Kunst und galoppierende Dummheit

 

Das ist die Denke eines (mir unerklärlich) für wichtig gehaltenen Journalisten, der nicht nur für Die Zeit, sondern auch für die New York Times schreibt. Jochen Bittner scheint komplett ignorieren zu können, daß Nazis aller Art schon seit Jahrzehnten Namen, Bilder, Adressen ihrer Feinde ins Netz stellen und zur Jagd auf sie aufrufen. Ich erinnere auch keine kritische Anmerkung von ihm, als rund um pi das Portal Nürnberg 2.0 entstand (wo etliche seiner Kollegen zu finden sind, u.a. Jörg Lau und Andrea Dernbach), als die AfD jüngst zur Lehrerdenunziation aufrief, als die Blödzeitung mit unverpixelten Bildern nach „G20-Verbrechern“ fahndete. Auch das allgemeine mediale Schweigen zur taz-Recherche über Hannibals Schattenarmee, über rechtsextreme Vernetzung im Umfeld der Bundeswehr wird allmählich ohrenbetäubend laut. Hannibal and friends lassen keinen Zweifel daran, was sie am „Tag x“ mit ihren säuberlich aufgelisteten Todfeinden vorhaben.

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Hauptstadtbesuch

hauptstadtbesuch

Ich weiß nicht, wie es Ihnen so geht: ich meide nach Möglichkeit bestimmte Teile von Berlin (Hauptstadt), obwohl ich mich liebend gern als vorgeblicher Tourist in meiner Heimat bewege. Z.B. liebe ich die 3einhalbstündige Bootsfahrt auf Landwehrkanal und Spree und freue mir jedes Mal ein Loch in den Bauch, wenn ich jemanden auf die Siegessäule oder den Fernsehturm schleppen kann.

Zu den möglichst gemiedenen Teilen gehört der Potsdamer Platz (außer vielleicht zur Berlinale) mit seinen öden, bestenfalls autogerechten Architekturen und so albernen Namen für zugige Straßenschluchten wie Joseph-von-Eichendorff-Gasse. Dazu gehört auch die Gegend um die Museumsinsel inklusive der werdenden Schloßattrappe, der Alexanderplatz, Unter den Linden, das Brandenburger Tor, der Reichstag und das gesamte Regierungsviertel (<-das wird schlüssig vom Boot aus, als Fußgänger ist es die Pest)

Es begab sich aber in der vergangenen Woche, daß ich eine befreundete Künstlerin im Adlon traf, wo sie ihre Arbeiten zum Verkauf ausstellt und das wollte ich unbedingt sehen. Ich war viel zu früh dran und setzte mich also vor dem Brandenburger Tor auf eine Bank in die Sonne, um ein Zigarettchen zu rauchen und den Polizisten beim Aufpassen, den Touristen beim Flanieren und den verschiedenen Touristenbeglückern beim Beglücken zuzusehen – u.a. mit Hilfe von Pferdedroschken, dazu der Herr Pigor:

Der Pariser Platz wird allerseits als gelungenes Architekturensemble gelobt – fällt eigentlich nur mir auf, daß der das Brandenburger Tor viel kleiner macht als das übliche, im Fernsehen übertragene Bild und daß die Mieterschaft (oder Eigentümer?) der angrenzenden Gebäude – Banken, Versicherungen, Starbucks usw. – auch eine ganz eigene Sprache spricht? Probieren Sie es gelegentlich aus: das Brandenburger Tor wirkt von der Straße des 17. Juni viel imposanter und staatstragender als vom Pariser Platz, bei gleicher Blickdistanz.

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