„Wiederherstellung der Normalität“, im Zirkelschluß

Götz Kubitschek in Cottbus am 24.2.2018 (Transkript eines Videos, das sich jeder selbst suchen kann):

Guten Tag, Cottbus. Ich freue mich sehr, das erste Mal in der Stadt und gleich darf ich eine Rede schwingen. Ich bin fasziniert davon, was hier passiert ist in den letzten Monaten, ich verfolge es ja seit ein zwei Jahren natürlich und in den letzten Monaten hat es hier den lange erarbeiteten und verdienten Aufschwung gegeben und jetzt werde ich das mit ein paar trockenen Worten zu begleiten versuchen. Ich bin mir sicher, wenn ich weg bin, geht es hier gut weiter in den nächsten Monaten und nach Dresden Cottbus, nach Cottbus Leipzig vielleicht irgendwann und nach Leipzig dann hoffentlich irgendwann Berlin.

Also, meine paar trockenen Worte, mir sind in den letzten Wochen und Monaten zwei Dinge aufgefallen. Zum einen höre ich mir zum ersten Mal, seit ich denken kann, die eine oder andere Rede eines Abgeordneten im Bundestag an und zum anderen ist mir alle Lust dazu vergangen, mich für meine politische Weltanschauung zu rechtfertigen. Egal vor wem, ich rechtfertige mich nicht mehr. Beides, beides hängt zusammen, das will ich mal erklären.

Seit die AfD mit über 90 Abgeordneten im deutschen Bundestag vertreten ist, gibt es wieder eine Opposition. Zuvor gab es diese Opposition nicht. Ich kann nicht sagen, wann sie aus dem Bundestag verschwand, aber es gab sie jedenfalls sehr sehr lange nicht mehr. Sie können das leicht daran erkennen, daß noch vor sechs Monaten Regierung und Opposition in den wesentlich Fragen völlig einer Meinung waren. Ja zu noch mehr EU, ja zu offenen Grenzen, ja zur Entmachtung des Staates, ja zu noch mehr Staatschulden, ja zur Aushöhlung der Bundeswehr und der Polizei, ja zur Zerstörung des Bildungssystems, ja zur Verteufelung der deutschen Geschichte, ja zur Beschimpfung des deutschen Volkes, ja zum miesen und fiesen Kampf gegen die AfD, gegen Pegida, gegen die Bürgerbündnisse, gegen überhaupt alles, was sich rechts der CDU zum Widerstand sammelte. Ja also zum Kampf gegen die einzige rechte Opposition, die wir im Land noch haben.

So, nun plötzlich: nein. Ein deutliches lautes Nein, mitten im Bundestag. Das Nein einer echten Opposition, die nicht zu verhindern war. Endlich ein Nein. Ein Nein, das immer wieder ein anderer am Rednerpult ausspricht, worauf neunzig andere Abgeordnete klatschen. Nicht zwanzig, nicht dreißig, sondern neunzig und das klingt nach etwas, das klingt ganz schön kräftig. Das ist vergleichbar mit dem, was Sie hier in Cottbus erleben. Es ist doch etwas anderes, ob man mit dreihundert Leuten oder mit ein paar tausend durch die Straßen zieht und sich hier auf dem Platz versammelt. Man schaut sich um und kriegt so ein gutes Gefühl dabei und woran liegt das? Das liegt daran, daß Sie sich neben den vielen hundert oder gar tausend anderen Demonstranten plötzlich sicher sein können: ich irre mich nicht. Ich irre mich nicht, ich bin längst nicht der einzige, der das so sieht und der aufstehen und Widerstand leisten will, gegen die falsche Politik, gegen die falschen Politiker, gegen die Aushöhlung unserer Rechtsordnung, gegen die Überfremdung unserer Heimat, gegen die Gefährdung unseres guten Lebens und unserer guten Zukunft.

