locker room

Beispiel 1 + NachSchlag (nach einem mittleren Beben in einer katholischen Kirche zu Münster, gefolgt von verschiedenen Nachbeben)

Beispiel 2, bei dem ich mich sehr bemüht habe, diese Parallelgesellschaft phänomenologisch zu betrachten, so wie der Papalagi (dessen Geschichte allein schon einen Blog wert wäre)

Beispiel 3 ist die allgemeine Meinerei über Das Zittern der Kanzlerin (ob das als Buchtitel vermarktbar wäre?)

Ich fasse es nicht!

Weiterlesen

vom „großen Stil“

Das letzte Mal, dass politisch (motivierte) Morde in Deutschland in großen Stil passierten, kamen sie von scharf links mit der RAF. Eines vieler Opfer war unser Forschungs-Chef K.Beckurts. Zeigt eigentlich nur, dass alle Ränder am Abgrund liegen.

Joe Kaeser (Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, an das Zentrum für politische Schönheit)

… regelrechte Hinrichtung …, der Mord an einem Politiker, etwas, das wir aus dunklen Tagen der Republik kennen, aus Zeiten der RAF bspw., aber so etwas haben wir in diesem Land glücklicherweise lange nicht sehen müssen.

Georg Mascolo, Terrorismus-Experte der ARD, Brennpunkt

Mit anderen Worten: weder die NSU-Morde noch die anderen mindestens 220 Toten durch rechten Terror seit 1971 werden für „politisch (motivierte) Morde“ oder für „großen Stil“ gehalten. Andernfalls gäbe es ja längst Rasterfahndung, Straßensperren, Fahndungsplakate, Radikalenerlass, Hausdurchsuchung bei z.B. Erika Steinbach, Zerschlagung der Sympathisanten-Netzwerke, Einschränkung der Grundrechte, nicht-erklärten Ausnahmezustand. Joe Kaeser und Georg Mascolo vertreten auch keine exotischen Einzelmeinungen, sondern die Hufeisen fliegen zur Zeit so zahlreich wie tief. Was für eine Art Alarmruf gehalten wird, allein: ohne den leisesten Hauch der oben erwähnten Konsequenzen.

Die RAF hat zwischen 1971 und 1993 33 Menschen ermordet, mehr als 200 wurden verletzt. Durch Fremdeinwirkung, Suizid oder Hungerstreik kamen 24 Mitglieder und Sympathisanten ums Leben.

Der Unterschied: Menschen mit dunkler Haut, ohne Wohnsitz, demokratischer Überzeugung, nicht-heteronormativer Lebensweise sind eben keine Arbeitgeberpräsidenten, Generalbundesanwälte, Vorstandssprecher von Banken, Polizisten, US-Soldaten.

Oder um es mit Daniel Kretschmar, taz zu sagen (Nachtrag 17h):

Obdachlose, Blumenhändler und Imbissbetreiber nichtdeutscher Herkunft, Asylbewerber*innen, Punker, sexuelle Minderheiten und Linke – die Ziele der rechten Mordbrenner haben weniger Gewicht, sie werden in der Mehrheitsgesellschaft selbst als Fremdkörper wahrgenommen.

Ihr Tod und ihre Verletzungen gewinnen nie die treibende Symbolkraft, die eine rigorose Isolierung und die daraus folgende energische Verfolgung der Täter und ihres Umfeldes hätte begründen können. Dahinter stehen Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit und immer wieder Rassismus.

Beim rechten Terror fällt es unseren Potzöberen offensichtlich leichter, sich mit den Tätern, nicht mit den Opfern zu identifizieren.

Deswegen wird uns in Sachen NSU auch eine absurde 3-Täter-These und beim Mord an Walther Lübcke eine Einzeltäter-These serviert. Obwohl (Stand März 2019) 657 Haftbefehle gegen 497 Nazis nicht vollstreckbar waren/sind/sein werden, weil sie in den nationalsozialistischen Untergrund abgetaucht sind. Dessen parlamentarischer Arm, die FckAfD, würde liebend gern DieAntifa® als terroristische Organisation verboten sehen.

