Dies und das

Keine Ahnung, wie Sie es mit Talkshows halten. Ich könnte mich, hätte ich einen Fernseher, für die Idee schon erwärmen, z.B. für Formate wie den Presseclub oder für Carolin Emckes Streitraum. Nicht aber für die breiten öffentlich-rechtlichen Bühnen für reaktionäre und etwas weniger reaktionäre Politiker, nicht für die unausgesetzte Hetze gegen Muslime und Geflüchtete, nicht für von „Tatort“ oder „Unterwerfung“ vorgeglühte Scheinduelle mit immergleichen Politdarstellern.

Georg Seeßlen, taz:

Die politische Talkshow ist die Schau der Entpolitisierung, die Schau der Antipolitik schlechthin. Diese krude Sehnsucht nach „Klartext“ und „Sprache des Volkes“, sie hat hier ihren Ursprung. … Die politische Talkshow, wie wir sie kennen, entlarvt nicht nur das mediale Sprechen, sondern die Politik, die dahintersteckt; wir erkennen, wenn wir hinsehen, den großen Unterschied zwischen der Schau und dem, was sie darstellt, und die fatale Folge ist, dass der Showcharakter der demokratischen Politik als gegeben hingenommen wird. Dann nämlich verzeihen wir den Teilnehmern jeden Unfug, jede Lüge, jede Gemeinheit, solange sie nur unterhaltsam sind.

Jakob Biazza, Süddeutsche im Interview mit Johannes Hillje:

Selbst wenn die AfD nicht in Talkshows sitzt, sind ihre Inhalte oft omnipräsent. Das Entscheidende ist hierbei: Die AfD setzt gar nicht unbedingt die Themen, aber sie beeinflusst sehr stark, wie wir über ein Thema reden.

Eine Auswahl der Themen (zusammengestellt von @ellebil) von „Maischberger“:

und von „Hart aber fair“:

 

Eigentlich genügt schon der Themengenerator Hart unfair feat. Maisburger.

 

Nachtrag 7.6., via Twitter – darüber diskutierten seit 1. Januar 2015 Will, Maischberger, Plasberg und Illner:

René Martens, altpapier:

Man könnte an dieser Stelle natürlich fragen, ob diese in den Talkshows seit 20 Jahren permanent produzierte „Entfremdung“ dazu beigetragen hat, der AfD den Boden zu bereiten. Seit 20 Jahren? Damals startete die Sendung „Sabine Christiansen“ – zwar nicht die erste Polittalkshow im deutschen Fernsehen, aber jene, mit der die, jetzt mal wertfrei gesagt: Erfolgsgeschichte dieses Formats begann.

ebenjener, ebenda:

Alexander Gauland steht im übrigen derzeit gar nicht schlecht da, schließlich dürfte er der erste Politiker der Weltgeschichte sein, dem eine umfangreiche überregionale Berichterstattung gewidmet wurde, weil ihm jemand während des Badens die Klamotten geklaut hat. Einen angemessenen Kommentar zum Klamottenklau hat der Schriftsteller, Satiriker und Filmemacher Shahak Shapira abgegeben.

Schon bemerkenswert, bei wem sich der Staatsschutz einschaltet und bei wem nicht.

Lesenswert fand ich den Kommentar von Anna Sauerbrey im Tagesspiegel: Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ – Warum Gauland und die AfD Geschichte umschreiben wollen

Ebenso lesenswert fand ich Thomas Fischer bei SPON: Alexander Gauland und die Entsorgung

Und der muß noch:

 


 

Theresa Leisgang und Moritz Richter (Fotos) portraitierten (profil.at) 5 Seenotretter im Mittelmeer aus der Crew der Sea-Watch. Vor und nach ihrem Einsatz.

Seit 2015 patrouilliert die Berliner Organisation Sea-Watch im Mittelmeer. An keiner anderen Grenze der Welt gibt es so viele Tote wie hier. 35.000 Menschen hat Sea-Watch nach eigenen Angaben schon geholfen. Die Crew ist bunt zusammengewürfelt: Ärztinnen, Sanitäter, Maschinistinnen, Übersetzer, die Kapitänin – alle sind sie Profis auf ihrem Gebiet.

Draußen auf dem Meer bereitet vor allem die sogenannte Libysche Küstenwache den Seenotrettern Probleme. Immer häufiger kommt es zum Konflikt: Die bewaffneten Küstenwächter schleppen die Flüchtlingsboote zurück zum Festland. Das verstößt gegen internationales Recht, aber so will es die Europäische Union. Die Crew von Sea-Watch hat einen solchen Vorfall am 10. Mai 2017 miterlebt. Es war nur die erste einer Welle von Rückschiebungen: 30.000 Menschen sollen bis zum Ende des Sommers nach Libyen zurückgebracht worden sein.

Der Augenblick, als mein Weltbild einen Knacks bekommen hat, war, als ich auf dem Ausguck saß. Den ganzen Tag war ich oben auf dem Deck und habe ins Nichts geguckt, und plötzlich war da ein Punkt am Horizont, aus dem ein kleines Boot wurde, und in der Menge der Passagiere konnte ich irgendwann Gesichter erkennen, verzweifelte Gesichter. Ein paar Stunden später waren die Leute bei uns an Bord, haben erzählt woher sie kommen: Iran, Bangladesch, Nigeria, Somalia, Libyen. Ich habe erst da kapiert: Das passiert nicht nur in den Nachrichten – sondern wirklich, jeden Tag.

An unserem dritten Einsatztag habe ich Destiny kennengelernt. ‚Destiny‘, Schicksal, es ist kein Zufall, dass das Mädchen so heißt: Nur wenige Stunden, bevor ich das kleine Bündel aufs Schnellboot holte, war die Mutter am Strand in Libyen gestorben. Sie hat das Baby am Strand geboren und hat es selbst nicht mehr aufs Boot geschafft. Es muss furchtbar für den Vater gewesen sein, seine Frau tot im Sand zurückzulassen. … Und es wurde mir klar, wie viele andere Geschichten es noch gibt, die bisher nicht erzählt sind.

Während dieser Mission habe ich zum ersten Mal erlebt, wie ausgeliefert man sich fühlt, wenn man Bewaffneten gegenübersteht. Es war der 10. Mai, als wir ein Holzboot gefunden haben. Über 400 Menschen waren an Bord. … Aber wir wussten, dass wir keine Chance haben, als die Libyer ihre Waffen zogen. … Die EU will sich gar nicht an internationales Recht halten. Sie akzeptiert jeden Kooperationspartner, um Menschen daran zu hindern, Europa zu erreichen, wo sie ihr Recht auf Asyl in Anspruch nehmen könnten.

 


 

Organisieren Sie sich irgendeine Schrott-Emailadresse und lesen Sie den zwar kostenfreien, aber registrierungspflichtigen Artikel von Harald Welzer in Die Zeit: Die Rückkehr der Menschenfeindlichkeit, ich zitiere nur den Anfang:

Zunächst eine wichtige Mitteilung: Vergleiche mit dem Nationalsozialismus sind erlaubt. Sie sind sogar notwendig, wenn man gesellschaftliche und normative Veränderungsprozesse einordnen und in ihrer Bedeutung abschätzen möchte.

und das Ende:

Vor diesem historischen Hintergrund ist die Renaissance der Menschenfeindlichkeit in der in fast jeder Hinsicht hervorragend funktionierenden Bundesrepublik der Gegenwart nur auf mangelnde Gegenwehr zurückzuführen.

