Pause

pause Frederick Arthur Bridgman The Siesta

Der Blog und ich, wir machen mal eine Pause, auf Wiederlesen!


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Frau mit Bart

conchitamondSkulptur: Gerhard Goder. Screenshot Staatliche Museen zu Berlin

Von Diven und Märtyrerinnen mit Bart

Conchita Wurst auf der Bühne des European Song Contests in Kopenhagen – das Bild hat sich vielen Zuschauern eingebrannt: eine Erscheinung mit Bart, langen Haaren und Glitzerkleid. Aber was so ungewöhnlich scheint, hat historische, christliche Vorbilder.

Lebensgroß steht die Frau mit Bart auf einer goldenen Mondsichel im Foyer des Berliner Museums für Europäische Kulturen. Eine moderne Mondsichel-Madonna, wie sie im 16. Jahrhunderts an vielen Orten üblich war. Sie trägt die Züge von Conchita Wurst, die 2014 in Kopenhagen den Eurovision Song Contest gewonnen hat.

Die Drag-Queen-Madonna stammt von dem österreichischen Künstler Gerhard Goder. Sie ist ganz traditionell aus Zirbelkiefer geschnitzt. Museumsdirektorin Elisabeth Tietmeyer hat das Stück in einer Berliner Galerie gesehen und gekauft.

„Sie steht auf einer Mondsichel, auf einer silbernen, breiten Mondsichel, und diese Mondsichel ist wiederum auf einem Podest. Die Conchita selbst hat einen schwarzen Bart, lange schwarze wallendende Haare, mit einem wallenden Gewand, ein weißes Gewand. Dann steht sie vor einem Mikrofon, das sie in der Hand hält, ein Standmikrofon und deutet an, dass sie singt.“

Gerhard Goder wollte als bodenständiger Herrgottsschnitzer seiner schrillen Landsmännin aus der Steiermark ein bisschen Ewigkeit verleihen.

„Man sieht sofort Conchita natürlich, man sieht auch die Jesusfigur sofort und man sieht die Marienfigur auf der Mondsichel, und darum passt sie so wunderbar in unsere Sammlung der Alltagskultur.“

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31.026

31.000 Foto: Manfred Werner/Tsui, beschnitten

Wer hätte gedacht, daß ein rechtsradikales Wahlergebnis von 49,7% tatsächlich mal gefeiert werden muß?

Alexander van der Bellen hat mit einem hauchdünnen Vorsprung von 31.026 Stimmen gewonnen. Alter Ösi, war das knapp!

Lager

lager

Foto: US-Department of State, Wikimedia Commons, gemeinfrei, Bild beschnitten. Za’atari, Jordanien

Mehr als 100 Flüchtlinge und Asylsuchende haben in einer Petition die australischen Behörden um Erlaubnis gebeten, Nauru verlassen und Boote kaufen zu dürfen (wovon sie bislang von australischen Grenzschützern abgehalten wurden), um in andere Länder zu flüchten.

Ben Doherty, Guardian 11.5.2016:

“We have been living in Nauru as prisoners for three years now. The Australian government has refused to let us in or accept us. We’ve decided to rescue ourselves by getting on boats once again. … All people have the basic right to be free. We want the ability to decide our own future. The Australian government has kept us as prisoners and slaves. They use us for their own political benefits, corporate profits, and games.”


 

New York Times 13.2.2014: How to built a perfect refugee camp

“It’s the nicest refugee camp in the world!” a Polish diplomat staying at my hotel crowed when I mentioned the place to him the next day. Standing with him was an Italian official; he nodded vehemently in agreement. No one I spoke to — not the Office of the United Nations High Commissioner for Refugees, not academics, not even the refugees — denies that the standard of living here is exceptionally high. When I later listed the amenities to a refugee expert, she replied, “I’ve never heard of such a thing.”

“You have a refugee problem, what do you do?” said a Turkish official who, like most officials in Turkey, would speak only on condition of anonymity because he was not authorized to talk to the press. “That’s what’s done. You’re not discovering America again. It’s a normal response.”

But the fact is, it isn’t — not just because the camps are unusually well equipped but also because Turkey long ago exempted itself from any obligation to respond at all. Technically, the 14,000 residents at Kilis are not refugees but “guests” of Turkey. This is not just semantics. The 1951 Convention Relating to the Status of Refugees prohibits states from forcing them back over borders into danger and guarantees their right to work, shelter, travel and public assistance. Turkey signed the agreement but did so with a “geographical limitation”: Its mandate applies only to refugees from Europe.

