„… ich als unschuldige Frau …“

Schon als ganz kleine dame.von.welt fand ich Karneval beängstigend und eine Zumutung. Trotzdem wurde ich über x Jahre zum Kölner Straßenkarneval gezwungen. Und da stand ich dann, ohne Sicht auf die Wagen eingekeilt zwischen lauter besoffenen Erwachsenen und wurde zur Strafe noch mit harten Bonbons beworfen. In einem Jahr trug ich sogar ein amtliches Veilchen davon, als mich so ein Zuckerklumpen direkt in die Augenhöhle traf, genau meine Idee von Amüsement.

Mir sind Menschenmengen aller Art suspekt und zwar egal, ob es sich um überfüllten ÖPNV, Reichsparteitag, Fußball, Konzert oder Karneval handelt. Je besoffener die Menschenmenge, desto suspekter ist sie mir.

Daß ich viele Jahre später nach Berlin zog, hatte auch mit der hiesigen Verschonung vom Karneval zu tun. Als ich noch viele Jahre später in Aachen studierte, versöhnte mich ein Kostüm (in einem Jahr, in dem ich nicht fliehen konnte) ein bißchen mit dem Ausnahmezustand – das einer hochschwangeren Frau, die sich kaum in den Bus quetschen konnte, weil sie sich als Heulboje verkleidet hatte und das ging so: ein neongelbes Ganzkörperkostüm mit großzügiger achsensymmetrischer Auspolsterung (Durchmesser leicht anderthalb Meter), an der dicksten Stelle noch ein Wulst in neonrosa und auf dem Kopf, über dem gelb-rosa geschminkten Gesicht, ein in die Kapuze eingearbeiteter Lärm aus der Spraydose. Mich beeindruckte ihre unbedingte Hingabe an den Karneval und sie war wirklich ansteckend lustig.

Sympathisch ist mir auch die Idee des Nubbel und seiner Verbrennung – in der Nacht von Dienstag auf Aschermittwoch wird eine Puppe verbrannt, die an allem schuld ist. Egal, ob leerer Geldbeutel, zweifelhafte Sexualkontakte, Filmriss und was sonst noch so alles passieren kann, wenn biedere Leute vorübergehend ihre Biederkeit ablegen: der Nubbel ist es in Schuld.

 

Weiterlesen

Artikel 3+

Seit fast 27 Jahre ist die Gleichstellung nicht-heterosexueller Identität im Grundgesetz ein oft abgründig diskutiertes Thema. Seit 16 Jahren gibt es das gegen den Widerstand der CDU/CSU verabschiedete Lebenspartnerschaftsgesetz, das homosexuellen Paaren vor allem Pflichten aufbürdet und wenig Rechte einräumt.


Weiterlesen

Nein, wir sind nicht Burka

Wir haben Leitkultur. According to Thomas de Maziére:

Unser Staat ist welt­an­schau­lich neu­tral, aber den Kir­chen und Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten freund­lich zu­ge­wandt. Kirch­li­che Fei­er­ta­ge prä­gen den Rhyth­mus un­se­rer Jahre. Kirch­tür­me prä­gen un­se­re Land­schaft. Unser Land ist christ­lich ge­prägt. Wir leben im re­li­giö­sen Frie­den. … Zum Mehr­heits­prin­zip ge­hört der Min­der­hei­ten­schutz. Wir stö­ren uns daran, dass da ei­ni­ges ins Rut­schen ge­ra­ten ist. Für uns sind Re­spekt und To­le­ranz wich­tig. Wir ak­zep­tie­ren un­ter­schied­li­che Le­bens­for­men und wer dies ab­lehnt, stellt sich au­ßer­halb eines gro­ßen Kon­sen­ses.

Hm, das mit dem Frieden liegt vermutlich daran, daß sich kaum mit der als heilig betrachteten Schrift des Christentums beschäftigt wird. Eine Auswahl über Frauen aus dem unser Land christlich prägenden Neuen Testament:

Weiterlesen