taking the piss

perlenkette7
Screenshot bei Twitter

Neulich sollte ich einer (nur Business-English-kundigen) Freundin die genaue Bedeutung von ‚to take the piss out of s.b.‘ erklären und tat mich ein bißchen schwer damit, weil das heißt ja nicht einfach ’sich über jemanden lustig machen‘ oder ‚jemanden nach Strich und Faden verarschen‘, sondern das alles und noch viel mehr und es muß trocken und mit unbewegter Miene vorgebracht werden.

Hier ein bebildertes Beispiel aus dem wunderbaren www:


 

Janie Johnsontwitterperlenkette (Profil: Janie Johnson takes a stand 4 conservatism, patriotism & optimism: … Protect our Kids! #WakeUpAmerica)

äußerte gestern bei Twitter:

My friends just returned from London. Shocked. Hadn’t been in 20 years. Said London is gone – all Islamic

 


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Geh denken, Martin Lejeune!

gehdenkenmartinlejeune

Vor etwa zweieinhalb Jahren, während des letzten „Rasenmähens“ in Gaza, hatte ich noch einen Text aus Martin Lejeunes Blog übernommen: The Days of Oil and Za’atar.

Damals erschienen mir die Absagen vereinbarter Interviews durch x Medien – wegen Lejeunes mangelnder Objektivität und Distanz – und das allgemeine Lejeune-Bashing als völlig überzogen, als etwas nahe am Rufmord und als Mundtotmachung einer journalistischen Stimme in Gaza – während die meisten Korrespondenten über, nicht durchgängig aus Gaza berichteten.

Besonders auf die Nerven fiel mir damals Tilo Jung, der kein Problem damit zu haben schien, einen IDF-Sprecher sein Narrativ verkünden zu lassen, ohne größere kritische oder auch naive Hinterfragung – und sich aber wortreich von seinem Interview mit Martin Lejeune distanzieren mußte, denn:

Für Jung & Naiv habe ich in drei Wochen 23 Folgen in Israel und Palästina produziert. Wir haben viele Stimmen und Positionen zum Konflikt hörbar gemacht, die ein anderes Bild davon vermitteln, worum es in dem Krieg tatsächlich geht. Diesen journalistischen Ertrag will ich durch Martin Lejeune nicht kompromittieren.

Der allerseits heftig kritisierte Satz Lejeunes über die Hamas, die Angehörige von (wegen Kollaboration mit dem israelischen Geheimdienst) Hingerichteten „sehr sozial“ versorge, war für mich kein k.o.-Kriterium, da mir alles andere als eine Form von Sippenhaft erschiene.

Vielleicht hatten alle damals einen besseren Instinkt als ich. Jedenfalls hat sich meine Haltung zu Lejeunes Publizistik inzwischen grundlegend geändert.

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Hauptstadtbesuch

hauptstadtbesuch

Ich weiß nicht, wie es Ihnen so geht: ich meide nach Möglichkeit bestimmte Teile von Berlin (Hauptstadt), obwohl ich mich liebend gern als vorgeblicher Tourist in meiner Heimat bewege. Z.B. liebe ich die 3einhalbstündige Bootsfahrt auf Landwehrkanal und Spree und freue mir jedes Mal ein Loch in den Bauch, wenn ich jemanden auf die Siegessäule oder den Fernsehturm schleppen kann.

Zu den möglichst gemiedenen Teilen gehört der Potsdamer Platz (außer vielleicht zur Berlinale) mit seinen öden, bestenfalls autogerechten Architekturen und so albernen Namen für zugige Straßenschluchten wie Joseph-von-Eichendorff-Gasse. Dazu gehört auch die Gegend um die Museumsinsel inklusive der werdenden Schloßattrappe, der Alexanderplatz, Unter den Linden, das Brandenburger Tor, der Reichstag und das gesamte Regierungsviertel (<-das wird schlüssig vom Boot aus, als Fußgänger ist es die Pest)

Es begab sich aber in der vergangenen Woche, daß ich eine befreundete Künstlerin im Adlon traf, wo sie ihre Arbeiten zum Verkauf ausstellt und das wollte ich unbedingt sehen. Ich war viel zu früh dran und setzte mich also vor dem Brandenburger Tor auf eine Bank in die Sonne, um ein Zigarettchen zu rauchen und den Polizisten beim Aufpassen, den Touristen beim Flanieren und den verschiedenen Touristenbeglückern beim Beglücken zuzusehen – u.a. mit Hilfe von Pferdedroschken, dazu der Herr Pigor:

Der Pariser Platz wird allerseits als gelungenes Architekturensemble gelobt – fällt eigentlich nur mir auf, daß der das Brandenburger Tor viel kleiner macht als das übliche, im Fernsehen übertragene Bild und daß die Mieterschaft (oder Eigentümer?) der angrenzenden Gebäude – Banken, Versicherungen, Starbucks usw. – auch eine ganz eigene Sprache spricht? Probieren Sie es gelegentlich aus: das Brandenburger Tor wirkt von der Straße des 17. Juni viel imposanter und staatstragender als vom Pariser Platz, bei gleicher Blickdistanz.

