Demnächst, zwischen Anfang März und Ende Mai, werden die Betriebsräte gewählt. Nicht zum ersten Mal dabei, aber in diesem Jahr besonders viel vor haben Nazis.

Nein, nicht besorgte Bürger, Rechtspopulisten oder erst in letzter Zeit durchgeknallte AfD-Wähler: Nazis.

Nazis, bei denen man nicht lange suchen muß, um auf Antisemitismus, völkischen Rassismus, NSU-Nähe, Nazi-Musik, Nazi-Netzwerke, Nazi-Jugendorganisationen, Nazi-Symbolik zu stoßen.

Denn die deutschen Nazis sind nicht mehr unbedingt glatzköpfig, besoffen und strunzdumm, sondern sie haben Hausaufgaben gemacht. Sie haben in den letzten Jahren linke Organisation und Taktik kopiert, linke Themen okkupiert, linke Dresscodes und Symbole übernommen, sie nutzen eifrig das Weltnetz und sie scheinen eine Menge Geld zu haben.

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Minihamster im Etui

Minihamster im Etui ist ein Anagramm von Heimatministerium.

Weniger witzig: das soll in Zukunft der Leitung von Horst Seehofer und dem Innenministerium unterstehen.

Wer hat’s erfunden? Genau: die Bayern. Dort ist es allerdings Teil des Finanzministeriums und Trostpreis für Markus Söder. Das bayerische Heimatministerium widmet sich der Aufwertung des ländlichen Raumes, Breitbandausbau, W-Lan auf jedem Marktplatz, E-Government, regionalen IT-Centern, ländlichen Fachhochschulen, Aufweichung der Bauvorschriften für mehr Gewerbegebiete, leistungsfähiger Landwirtschaft (Rückgrat des ländlichen Raumes), kommunalem Finanzausgleich zugunsten strukturschwacher Orte im Zonenrandgebiet, Heimatpakt und -kampagne, kurz:

Heimat heißt: zu Hause sein, zu Hause bleiben und sich zu Hause fühlen. Dafür haben wir die Heimatstrategie entwickelt.

 


 

Heimat wurde hier vor einer Weile schon einmal aufgegriffen und zu umschreiben versucht – als persönliches und individuelles Gefühl, oft in Verbindung mit Vergangenheit und Verlust, als räumlichen Ort, an dem man die Witze versteht, die Schleichwege kennt, nicht ununterbrochen hinterfragt wird, als Rechtsraum, als das Recht auf Rechte als zwingende Voraussetzung für Heimat.

Sehr lesenswert dazu finde ich einen Blog von irgendwie jüdischHeimat? Weiterlesen

Zirkeltag

 

Nun ist die deutsche Teilung also länger vorbei, als sie bestanden hat. Und ich habe schlimmes Heimweh nach dem Vorwende-Berlin.

Denn ich bin vor über 30 Jahren nicht trotz, sondern wegen der Mauer nach Berlin gezogen, ich liebte die Spuren verlassener urbaner Betriebsamkeit, Birken in den S-Bahngleisen, lange Gänge immer an der Mauer längs vom Wedding nach Frohnau, die fast dörflichen Nischenfreiheiten in Kreuzberg, den Talmi am Kudamm, die Westberliner Seite der Mauerstadt und ihre Möglichkeiten, mit wenig Geld eigenwillige Lebensentwürfe umzusetzen. So lange ich damals lebte, war Deutschland zweigeteilt, das war mir ganz selbstverständlich und ich hasste die Blödzeitung auch dafür, die DDR in Anführungszeichen zu setzen oder sie gleich SBZ zu nennen. ‚Geh doch nach drüben!‘ war Standardkommentar zu vielem, das mir politisch und gesellschaftlich wichtig war.

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Völkermorden

 

 

Gewalt mit krassem Terrorismus und selbst mit Grausamkeit auszuüben, war und ist meine Politik. Ich vernichte die aufständischen Stämme in Strömen von Blut und Strömen von Geld. Nur auf dieser Aussaat kann etwas Neues entstehen.

Lothar von Trotha an Theodor Leutwein, zitiert nach Horst Drechsler: Südwestafrika unter deutscher Kolonialherrschaft. Der Kampf der Herero und Nama gegen den deutschen Imperialismus (1884–1915). 2. Auflage, Berlin 1984, S. 156.

 


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„Text-Taliban“

Sehr schönes Gedicht, finde ich.

Zwar könnten die Ramblas heute kaum noch so beschrieben werden, denn die besoffenen Touristen, die dazugehörigen „authentischen“ Bars und die Taschendiebe müßten miteinbezogen werden. Aber es ist ja schließlich nicht mehr 1953 und Franco ist auch schon eine Weile tot.

(Nachtrag 6.2., der guten Ordnung halber: da mein Blog auch beim Freitag diskutiert wird und dort von Nutzer Freitag20 der Mythos gehäkelt wurde, Gomringer hätte – weil er halb Schweizer, halb Bolivianer ist – das Gedicht bolivianischen Blumenverkäuferinnen in Sucre gewidmet und nicht die Ramblas in Barcelona Anfang der 50er beschrieben, habe ich ein FB-Statement von Nora-Eugene Gomringer (Tochter) hinter ‚Ramblas‘ verlinkt, sie sagt – Überraschung – Ramblas.)

 


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„kleine Klapperschlangen“


Eigentlich sieht der Mann gar nicht unrecht aus – wie ein Sparkassendirekor, Physik-/Sportlehrer oder evangelischer Pfarrer, nicht wahr?

Das ist Roman Reusch, via Listenplatz 2 der Brandenburger AfD in den Bundestag eingezogen. Er hätte für die AfD auch in das Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestags einziehen sollen – Reusch erhielt bei der Wahl der Mitglieder aber nur 210 Stimmen, auf mindestens 355 hätte er kommen müssen.

Mitglieder des Kontrollgremiums sind berechtigt, „jede Dienststelle der deutschen Nachrichtendienste, Bundesnachrichtendienst, Bundesamt für Verfassungsschutz sowie des Militärischen Abschirmdienstes zu betreten und Akteneinsicht zu fordern. Ferner sind sie dazu berechtigt, Nachrichtendienstmitarbeiter zu bestimmten Themen einer Befragung zu unterziehen … Untersuchungsausschüsse im Bereich der deutschen Nachrichtendienste anzusetzen … Anfragen von Passagierdaten deutscher Fluggesellschaften und Ermittlungen auf der Grundlage von Finanzdaten“ zu beaufsichtigen.

Zwar sind die Mitglieder des Kontrollgremiums zur Verschwiegenheit verpflichtet, aber: „In letzter Zeit wurde häufiger aus geheimen Sitzungen des PKGr in den Massenmedien berichtet, unter anderem aus dem Bericht zum BND-Journalisten-Skandal. Das PKGr bat den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert seinerzeit um die Einleitung rechtlicher Schritte wegen der vermuteten Verletzung von Dienstgeheimnissen (§ 353b StGB) durch die illegale Weitergabe von Informationen.“

Der Gedanke an die Möglichkeit „illegaler Weitergabe von Informationen“ über politische Gegner der AfD an militante Rechtsextremisten ist bestimmt nur meiner schmutzigen Phantasie geschuldet. Bestimmt.

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