Noch einmal: Wir haben keinen Mangel an Analyse, sondern an Engagement für die offene Gesellschaft. Das ist auch keine komplizierte Aufgabe. Es bedeutet für jeden und jede, im Job und im Privaten, im Freundeskreis und in der Familie, in der Straßenbahn und in sozialen Netzwerken für Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten einzutreten, und für eine Gesellschaft, die beides garantiert. Und zwar, wenn es ganz alltäglich konkret wird und Menschen verächtlich gemacht werden.

Das kann etwas unbequem sein, hat jetzt aber Vorrang vorm routinierten Beobachten, Analysieren und Kommentieren. So was können wir zwar alle ziemlich gut, aber das nützt nichts gegen Menschenfeindlichkeit. Es ist nicht einmal mehr cool.

Dazwischen steht eine kluge Analyse mit so feinen Sätzen wie Wahrheit ist eine Funktion sozialer Übereinkunft oder Demokratien gehen nicht an zu vielen Feinden, sondern an zu wenigen Freunden und Verteidigerinnen zugrunde.

 


 

Pascale Müller und Stefania Prandi recherchierten vor etwa einem Monat für Correct!v und BuzzFeed, daß die meist marokkanischen Erntehelferinnen auf den Obst- und Gemüseplantagen (ganz sicher nicht nur) in der Provinz Huelva nicht nur miserabel untergebracht und bezahlt werden, sondern außerdem von Vorgesetzten schikaniert, vergewaltigt, erpresst, körperlich misshandelt, beleidigt werden.

400 dieser Frauen entschlossen sich mit Hilfe der Gewerkschaft SAT, ihre Arbeitgeber anzuzeigen. Einer dieser Arbeitgeber aber hatte eine viel bessere Idee, er sperrte die Frauen auf der Plantage ein, feuerte sie vorzeitig aus ihren Arbeitsverträgen, zwang sie in Busse und versuchte, sie zurück nach Marokko zu schaffen.

Die Firma „Doñana 1998“ soll den Medienberichten zufolge am Sonntag Dutzende Frauen entlassen haben. Die Frauen sollten in Bussen aus der Region Huelva nach Algericas gefahren werden, um dort mit der Fähre nach Marokko gebracht zu werden.

Die Frauen sagen, man habe sie zunächst auf der Farm eingesperrt und dann gegen ihren Willen weggebracht. Das geht aus Audionachrichten hervor, welche die Frauen der Gewerkschaft SAT geschickt haben. Einige der Frauen konnten fliehen, als der Bus anhielt. Sie informierten Lokalmedien sowie die Gewerkschaft SAT. … Die Zeitung „El Público“ berichtet, dass die Polizei die Busse aufgehalten habe. Der Erdbeerproduzent „Doñana 1998“ bestreitet, dass die Frauen entführt worden seien und verweist darauf, dass der befristete Arbeitsvertrag der Frauen ausgelaufen sei. Dem entgegen stehen Arbeitsverträge der Frauen, welche die Gewerkschafter von SAT auf ihrem Facebook-Profil veröffentlicht haben. Dort ist zu sehen, dass die Frauen vorzeitig entlassen wurden. …

Gegenüber der Zeitung „La Mar de Onuba“ sprach Manuel Matos, der Chef von „Doñana 1998“ am Dienstag allerdings von einer durch SAT „organisierten Kampagne“ gegen das Unternehmen. Matos wies alle Anschuldigungen zurück und bezeichnete sie als „Lügen“.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft SAT in Huelva, José Antonio Regalado, hatte „Doñana 1998“ zusätzlich nochmal wegen „Entführung von Zeitarbeiterinnen“ angezeigt. … Die Gewerkschaft gibt an, dass sie am Freitag versucht hatte, bei Staatsanwaltschaften in mehreren Städten Anzeige zu erstatten. Diese sei dort aber nicht angenommen worden – unter anderem mit dem Verweis darauf, dass Wochenende sei.

Am Montag wurde der Gewerkschaft und einem Abgeordneten des andalusischen Parlamentes, Diego Cañamero, nach eigenen Angaben der Zugang zur Arbeitsinspektion verwehrt. Gewerkschaftsführer Oscar Reina schrieb in einem Facebook-Post: „Dieser Institution ist Ausbeutung und sexueller Missbrauch offenbar nicht wichtig.“ …

„Doñana 1998“ produziert laut dem für die Firma ausgestellten Global G.A.P Zertifikat neben Erdbeeren auch Orangen, Mandarinen und Blaubeeren. Das Unternehmen war im Februar 2018 auch bei der größten europäischen Fruchtmesse, der „Fruit Logistica“, in Berlin vertreten und präsentierte sich dort mit dem Slogan: „Wir sind Leidenschaft. Wir sind Innovation.“

Und wir sind Konsumenten, die sich mit jeder ihrer Kaufentscheidungen gegen solche Menschenfeinde, gegen die EU-Agrarpolitik, gegen die durch diese Politik in afrikanischen Ländern geschaffenen Fluchtgründe und gegen die Rundumausbeutung von Geflüchteten und Arbeitsmigranten auf spanischen und italienischen Plantagen einsetzen können.

 


 

Wir Frauen sind erst einmal mit unserem Leben beschäftigt und mit Vereinbarkeit von Familie und all diese Dinge, werden wir noch begehrt und sind wir auch nicht zu dick und so, also ganze Psycho- und scheinbar private Probleme, sodass wir nicht so trainiert sind, wir Frauen, politische Zusammenhänge im Weltmaßstab zu erkennen.

Dieser Satz stammt nicht von Heidi Klum, nicht von Birgit Kelle, nicht von Eva Herman. Sondern von Alice Schwarzer, die „wir Frauen“ spätestens bitte jetzt gern im wohlverdienten Ruhestand sähen.

 


Das herrliche Bild darf ich mit der freundlichen Erlaubnis von JotWeigelt verwenden, danke dafür!


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37 Gedanken zu „Dies und das

  1. Weil der Blog schon wieder ein so langes Elend geworden ist, würdige ich meine Lieblings-Soze erst hier.

    Es gab ja mal Zeiten, zu denen sich Thilo Sarrazin noch – ein klein bißchen – gegen die Vereinnahmung durch die NPD-Nazis wehrte. Daß sich besagte Zeiten auch mit seiner tätigen Hilfe ins Bräunlich-Übelriechende gedreht haben, merkt man auch daran, daß er das bei den AfD-Nazis gar nicht erst für nötig hält, sondern lieber gleich als ihr Experte auftritt: Thomas Wüpper, Stuttgarter Zeitung – Thilo Sarrazin rechnet mit der Bahn und S21 ab

    Wobei seine Motivation auch in der Abrechnung mit Mehdorn liegen dürfte, der 1ne gute Entscheidung traf, nämlich Sarrazin bei der Bahn wegen seiner Nebentätigkeiten zu feuern und x von Sarrazin dagegen angestrengte Prozesse gewann.
    In seinen Zeiten als Berliner Finanzsenator Berlin-Zersparer und Pöbler gegen Berliner Arme, Obst- und Gemüsehändler, „Kopftuchmädchen“ brachte Sarrazin es dann auf 46 Nebentätigkeiten.
    Immerhin, so hat der Mann nicht nur von Transfergeld gelebt.