Glauben Sie mir, dem AfD-Abgeordneten im Bundestag geht es damit nicht anders als Ihnen, er kann sich sozusagen in die Arme seiner neunzig Kollegen begeben, die die Sache im Grunde genauso sehen wie er. Er geht aus seiner Großfamilie heraus ans Rednerpult, spricht, sieht dabei frohe Gesichter, kommt nicht über sich selbst ins Grübeln, er kämpft, er jagt die Gegner, er geht zurück an seinen Platz, er kriegt Schulterklopfer, ist sicher, er hat alles richtig gemacht.

Und hier ist es heute genauso. Wenn wir nachher unseren Rundgang durch die Straßen machen, sollten Sie das zu allen sagen, die neben Ihnen und vor Ihnen und hinter Ihnen mitgehen: ‚Gut, daß Du dabei bist‘ oder ‚Jetzt, wo ich Dich sehe, bin ich mir sicher, ich mache alles richtig, Du machst alles richtig, es ist ganz und gar richtig, daß wir zwei heute hier demonstrieren‘. Klingt einfach, war vor fünf Jahren unvorstellbar, war vor drei Jahren unwahrscheinlich, ist in zwei Jahren Kinderkram. Warum? Weil dann in Sachsen, in Thüringen und in Brandenburg gewählt worden ist. Und wenn ich mich nicht täusche, gibt es dann eine neue Volkspartei, die AfD und eine ehemalige Volkspartei. Sie wissen, wen ich meine, hm?

Und dann gehen Sie als AfD-Wähler oder als mutiger Bürger durch Ihre schöne Stadt und sind das Normalste von der Welt. Sie treffen dann überall auf Gleichgesinnte, die sich nicht mehr verstecken müssen und dann sind wir in der Normalität angekommen. Das ist überhaupt das Stichwort: Normalität. Was wir heute tun, was die AfD in den Parlamenten tut, was Pegida seit Jahren macht: wir stellen Normalität her. Wir rücken die Dinge gerade. Wir haben bisher in einem Land gelebt, das mit jedem Jahr, mit jeder neuen Wahl, mit jeder Regierungsentscheidung immer noch verrückter geworden ist und zwar im Wortsinn verrückt. Weggerückt, weggerückt von dem, was normal ist, was Ihr und mein Leben ausmacht und das von zig Millionen anderen Deutschen auch. Arbeit, Fleiß, Wohlstand, Erziehung, Rechtssicherheit und vor allem das Bewußtsein, das hier ist unsere Heimat, das hier gehört uns und niemandem andern.

Mit einer Eselsgeduld haben wir alle die vielen politischen Experimente und Spinnereien mitgemacht, haben uns angepasst und den Verfall der Ordnung in allen Bereichen hingenommen. Man kommt ja doch sehr lange zurecht, sucht den Fehler bei sich, vor allem dann, wenn einem die politische Klasse immer und immer wieder sagt: ‚Sei nicht so hinterwäldlerisch, sei nicht so dunkeldeutsch, sei weltoffen, sei zufrieden und halt Dein Maul‘.

Ich bin mir sicher, diese Zeiten sind vorbei. Und daß sie vorbei sind, kann man an einer Sache ganz gut erkennen: wenn Sie wissen wollen, wer die Macht hat, wer am Drücker ist, müssen Sie darauf achten, wer Ihnen die Fragen stellen darf. Wer kann wen dazu zwingen, sich zu rechtfertigen, wer muß sich rechtfertigen, für das, was er denkt oder tut. Ich erwähnte ganz zu Anfang zwei Dinge, die mir aufgefallen seien, der erste Punkt, das waren die Parlamentsreden, die ich mir nun doch ganz gern mal anhöre derzeit, der zweite Punkt, ich rechtfertige mich nicht mehr für meine politische Einstellung und Handlung. Denn es ist nicht mehr notwendig. Und warum ist es nicht mehr notwendig? Ganz einfach, unser Land hat ein politisches Erdbeben erlebt. Sie sind Teil dieses Erdbebens und so ganz langsam sickert es durch die Köpfe der Alt-Parteien und der sogenannten Zivilgesellschaft, die Verschiebung des politischen Spektrums nach rechts, hin zu den Patrioten, hin zu Deutschland ist nicht mehr aufzuhalten.

