Unverwundbar

Etwa 790.000 Menschen weltweit töten sich jedes Jahr selbst. Mehr als 500.000 davon sind Männer. Suizid ist die 17.-häufigste Todesursache weltweit, für die 15 bis 29-jährigen die 2.-häufigste (nach Unfällen). In Deutschland bringen sich jeden Tag 3 Jugendliche um und 10 versuchen es. Bei uns nimmt sich alle 52 Minuten ein Mensch das Leben, alle 5 Minuten findet ein Suizidversuch statt, alle 9 Minuten verliert jemand einen ihm lieben Menschen durch Selbsttötung.

73% aller Suizide in Deutschland werden von Männern verübt. Während die Suizidrate generell rückläufig ist (außer bei Kindern und Jugendlichen), steigt die Zahl ungeklärter Todesfälle. Es ist davon auszugehen, daß z.B. eine ganze Menge Verkehrsunfälle eigentlich Suizide sind.

Kaum jemand tötet sich out of the blue. Fast jedem Suizid und jedem Versuch dazu gehen Hinweise und Warnzeichen voran. Sehr viele Suizidale wollen nicht ihrem Leben ein Ende setzen, sondern ihren Problemen.

 


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In a nutshell

 

Die Zeichnung bringt es auf den Punkt – egal, ob und wie sich Betroffene äußern oder ob sie schweigen: es wird garantiert gegen sie verwendet. Ich tu’s trotzdem von Zeit zu Zeit.

So gut wie alle Frauen und Männer kennen Sexismus aus eigener Erfahrung und weit mehr, als Sie wahrscheinlich glauben, sind von sexualisierter Gewalt betroffen. Eigentlich sind wir die Mehrheit. Trotzdem glaubt fast jede/r, mit der Beschämung und dem Leid alleine zu sein, denn Scham und Schande sexualisierter Grenzüberschreitungen klebt nicht an den Grenzüberschreitern, sondern zuverlässig an denen, auf die übergegriffen wurde. Um wenigstens das zu ändern, gibt es von Zeit zu Zeit Social-Media-Phänomene wie #Aufschrei oder aktuell #MeToo. Es scheint vielen gut zu tun, sich nicht mehr ganz so allein zu fühlen.

Nicht so gut tut, wenn rschlchr solche hashtags zum Anlaß nehmen, ihren inneren Schweinehund ausgiebig Gassi führen. Nicht so gut tut auch, daß sich am Elefanten im Gesellschaftszimmer seit Jahrzehnten wenig ändert, auch nicht seit den letzten Skandalen in Kirche, Internaten, bei den Grünen, nicht nach #Aufschrei, nicht nach #ausnahmslos. Der allgegenwärtige Sexismus und dessen Extrem-Form, die sexualisierte Gewalt, wird lieber an „Nafris“ o.ä. ausgelagert, der Muslim ist schuld und unser Unglück.

Oder, auch schön: die Betroffenen sind selber schuld. Weil: sie haben unzweideutige Grenzziehung versäumt, tragen die Bluse nicht geschlossen genug, haben den Armlängen-Rat nicht beherzigt, den Fluchtweg nicht geklärt, sind nicht selbstbewußt genug, haben ein „Opfer-Abo“. Woher sollten rschlchr auch wissen, wo sie aufhören und wo andere Menschen anfangen?

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„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ (2/2)

Ein kleiner Bruchteil der O-Töne aus dem am 18.7.2017 veröffentlichten Bericht – Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen – über die Vorschulen Etterzhausen und Pielenhofen, die Jungen waren zwischen 8 und 11 Jahre alt:

Als meine Mutter beschlossen hat, meinen Bruder und mich zu den Domspatzen zu schicken, begann für uns zwei Kinder die schrecklichste Zeit unseres Lebens.