  2. Eike Talkshow soll ja auch nur unterhalten. Daher glänzt das Format weder mit Erkenntnis, noch mit Weisheit. Daher glotzen solche Formate auch eher Leute, denen Politik ohnehin egal ist. Die Krönung dessen ist, nach wie vor, noch die BPK, also die Propagandaschau der jeweiligen Regierung. Jetzt kann man natürlich, wie Tilo, dahin gehen, gut bestückt mit Fragen vom Juso Ortsverband, aber letztlich auch nur Talk produzieren. Merke: Wahrheit wird, wie die Lüge, vom Marketing produziert und plaziert. Dabei geht es allerdings um Geschäftsmodelle (warum das jetzt wohl mit Politik zu tun hat?). Ganz anders dagegen eindeutige Politmagz, die jedoch keinen erreichen und das letzte mal zu Vorwendezeiten erfolgreich waren, als der bitterböse Friederich noch den WDR geZAKt hat und sich nicht die Rente mittels Peter Zwegat sichern musste. Der hat damals übrigens auch tolle Medienkompetenzworkshops in Jugendzentren abgehalten. Da konnte man viel lernen!
    Von daher komme ich gleich zum Punkt Syrien. 2013 gab es (merkwürdigerweise auch noch beim WDR) ein Format, namens Tagesschaum. Hier: https://www.youtube.com/watch?v=DFzVs0u5qBQ&t=7s kann man den einzigen, wertvollen Beitrag der Medien, der offensichtlich bis heute noch eine gewisse Gültigkeit hat, bzgl. dieses Dauerthemas, anschauen.
    Zitat: „Und wir sind Konsumenten, die sich mit jeder ihrer Kaufentscheidungen gegen solche Menschenfeinde[…]“ Nein! Tun wir nicht! Weder das doppelt eingeschweißte Schnitzel (oder wahlweise Gurke, Chia-Brötchen), noch der SUV, noch die mehr oder weniger gefälschten Markenklamotten, noch das derzeit angesagte Smartphone oder die benutzte APP leisten dazu einen Beitrag, den man auch nur Ansatzweise irgendwie positiv verorten könnte. Konsum steuert nichts! Nada! Ein Irrglaube, mit den die Grünen immer Stimmen gewinnen wollen. Dabei kommen dann z. B. Emissionszertifikate herum, wie u.a. unlängst in der Anstalt aufgeklärt (https://www.youtube.com/watch?v=PSDSo6JjMZg). Normalerweise sollte einem der sogenannte, gesunde Menschenverstand schon Entsprechendes mitteilen. Es geht, wie immer, mal wieder um Geschäftsmodelle. Die Natur scheißt jedoch auf jedes Geschäftsmodell und zeigt dir auf, wann Du zu leben und zu sterben beginnst. Je nachdem, wo Du groß wirst oder von wem Du gezeugt wurdest, ist diese Phase auch ziemlich kurz.
    Wo wir schon dabei sind: Gärtnern ist ja so Naturverbunden! Golfrasen, Glyphosat und die Pflanzen dank Monsanto (jetzt Bayer) gezeugt und dazwischen die Gartenverordnung etc. pp.. Nicht, das nicht selbst schon Herbert Knebel in den 90ern thematisiert hätte, auch wenn er das anders ankündigte (https://www.youtube.com/watch?v=PteLaXqNyvo).
    Da wird was. Nur was?

      • „pulse of europe“ ist bestelltes Astroturfing. An der EU ist überhaupt nichts demokratisch. Sie ist das Problem. EU ist antidemokratisch, anmaßend, bürokratisch und ausgrenzend. Wie würdet ihr das Verhalten der europäischen Institutionen Griechenland, Portugal, Italiens gegenüber nennen? Der Rechtspopulismus in diesen Ländern beruht ja gerade auf den schlimmen Erfahrungen, die Bürger dieser Länder mit europäischen Institutionen machen. In der EU ist der Neoliberalismus unhintergehbare Doktrin. Die EU ist genau das, was Hitler wollte: Ein einiges Europa unter deutscher Führung.

        • Äh, ja?

          Ebmeyer:

          Aber so groß immer wieder die Erleichterung sein mag, wenn Initiativen wie Pulse of Europe oder Anti-AfD-Demos erheblichen Zulauf haben: Allein auf die Zivilgesellschaft können wir uns auf Dauer nicht verlassen – denn sie droht ja gerade zu erodieren.

          Meiner Erinnerung nach die einzige Erwähnung von „pulse of europe“.

          Hat Hitler heute Namenstag, habe ich was verpasst? (weil Sie schon der zweite sind, der kundtut, was Hitler wollte) Neu wäre mir auch, daß z.B. die Bürger in Ungarn schlimme Erfahrungen mit europäischen Institutionen machten und deswegen Demokratie und Menschenrechte abwählen.

          • Zivilgesellschaft ist auch so ein Propagandabegriff aus der Gruppe der wertenden Begriffe ohne Inhalt, der benutzt werden kann, um Rezipienten das Denken abzugewöhnen. Was unter Zivilgesellschaft subsumiert wird, ist lieb. Alles andere böse. Warum die einen zu der einen Gruppe gehören und die anderen nicht, muß man hierbei nicht begründen. Die Zivilgesellschaft kann auch aus terroristischen Islamisten und Faschisten bestehen. Ist schon passiert. Auf der anderen Seite gibt es unter Türken, Rußlanddeutschen, Sachsen angeblich keine sogenannte Zivilgesellschaft. Natürlich zählen der öffentlich-rechtliche Rundfunk zur Zivilgesellschaft, obwohl die Talkshows und Dieter Nuhrs Veranstaltungen stellenweise an Volksverhetzung grenzen, wenn sie auf Teile auf der der Zivilgesellschaft gegenüberliegenden Seite Bezug nehmen, auf Russen, oder Moslems zum Beispiel.

            • Laut Duden ist die Zivilgesellschaft eine „Gesellschaftsform, die durch selbstständige, politisch und sozial engagierte Bürger[innen] geprägt ist„.
              Laut Wikipedia: „Allgemein wird unter dem Begriff meist der Teil der Gesellschaft verstanden, der nicht durch den Staat und seine Organe (Behörden, Verwaltungen) gesteuert und organisiert wird. Nicht selten wird „Zivilgesellschaft“ auch bedeutungsgleich mit Gesellschaft verwendet.

              Ihre Diagnose – „Zivilgesellschaft ist auch so ein Propagandabegriff aus der Gruppe der wertenden Begriffe ohne Inhalt, der benutzt werden kann, um Rezipienten das Denken abzugewöhnen. … Auf der anderen Seite gibt es unter Türken, Rußlanddeutschen, Sachsen angeblich keine sogenannte Zivilgesellschaft.“ – ist Unsinn.
              Erneut: bitte sortieren Sie Ihre Gedanken, bevor Sie hier kommentieren.