13% im Bundestag, bald mindestens 25 oder 30% in Sachsen, in Thüringen und hier bei Ihnen in Brandenburg, das sind keine kurzlebigen Unmutsäußerungen mehr, das verschwindet nicht mehr so einfach. Das hat Substanz, das ist breit getragen von mindestens einem Drittel des Volkes, damit muß man jetzt leben und rechnen. Und was ist die Folge davon? Jetzt werden Fragen gestellt. Jetzt stellen wir die Fragen und wenn das linksliberale Establishment hofft, daß wir nun sehr versöhnlich sind und ihnen ihre furchtbaren politischen Fehler und ihren widerwärtigen Kampf gegen uns ganz schnell verzeihen, kann ich nur sagen: Irrtum, meine Damen und Herren. Jetzt stellen wir die Fragen, jetzt fragen wir danach, wer verantwortlich für das ist, was uns und unserer Heimat angetan wurde.

Wer trägt die Verantwortung für die Masseneinwanderung von Millionen, die hier nicht hergehören? Wer hat uns das zuerst als unsere moralische Pflicht verkauft, dann als wirtschaftliche Notwendigkeit, dann als unabwendbares Schicksal? Wer hat zuletzt behauptet, wir Deutschen hätten kaum ein größeres Anrecht auf unser Land als die Fremden? Wer trägt die Verantwortung für den islamistischen Terrorismus und die Volksfeste mit Betonklötzen? Wer trägt die Verantwortung für die Alltagskriminalität, für das Sozialschmarotzertum, für die organisierte Kriminalität, für die offene Feinderklärung mancher Migrantengruppen, für rechtsfreie Räume und die lasche Gerichtsbarkeit? Wer trägt die Verantwortung dafür, daß plötzlich unfaßbar viel Geld vorhanden ist, mit dem der Zorn und der Unmut zugekleistert werden sollen, Geld, das zuvor weder für unsere Schulen noch für unsere Rentner noch für unsere Polizei vorhanden war? Wer ist verantwortlich für die Aushöhlung der Rechtsordnung, für die widerwärtige Parteilichkeit der Staatssender, für die Verrohung der Sprache und für die offenen Rechtsbrüche gegen unsere Demonstrationen, unsere Wahlkampfstände, unsere demokratische Beteiligung an allem, was uns wichtig ist und was uns betrifft?

Die Antwort ist nicht schwer: Verantwortung tragen die politische Klasse und die Zivilgesellschaft, die mit einer unglaublichen volksfernen Arroganz unser Land und unser Vermögen unter sich aufgeteilt haben. Diese Leute sind der Gegner. Sie sind noch immer unfaßbar mächtig, aber sie hören den Rammbock an dem Tor, das sie schützt.

Mein Wunsch, mein Wunsch, meine Bitte, mein Vorschlag: rechtfertigen Sie sich nicht mehr. Stellen Sie selbst die Fragen, fordern Sie Antworten. Noch haben wir keine Macht, haben die Machtmittel nicht in den Händen, aber unsere ganze politische Anstrengung muß sich darauf richten, die politische Macht zu erringen. Der Weg dorthin, der Gang mit der Gründung und Sammlung von Widerstandsgruppen, Bürgerbündnissen, Medienprojekten, der Partei, der Weg dorthin wird nun fortgesetzt mit den öffentlich hörbaren Fragen nach der Verantwortung für den Zerfall unseres Staates. Wir müssen diese Fragen auf allen Ebenen stellen, immer wieder, unermüdlich, jederzeit.