Weiterlesen

niedere Beweggründe

 

 

Der 27-jährige Christopher W. starb im April 2018 nach rund 20 Minuten Martyrium. Das Opfer erlitt laut Rechtsmedizinern schwerste Gesichts- und Kopfverletzungen, die Aufzählung der Verletzungen durch die Rechtsmediziner füllt mehrere Seiten.

Er wurde mit einer Eisenstange und einer Neonröhre malträtiert. Er wurde in einen etwa zwei Meter tiefen Schacht geworfen und offenbar wieder herausgeholt. Als er noch lebte, wurde sein Unterarm aufgeschnitten, dann wurde er mit dem Gesicht auf die Kante des Schachtes gelegt und auf seinen Hinterkopf getreten. Dann wurde Christopher W. offenbar erneut in den Schacht geworfen. Zu diesem Zeitpunkt habe einer der Angeklagten gesagt, man solle es zu Ende bringen.

Mit einer schweren Holztür wurde mehrfach auf Christopher W. eingeschlagen, die Kante direkt in sein Gesicht. Sein Gesicht soll regelrecht zertrümmert worden sein, berichteten die Staatsanwaltschaft und der Rechtsmediziner. Die Tat dauerte etwa 20 Minuten, Christopher W. starb an einer Hirnzertrümmerung. Der Staatsanwalt sagte, die Täter hätten die Schuhe von Terenc H. in einer nahen Grube versenkt, weil sie blutgetränkt gewesen seien.

3 Männer, einer davon mit Hakenkreuz-Tattoo auf der Brust, wurden gestern vom Landgericht in Chemnitz wegen Totschlages zu Haftstrafen zwischen 11 und 14 Jahren verurteilt. Nicht wegen Mordes. Obwohl selbst die sächsische Polizei und das Bundesinnenministerium die Tat als „rechts motiviertes Tötungsdelikt“ in ihren Statistiken führen.

Zwar sei rechtsextremes Gedankengut bei den Männern vorhanden, sagte Staatsanwalt Butzkies nach der Urteilsverkündung. Die Tat sei aber davon zu unterscheiden: Nicht jeder, der rechts ist, werde im Zuge einer Straftat von dieser Einstellung getrieben.

Nazis legen bekanntlich ihre Gesinnung ganz besonders dann ab, wenn sie Homosexuelle foltern und töten. Keine „niederen Beweggründe“, keine „Heimtücke“, nirgends.

 


Weiterlesen

„Einzelfälle, Zwischenfälle und sonstige Skandale“

Merken Sie was? Sebastian Kurz macht Wahlkampf, mit anderen Mitteln.

Er regiert mit Hilfe korrupter FPÖ-Nazis. Seine Politik aber ist (laut eigener Aussage und von „immer wiederkehrenden Einzelfällen“ abgesehen) eine reine pure Erfolgsgeschichte. Sebastian Kurz mußte allerdings sehr viel herunterschlucken, ist also Hauptopfer besagter korrupter FPÖ-Nazis. Er möchte für’s wunderschöne Ösi-Land arbeiten. Deswegen muß er ab schnellstmöglichem Zeitpunkt ganz alleine regieren.

Mit anderen Worten: weil Sebastian Kurz so machtgeil ist, daß er mit korrupten FPÖ-Nazis regiert, ist er das einzige Mittel der Mitte™ aka gegen jeden Extremismus (ob von rechts oder links, ist sowieso Hufeisen). Daß der Koalitionspartner unter seiner Führung Nazipolitik macht, war und ist ihm ausdrücklich willkommen, er bedankt sich extra dafür und beläßt alle noch nicht gefilmten FPÖ-Nazis im Amt.

Blöd ist halt nur Korruption und daß Strache/Gudenus sich haben erwischen lassen.

