Supreme Gentlemen

 

Das Glück des Mannes heißt: ich will. Das Glück des Weibes heißt: er will.

(Friedrich Nietzsche, Werke Bd. I (Zarathustra), hrsg. von Karl Schlechta, München 1972)

Weiterlesen

Werbeanzeigen

Unartige Kinder

Am 7. Juli 2017 informierte das Bundeskriminalamt auf via Twitter über die Gründe für den nachträglichen Entzug von G20-Akkreditierungen – mehrere Journalisten waren aufgrund „sicherheitsrelevanter Erkenntnisse“ zum „Sicherheitsrisiko“ erklärt worden.

Welcher Art diese „sicherheitsrelevanten Erkenntnisse“ sind, wurde nicht mitgeteilt. Nicht mitgeteilt wurde auch, wie viele Journalisten betroffen sind. Grob irreführend ist die Implikation des Bundeskriminalamtes, die Sicherheitsüberprüfungen seien während des G20 durchgeführt worden – sie fand 2 Wochen vor dem Gipfel statt, die Akkreditierungen wurden nach der Sicherheitsprüfung erteilt, dann entzogen.

Inzwischen wurde bekannt, daß 32 Journalisten betroffen sind. Arnd Henze, ARD-Hauptstadtstudio:

Weiterlesen

Hilflos

Gegenüber denen, die ihrem (und anderem) Leben weniger Wert beimessen als egal welcher Sache, sind wir hilflos. Gegen Terror unter Einsatz des eigenen Lebens hilft keine noch so hochgerüstete Polizei oder Armee, keine Kameraüberwachung, keine elektronische Fußfessel, keine staatliche Schnüffelei und deren Speicherung, keine andere Beschneidung von Bürgerrechten.

Wenn der eigene Lebenswille weniger stark ist als – im Zweifel – der Wunsch nach 15-Minutenberühmtheit, sind Entwicklungen lange vorher katastrophal schief gelaufen. Darunter fällt die Auflage- und Klickgeilheit der Medien, darunter fällt das offensichtlich dumme Gewäsch über „feige“ Anschläge.

Denn es ist das genaue Gegenteil: tradierte Helden- und Männlichkeitsmythen ebnen Attentätern den Weg. Der Unterschied zwischen Held und Terrorist liegt bekanntlich im Erfolg der jeweiligen Mission.

Das ist ein Plädoyer für Egoismus. Nur, wer sich und das eigene Leben liebt, kann andere lieben. Und hat innere Sicherheit.


Bild: Alfred Rethel, 34. AventüreHagen und Volker werfen nach der Saalschlacht erschlagene Hunnen aus dem Saal, Wikimedia Commons, gemeinfrei


„extremely together“

extremelytogether Screenshot bei Art School Vets. Jonas Dahlberg, Entwurf für die Gedenkstätte auf Utøya

We’re missing a trick when it comes to those carrying out violent acts. Communities touched by violence have an understandable and overwhelming tendency to scrutinise the ways in which extremists, both those we consider “disturbed” and those we consider “ordinary”, are lured into violence. But rather than trying to pathologise the individual or the process that led him there, we should shift the focus instead towards what opportunities are available to us to prevent him resorting to violence in the first place.

In a young extremist’s daily life, in their school, among their family or friends, were there openings, moments when they could have been led to change?

Hateful people have the ability to take charge of their own lives. If we deny this is possible, we stop it from happening. If we see violence as contagious, we can view … (someone’s) act as the latest in an epidemic of young men who are not necessarily deeply disturbed, but rationalise their own violence and are inspired by others across the world. But if we did more to anticipate and intervene before such individuals erupt, then there is potential to stop ordinary people from becoming murderers.

Rather than looking for the moment they “snapped”, we should be looking for the missed opportunities in the ways our societies handle them: the many moments when we could have changed their perceptions and steered them away from violence. We need to ensure that similar opportunities aren’t missed with others.

Weiterlesen

„Geschlossene Gesellschaften“

 

Nach etwa zwanzig Stunden Ermittlungen hat sich für die Kölner Polizei das Bild verfestigt, für das es schon früh Hinweise gab. Für die Explosion, die am Mittwoch nachmittag den nördlichen Kölner Stadtteil Mülheim kurz vor 16 Uhr aus seinem geschäftigen Rhythmus riß, gibt es offenbar keinen terroristischen Hintergrund.

Wie Oberstaatsanwalt Rainer Wolf am Fronleichnamstag mitteilte, der in Köln wie in Nordrhein-Westfalen Feiertag ist, wird „ein allgemeindeliktischer Hintergrund“ in Erwägung gezogen. Das bestätigte auch Bundesinnenminister Otto Schily am Donnerstag im baden-württembergischen Kehl. Die Machart des Anschlags sei so gewesen, daß es auch viele Tote hätte geben können, sagte Schily. …

Die Ermittlungen der Kölner Polizei dauerten bis zum Donnerstagabend. Nach den ersten Erkenntnissen wurde der Anschlag in der Keupstraße mit einer Rohrbombe verübt, die mit Hunderten etwa zehn Zentimeter langen Nägeln gefüllt und vermutlich an einem Fahrrad befestigt war. „Durch die Bauart ist nach menschlichem Verständnis davon auszugehen, daß der Täter mit einer Vielzahl von Toten gerechnet hat“, führte der Leitende Polizeidirektor Dieter Klinger aus.

Zu Tode gekommen ist niemand, aber 22 Personen wurden durch die teils hundert Meter weit herumfliegenden Nägel verletzt, vier von ihnen schwer. Der Schaden ist beträchtlich und beträgt nach ersten Schätzungen mehrere hunderttausend Euro. In der Keupstraße in Köln-Mühlheim, wo sich die Explosion vor den Hausnummern 29 und 32 ereignete, leben überwiegen Menschen, die aus der Türkei stammen. Deshalb kommen die meisten Opfer aus dieser Gruppe. …

Selbst die Anwohner können oder wollen sich keinen Reim darauf machen. Die einen schließen einen islamistischen Hintergrund aus, weil es unter den Muslimen des Viertels kaum Radikale gebe und auch kaum Anhänger des „Kalifen von Köln“, Metin Kaplan. lebten dort kaum.

Andere Anwohner vermuten Rechtsextremisten hinter der Tat und sehen einen Zusammenhang mit der bevorstehenden Europawahl am Sonntag. Aber das alles sind Mutmaßungen und Spekulationen. Die Polizei schloß einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat jedenfalls aus. Sicher ist, daß unter den Verletzten nur ein Bewohner der Keupstraße ist, alle anderen kamen aus anderen Stadtteilen Köln oder aus anderen Orten.

Es gibt in der Keupstraße auch die andere Seite des farbenfrohen orientalischen Flairs, nämlich Glücksspiel, Schutzgelderpressungen, Rauschgifthandel und Machtkämpfe zwischen Türken, Kurden, Albanern, Serben und Bosniern. Gelegentlich kommt es in Köln auch zu Schießereien. Die Ermittlungen sind dann nicht leichter als im terroristischen Umfeld. Bei den kriminellen Organisationen handelt es sich oft um „geschlossene Gesellschaften“, die für deutsche Sicherheitsbehörden kaum zugänglich sind.

Weiterlesen