„Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu“

ÖdönvonHorváth Ödön von Horváth 1919, Wikimedia Commons

Autobiographische Notiz (auf Bestellung)

Geboren bin ich am 9. Dezember 1901, und zwar in Fiume an der Adria, nachmittags um dreiviertelfünf (nach einer anderen Überlieferung um halbfünf). Als ich zweiunddreißig Pfund wog, verließ ich Fiume, trieb mich teils in Venedig und teils auf dem Balkan herum und erlebte allerhand, u. a. die Ermordung S. M. des Königs Alexanders von Serbien samt seiner Ehehälfte. Als ich 1,20 Meter hoch wurde, zog ich nach Budapest und lebte dort bis 1,21 Meter. War dortselbst ein eifriger Besucher zahlreicher Kinderspielplätze und fiel durch mein verträumtes und boshaftes Wesen unliebenswert auf. Bei einer ungefähren Höhe von 1,52 erwachte in mir der Eros, aber vorerst ohne mir irgendwelche besonderen Scherereien zu bereiten – –(meine Liebe zur Politik war damals bereits ziemlich vorhanden). Mein Interesse für Kunst, insbesondere für die schöne Literatur, regte sich relativ spät (bei einer Höhe von rund 1,70), aber erst ab 1,79 war es ein Drang, zwar kein unwiderstehlicher, jedoch immerhin. Als der Weltkrieg ausbrach, war ich bereits 1,67 und als er dann aufhörte bereits 1,80 (ich schoß im Krieg sehr rasch empor). Mit 1,69 hatte ich mein erstes ausgesprochen sexuelles Erlebnis – – und heute, wo ich längst aufgehört habe zu wachsen (1,84), denke ich mit einer sanften Wehmut an jene ahnungsschwangeren Tage zurück.

Heut geh ich ja nurmehr in die Breite – aber hierüber kann ich Ihnen noch nichts mitteilen, denn ich bin mir halt noch zu nah.

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Schade, daß ich nichts auf der Welt lasse als die Erinnerung an mich

Cato Bontjes van Beek, geboren am 14.11.1920 in Bremen, hingerichtet am 5.8.1943 in Berlin-Plötzensee.

 Screenshot rbb

Cato wächst in Fischerhude auf, ein auch heute noch außergewöhnliches Dorf zwischen Bremen und Hamburg.

Catos Großvater, der Maler Heinrich Breling, ist einer der ersten Künstler, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts dort niederlassen und den Ort nachhaltig prägen. In den 1920er Jahren wird Fischerhude zum Anziehungspunkt für Maler und Bildhauer, Intellektuelle und Literaten. Heinrich Breling gibt sein künstlerisches Talent an seine sechs Töchter weiter, von denen vier künstlerische Berufe ergreifen.

So auch seine jüngste Tochter: Olga Bontjes van Beek, geborene Breling, Isadora-Duncan-Schülerin und eine im In- und Ausland gefeierte Ausdruckstänzerin, später arbeitet sie vor allem als Malerin. Jan Bontjes van Beek ist zunächst ihr Bühnenpartner, später ein für Generationen von Töpfern stilprägender Keramiker. Die beiden haben 3 Kinder, Cato, Mietje und Tim.

Sie leben weit entfernt vom Goldene-Zwanziger-Berlin den Aufbruch und freien Geist dieser Zeit und entsprechen dem später auch in Fischerhude propagierten NS-Familienideal der linientreuen Eltern mit klaren Rollenverteilungen und zu Pflicht und Gehorsam erzogenen Kindern nicht. Im elterlichen Haus gehen ständig Gäste ein und aus, einer von ihnen ist der 15jährige Helmut Schmidt, der sich später erinnert:

Olga Bontjes hat ihre Kinder inmitten eines totalitären Systems zur Toleranz erzogen in der Überzeugung, dass Freiheit unmittelbar sei und für alle gelte.

(der alte Helmut Schmidt mochte sich nicht unbedingt an seine Kinderfreundschaft zu der um 2 Jahre jüngeren Cato erinnern und auch nicht immer daran, warum er den Kontakt zu ihr abbrach: ihm erschien eine Freundschaft zu ihr als zu gefährlich, dazu später mehr)

Cato wird als furchtloses, wildes, kluges und sehr lustiges Kind beschrieben.

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