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Die AfD spricht Recht…sradikal

afdsprichtrechts

Lucas Cranach der Ältere, 1537, Gerechtigkeit

Maximilian Steinbeis im Verfassungsblog: Neues aus Dresden: Knebel für NPD-kritischen Wissenschaftler

Jens Maier, Richter am Landgericht Dresden, ist in der sächsischen AfD aktiv. Er dient der Partei als Mitglied des Landesschiedsgerichts. …

Steffen Kailitz, habilitierter Politikwissenschaftler am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden, darf bei Androhung von bis zu 250.000 Euro Ordnungsgeld oder sechs Monaten Ordnungshaft nicht mehr öffentlich behaupten, die NPD plane „rassistische Staatsverbrechen“ und wolle „acht bis elf Millionen Menschen aus Deutschland vertreiben, darunter mehrere Millionen deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund“.

Steffen Kailitz, das muss man dabei wissen, ist einer der vom Bundesverfassungsgericht geladenen Sachverständigen im NPD-Verbotsverfahren.

Er hat, das muss man ebenfalls wissen, von Richter Maier keine Gelegenheit bekommen, sich zu äußern, da dieser fand, die Sache sei so dringlich, dass ohne mündliche Verhandlung entschieden werden müsse. Dafür muss er jetzt erst mal die Kosten des Verfahrens tragen. Den Streitwert hat Richter Maier auf 10.000 Euro festgesetzt.

Kailitz hat schließlich, das sollte man ebenfalls wissen, die inkriminierte Äußerung in einem Artikel auf ZEIT Online getan. Der Artikel ist (Di, 23:05) noch verfügbar.

Das ist der ZON-Artikel auch noch Mi, 17:00 und ich hoffe inständig, daß er das auch bleibt. Für den Fall der Fälle ist er hier gespeichert.

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Neben dem Kopf auch noch blöd

nebendemkopfauchnochblöd

 

Auf der Community-Seite des Freitag steht das folgende Statement der Moderation zu lesen:

Begrifflichkeiten

Statement Warum wir bestimmte Dinge nicht so stehen lassen können
Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Community-Redaktion

Liebe Community,
ein Nutzer wurde endgültig deaktiviert, nicht, weil er nicht über das N-Wort hätte reden dürfen, sondern weil er sich darauf versteifte, ein Recht zu haben, Schwarze generell so zu bezeichnen. Die Moderation ist diesbezüglich entschieden anderer Meinung und lehnt diesen Begriff ab. Das heißt nicht, dass es ein grundsätzliches Verbot gibt, bestimmte Worte zu benutzen – Intention, Kontext und Zusammenhang sind maßgeblich entscheidend.

Wir haben über die Jahre hinweg viele Beschwerden – auch schwarzer Leser – über den Nutzer und die von ihm losgetretenen Debatten erhalten. Er wurde zunächst verwarnt, dann mehrfach temporär gesperrt, zuletzt deaktiviert. Er zeigte sich bis zum Schluss uneinsichtig, benutzte den Begriff nach wie vor, vor allem um Reaktionen zu provozieren. Dazu sollte er aber gerade eben nie dienen. Unsere Netiquette ist diesbezüglich eindeutig.

Auch in der Debatte um seine Sperrung (inzwischen offline) möchten wir die beteiligten Nutzer bitten, auch – und vor allem – darüber nachzudenken, wie diese Diskussion nach außen wirkt – und welchen Eindruck die Nutzer und die dort getätigten Aussagen für unbeteiligte (schwarze) Leser haben dürften. Die Freitag Community ist nicht nur „ein Dorf“, sondern eine nach außen offene und einsehbare Plattform. Dem müssen wir Rechnung tragen.

Mit freundlichem Gruß,

Die Moderation

 

Das Statement enthält Lügen hart an der Grenze zu übler Nachrede und Rufmord und die möchte ich nicht so stehen lassen.

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„nicht beeinträchtigt“

broder

Foto: Bernd Schwabe, Wikimedia Commons

Du fragst mich, ob ich in meiner „Lebensfreiheit und Lebenslust eingeschränkt“ werde „durch die Flüchtlinge in Berlin“. Ob ich „keine U-Bahn mehr betreten, in keinem Restaurant mehr essen, nicht mehr ungestört aus dem Hause gehen“ kann, „weil überall die Flüchtlinge sitzen, liegen, schreien, streiten“.

Weißt du, im Dritten Reich konnten die Menschen auch ganz normal leben, ohne einen Verlust an Lebensfreiheit und Lebensfreude, so lange sie nicht jüdisch, nicht schwul, keine Kommunisten, keine Zeugen Jehovas waren und den Blockwart immer höflich grüßten. So betrachtet, ist meine Lebensqualität bis jetzt nicht beeinträchtigt worden.

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