Und dazu noch zwei abschließende Dinge:
Erstens: der Ton der Gegner ist völlig unangemessen, um nicht zu sagen, er ist widerwärtig. Wir sind wahlweise Rassisten, Nazis, Dreck, Ungeziefer, gehören verhindert, ausgeschaltet, ausgemerzt. Ich bitte sehr darum, daß unser Ton ein anderer ist. Die Wiederherstellung der Normalität beginnt auch mit einem anderen Ton. Ich bin ein strikter Gegner solcher Vokabeln wie „Halbneger“, „Kameltreiber“ oder „Kümmelhändler“. Uns wohlgesonnene Bürger, die den Schritt zu uns herüber wagen wollen, schrecken zurück, weil sie diesen Ton auch nicht mögen. Bitte glauben Sie mir: man kann in der Sache knallhart argumentieren ohne diesen Ton und sogar noch viel besser.

Zweitens: Sie werden mit Ihren Fragen nach den Verantwortlichen immer wieder auf Leute treffen, die alles abstreiten und die behaupten, daß jeder Patriot nicht anders behandelt würde als jeder linksliberale Bürger in diesem Land. Schlagen Sie diesen Leuten bitte das AfD-Spiel vor. Sie sollen in ihrem Bekanntenkreis, am Arbeitsplatz, vor den Lehrern und in der Kirchengemeinde mal so nebenbei erzählen, daß sie die AfD gewählt hätten. Die Reaktionen werden heilsam sein. Die Reaktionen sind die kalten Duschen, die über dieses Land hernieder gehen werden und die Leute scharenweise hier auf Ihren Platz treiben.

Ich danke Ihnen und freu mich auf den Spaziergang.

 


 

Knapp zusammengefasst: Ziel ist die Machtübernahme durch die AfD, die überhaupt erst durch den zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen AfD und *gidas möglich wird, nicht etwa durch u.a. Kubitscheks Wühlerei am rechtsäußeren Rand seit rund 30 Jahren. Anders gesagt: wenn Sie und ich Nazis und Rassisten zutreffend als Nazis und Rassisten bezeichnen, gehen die überhaupt erst zu den *gidas und wählen AfD. Mir erscheint Narzissmus (gekränkt) ja oft als unterbewertetes Motiv, aber immerhin seinem AfD-Mitgliedsantrag scheint inzwischen entsprochen worden zu sein – so oft, wie er von „wir“ und von „der Partei“ spricht.

Weil aber nach Götz Kubitschek 13 Prozent ein Drittel des Volkes und weil das ganz viele sind, müssen sich AfD-Wähler, Rassisten, Nazis für ihre gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht mehr rechtfertigen, sondern sind die demnächst wiederhergestellte Normalität. Nicht, daß es Anlaß zur Vermutung gäbe, daß sich Kubitschek jemals gerechtfertigt hätte oder das Siezen der Ehefrau zur bundesdeutschen Normalität gehörte.

Am Denken des selbsternannten (und fast beinahe rührend schwäbelnden) Großdenkers zu Schnellroda sind Geschichte und Rechtsgeschichte, Aufklärung und Grundgesetz spurlos vorbei gegangen. Darunter auch die Notwendigkeit der aufklärerischen Tugend schlechthin: der Zweifel, immer und zuerst an den eigenen Positionen.

Rechtsradikalismus wird nicht mal ein bißchen normaler (im Sinne von richtiger), weil ein erwähnenswert großer Teil der deutschen Bevölkerung zum Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu dumm und/oder zu faul ist, sondern lieber rassistische, antisemitische, nationalchauvinistische, homosexuellen-/frauenfeindliche Ressentiments pflegt. Oder gar noch, weil sich Rechtsradikale auf Rechtsradikalen-Demos und in „National befreiten Zonen“ normal fühlen dürften. Man kann es kaum oft genug sagen: Danke, liebe Antifa!

Rechtsradikale fragen nicht, sie liefern verkürzte Antworten auf komplexe Fragen und das Feindbild und die Drohungen dagegen gleich mit. Rechtsradikale empfehlen sich selbst als Not- und Bürgerwehr gegen die von ihnen heraufbeschworene Dystopie. Das Feindbild ist neben der „politischen Klasse“ die demokratisch-widerständige Zivilgesellschaft. Der Feind sind Sie und ich und alle, die nicht rechtsradikal sind.