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„Ihr hattet die Kalender, ich hatte die Mädchen“

davidhamilton

David Hamilton hat sich am 25.11. vermutlich selbst getötet.

Mein Mitgefühl gilt eher Flavie Flament und den anderen von Hamilton Vergewaltigten.

„To be noticed by him was to be the chosen one“ …

„When he offered to do a trial shoot, my father was so proud, his eyes were twinkling“ …

„Can you keep a secret?“ he allegedly whispered in her ear. „I was very uneasy and very intimated,“ she told Nouvel Observateur, recounting how he went on to rape her. All said they were too petrified and shocked to react. One alleged he said afterwards: „You’re lucky I chose you because you’re not that beautiful. The others adore what I do to them.“

Ms Flament and the other women said they felt too „guilty“ and „ashamed“ to tell their parents.

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Verbrannte Erde

verbrannteerde

Human Rights Watch hat heute Vorher-Nachher-Satellitenbilder aus dem Norden von Rakhine (Myanmar) veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß in den letzten 6 Wochen mehr als 1.200 Rohingya-Häuser niedergebrannt wurden. Zehntausende Rohingya sind auf der Flucht vor der Gewalt des Militärs und der staatlich ausgebildeten und bewaffneten Bürgerwehren. Humanitäre Hilfe, Lebensmittellieferungen, Gesundheitsversorgung wurden vom Militär in Nord-Rakhine ausgesetzt, dort wurde der Ausnahmezustand verhängt und das gesamte Gebiet zur ‚Operation Zone‘ erklärt.

Aung San Suu Kyis Regierung erklärt hingegen, es seien rund 300 Häuser von Aufständischen zerstört worden, die „für Missverständnisse zwischen den Regierungstruppen und dem Volk sorgen wollen„. Gegenteilige Behauptungen wies sie als „Desinformationskampagne von Terroristen“ zurück.

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Jeff Sessions: „disgrace to his race“

jeffsessions Foto: Screenshot bei CNN (beschnitten)

Nein, das ist leider nicht Alfred E. Neumann in fortgeschrittenem Alter.

Das ist Jefferson „Jeff“ Beauregard Sessions der Dritte.

Der war der erste US-Senator, der Trump öffentlich unterstützte. Dafür wird er nun mit der Ernennung zum United States Attorney General belohnt – Generalbundesanwalt und Justizminister in Personalunion.

Der Mann vertritt den Bundesstaat Alabama als Senator/Attorney General seit 20 Jahren und zwar unangefochten, mit immer mindestens 59% der Wählerstimmen. Er gilt als einer der 5 konservativsten Politiker der USA.

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Lala: Eleni Mandell

elenimandell Foto: Screenshot beim Rolling Stone

Wer Tom Waits liebt, kann kein schlechter Mensch sein! So auch Eleni Mandell, eine weitere immerwährende Bewohnerin meiner welche-50-Platten-würden-Sie-mit-auf-eine-einsame-Insel-nehmen-Liste (und zwar mit gleich 3 Platten). Sie ist ein wunderbares Beispiel, daß Berufung auf Traditionen nullkommagarnichts mit reaktionärer Volkstümelei zu tun haben muß.

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Mike Pence: “I was tea party before it was cool.”

trump Foto: Gage Skidmore (beschnitten)

 Ist ja nicht so, daß nur unsere Politiker schwimmen, weil sie keine Telefonnummern von Trump und seinen maids/mates haben.

Oder haben Sie etwa schon mal von Mike Pence gehört? Das ist der amtierende Gouverneur von Indiana und designierte Vizepräsident der USA, Trump wegen seiner Professionalität und Besonnenheit zur Seite gestellt.

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Toleranz

toleranz Screenshot bei tue-info (beschnitten)

Wir müssen die Toleranz, die wir früher für uns eingefordert haben, nun selber an den Tag legen“, sagte Palmer der Welt. „Es bedarf einer Toleranz gegenüber Menschen, die wir – vielleicht auch zu Recht – für reaktionär und kleingeistig halten. Auch diese Leute haben einen Anspruch darauf, ernstgenommen zu werden.

Es gebe eine Minderheit im Land, die sich ausgegrenzt und zurückgelassen fühle, sagte Palmer. Es sei Aufgabe der Grünen, auf derartige Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. „Da empfinde ich meine Partei als eher widerwillig.

Spoiler: Toleranz beinhaltet exakt null Anspruch, ernstgenommen zu werden. Das zugrundeliegende Verb tolerieren wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen tolerare („erdulden“, „ertragen“) entlehnt.

Und so ist es: ich erdulde und ertrage die reaktionäre AfD und ihre kleingeistigen Konsorten, ich erdulde und ertrage ja auch Palmers Gelaber über Schließung und militärische Verteidigung der EU-Außengrenzen oder seinen jüngsten feinsinnigen Appell zur klaren Unterscheidung zwischen Alltagsrassismus und Rassismus.

Der Mann ist ein zweibeiniges Argument, niemalsnienichtmehr grün zu wählen, seine Geilheit auf eine CSU-kompatible schwarz-grüne Koalition ist zu offensichtlich. Den Das nehme ich sogar sehr ernst (wenn auch nicht ‚eher‘, sondern ausgesprochen widerwillig).

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