Meine fröhliche Kindheit endete, als meine Eltern mich am ersten Schultag der 3. Klasse in dem Internat in Etterzhausen zurückließen. Von da an spielten die Herren Vorgesetzten M. und H. uneingeschränkt Gott. Angst ist bis heute mein ständiger Begleiter.

Mehrere Male am Tage hieß es Antreten in Zweierreihen, oft unter einer Normaluhr im Flur, um dann zur Kapelle oder in den Speisesaal zu marschieren. Damit dieser Vorgang rasch ging, erhielten die letzten beiden einen festen Schlag mit der zischenden Weidengerte. Statistik war uns da noch nicht geläufig, aber es gibt immer zwei Letzte und bei ca. 80 Knaben kommt dann wohl mal jeder dran. Aber selbst wenn man nicht drankommt, es ist das System der Angst, welches Tag für Tag und Stunde für Stunde herrscht, mit der grauenvollen Gewissheit, dass sich nichts ändert und es kein Entkommen gibt und auch keine Gnade.

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“ … ein Irrsinn. Es ist einfach Irrsinn …“ (1/2)

Georg Ratzinger im Januar 2016 über den Versuch der Aufklärung systematisch verübter Verbrechen physischer, psychischer, sexualisierter Gewalt gegen Jungen in der Domspatzen-Vorschule in Etterzhausen, später in Pielenhofen, im Gymnasium, im Internat und im Chor in Regensburg:

Diese Kampagne ist für mich ein Irrsinn. Es ist einfach Irrsinn, wie man über 40 Jahre hinweg überprüfen will, wie viele Ohrfeigen bei uns verteilt worden sind, so wie in anderen Einrichtungen auch …

Das war ein Moment der Ehrlichkeit, den die eilig nachgeschobene Stellungnahme des Bistums, es sei richtig, alle Beschuldigungen rückhaltlos aufzuklären, nicht wieder einfangen konnte. Immerhin strapazierte das Bistum nicht die beliebte Floskel der schonungslosen Aufklärung, denn schonungslos ist die Aufklärung vor allem und zuerst für die Betroffenen von Gewalt in der Kindheit.

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Kinderbilder

Die Erfindung der Kindheit als Idealraum von Schutz, Bildung und fehlendem ‚Ernst des Lebens‘ ist in unseren Breiten nicht alt, gedanklich noch keine 250 Jahre.

Zuvor wurden Kinder als unfertige Erwachsene betrachtet, von den Reichen bis zu ihrer Menschwerdung irgendwohin aufs Land gegeben. Die Kinder der Armen arbeiteten immer schon mit. Ab der industriellen Revolution auch als praktische kleine Sklaven im Bergbau und in der Industrie.


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Journalismus in Zeiten der Social Media

Facebook betont gern und oft die hauseigene Sicherheit und Familienfreundlichkeit.

Ein Team der BBC beschäftigt sich seit 2015 mit der Verbreitung pädokrimineller Inhalte und mit ‚closed groups‘ bei Facebook, mit klingenden Namen wie ‚We ♥ Skoolgirlz‘. In solchen Gruppen werden sexualisierte Kinderbilder und -filme verbreitet, mit gestohlenen unverfänglichen Kinderbildern und -filmen aus Medien, Katalogen und Blogs gemischt und von Nutzern sexualisiert kommentiert.

Unter den Betreibern der von der BBC beobachteten Gruppen firmiert u.a. ein einschlägig vorbestrafter Pädokrimineller als Initiator und Moderator, der im britischen ’sex offenders register‘ gelistet ist.

Facebook hatte nach der ersten BBC-Recherche erklärt, die Sicherheitsstandards erhöht zu haben und „solicitation of sexual material, any sexual content involving minors, threats to share intimate images and offers of sexual services“ sofort löschen zu wollen.

Das wollte das BBC-Team kürzlich genau wissen und meldete gegen die Nutzerrichtlinien verstoßende Bilder über das facebookeigene System.