  3. Hm, wird man nicht abgemahnt, wenn man die Zeit verlinkt? Es wundert mich ja, sowas ausgerechnet in der Zeit zu lesen (die ja auch seit 20 Jahren mehr Propaganda für Neocons und Neolibs bestreitet). In einem irrt der Autor allerdings gewaltig. Sarrazin hat schon recht, nur hängt es eben nicht von der Hautfarbe oder der Nation ab, was schief läuft. Die Arschlöcher haben die Kinder gemacht und diese verändern nun die Welt zu ihren Wünschen. Man sieht es nicht nur in der Politik, sondern vor allem in den Firmen und Vereinen. Da hat man ohne Gewalt keine Möglichkeit mehr. Dominanz ist einer der wichtigsten Antriebsfaktoren dabei, als wenn es die letzten paar tausend Jahre Kulturgeschichte nie gegeben hätte. Es ist wie vor dem zweiten Weltkrieg. Alle verlangen danach. In Dresden spürt man das vielleicht etwas mehr, als in Berlin. Ein soziales oder solidarisches Miteinander wollen die Leute gar nicht und das Maschinenwissen verschafft ihnen kein neues Smartphone. Bzgl. sozialer Medien kann man nur den Lanier pullen: Sofort raus da (http://www.deutschlandfunkkultur.de/ein-besuch-bei-jaron-lanier-verlasst-die-sozialen-netzwerke.1264.de.html?dram:article_id=419342)! Diese haben keinerlei soziale oder solidarische Ansätze, sondern sorgen für eine Gleichschaltung der Gehirne, wie sie Hitler immer wollte. Das Smartphone ist dabei das optimale Hilfsmittel (man stelle sich vor, Mielkes Stasitruppe hätte Beides erfunden, dann wäre die Wiedervereinigung wohl anders ausgegangen) . Auch für das Internet gilt die Festivalregel: Wo sich Abertausende Menschen tummeln, verwandelt sich selbst die schönste Idylle in eine tiefbraune Kloake!
    Ein weiterer Irrtum des Autors: „Hingegen halte ich es für eine ziemlich belastbare These, dass verächtliche und feindselige Denkmuster deshalb erstarken und zunehmend auch auf traditionell linke Milieus übergreifen, weil die neoliberale Gesellschaftserzählung als „alternativlos“ verinnerlicht worden ist.“ Nein, wie jeder, der in Deutschland lebt und Augen und Ohren offen hält, gibt es kaum „Linke“, aber viele die sich dafür halten. Sie praktizieren halt das Geißlersche Modell: Links blinken, rechts fahren. Im schönsten Fall: Schauspielerisch, im Schlechtesten:
    Heuchlerisch. Das hängt damit zusammen, was halt gerade angesagt ist und was man für den nächsten Karrieresprung so braucht. Von der Erziehung her sind sie mehrheitlich (wie in den meisten Ländern der Erde) konservativ bis rechtsnational geimpft. „Was? Die Kinder der Leute, die 1990 die Asylantenheime abgefackelt haben, tun das heute auch? Damit konnte doch wohl keiner rechnen! Das sind doch bestimmt nur bedauerliche Einzelschicksale.“ „Nein? Was? Doch! Oaaah!“ Trotzdem sollte man auch nichts beschönigen. Diejenigen die es hierhin schaffen, sind oft die eher Reicheren (für dortige Verhältnisse) oder die ganz armen Schweine, die sich irgendwie durchmogeln konnten. Das viele auch aus Bürgerkriegsgebieten kommen, macht die Lage sicher nicht besser. D. h. der Arschlochanteil dürfte in etwa mindestens der einheimischen Bevölkerung entsprechen. Wie man damit umgeht, ist allerdings eher die Frage. Da aber Deutsche mehrheitlich Druck, Repression, Komplettsanktion, Entzug, Drangsal, Vorschriften und die eigene Dominanz und Arroganz als besonders wertvoll einschätzen, kann man schon erahnen, wo die Reise in etwa hingehen wird, gerade auch gesellschaftlich. Luxus darf es schließlich nur für einen selbst geben, sonst ist es ja keiner mehr und womit (oder wodurch) will man sich dann sonst definieren? Ach ja, nee is‘ klar, durch Arbeit (natürlich)…..

    • Hm, wird man nicht abgemahnt, wenn man die Zeit verlinkt? Es wundert mich ja, sowas ausgerechnet in der Zeit zu lesen (die ja auch seit 20 Jahren mehr Propaganda für Neocons und Neolibs bestreitet).

      Nein, wird man nicht, ich verlinke/zitiere Die Zeit oft und gern. Die Zeit-On-Red hätte zu einer Abmahnung einen kurzen und direkten Weg, denn ich habe einige Jahre dort kommentiert. Die Zeit als Agitprop-Organ von Neocons und Neolibs zu schubladieren, ist auch ein bißchen kurz gesprungen. Zweifellos gibt es die Bittners und Joffes, aber eben auch und nur zum Beispiel Mely Kiyak und den Freitext, der sich immer lohnt. Wobei ich Die Zeit auch schon mal journalistisch wesentlich anspruchsvoller fand, aber das wäre wieder ein anderes Thema.

      Sarrazin hat schon recht, nur hängt es eben nicht von der Hautfarbe oder der Nation ab, was schief läuft. Die Arschlöcher haben die Kinder gemacht und diese verändern nun die Welt zu ihren Wünschen.

      Nein, hat Sarrazin nicht. Es war übrigens der saubere Herr Sarrazin, der, von SPD und Linken ungestört, auch die Berliner Kinderbetreuung zersparte und ich sehe ihn förmlich mit seiner Ursula am Frühstückstisch sitzen, Knäckebrot mümmeln und die Sparpläne kritzeln, die Berlin bis auf weiteres so überaus teuer zu stehen kommen. Frau Ursula war bekanntlich Lehrerin und profilierte sich mit rassistischen Ausgrenzungen, körperlicher Gewalt und auch sonst mit schwarzer Pädagogik, für die man dann in der Tat nur noch 2 Erzieher für 16 Kinder benötigt.

      Man sieht es nicht nur in der Politik, sondern vor allem in den Firmen und Vereinen. Da hat man ohne Gewalt keine Möglichkeit mehr.

      Hm, bestimmt. Deswegen weist ja auch die Kriminalstatistik weniger Kriminalität als in den letzten 20 Jahren aus und wir leben in der längsten Friedenszeit ever. Deswegen gibt es zahllose Vereine zur Organisation zivilgesellschaftlicher Ehrenämter, die sich ausdrücklich gegen Gewalt einsetzen, von Sportverein über interkulturelles/-religiöses Engagement bis zur Flüchtlingshilfe usw.usw. Könnte es sein, daß Sie nach Legitimierung für Gewalt suchen?

      Auch für das Internet gilt die Festivalregel: Wo sich Abertausende Menschen tummeln, verwandelt sich selbst die schönste Idylle in eine tiefbraune Kloake!

      Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, daß auch das hier Internet ist? Sie mögen Menschen generell nicht so, oder? Bad news, aktuell gibt es etwa 7,6 Milliarden.

      Nein, wie jeder, der in Deutschland lebt und Augen und Ohren offen hält, gibt es kaum „Linke“, aber viele die sich dafür halten.

      Ichsachsmaso: die Spaltung der Gesellschaft wird sichtbarer und es platzen ein paar Illusionen, gerade im Zusammenhang mit den Geflüchteten, mit dem Blick auf die eigenen Konsumgewohnheiten und über den europäischen Luxus-Tellerrand hinaus. Wer ist der Bestimmer, wer ein Linker ist und vor allem, wer das nicht ist? Sie? Jede/r scheitert, so gut er/sie kann, nein? <-Das ist der Hintergrund für den dämlichsten Spruch überhaupt: Wer mit 20 Jahren nicht links ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn. Ebmeyer hat aus meiner Sicht völlig recht, wenn er die angebliche Alternativlosigkeit des Neoliberalismus als einen der Gründe für die Drift von links nach rechts beschreibt. Aber: etwas, das jede/r selbst gestalten kann, ist das eigene Denken. Von links nach rechts zu driften, ist eine Entscheidung, kein Schicksal.

      Das viele auch aus Bürgerkriegsgebieten kommen, macht die Lage sicher nicht besser. D. h. der Arschlochanteil dürfte in etwa mindestens der einheimischen Bevölkerung entsprechen. Wie man damit umgeht, ist allerdings eher die Frage.

      Ja, das ist in der Tat die Frage. Viele Geflüchtete wurden im Herkunftsland und/oder auf der Flucht traumatisiert. Auch, weil ich mich selbst mit einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung amüsiere, möchte ich Sie höflich bitten, psychisch Gestörte hier nie wieder als „Arschlochanteil“ zu etikettieren. Traumata und andere psychische Störungen sind behandelbar und zwar the sooner, the better.

