„schön wie Schnee“

 

Pudelkos extrem trockene Artikulation scheuerte Worte wie mit Sandpapier, und mit spröde tremolierenden Silbenenden und seinem oberschlesisch-rollenden „R“ verdrehte er zuvor lockende Töne in abstoßende Drohgebärden. Und wenn er übergangslos von der Brust- in die Kopfstimme wechselte und sich im Falsett zu scheinbar endlosen Koloraturen aufschwang, machte er dort weiter, wo sich die stimmgewaltige Nina Hagen in kunstgewerblichen Kapriolen verlor.

Pudelko war der leibhafte diabolus in musica und beherrschte einen hymnischen Sirenengesang, der selbst in den höchsten Lagen nicht gebrüllt, sondern eher geflüstert war. Er besaß eine vulkanisch ausbrechende Stimmkraft, die andere Hard-Rock-Sänger zu schreienden Kastraten deklassierte. Zudem gelang ihm das fast Unmögliche: die archaische Vitalität der Rockmusik mit der Sehnsucht der Schlagermusik nach Schönheit zu verbinden.

Michael Mönninger im Tagesspiegel über eine Stimme wie brechendes Glas

(und damit hier nicht etwa noch Vorwende-SO36-Heimweh aufkommt, die im Tagesspiegel erwähnte Reportage über die Waldemarstraße von Marie-Luise Scherer, SPON. Voller einprägsamer Sätze wie: „Sie stellt sich vor, daß eine Leiche in einem Keller der Waldemarstraße keinen lauteren Aufschrei verursachen würde als eine Maus in einem Keller in Wilmersdorf.„)

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