Songs and Stories from Moby Dick

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Immer wenn ich merke, daß ich um den Mund herum grimmig werde; immer wenn in meiner Seele nasser, niesliger November herrscht; immer wenn ich merke, daß ich vor Sarglagern stehenbleibe und jedem Leichenzug hinterhertrotte, der mir begegnet; und besonders immer dann, wenn meine schwarze Galle so sehr überhandnimmt, daß nur starke moralische Grundsätze mich davon abhalten können, mit Vorsatz auf die Straße zu treten und den Leuten mit Bedacht die Hüte vom Kopf zu hauen – dann ist es höchste Zeit für mich, so bald ich kann auf See zu kommen.

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Lala: Elis Regina

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Heute ist sie 35 Jahre tot, gestorben mit 36 an versehentlicher Überdosierung von Kokain und Alkohol. Kokain, weil sie sich vor jedem Bühnenauftritt zu Tode fürchtete. Eigentlich war sie fast so etwas wie ein Kinderstar, sie sang schon mit 14 im brasilianischen Radio, später auch im Fernsehen, trat mit 20 auf Festivals auf und war die zeitweilig bekannteste und beliebteste Sängerin Brasiliens. Elis Regina ist die weibliche Personifizierung des Bossa Nova und ihre Musik ist bestens geeignet für schwere See und komplizierte Lebenslagen.

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Lala: Sophie Hunger

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Sophie Hunger ist Diplomatentochter, sie ist aufgewachsen in Bern, London, Bonn und Zürich, sie spricht Schwyzerdütsch, Hochdeutsch, Englisch, Französisch so fließend, daß sie locker in einem Satz die Sprachen wechseln kann, sie schreibt (z.B. an Thomas Bernhardt über die Salzburger Festspiele oder ihre Post aus den USA in Begleitung einer Tournee von Tinariwen), sie spielt Klavier, Gitarre und Bluesharp und sie singt. Und zwar wie.

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Lala: Karen Mantler

karenmantler

Karen Mantler ist Carla Bleys unter dem Klavier aufgezogene Tochter, erkennbar nicht nur an den Haaren. Carla Bley wurde 2016 80 Jahre alt, möge sie bitte hundertdrölf werden!

I was conceived by Carla Bley and Michael Mantler at the Newport Jazz Festival in 1965. Born in 1966, I was immediately swept into the musician’s life on the road. After having checked me at the coatroom of the Berlin Jazz Festival, to the horror of the press, my parents realized that I was going to have to learn to play an instrument in order to be useful. But since I was still just a baby and they couldn’t leave me alone, they had to bring me on stage with them and keep me under the piano.

Like her mother, she has a knack for writing music that’s at once ridiculously funny and deadly serious.

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Lala: Fiona Apple

fionaapple

Hach…

Über sie wollte ich schon ewig einen Blog schreiben, es kam aber immer irgendwas dazwischen. Der willkommene Anlaß zu diesem ist eine Meldung bei Pitchfork über ihren Beitrag zum Christmas-Song-Genre, via Smartphone-Video:

Trump’s nuts roasting on an open fire
As he keeps nipping at his foes.
You’ll cry creepy uncle
Every time he arrives
For he keeps clawing at your clothes
Everybody knows some money and entitlement
Can help to make the season white
Mothers of color with their kids out of sight
Will find it hard to sleep at night.

They know that Trump is on his way.
He’s got black boys in hoodies locked up on his sleigh
And every working man is going to cry
When they learn that Letch don’t care how you live or if you die

So I’m offering this simple phrase
To kids from one to 92
Although it’s been said many times, many ways
Merry Christmas to you
Merry Christmas, Merry Christmas
Donald Trump, fuck you.