      Es gibt eine Menge zu tun. Ihre Katastrophitis und Ihr Immerschlimmerismus scheinen mir dazu keinen Beitrag zu liefern. Das wirkt auf mich wie eine religionslose Version von ‚Das Ende ist nahe‘ und wie eine geradezu strahlende Hoffnungslosigkeit. Nix für ungut.

      • Das Internet ist auch keine tiefbraune Kloake. Ich denke, an dem Haß, über den sich die Qualitätsmedien beschweren, sind sie selbst schuld. So systematisch, wie in der Zeit, bei öffentlich-rechtlichen Medien, bei Bild sowieso, der Haß aufgebaut wird, der Haß gegen Arbeitslose, Griechen, Moslems, findet man ihn nur selten im Internet. Höchstens auf antideutschen Seiten, auf PI-News.net, das eben nicht das „Internet“ repräsentiert, denn Du kannst ja dort woanders verweilen. Und wenn das Männeken bei der Zeit sich über seine Bekannten beschwert, weil die nach rechts driften, dann dürfte das wohl eher am Konsum traditioneller Qualitätsmedien liegen.

        Wobei ich Facebook nicht kenne, weil ich da keinen Account habe.

        • Ich denke, an dem Haß, über den sich die Qualitätsmedien beschweren, sind sie selbst schuld. So systematisch, wie in der Zeit, bei öffentlich-rechtlichen Medien, bei Bild sowieso, der Haß aufgebaut wird, der Haß gegen Arbeitslose, Griechen, Moslems, findet man ihn nur selten im Internet. Höchstens auf antideutschen Seiten, auf PI-News.net …

          Jane, ist klar @neumondschein, Zeit=Bild=Bahamas=PI-News.

          Und wenn das Männeken bei der Zeit sich über seine Bekannten beschwert, weil die nach rechts driften, dann dürfte das wohl eher am Konsum traditioneller Qualitätsmedien liegen.

          Hm, bestimmt. Es liegt wahrscheinlich auch am Konsum traditioneller Qualitätsmedien, daß ich Sie höflich bitten möchte, Ihre Gedanken zu sortieren. Bevor Sie erneut einen meiner Blogs kommentieren.

          • Nunja, so abwegig ist das nicht. Wirbt WELT nicht andauernd Journalisten von der taz ab? Offenbar haben Sylke Burmester und Deniz Yücel keine Skrupel, für Springer zu arbeiten. Doch, Skrupel vielleicht schon, weil Springer ein bißchen unanständig ist. Über wirklich wesentliche weltanschaulichen Differenzen habe ich die betreffenden Journalisten aber nie klagen gehört. Nur die Skrupel wegen der Unanständigkeit, bei Springer zu arbeiten, machen ein bißchen zu schaffen. Und von woher beziehen die Hadmut Danisch, Don Alphonso, David Berger ihre Argumente? Nicht von RTdeutsch, KenJebsen oder Sputnik! Sondern von FOCUS und WELT; hauptsächlich! Und dann gibt es da noch JungleWorld. Was wäre der Haß gegen Moslems ohne diese Zeitung! Den gäbe es doch überhaupt nicht! Selbst knallrechte Demagogen wie dieser Nikolai Alexander von Reconquista Germanica distanzieren sich von dieser Moslemhasserei! So rassistisch sind also nicht einmal wirkliche leibhaftige Nazis! Diese Moslemhasserei ist nahezu ausschließe Angelegenheit von Liberalen und Linken, der sogenannten Zivilgesellschaft also, die alles richten soll, also genau das, was sich bei der AfD zusammenrottet. In dieser Moslemhasserei offenbart sich das Wesen dieser Linken und Liberalen, ihr narzißtischer autoritärer Paternalismus, ihre bedingungslose Apologetik der Macht, mit allem, was das dazugehört: als da wären: Krieg, Vertreibung, Kolonialismus (Fluchtursachen! zu erfragen bei Sahra Wagenknecht, dieser Nazilinken), Entrechtung von Arbeitslosen (Hartz4). …

            • Hallo neumondschein,
              Ihre Emailadresse funktioniert nicht. Deswegen das folgende öffentlich:

              In Wirklichkeit ist alles noch viel schlimmer: Yücel, Burmester, Berger, Danisch, Meyer haben als Kinder Milch getrunken!

              Ihre Kommentare wandern bis auf weiteres in die Mod-Warteschleife. Wenn ich den Eindruck gewinne, sie beziehen sich aufs Blogthema, enthalten nachvollziehbare Gedanken und einen interessanten Punkt für die Diskussion, kommen mit einem Hitlervergleich/Tag aus, sind halbwegs sachlich und freundlich, wenn das nicht geht, wenigstens höflich – dann schalte ich sie frei.

    • Mielke und Smartphones? Smartphones und Internet drüben im Osten? Wo die Leute gewöhnlich nicht einmal ein eigenes stationäres Telephon bekommen konnten? Und wo jede Maschine, die kopieren und drucken konnte, von einem Haufen Sicherheitspersonal umzingelt wurde? Absurd!

  4. Nachdem Jochen Bittner auf Twitter den „großen Zivilisationsbruch“ der Shoa mit dem „kleinen Zivilisationsbruch“ des allgemeinen Amüsements über den bestohlenen Gauland herabwürdigte und dafür reichlich Kritik einstecken mußte, legt er heute gleich noch mal nach: AfD-Kritik auf AfD-Niveau

    Derselbe Nivea-Experte Bittner, „der vor einigen Monaten deutschen Feministinnen vorwarf, nicht ausreichend über den Iran zu twittern und jetzt selbst zu Gaulands Vogelschiss schwieg, aber zu seiner Badehose moralisiert.

    • Abgesehen davon, daß Gauland die Ideale seiner Elterngeneration aufwärmt, die seinerzeit noch komplett mehrheitsfähig waren und immer aussieht, als ob er peu au peu den Kleiderschrank seines Vaters aufträgt, scheint es in Potsdam bisher nicht weit herzusein mit den ausländischen Schwerverbrechern und der Islamisierung durch die Geflüchteten, sonst würde er nicht abends alleine plantschen gehen und seine Sachen unbeaufsichtigt lassen.

      Den Spaß mit den Klamotten hätte ich mir aber auch nicht entgehen lassen, allerdings hätte ich die dem ins Wasser geschmissen und ein Photo von gemacht, wenn er wie ein begossener Pudel zu seiner durch staatliche Transferleistungen bezahlte/gemietete (?!?) Hütte sappt bzw. suppt. (Der hat nie was anderes gemacht als direkt oder indirekt für den Staat zu arbeiten, nur mal so am Rande.)

      • Speziell bei Politikern, die berufsmäßig Haß gegen Arme, Behinderte, Geflüchtete schüren, sollte man das viel öfter betonen: sie leben auch nur von Transfergeld und das – im Gegensatz zu den Vorgenannten – nicht schlecht.

        Zu Herrn Gauland fiel mir gerade eine Geschichte aus den späten 80ern/frühen 90ern im schönen Hessen wieder ein: Gauland ist nicht nur ein meineidiger Lügner, sondern auch (im Verein mit dem damaligen Ministerpräsidenten Wallmann (CDU)) Intrigant mit Stasimethodik. Als er sich schon damals bemühte, einen Nazi in ein einflußreiches Amt zu hieven. Also starring und sich nicht mit Ruhm bekleckering: CDU und Kirchen.

        Der Nazi wurde übrigens nach Thüringen entsorgt, mit Bundesverdienstkreuzen behängt und war bis 2004 persönlicher Berater von Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU).

