„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ (2/2)

Ein kleiner Bruchteil der O-Töne aus dem am 18.7.2017 veröffentlichten Bericht – Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen – über die Vorschulen Etterzhausen und Pielenhofen, die Jungen waren zwischen 8 und 11 Jahre alt:

Als meine Mutter beschlossen hat, meinen Bruder und mich zu den Domspatzen zu schicken, begann für uns zwei Kinder die schrecklichste Zeit unseres Lebens.

Meine fröhliche Kindheit endete, als meine Eltern mich am ersten Schultag der 3. Klasse in dem Internat in Etterzhausen zurückließen. Von da an spielten die Herren Vorgesetzten M. und H. uneingeschränkt Gott. Angst ist bis heute mein ständiger Begleiter.

Mehrere Male am Tage hieß es Antreten in Zweierreihen, oft unter einer Normaluhr im Flur, um dann zur Kapelle oder in den Speisesaal zu marschieren. Damit dieser Vorgang rasch ging, erhielten die letzten beiden einen festen Schlag mit der zischenden Weidengerte. Statistik war uns da noch nicht geläufig, aber es gibt immer zwei Letzte und bei ca. 80 Knaben kommt dann wohl mal jeder dran. Aber selbst wenn man nicht drankommt, es ist das System der Angst, welches Tag für Tag und Stunde für Stunde herrscht, mit der grauenvollen Gewissheit, dass sich nichts ändert und es kein Entkommen gibt und auch keine Gnade.

Weiterlesen

“ … ein Irrsinn. Es ist einfach Irrsinn …“ (1/2)

Georg Ratzinger im Januar 2016 über den Versuch der Aufklärung systematisch verübter Verbrechen physischer, psychischer, sexualisierter Gewalt gegen Jungen in der Domspatzen-Vorschule in Etterzhausen, später in Pielenhofen, im Gymnasium, im Internat und im Chor in Regensburg:

Diese Kampagne ist für mich ein Irrsinn. Es ist einfach Irrsinn, wie man über 40 Jahre hinweg überprüfen will, wie viele Ohrfeigen bei uns verteilt worden sind, so wie in anderen Einrichtungen auch …

Das war ein Moment der Ehrlichkeit, den die eilig nachgeschobene Stellungnahme des Bistums, es sei richtig, alle Beschuldigungen rückhaltlos aufzuklären, nicht wieder einfangen konnte. Immerhin strapazierte das Bistum nicht die beliebte Floskel der schonungslosen Aufklärung, denn schonungslos ist die Aufklärung vor allem und zuerst für die Betroffenen von Gewalt in der Kindheit.

Weiterlesen

„Ein bisschen mehr Inquisition“

einbißchenmehrinquisition            Autodafé, unbekannter Maler der Madrider Schule, 1653, Museo del Greco

Ein bißchen mehr Inquisition“ – das hätte sich Christian Füller gewünscht. Natürlich „im Namen der vielen Opfer unter den Domspatzen“ – das versteht sich ja von selbst^^ Nicht, daß Füller einmal mehr den Torquemada gibt und zur Abwechslung auch dazu steht. Statt sich hinter Gewaltopfern zu verstecken, sie vorzuführen und erneut zu mißbrauchen.

Weiterlesen