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„Opfer“

Das Muster des geschändeten, ehrlosen, unreinen Opfers stammt aus den noch gar nicht lange zurückliegenden Zeiten, als Frauen der Besitz von Männern waren und ihr Wert knapp über dem des lieben Vieh rangierte. Diesen Zeiten entstammt auch der Mythos, Männer hätten den stärkeren Sexualtrieb, den Frauen (notfalls mit dem Gedanken an England) passiv und ohne/mit wenig eigener Lust zu befriedigen hätten. Wenn Frauen Lust empfinden, sie äußern, suchen, wollen und sich verschaffen, sind sie auch heute ruckzuck Ehrlose, Unreine, Matratze, Honigfalle, Schlampe. In diesem magischen Denken sind Frauen selbst an Vergewaltigung schuld und dazu müssen nicht erst konservative muslimische Familien ins Visier genommen werden.

Vergewaltigte Männer kommen in diesem Mythos gar nicht vor, denn nicht selbst zu ficken, sondern gefickt zu werden, zur Frau gemacht zu werden, ist maximal ehrverletzendes Tabu für viele heterosexuelle Männer (zu dem mein Freund J. stets die Empfehlung bereit hält, sie sollten das mal ausprobieren, es entspanne ungemein, fördere die Lebenslust und steigere das Denkvermögen).

Ein weiteres Tabu ist sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Ein Tabu ist ursprünglich ein heiliger Ort, dessen Betreten so verboten ist, daß er von der Landkarte gelöscht ist und nicht einmal gedacht werden kann.

Das Tabu der Vergewaltigung ist ein zweischneidiges Schwert: es läßt die Mehrheit unvergewaltigt, im Falle der vergewaltigten Minderheit aber schützt es die Täter, weil Betroffenen nicht geglaubt und/oder sie für geschändet, ehrlos, unrein, unmännlich gehalten werden. Mit diesem Ausblick auf ihre künftige Behandlung werden Vergewaltigte mundtot gemacht – weswegen Vergewaltigungen weitgehend straffrei in einem riesigen nicht-angezeigten Dunkelfeld stattfinden und Scham und Schande am Opfer, nicht am Täter kleben.


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„Ihr hattet die Kalender, ich hatte die Mädchen“

davidhamilton

David Hamilton hat sich am 25.11. vermutlich selbst getötet.

Mein Mitgefühl gilt eher Flavie Flament und den anderen von Hamilton Vergewaltigten.

„To be noticed by him was to be the chosen one“ …

„When he offered to do a trial shoot, my father was so proud, his eyes were twinkling“ …

„Can you keep a secret?“ he allegedly whispered in her ear. „I was very uneasy and very intimated,“ she told Nouvel Observateur, recounting how he went on to rape her. All said they were too petrified and shocked to react. One alleged he said afterwards: „You’re lucky I chose you because you’re not that beautiful. The others adore what I do to them.“

Ms Flament and the other women said they felt too „guilty“ and „ashamed“ to tell their parents.

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Verbrannte Erde

verbrannteerde

Human Rights Watch hat heute Vorher-Nachher-Satellitenbilder aus dem Norden von Rakhine (Myanmar) veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß in den letzten 6 Wochen mehr als 1.200 Rohingya-Häuser niedergebrannt wurden. Zehntausende Rohingya sind auf der Flucht vor der Gewalt des Militärs und der staatlich ausgebildeten und bewaffneten Bürgerwehren. Humanitäre Hilfe, Lebensmittellieferungen, Gesundheitsversorgung wurden vom Militär in Nord-Rakhine ausgesetzt, dort wurde der Ausnahmezustand verhängt und das gesamte Gebiet zur ‚Operation Zone‘ erklärt.

Aung San Suu Kyis Regierung erklärt hingegen, es seien rund 300 Häuser von Aufständischen zerstört worden, die „für Missverständnisse zwischen den Regierungstruppen und dem Volk sorgen wollen„. Gegenteilige Behauptungen wies sie als „Desinformationskampagne von Terroristen“ zurück.

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