  5. Heribert Prantl, Süddeutsche: Europa macht für Flüchtlinge dicht

    Die Zeit des Flüchtlingsschutzes in Europa geht zu Ende. Siebzig Jahre nach Beginn der Arbeiten am Grundgesetz, 69 Jahre nach der Verkündung des Asylgrundrechts und 67 Jahre nach Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention ist das Bewusstsein für den Wert von Asyl und Flüchtlingsschutz verschwunden. Es ist vom Gewicht der Zahlen und der Angst vor den populistischen Extremisten erdrückt worden. Es gibt keine Regierung in Europa mehr, die das Asylrecht offensiv verteidigt. … Die Rigorosität, mit der Kanzlerin Angela Merkel soeben im Bundestag das Ende jeglichen Abschiebestopps nach Afghanistan erklärte, ist ein Exempel. Die sogenannte Willkommenskultur vom Herbst 2015 soll vergessen gemacht werden.

    Deutschland übernimmt die Führungsrolle bei der Durchsetzung dieser Zurückweisungspolitik, so wie es einst die Führungsrolle bei der Entwicklung der Dublin-Regeln übernommen hatte. Dem dient das Tamtam, das die CSU derzeit veranstaltet. Die Großlager in Grenznähe, die beschönigend Ankerzentren heißen, was ausgeschrieben Zentren für „Ankunft, Entscheidung und Rückführung“ heißt, sollen die Orte für die Realisierung des Zurückweisungsprojekts sein. …

    Das alles bedeutet: Das Asyl wird ausgelagert; die neue EU-Asylpolitik ist eine Outsourcing-Politik. Die EU zahlt dafür, dass das Asyl dorthin kommt, wo der Flüchtling herkommt. Mit der Flüchtlingskonvention, dem „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“, ist das unvereinbar, weil ihre Rechtsstellung gar nicht mehr geprüft wird. Es wird nur noch geprüft, ob man sie irgendwo anders hin, außerhalb Europas, expedieren kann.

    Der Status des Flüchtlings wird so sein, wie er war, bevor nach dem Zweiten Weltkrieg der Flüchtlingsschutz begann: ungeschützt. Vielen Europäern ist das egal. Aber: Ihrer Sicherheit dient das nicht. So wird Zorn gegen den Westen in den Ländern gesät, die dann noch mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen; und das Geld, das dafür fließt, wird nicht bei den Leuten ankommen, denen es dort elend geht.

  6. Zum Thema Talkshows: Der Dramaturg und Autor Björn Bicker beispielsweise schrieb schon im Vorfeld der letzten Maischbergersendung, die „Faulheit und Gedankenlosigkeit der Redaktionen“ bereite den Weg für Gewalt: „Genau so werden Übergriffe, Gewalttaten, Pogrome, gegen Menschen, Minderheiten, vorbereitet, geschürt und auf den Weg gebracht. Das kennen wir doch. So funktioniert es immer. Wir brauchen bei diesen Talkshows einen Break. Ein Innehalten.“

    Plasberg und Co. ist es mit Blick auf die Quote aber völlig egal, ob ihr rassistischer Diskurs das gesellschaftliche Klima in Deutschland weiter aufheizt.

    Die autonome a.f.r.i.k.a -Gruppe hat bereits 1994 ein Buch (Dokumentation) herausgegeben mit dem Titel „Medienrandale“. Tenor: Journalisten werfen keine Brandsätze, sie formulieren sie.

    • Ein bißchen lustig, daß der Talk-Show-Vorwärmer „Unterwerfung“ gar keine „Islamkritik“ enthält, sondern opportunistisches und misogynes Universitätspersonal. Edgar Selge ist groß.

      Keine Ahnung, ob/was der Kulturrat zu entscheiden hat – WAZ: Kulturrat kritisiert TV-Talkshows und fordert Zwangspause:

      Nun meldete sich der Deutsche Kulturrat mit einer drastischen Forderung. Er bezieht sich dabei auch auf die Sendung von Sandra Maischberger am Mittwochabend in der ARD, in der es um das Thema „Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz?“ ging.

      „Mehr als 100 Talkshows im Ersten und im ZDF haben uns seit 2015 über die Themen Flüchtlinge und Islam informiert und dabei geholfen, die AfD bundestagsfähig zu machen“, kritisierte am Donnerstag der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann. Die Spaltung der Gesellschaft hat seit 2015 deutlich zugenommen.“

      Zimmermann weiter: „Gestern Abend wurde in der Talkrunde im Ersten allen Ernstes schwerpunktmäßig über das Händeschütteln als einen vermeintlichen Ausdruck deutscher Kultur debattiert. Ich finde die Talkshows im Ersten und im ZDF sollten sich eine einjährige Auszeit nehmen und ihre Konzeptionen überarbeiten.“ Vielleicht werde die talkshowfreie Zeit der Integration in unserem Land nützlich sein, so Zimmermann.

  7. Pingback: Aufgelesen und kommentiert 2018-06-07 – "Aufgelesen und kommentiert"

  8. Da die brütenden Vögel in der Werra-Aue bei Themar beim Landgericht Meiningen keine Lobby haben, hoffe ich, daß heut abend um 7 der evangelische Gott die Gebete erhört: „“Wir wollen es bewusst nicht bei einem Friedensgebet belassen“, sagt Thomas Jakob. „Für den Demonstrationszug haben wir 193 Holzkreuze anfertigen lassen als Zeichen für die 193 Opfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland seit der Wende.“ ( https://www.insuedthueringen.de/region/hildburghausen/Das-sind-keine-netten-Jungs-von-nebenan-das-sind-Nazis;art83436,6157203 , http://www.buendnis-kloster-vessra.de/veranstaltungen/9/1974433/2018/06/08/tage-der-weltoffenheit.html ) und es schütten läßt, was nur geht, damit die Faschos schlicht und einfach absaufen!
    Die kleinen gefiederten Krachmacher haben ihre Nester bestimmt eh höher gebaut…
    Ist übrigens dieses Mal der „Tag der nationalen Begegnung“ von der NPD organisiert, also wer jetzt noch an kleine fehlgeleitete Jungs denkt, die nur spielen wollen, sollte spätestens jetzt aufwachen.

    Laut der I-Net-Seite eines Adolf-Schnitzelbräters und Klamottenhändlers aus dem Nachbardorf waren die erhobenen Arme letztes Jahr kein „römischer Gruß“, da ja beide Arme hochgerissen wurden. Waren auch paar mit gespreizten Fingern dabei („Kühnen-Gruß“), aber so miese Details interessier(t)en weder die letztjährige Einsatzleitung der Staatsgewalt als auch die Staatsanwaltschaft.
    Der/die bauen sich auch als Verteidiger des GG gegen die „linksversifften Gutmenschen“ auf und vermuten immer DDR-Methoden, wenn der Landrat hilflos versucht, sich seine Idylle hier zu schützen.
    Evtl. sollte dem findigen Unternehmer auch mal jemand von seinen Fascho-Kumpels stecken, daß das Weglassen von Selbstlauten („HKNKRZ“) eher eine Eigenart der hebräischen Schrift ist…
    (Seite nicht verlinkt, findet sich aber relativ einfach.)

