„Text-Taliban“

Sehr schönes Gedicht, finde ich.

Zwar könnten die Ramblas heute kaum noch so beschrieben werden, denn die besoffenen Touristen, die dazugehörigen „authentischen“ Bars und die Taschendiebe müßten miteinbezogen werden. Aber es ist ja schließlich nicht mehr 1953 und Franco ist auch schon eine Weile tot.

(Nachtrag 6.2., der guten Ordnung halber: da mein Blog auch beim Freitag diskutiert wird und dort von Nutzer Freitag20 der Mythos gehäkelt wurde, Gomringer hätte – weil er halb Schweizer, halb Bolivianer ist – das Gedicht bolivianischen Blumenverkäuferinnen in Sucre gewidmet und nicht die Ramblas in Barcelona Anfang der 50er beschrieben, habe ich ein FB-Statement von Nora-Eugene Gomringer (Tochter) hinter ‚Ramblas‘ verlinkt, sie sagt – Überraschung – Ramblas.)

 


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In a nutshell

 

Die Zeichnung bringt es auf den Punkt – egal, ob und wie sich Betroffene äußern oder ob sie schweigen: es wird garantiert gegen sie verwendet. Ich tu’s trotzdem von Zeit zu Zeit.

So gut wie alle Frauen und Männer kennen Sexismus aus eigener Erfahrung und weit mehr, als Sie wahrscheinlich glauben, sind von sexualisierter Gewalt betroffen. Eigentlich sind wir die Mehrheit. Trotzdem glaubt fast jede/r, mit der Beschämung und dem Leid alleine zu sein, denn Scham und Schande sexualisierter Grenzüberschreitungen klebt nicht an den Grenzüberschreitern, sondern zuverlässig an denen, auf die übergegriffen wurde. Um wenigstens das zu ändern, gibt es von Zeit zu Zeit Social-Media-Phänomene wie #Aufschrei oder aktuell #MeToo. Es scheint vielen gut zu tun, sich nicht mehr ganz so allein zu fühlen.

Nicht so gut tut, wenn rschlchr solche hashtags zum Anlaß nehmen, ihren inneren Schweinehund ausgiebig Gassi führen. Nicht so gut tut auch, daß sich am Elefanten im Gesellschaftszimmer seit Jahrzehnten wenig ändert, auch nicht seit den letzten Skandalen in Kirche, Internaten, bei den Grünen, nicht nach #Aufschrei, nicht nach #ausnahmslos. Der allgegenwärtige Sexismus und dessen Extrem-Form, die sexualisierte Gewalt, wird lieber an „Nafris“ o.ä. ausgelagert, der Muslim ist schuld und unser Unglück.

Oder, auch schön: die Betroffenen sind selber schuld. Weil: sie haben unzweideutige Grenzziehung versäumt, tragen die Bluse nicht geschlossen genug, haben den Armlängen-Rat nicht beherzigt, den Fluchtweg nicht geklärt, sind nicht selbstbewußt genug, haben ein „Opfer-Abo“. Woher sollten rschlchr auch wissen, wo sie aufhören und wo andere Menschen anfangen?

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