Weiterlesen

Kunst und galoppierende Dummheit

 

Das ist die Denke eines (mir unerklärlich) für wichtig gehaltenen Journalisten, der nicht nur für Die Zeit, sondern auch für die New York Times schreibt. Jochen Bittner scheint komplett ignorieren zu können, daß Nazis aller Art schon seit Jahrzehnten Namen, Bilder, Adressen ihrer Feinde ins Netz stellen und zur Jagd auf sie aufrufen. Ich erinnere auch keine kritische Anmerkung von ihm, als rund um pi das Portal Nürnberg 2.0 entstand (wo etliche seiner Kollegen zu finden sind, u.a. Jörg Lau und Andrea Dernbach), als die AfD jüngst zur Lehrerdenunziation aufrief, als die Blödzeitung mit unverpixelten Bildern nach „G20-Verbrechern“ fahndete. Auch das allgemeine mediale Schweigen zur taz-Recherche über Hannibals Schattenarmee, über rechtsextreme Vernetzung im Umfeld der Bundeswehr wird allmählich ohrenbetäubend laut. Hannibal and friends lassen keinen Zweifel daran, was sie am „Tag x“ mit ihren säuberlich aufgelisteten Todfeinden vorhaben.

Weiterlesen

Werch ein Illtum

 

Das Bauhaus trat 1919 an, um den werktätigen Massen einen kostengünstigen Zugang zu guter Gestaltung zu ermöglichen, Bauhausarchitektur und Gegenstände der Inneneinrichtung sollten ausdrücklich bezahlbar sein. Man glaubte an Gestaltung als moralische Anstalt, an eine Schule des Sehens, an Besserung des Menschen durch die ihn umgebenden Dinge. Auch aus diesem Grund setzte das Bauhaus den Schwerpunkt von Gestaltung und Fertigung auf serielle, auf industrielle Produktion. Anders als arts and crafts im großen britischen Königreich, wo es weit eher um die Autoren und um Unikate ging.

Beides wirkt bis heute nach. In England werden gute Kunsthandwerker eher universitär ausgebildet und mit allen zur Verfügung stehenden Techniken beballert, um möglichst früh zu einer unverwechselbaren Handschrift zu kommen und sich das dafür nötige Handwerk erst später draufzuschaffen. Englische Kunsthandwerker gelten sehr viel eher als Künstler und als Intellektuelle, sie verfügen über vielfältige Infrastrukturen von Präsentation und Verkauf und englische Zeitungen und Magazine sind sich nicht zu fein, um über sie und ihre Arbeit zu berichten.

In (West-)Deutschland herrscht der Fluch der Volkshochschulen. Weil man sich mal 6 Wochen den Hintern beim Töpfern plattgesessen hat und weil Kinder bereits in der Grundschule zum Muttertag dementsprechend formschöne Aschenbecher fertigen, glauben erstaunlich viele Leute, eine jahrtausendealte Hochkultur wie (Beispiel) Keramik sei keines Respektes und schon gar keiner angemessenen Bezahlung wert. Obwohl die tradierten Handwerke weitgehend aus der Handwerksrolle gestrichen wurden, sind in Deutschland 3jährige Lehre, 5 Gesellenjahre, ein Meisterbrief und anschließend noch ein Gestaltungsstudium eher die Regel als die Ausnahme in der Vita guter Kunsthandwerker. Erst wird traditionell das Handwerk erlernt, gute Gestaltung gilt als nachgeordnet. Museen für Kunsthandwerk gibt es nur wenige, Galerien immer weniger und keine große Zeitung und nur wenige Magazine halten es für nötig, fachkundig über angewandte Kunst zu berichten.

Anders verhält es sich mit Design und Architektur. Zwar entspringt jede fehlkonstruktierte optische Umweltverschmutzung in unserer Überflußwarenwelt, jede raumgreifende historisierende Bausünde dem Hirn eines Designers oder Architekten, aber die Ehrfurcht vor akademischer Ausbildung sitzt tief und Millionen Fliegen irren bekanntlich nicht, während gerade bei austauschbarer Massenware die Individualität stets betont wird.