    • Themar/Kloster Veßra ist zwar noch der gleiche Landkreis aber so heimattechnisch der Randbereich, d.h. ich kenn dort nicht mehr alle Schleichwege. Gestern abend konnt ich nicht zu der oben erwähnten Demo, weil längerfristig war der Abend schon anders verplant.
      Heut gegen 1 war ich dort, erstmal ne ellenlange und irgendwie auch unlogische Umleitung (so mit den weißen Schildern mit rotem Rand) um Themar/Kloster Veßra, wollte in Veßra spaßeshalber an der Faschokneipe vorbeifahren, sollte nicht sein und Lust auf nen Strafzettel und gefilzte Karre hatte ich auch nicht.
      Dort in der Stadt einige Faschos, zu Fuß und im Auto, denen in den Autos gings wohl wie mir@ Umleitungen, kurz vor dem Gelände waren auf der Bundesstraße ein paar Stände (drei Initiativen, die MLPD und die Grünen-Jugend, Futterstand). Bratwurst gegessen und nen Kaffee getrunken, mal kurz geplaudert, es hatte angefangen zu schiffen.
      Da ich meine Karre vorsorglich gestern nacht noch ausgeräumt und sowas ähnliches wie saubergemacht hatte zwecks der Kontrollen (wegen der Arbeit hatte ich da u.a. ein paar Stechbeitel, Zangen, Klöpfel, Zimmermannshammer und Nageleisen drinne, ob die Bullen noch die Handkreissäge und die Schienen dazu beanstandet hätten, wollt ich auch nicht rausfinden), hatte ich blöderweise keine langen Klamotten und Mütze dabei und zog halt wieder ab, da es sich weiter dick bewölkte und es hoffentlich dort noch wie hier grade wieder weiterschüttet. Auf ne fette Erkältung wegen den Scheiß Faschos hab ich halt auch keine Böller…
      Aufm Heimweg (andere Strecke, da kannte ich aber nen Schleichweg) dann doch nochmal ohne Sperre an der Faschokneipe vorbeigefahren, immerhin haben die Bullen wenigstens die Faschos dorfeinwärts gefilzt, dort war halt laute Scheißmusik und die wahren Vaterlandsverderber…

      Laut Thüringenjournal aufm mdr warens bis 19:00 ca. 1700 Faschos und 1000 Gewaltmonopolisten.
      Bei der Gegenveranstaltung, hm, geschätzt unter 300 Leute.

      • Die mdr-Schwerpunktseite: https://www.mdr.de/thueringen/rechtsrock-themar-104.html

        Verstöße gegen die Auflagen zuhauf, ein Journalist hat paar auf die Fresse gekriegt, weil er Photos machen wollte, die „Ordner“ waren blind und taub und in dem Fall der gespielten indizierten Lieder der braunen Kapellen wurde der eine Sänger hinausbegleitet; toll!
        Müssen aber genug Zivi-Bullen/V-Leute die Veranstaltung mit Staatsknete unterstützt haben, ich wüsste jetzt auf Anhieb nicht, welche musikalische Verbrechen auch noch den Rahmen der grundgesetzlich untermauerten Meinungsfreiheit sprengen.

        Ich hatte seinerzeit (vor ca. zwei Dekaden) aufm Trabi einen Deutschland-D-mit-nem-Sensenmann Aufkleber, so als Anspielung erstmal auf das:

        Und ich als Lyrik-Nichtaffiner hab mir dann sogar mal ein Buch von Paul Celan in der Bibliothek ausgeliehen mit dem zitierten Gedicht:
        „Paul Celan – Todesfuge

        Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
        wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
        wir trinken und trinken
        wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
        Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
        der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
        er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
        er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
        er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

        Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
        wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
        wir trinken und trinken
        Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
        der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
        Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

        Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
        er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
        stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

        Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
        wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
        wir trinken und trinken
        ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
        dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
        Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
        er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
        dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

        Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
        wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
        wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
        der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
        er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
        ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
        er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
        er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

        dein goldenes Haar Margarete
        dein aschenes Haar Sulamith“

        (Quelle: https://www.celan-projekt.de/todesfuge-deutsch.html )

        Heutzutage würde ich mit so nem Aufkleber wohl Beifall von der falschen Seite kriegen…

        (Den Trabi, mal am Rande, gibts noch, der rostet in der Scheune vor sich hin bis ich mal nen nen ganz großen Rappel kriege und den wieder aufbaue.)

          • Durch Kulturjournale in der Glotze und da ich ned ganz als Kulturbanause sterben will Feuilletonleser, wußt ich des, aber ja, nie gelesen (bis jetzt die Auszüge). Auf die Gefahr hin, daß es misogyn (miß)verstanden werden kann; die Ingeborg hats verkackt?!?
            So ein melancholisches Dahinschmachten (ich aktuell nicht) ist aber weitaus besser als hier im Landkreis so 90er reloaded genauer hinzugucken, was irgendwelche Kurzhaarige/Scheitelträger für T-Shirt- und Autoaufkleberaufdrucke haben…

          • Hat sich ja zum fast 25-jährigen Todestag das Skrewdriver-Logo auf der Platte nachstechen lassen.
            (Wikipedia fragen, da gibts genug zu den, äh, Musikern, der Typ auf dem Bild ist auch kein eigentlich harmloser schwerstens tätowierter Inselbewohner, dem keiner gesagt hat, was die BPJM nicht mehr lustig findet.)

            Und den Typ mit Brille und Hut hab ich die Woche früh in der Kreisstadt gesehen, genauso wie ne Milchbartfresse mit nem „Sturm auf Themar“-Shirt, jetzt muß mensch auch noch auf Karl-May-Fans achten *kopfschüttel*…

    • Von der nichtverlinkten Seite nicht wörtlich zitiert:
      Es wird u.a. Fortsetzungsfeststellungsklage (https://de.wikipedia.org/wiki/Fortsetzungsfeststellungsklage) eingereicht; die Faschos, die ja allgemein für mehr Durchsetzung für Recht und Ordnung sind, fühlen sich durch die Kontrollen der Gewaltmonopolisten ungerecht behandelt und daß der Typ (unten auf dem tweet-Bild) die Veranstaltung in Begleitung verlassen mußte, ist wohl böse, weil der seinen Redebeitrag nicht leisten durfte…

  9. Wegen dem abgesagten Vorbereitungs/Testspiel Israel vs. Argentinien:
    http://www.taz.de/Abgesagtes-Vor-WM-Spiel-in-Israel/!5511491/
    „Eine Umfrage von „Channel 10“ zeigt, dass 61 Prozent der Befragten die Entscheidung, das Spiel in Jerusalem stattfinden zu lassen, für einen Fehler halten.“
    Sollte erst in Haifa stattfinden. Natürlich ist auch Sport und der weltweit populärste namens Fußball politisch und alles was irgendwie in Israel/Palästina läuft sowieso und natürlich ist Sport, in dem Falle Fußball, auch Kultur, auch wenn das viele aus dem Theatergänger-Bildungsbürgertum wohl anders sehen.
    Nur sollte Kultur eben integrativ sein und quasi seinen Teil zur Verständigung der Völker beitragen, was aber durch eine Fehlbesetzung des obersten Kulturamtes in Israel mit einer Scharfmacherin eher nicht erreicht wird:
    „Laut Netanjahu war auf Druck von Kultur- und Sportministerin Miri Regev im Mai für die Verlegung ins Teddy-Stadion im jüdischen Westjerusalem entschieden worden. Regev steht rechts-außen im Likud und gilt in weiten Kreisen als radikale Kulturbanausin.“
    „„Entweder in Jerusalem oder gar nicht“, kündigte Kulturministerin Regev forsch an, den Eurovision Song Contest nächstes Jahr in der „ewig ungeteilten Hauptstadt“ auszurichten.“
    Um nicht den ganzen Artikel zu zitieren; wie erklärt der quasi repatriierte Opa seinen Enkeln nun, warum die ihr Idol (Lionel Messi, sollte auch der*dem fußballablehnenden Theatergänger-Bildungsbürger*in ein Begriff sein *grins*) nicht mal live übern Rasen flitzen und Tore schießen sehen können?!?
    Gewonnen hätte eh Argentinien, also das Fußballspiel, verloren haben jetzt alle wegen einer trumpesken Tussi!!!