Bei einem Punkt aber sollte man dem Mann wirklich Glauben schenken: Rechtsradikale sind nicht versöhnlich.

 


 

Kubitscheks Gastgeber, der Vorsitzende der Initiative „Zukunft Heimat“, Hans-Christoph Berndt ist übrigens gewählter Vorsitzender des Fakultätspersonalrates der Berliner Charité – „Chef also der Mitarbeitervertretung der 3000 wissenschaftlichen Angestellten von Europas größtem Uni-Klinikum.“ Der Durchmarsch rechtsradikaler Betriebs-/Personalräte findet nicht nur in der Autoindustrie statt.

 


Bild (beschnitten): Screenshot bei nd


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14 Gedanken zu „„Wiederherstellung der Normalität“, im Zirkelschluß

  1. Liebe Dame von Welt,
    ich habe den Text nur überflogen, nicht wirklich gelesen, weil ich denke, wir sollten den Rechten nicht noch zusätzlich Raum und Aufmerksamkeit schenken.
    Aber ich bin der grimmigen Überzeugung: wer immer unsere kapitalistische Gesellschaft als „beste aller Welten“ hinstellt, der ist gedankenlos und hilflos der rechten Propaganda ausgeliefert und wird über kurz oder lang auch den rechten „Argumenten“ nachgeben und nachfolgen – so wie es die Mehrzahl der Eliten (nicht der Bevölkerung) mit der nationalsozialistischen Propaganda ergangen ist.

    • Sie meinen, wenn Sie den Blog inkl. des transkribierten Textes vor dem Kommentieren „wirklich gelesen“ hätten, wären Sie ohne Ihre grimmige Überzeugung „gedankenlos und hilflos der rechten Propaganda ausgeliefert“ – mit aber womöglich auch, weswegen Sie sich die Mühe lieber gar nicht erst gemacht haben? Das wirkt nun nicht eben als Pro-Argument für Ihren gefestigten Klassenstandpunkt^^

      Lieber Wal B., Kubitscheks Volksrede habe ich ganz sicher nicht transkribiert und kommentiert, um „den Rechten noch zusätzlich Raum und Aufmerksamkeit“ zu verschaffen. Sondern, weil Volksreden flüchtiger sind als geschriebener Text und weil Muster, Zirkelschlüsse, Bezüge, Drohungen, Netzwerking oft erst beim (ggbfs wiederholten) Lesen auffallen.

      Einer der Unterschiede zwischen „der Mehrzahl der Eliten (nicht der Bevölkerung)“ damals und der Mehrzahl der Eliten, der Bevölkerung, Ihnen und mir heute: wir alle wissen sehr genau, daß rechtsradikale Propaganda in die Barbarei führen kann und die von Kubitschek herbeigefieberte Reanimierung der „Konservativen Revolution“ deren Nährboden in der Weimarer Republik war.

      Vielmehr: wir könnten das sehr genau wissen. Angesichts Ihrer Idee von der Schutzlosigkeit (mangels Antikapitalismus) „der Mehrzahl der Eliten (nicht der Bevölkerung)“ vor, während, nach dem 3. Reich möchte ich Ihnen einen Text zur Lektüre empfehlen, der mir eben bei Twitter in die Hände fiel: Die Lüge von den ahnungslosen Deutschen

      Davon abgesehen: in meinem Blog lege ich Wert auf Diskussion mit Bezug zum Thema. Die Voraussetzung dafür ist wirkliches Lesen, auch das Anklicken der weiterführenden links schadet nicht.
      Ihre „grimmige Überzeugung“ hat mit dem Blog hier kaum am Rande zu tun.

    • Böse dame.von.welt, pfui!
      Erlaube ich mir doch glatt andere Gedanken als die Ihren und nehme Ihre Argumente immerhin so ernst, daß ich mich damit auseinander setze? Das geht nun wirklich zu weit^^
      Ihnen auch alles Gute!

