Tanz in den Mai

Später wurde mir erzählt, wie das alles kam. Zur Vorbereitung auf die 750-Jahr-Feier war auf einmal sehr viel Geld da. Außer für Kreuzberg, wo viele arbeitslos und arm waren, wo die Häuser verrotteten und zur hochsubventionierten Geldmehrung leer standen. Die rigide Schlagstock- und Räumungspolitik von Innensenator Lummer war noch nicht lange der Vernunft von Verhandlungen und Verträgen mit den Hausbesetzer gewichen, man war noch in Übung. Reagan hatte sich zur 750-Jahr-Feier angekündigt und dann stand auch noch die Volkszählung an.

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Mariam Lau, Die Zeit und die Scripted Reality

mariamlau

Bei Zeit Online erschien gestern (in der Holz-Zeit am 9.2.17) ein Artikel von Mariam Lau mit dem für sich sprechenden Titel: No-go-Areas in Deutschland. Unterwegs an der Front

Man nehme:

1 „Front“ – according to Mariam Lau ist das die Neuköllner Sonnenallee, sie schreibt:

„Arabischer“ als diese Straße ist kaum eine in Berlin. Halal-Fleischereien gibt es da neben Hochzeitsgeschäften, die Nikabs im Schaufenster zeigen; libanesische Cafés konkurrieren um den besten Hummus. Von „No-go-Areas“ oder „Problemvierteln für Juden“ in Berlin spricht der Zentralrat der Juden schon seit einer ganzen Weile, und damit dürften wohl vor allem Straßen wie die Sonnenallee gemeint sein. Über die Frage, wie gefährlich es ist, sich dort zu erkennen zu geben, ist in der jüdischen Gemeinde heftiger Streit entbrannt. Wir wollen es testen.

1en möglichst fremd anmutenden Juden – Mariam Lau fand für diese Rolle Jehuda Teichtal geeignet, denn der ist kein beliebiger jüdischer Geistlicher, sondern das religiöse Oberhaupt der Berliner Lubawitscher, einer missionierenden, messianisch-chassidischen Sekte – mit strikter Geschlechtertrennung, streng eingehaltenen Speisevorschriften, obligater Kopfbedeckung, Bart und allem religionsfolkloristischen Pipapo. Die Lubawitscher positionieren sich oft politisch auf der besonders friedliebenden Seite der israelischen Siedler und gaben in Berlin schon zu einigen Kontroversen innerhalb der jüdischen Communities Anlaß.

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„Ein bisschen mehr Inquisition“

einbißchenmehrinquisition            Autodafé, unbekannter Maler der Madrider Schule, 1653, Museo del Greco

Ein bißchen mehr Inquisition“ – das hätte sich Christian Füller gewünscht. Natürlich „im Namen der vielen Opfer unter den Domspatzen“ – das versteht sich ja von selbst^^ Nicht, daß Füller einmal mehr den Torquemada gibt und zur Abwechslung auch dazu steht. Statt sich hinter Gewaltopfern zu verstecken, sie vorzuführen und erneut zu mißbrauchen.

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