    • Dazu noch ein taz-Kommentar und mein Kommentar zu dem oben zitierten Artikel:
      http://www.taz.de/Kommentar-Abgesagtes-Vor-WM-Spiel/!5511032/
      Hugo: „@ taz-Redaktion; den Artikel hier von Susanne Knaul (als Auslandskorrespondentin Israel) habe ich woanders zitiert und meinen Senf dazugegeben, jetzt lese ich noch den Kommentar vom Mittwoch von Martin Krauss, der, obwohl früher, eine komplett andere Sichtweise hat. Daß es da keine EINE richtige Wahrheit gibt, ist klar, nur solltet Ihr sowas zumindest etwas besser miteinander verknüpfen, mensch ist nicht zwingend den ganzen und jeden Tag am Rechner und meine Info aus den Nachrichten in der Glotze waren bis heut früh, daß das Testspiel wegen Sicherheitsbedenklen abgesagt wurde.
      Mensch liest sich auch nicht zwingend alle Artikel/Kommentare in einem Zeitungs/-schriftsinternetauftritt eines Mediums zu ner Nachricht durch, guckt noch bei FR/ZEIT/SPIEGEL/wasweißich. Weil mensch hat halt auch noch was anderes zu tun ;) .“

  10. Leo Fischer, nd – Hosen

    Offenkundig geht bei Bittner und Poschardt die Angst um, schon bald selbst ohne Hosen dazustehen, denn beide wissen auf mindestens halbintuitiver Ebene, dass sie sich den Positionen Gaulands künftig eher noch weiter anähneln werden müssen, sollen ihre Formate wirtschaftlich überleben. Bittner verteidigt in Kolumnen schon mal »Tichys Einblick«, ein rechtskonservatives Independent-Projekt, das mit Gruselgeschichten über Flüchtlinge inzwischen besser verdient als viele Traditionszeitungen – diese Tür will man sich gern offenhalten. So schützt man schon heute die Positionen, die man morgen beziehen möchte.

    Lalon Sander, taz – Wenn die Würde baden geht

    Offenbar fühlen sich manche weiße Männer eher von dem angeblichen Unrecht betroffen, das mächtigen weißen Männern geschieht, und weniger von dem, das von weißen Männern ausgeht. Das ist eine identitäre Positionierung. Kann man so machen, aber würdevoll ist das nicht.

    UPDATE 07.06., 19:30 UHR: Auf Wunsch des Zeit-Autoren Jochen Bittner ist eine Stelle im Text präzisiert. In einer früheren Version hieß es, Bittner habe zu Gaulands „Vogelschiss“-Äußerung geschwiegen. Bittner legt Wert darauf, dass er dazu einen Retweet gepostet habe. Diesem fügte Bittner keine eigene Kommentierung hinzu, sagte aber nachträglich, ihn treffend zu finden. Zu der Frage des Badehosenfotos formulierte er mehrere eigene Tweets. Der Artikel gibt den Stand von Bittners Profil am Mittwochmorgen wider.

    Carolin Emcke, Süddeutsche – Nicht objektiv, sondern verantwortungslos

    Vielleicht muss noch einmal erläutert werden, dass journalistisches Arbeiten tatsächlich aus Arbeit besteht. … Es ist verwunderlich, wie fahrlässig manche TV-Redaktion sich selbst delegitimiert, indem sie so tut, als gäbe es das gar nicht: redaktionelle Arbeit.

    Das Mantra vom „Wir versuchen nur darzustellen, was ist“ zeugt keineswegs von selbstkritischer Objektivität, sondern von selbsthypnotischer Verantwortungslosigkeit.

    Als Journalistinnen und Journalisten wählen wir aus, wir schenken den einen Aufmerksamkeit und den anderen nicht, wir erzeugen oder korrigieren Asymmetrien der Sichtbarkeit, wir bilden nicht einfach ab, wir entscheiden mit darüber, was als Abbild, was als typisch gilt und was nicht, wir erzeugen absichtlich oder unabsichtlich Verknüpfungen von Kollektiven mit Eigenschaften.

    Die Verwahrlosung des politischen Diskurses, die beklagt wird, ist auch Symptom jener Gesprächssendungen, die an vernünftigem Dissens oder konstruktiver Verständigung schon lange nicht mehr interessiert sind.

    Mely Kiyak, Gorkikolumne – Ähhm, ääh, lächellächel, hüstel

    Sie scheinen nicht einmal darüber nachzudenken, die Polittalk-Langzeitfunktionäre Plasberg, Will, Illner, die Phoenix-Runde oder Maischberger. Apropos, bei der saßen Frauke Petry und deren Kollegen viele Male, um über sich selbst Auskunft zu geben. „Sind Sie Rassisten?“, wurde Petry von Maischberger bereits 2016 gefragt. Ähhm, ääh, lächellächel, hüstel, nein, das sind wir nicht, räusper, qietschfidel und pudelwohl grinsgrins. Mit dieser Strategie hat sich die AfD in den Bundestag gegrinst und gehüstelt, immer mit Hilfe der öffentlich-rechtlichen Talkshows, in denen nahezu nie ein Gegenspieler auftrat, der jeder scheinheiligen Äußerung eines AfDlers ein paar gepfefferte Belegzitate vom Neonazi-Festival namens Kyffhäuser-Treffen hätte entgegen schleudern können.

    Wie nennt man das, wenn Plasberg, Maischberger und Co. bei der Rehabilitierung von völkischer Ideologie helfen, einfach in dem sie die Aussagen von Rechtsextremen gleichwertig neben die politischen Ansichten der demokratischen Parteien stellen? Betreutes Radikalisieren der politischen Mitte?

  11. Bei dem „netten“ Mann der ohne Handschellen abgeführt wurde, handelt es sich um Ken McLellan, seines Zeichens Gründungsmitglied und Sänger der „legendären“ RAC und White Power Band Brutal Attack, die an diesem Tage spielte.
    Brutal Attack wurden um die Jahreswende 1979/80 als Punkband gegründet und hatten schon damals nationalistische, patriotische und gegen Einwanderung gerichtete Songs.
    Ab 1982 tourten sie permanent mit den „Kings of Nazi Rock“, Screwdriver. Mit denen sie auch persönlich befreundet waren.
    Ab 1987 gehörten sie mit eben diesen Screwdriver zu den Gründungsmitgliedern des Neonazinetzwerk Blood& Honour.
    Mitte der 1980ziger wurden ihre Platten vom ehem. dt. Punklabel Rock-O-Rama, vom notorischen Herbert Egoldt veröffentlicht. ROR wurde ab 1985 rum zum weltweit größten Plattenvertrieb für Nazimucke. Einige Soloveröffentlichungen von McLellan wurden ab den 1990zigern vom Label des mitlerweilen ex(?)-Nazi Torsten Lemmer vertrieben.
    Lemmer dürfte für einige kein Unbekannter sein, da seine Medienpräsenz im Krawall TV in den 90zigern imens war und er auch Manager der in den 90zigern einflussreichsten dt. Naziband Störkraft u.a. war.
    Nach dem Unfalltot des Sängers von Screwdriver, Ian Stuart, und der daraus resultierenden Auflösung der Band Mitte der 1990ziger, avancierte Brutal Attack zur einflussreichsten, da dienstältesten, White Power Bands weltweit.
    Als alter Punk, wie ich es bin, weiss man das.
    Lesetip:“The White National Skinhead Movement: UK&USA, 1979-1993″. 2015

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