  2. Just Recently hat eine schöne Glosse geschrieben, über den AfD-Wähler, das scheue Reh (der auch laut Kubitschek wegen der kalten Duschen vom Gegner namens Zivilgesellschaft überhaupt erst auf rechtsradikale Demos und zur Wahl der AfD genötigt wird) und über den Verbleib der linken Selbstkritik:

    Ein beliebter Eröffnungszug bei Debatten, in denen Verantwortung für das eigene Tun und Lassen politisch profitabel verschoben werden soll, geht etwa so:

    Der AFD-Wähler, das scheue Reh, ist ja gar nicht so. Er kann nur nicht anders, weil ihn die Linken so diskriminieren, weil die Linken in ihrer Parallelwelt leben, weil die Linken nicht auf Sahra Wagenknecht hören wollen, weil die Linken poststrukturalistisch sind, weil die Linken nur noch auf Nebenwidersprüche achten (um sich merkbefreit*) dem Neoliberalismus an den Hals werfen zu können), oder weil – so eine Aussage ist dann aber schon ziemlich gefährlich, weil man damit potenzielle AFD-Wähler beleidigen und erst recht in den schwarzbraunen Wald vertreiben kann

  3. Liebe Dame, mir geht es ein bisschen wie Wal. Als ich bis zur Textzeile, „… sucht den Fehler bei sich…“ angekommen bin habe ich ersteinmal eine Pause eingelegt.
    Gerade die Selbstreflexion ist ja eben nicht Kubischeks & Co. Stärke, aber dafür maßlose Selbsteinschätzung.
    Ich bin ersteinmal zu Ihrer Transkription übergegangen, werde die Lektüre seiner Rede nachholen. Jetzt bin ich einfach zu schlapp dafür.

    • Bevor etwa noch Mißverständnisse entstehen: die Transkription von Kubitscheks Rede ist der obere, als Zitat gekennzeichnete Teil. Der untere ist meine polemische Zusammenfassung oder, anders gesagt: meine Meinung.

      Keine Ahnung, ob Sie in Indonesien regelmäßig deutsche Medien verfolgen – falls nicht, ein bißchen Kontext.

      Cottbus hatte schon in den frühen 90ern eine präsente und aktive rechtsradikale Szene, derzeit mit einem Kern von etwa 200 (laut Verfassungsschutz->) „hochgradig gewaltorientierten“ Nazis. Die AfD fuhr bei der Bundestagswahl 26,8% der Zweitstimmen und 25,3% der Erststimmen ein und ist stärkste Partei (CDU knapp 23%, die Linke 18,5%, SPD gut 15%, FDP 8%, die Grünen 3,8%).

      Der Bürgermeister versuchte 2016? schon einmal, einen Aufnahme- und Zuzugsstop für Flüchtlinge zu erwirken, seit Mitte Januar ist er zur „Entspannung der Lage“ in Kraft. Cottbus hat im Vergleich zu anderen Regionen in Ostdeutschland einen zwar relativ hohen Anteil an Nichtdeutschen, liegt aber weit unter dem Bundesdurchschnitt. 2013 lebten 2300 Ausländer in der Stadt, davon 480 mit Fluchtbiografien, aktuell sind es 8500 Ausländer, 3400 davon kamen seit 2015. Cottbus hatte 1989 rund 130.000 Einwohner, nach der Wende ruckzuck eine Arbeitslosenquote von 30% und eine sehr hohe Abwanderungsrate, inzwischen brummt die Wirtschaft und es sind wieder um die 100.000 Einwohner.

      Für Zündstoff sorgen nicht nur zahllose Beschimpfungen und Angriffe gegen Nichtdeutsche (z.B. wurden Silvester „Unbekannte“ nach Verfolgung von 3 Flüchtlingen quer durch die Stadt vom Sicherheitspersonal in deren Unterkunft gelassen), sondern auch Angriffe von Flüchtlingen auf Cottbusser. Und der Mord an einer 82jährigen Frau, verübt von einem Minderjährigen aus Syrien (Prozess läuft).