Weiterlesen

Laboratorium der Barbarei

Daniel Binswanger, Republik – Avantgarde der Völker

Schon in der frühen Schrift «We refugees» (Wir Flüchtlinge) erklärte die deutsch-jüdische Philosophin: «Flüchtlinge repräsentieren die Avantgarde ihrer Völker.» Arendt hat aus ihren Untersuchungen (und ihrer Erfahrung) des Totalitarismus den Schluss gezogen, dass die Missachtung der Grundrechte in einer ersten Phase stets nur Flüchtlinge und schutzlose Minderheiten betrifft, bevor sie sich in einer zweiten Phase generalisieren kann. Historisch betrachtet war die Flüchtlingspolitik das Laboratorium der Barbarei. Erst zielt die Aufhebung der Menschenrechte nur auf Migranten – und irgendwann auf die gesamte Bevölkerung.

Wir sollten nicht so naiv sein, zu glauben, dass die namenlosen Tragödien, die sich Tag für Tag und Nacht für Nacht auf offener See abspielen, ohne Einfluss bleiben werden auf das Leben, die Politik und die Gesellschaft in Kontinentaleuropa. Wir sollten nicht so naiv sein, zu glauben, dass diese Toten nicht die unseren sind.

Die Dinge akzelerieren sich.

Nein, die Dinge akzelerieren sich nicht von selbst, sondern jüngst akzelerierte ein narzisstisch gekränkter Noch-nicht-ganz-Altenteiler, der absurderweise glaubte, die CSU stünde hinter ihm wie ein Mann, als er die Kanzlerin erpresste. In der CSU scheint es aber gedämmert zu haben, daß sie zu einer der rechtsradikalen Kleinparteien würde, die sich rund um die 5%-Hürde balgen und in Bayern nie wieder auch nur in die Nähe einer absoluten Mehrheit käme, träte nach dem Bruch der Union die CSU bundesweit und die CDU auch in Bayern an (ich hätte glatt Kleinspenden in Erwägung gezogen).

Übrig bleiben:

Weiterlesen

Do u?

Was will die prominente Besucherin einer der Kinder-Internierungslager an der us-amerikanisch/mexikanischen Grenze sagen, wenn sie – trotz einiger Auswahl an exklusiver Bekleidung – eine 40$-Jacke aus der vorvorjährigen Kollektion eines Feldwaldwiesen-Labels trägt, mit der Aufschrift I really don’t care. Do u?

Wahrscheinlich: Es kümmert mich einen feuchten Scheiß. Dich etwa?

Weiterlesen

Bekloppte Zeiten

 

Es gibt wahrlich viel an Angela Merkels Politik zu kritisieren und ich werde eine sehr feine Flasche Brause köpfen, wenn sie eines Tages durch eine hoffentlich fähigere Person im Amt ersetzt wird. Aber es kann nicht angehen, daß sie wegen einer der wenigen richtigen Entscheidungen zur vorzeitigen Beendigung ihrer Kanzlerschaft genötigt wird.

Denn: der Seehofer Horsti droht mal wieder mit dem Bruch der Koalition. Wenn er seinen Willen nicht bekommt und nach Herzenslust Grenzen schließen und von früh bis spät Asylbewerber kontrollieren und ausweisen darf. Bei Horstis Überholmanövern rechts von der AfD geht es nicht nur um sein reichlich überdimensioniertes Ego, es geht vor allem um CSU-Wahlwerbung für die am 15. Oktober anstehenden Landtagswahlen in Bayern.

Man muß sich die CSU in der Bundesregierung als eine Art regierende Opposition im immerwährenden Wahlkampfmodus vorstellen. Ist kein schöner Anblick.

 

Weiterlesen