(Lyrics c+p beim Rolling Stone, Fiona Apple wildert bei Nat King Cole, Chestnuts roasting on an open fire)

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Lala: Eleni Mandell

elenimandell Foto: Screenshot beim Rolling Stone

Wer Tom Waits liebt, kann kein schlechter Mensch sein! So auch Eleni Mandell, eine weitere immerwährende Bewohnerin meiner welche-50-Platten-würden-Sie-mit-auf-eine-einsame-Insel-nehmen-Liste (und zwar mit gleich 3 Platten). Sie ist ein wunderbares Beispiel, daß Berufung auf Traditionen nullkommagarnichts mit reaktionärer Volkstümelei zu tun haben muß.

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Lala: Róisín Murphy

RoisinMurphy Foto Amire80, Gnu-Lizenz, Róisín Murphy 2005 in Haifa

Christoph Dallach, Zeitmagazin: Glauben Sie, ein Mann würde so etwas gefragt?

ZEITmagazin: Sie beschäftigen sich seit einiger Zeit intensiv mit Mode, Design und Kunst. Wieso haben Sie eigentlich die Musik zu Ihrem Beruf gemacht?

Murphy: Das war Zufall. Eigentlich wollte ich tatsächlich eine visuelle Künstlerin werden. Mein Plan war, mich bei der Kunsthochschule einzuschreiben und da dann drei Jahre lang Spaß zu haben. Sie wissen schon: Partys, Drogen und was man da eben so tut. Aber dann traf ich Mark Brydon auf einer Party in Manchester und fragte ihn: Do you like my tight sweater? Noch in der gleichen Nacht schleppte er mich in sein Studio, nahm meine Stimme auf, mochte, was er hörte, und im Handumdrehen hatten wir als Moloko einen Plattenvertrag.

ZEITmagazin: Wissen Sie noch, was Sie damals an der Musikkarriere gereizt hat?

Murphy: Zunächst mal das Geld, denn ich bin ohne Geld aufgewachsen. Ich war allerdings auch verblüfft, dass Mark das mit mir und der Musik tatsächlich ernst meinte. Als wir uns kennenlernten, hatte er schon einige Platten veröffentlicht und war bereits ein wirklich erfolgreicher Produzent. Er betrieb gleich zwei Studios. Das war für mich alles sehr beeindruckend.

ZEITmagazin: Sie haben Ihre Karriere also gar nicht geplant?

Murphy: Nein, ich habe mich aber auch nicht dagegen gewehrt. Immer mal wieder frage ich mich, was wohl aus mir geworden wäre, wenn ich auf dieser Party jemand anderen angesprochen hätte. Ich hatte wie gesagt kein Geld und keinen ernsthaften Plan B. Der Plan kam dann eben zu mir.


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Lala: Holly Golightly

hollygolightlyScreenshot bei kassel-live

Holly Golightly heißt so, sie hat bloß das Smith am Ende verschwinden lassen.

Ich komme nicht aus einer Musikerfamilie. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen. Mein Opa war ein Kohlearbeiter in Merthyr Tydfil in South Wales. Es gab ein Klavier zu Hause, aber ich hatte keine Lust, das zu lernen. Ich habe meine erste Gitarre gekauft und versucht, wie „The Damned“ zu spielen. Natürlich konnte ich das nicht schaffen, weil ich nur über dieses Gitarrenbuch „If I were a hammer“ gelernt hatte. … Später habe ich mir einen Verstärker gekauft, und dann klang die Gitarre schon sehr viel besser.

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Lala: Masha Qrella

mashaqrella Screenshot Kulturpalast beschnitten

Dirk von Lowtzow:

Apropos »Girls like us«: Masha Qrella hat ein fantastisches neues Album gemacht. Mit dem komplett in Eigenregie entstandenen »Keys« ist ihr ein fast perfektes Popkunstwerk geglückt. Die Single »DJ« habe ich neulich zehnmal hintereinander gehört und bin in der Wohnung rumgetanzt. Aber die Geschichte ist auch zu schön: Man erzählt seinen Freunden man sei DJ, spielt aber immer nur eine Platte: Neil Youngs »On the Beach«. Und jetzt die Handclaps!

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