„Amtliche Helden“

Nein, nicht vom Peng! Collective.


 

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Dies und das

Keine Ahnung, wie Sie es mit Talkshows halten. Ich könnte mich, hätte ich einen Fernseher, für die Idee schon erwärmen, z.B. für Formate wie den Presseclub oder für Carolin Emckes Streitraum. Nicht aber für die breiten öffentlich-rechtlichen Bühnen für reaktionäre und etwas weniger reaktionäre Politiker, nicht für die unausgesetzte Hetze gegen Muslime und Geflüchtete, nicht für von „Tatort“ oder „Unterwerfung“ vorgeglühte Scheinduelle mit immergleichen Politdarstellern.

Georg Seeßlen, taz:

Die politische Talkshow ist die Schau der Entpolitisierung, die Schau der Antipolitik schlechthin. Diese krude Sehnsucht nach „Klartext“ und „Sprache des Volkes“, sie hat hier ihren Ursprung. … Die politische Talkshow, wie wir sie kennen, entlarvt nicht nur das mediale Sprechen, sondern die Politik, die dahintersteckt; wir erkennen, wenn wir hinsehen, den großen Unterschied zwischen der Schau und dem, was sie darstellt, und die fatale Folge ist, dass der Showcharakter der demokratischen Politik als gegeben hingenommen wird. Dann nämlich verzeihen wir den Teilnehmern jeden Unfug, jede Lüge, jede Gemeinheit, solange sie nur unterhaltsam sind.

Jakob Biazza, Süddeutsche im Interview mit Johannes Hillje:

Selbst wenn die AfD nicht in Talkshows sitzt, sind ihre Inhalte oft omnipräsent. Das Entscheidende ist hierbei: Die AfD setzt gar nicht unbedingt die Themen, aber sie beeinflusst sehr stark, wie wir über ein Thema reden.

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Wild

 

Nicht nur eine dunkelgrüne, sich im Wind wiegende Augenweide. Die beiden mit wildem Wein bewachsenen Wände kühlen nicht nur den Raum dazwischen, sie sind auch voller Klang. Besonders am frühen Morgen und Abend singt und zirpt es, es raschelt, krakeelt, tiriliert, wispert und manchmal blitzt der buschige rote Schwanz eines Eichhörnchens durchs Grün. Ein Hinterhof in der Berliner Innenstadt.

Besonders zu Mauerzeiten glaubte man in Westdeutschland ja, Berlin sei ein graues Häusermeer mit Mauer drum und dabei kann man sich selbst im Tiergarten mühelos verlaufen.

 


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„handfester, schlimmer Skandal“

Was ist denn jetzt der laut Horst Seehofer „handfeste, schlimme Skandal„?

Daß für die ehemalige Leiterin der BAMF-Aussenstelle Bremen (laut eigener Aussage) „Menschen in Not zählten, nicht blanke Zahlen“ und sie niemals Geld für 1.200 freundlich entschiedene Asylbescheide genommen hat?

Daß das BAMF (allein im Jahr 2017) rund 32.500 Asylanträge zu Unrecht abschlägig entschieden hat, die erst von Gerichten korrigiert werden mußten?

Daß sich einer aus Verzweiflung über die Ablehnung seines Asylantrags mit Benzin übergießt und anzündet?

Daß die (um die etwa 15% rechtsradikale Wähler besonders bemühte) regierende Opposition CSU die Internierung und Entrechtung von Asylbewerbern in Anker-Zentren als Gegenmaßnahme gegen alles verkaufen will?

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Logikfrage

Oben der gestrige Blick auf’s Brandenburger Tor, unten das räumliche Anschlußfoto, mit dem Großen Stern unmittelbar im Rücken. Das obere Foto müßte eine Ecke hinter dem Verkehrsschild (grau, in der Mitte) gemacht worden sein.

Und hier kommt die Logikfrage:

wenn auf die Fanmeile vom Großen Stern bis zum Brandenburger Tor 350.000 Fußballfans bequem passen und es mit 750.000 ein bißchen eng wird – können das dann gestern nur 25.000 fröhliche Demokraten gewesen sein, wie die Polizei glaubt und alle Medien nachplappern? (nein, nicht alle Medien, Ausnahmejournalist David Berger fabuliert unter Berufung auf RTdeutsch von ersten großen Medien, 12.000 AfDlern und 5.000 Gegendemonstranten)

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Brian Eno

Irgendwann in den 80ern stolperte ich durch Berlin und geriet – ich glaube, in der Nähe der Potsdamer Straße – in eine höchst eigenartige Ausstellung. Der Eingang war tiefschwarz verhängt, dahinter wurde es noch dunkler und das mir, ich bin stocknachtblind.

Fallgruben! Stolperdrähte! Angst!

Es dauerte eine Weile, bis ich mich bewegen konnte, weil ich ein schwaches farbiges Leuchten ausmachte. Darunter eine Installation verdrehter und seltsam proportionierter Stühle an einem Tisch, deren Kanten aus unterschiedlichen Richtungen in sehr langsam wechselnden Farben beleuchtet waren. Ganz allmählich weitete sich das Tiefschwarzdunkel zu Räumen, an den Wänden sich in Farbe und Textur unmerklich verändernde Flächen und es lief Musik, alles nur knapp oberhalb der Wahrnehmungsschwelle.

Ich mäanderte gefühlte 20 Minuten durch die Ausstellung. Als ich wieder auf der Straße stand, waren fast 3 Stunden vergangen und es war wie Aufwachen aus einem langen erholsamen Schlaf.

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dies und das

 

Der großartige Sprachlosblog beschäftigt sich im ‚Wörterbuch des besorgten Bürgers‘ mit Rainer Wendt und seiner „Abschiebeverhinderungsindustrie„.

Alexander Dobrindt eilte sogleich sekundierend an Wendts Seite und nennt die gemeinsame Feindsuche „Anti-Abschiebe-Industrie„. Was mich so ärgerte, daß ich heute morgen schon den Duden zu ‚Industrie‘ befragt hatte:

  1. Wirtschaftszweig, der die Gesamtheit aller mit der Massenherstellung von Konsum- und Produktionsgütern beschäftigten Fabrikationsbetriebe eines Gebietes umfasst
  2. Gesamtheit der Fabrikationsbetriebe einer bestimmten Branche in einem Gebiet

Man muß sich die Wendts und Dobrindts also als medien- und talkshowgestützte Feindfabrikations-Industrie vorstellen.

Falls noch Fakten zu Ellwangen interessieren, Christian Jacob, taz:

Polizei und Politik sprechen von Angriffen, Gewalt und womöglich versteckten Waffen. Unsere Recherche zeigt: Kaum ein Vorwurf erhärtet sich.

 


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