      Cottbus Nazifrei/Cottbusser Aufbruch und „Zukunft Heimat“ bringen i.d.R. etwa gleich viele Bürger auf die Straße – so zwischen 500 und 1.500, die Stadt ist tief gespalten. Die „Zukunft-Heimat“-Demos in den letzten Wochen waren durch bundesweite Mobilisierung unproportional groß, so auch die am 24.2., auf der Kubitschek die hier behandelte Volksrede hielt, mit etwa 2.000 Teilnehmern. Macht sehr den Eindruck, als suchte EinProzent/Pegida/AfD/Stiefelnazis in Cottbus ein zweites Standbein zu Dresden.

  4. Die deutschen Handlungsreisenden in Sachen Haß gastieren an diesem Wochenende in Aistersheim/Oberösterreich und vernetzen sich u.a. mit der FPÖ. Der Standard: Deutsche Identitären-Freunde bei rechtem Kongress, Kontrast: Mit wem vernetzt sich die FPÖ in Aistersheim?, Der Standard: Identitäre „Neue Rechte“: Alter Extremismus in neuer Verpackung Götz Kubitscheks Rechtsradikalismus ist sozusagen in Dreifaltigkeit vertreten: Sezession, einprozent, Antaios.

  5. Ich halte es übrigens für keinen Zufall, daß Poggenburg das AfD-Vertrauen entzogen wurde und er Ende des Monats von seinen Ämtern als Partei- und Fraktionschef zurücktreten wird. Sondern vermute einen direkten Zusammenhang mit Kubitscheks Mahnung zum Kreidefressen:

    Ich bitte sehr darum, daß unser Ton ein anderer ist. Die Wiederherstellung der Normalität beginnt auch mit einem anderen Ton. Ich bin ein strikter Gegner solcher Vokabeln wie „Halbneger“, „Kameltreiber“ oder „Kümmelhändler“. Uns wohlgesonnene Bürger, die den Schritt zu uns herüber wagen wollen, schrecken zurück, weil sie diesen Ton auch nicht mögen. Bitte glauben Sie mir: man kann in der Sache knallhart argumentieren ohne diesen Ton und sogar noch viel besser.

    Poggenburgs Rücktritt ist keine wirklich gute Nachricht – sein plumper völkischer Rassismus ist viel leichter zu erkennen als die zunehmende Machtentfaltung von Kubitschek.

    • Ulrike Nimz, Süddeutsche kommentiert:

      Poggenburgs Rolle war schon immer die des Provokateurs und Pöblers. Als es noch darum ging, die AfD als Protestpartei zu profilieren und Tabus auszuloten, war das allen recht. …

      Wer jedoch glaubt, die Partei mäßige sich, liegt falsch. Als Poggenburg seine „Kameltreiber“-Rede hielt, waren alle wichtigen Männer der Ost-AfD zugegen und zollten fleißig Beifall. Erst als die „Kracherveranstaltung“ im sächsischen Nentmannsdorf bundesweit für Empörung sorgte, sogar Rufe nach dem Verfassungsschutz laut wurden, begannen auch ehemalige Verbündete sich öffentlichkeitswirksam abzuwenden. Götz Kubitschek, Identifikationsfigur der Neuen Rechten und nach der Landtagswahl 2016 noch unter den ersten Gratulanten auf der AfD-Wahlparty in Magdeburg, sagte im Februar auf einer fremdenfeindlichen Demo in Cottbus, er sei „ein strikter Gegner solcher Vokabeln wie Halbneger, Kameltreiber oder Kümmelhändler.“

  6. Ah, in Cottbus wurde „Normalität wiederhergestellt„.

    Am Samstag fand dort anläßlich des Weltfrauentages eine Demonstration „Frauen gemeinsam gegen Rassismus und Ungerechtigkeit“ mit u.a. Women in Exile statt. Die Demonstrantinnen wurden mit Blumentöpfen beworfen und ein Bus, mit dem Frauen angereist waren, wurde zerstört.

    Am kommenden Samstag demonstriert dann wieder „Zukunft Heimat“. Bis jetzt ist nichts von Protest dagegen bekannt

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