Lala: Natacha Atlas

Wahrscheinlich trage ich Eulen nach Athen und jede/r hier kennt Natacha Atlas schon ewig. Außer ich, bis eben.


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Sugar Man

Wahres TV-Gold: Searching for Sugar Man (noch bis zum 23.3.17 bei arte+7 oder hier)

Das ist eine der schönsten Musik-Dokumentationen, die ich kenne. Malik Bendjelloul bekam 2013 sehr verdient einen Oscar dafür, nachdem ihm während der Arbeit am Film so das Geld ausgegangen war, daß er Teile des Films mit dem iPhone fertigstellen mußte. Es geht um (Sixto Diaz) Rodriguez, der in den 1970ern in den USA zwei großartige, aber völlig unerfolgreiche Platten herausbrachte, danach seine Musikerkarriere an den Nagel hing und Gelegenheitsjobs nachging, um seine Familie ernähren zu können.

Südafrika wurde damals von Musikern boykottiert und war völlig isoliert, das meiste seiner Musik stand auf dem südafrikanischen Index. Das Abspielen der indizierten Stücke im Radio wurde verhindert, indem man seine Platten zerkratzte. Rodriguez‘ Musik verbreitete sich unter jungen weißen Südafrikanern via raubkopierten Kassetten und schwarzgepressten Platten wie verrückt, sie entsprach dem Lebensgefühl und trug zum weißen Widerstand gegen die Apartheid bei. Der Mann war in Südafrika wie Bob Dylan, Cat Stevens, die Stones und Jimi Hendrix, nur beliebter. Einer seiner Fans hieß Steve Biko.

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Songs and Stories from Moby Dick

mobydick

Immer wenn ich merke, daß ich um den Mund herum grimmig werde; immer wenn in meiner Seele nasser, niesliger November herrscht; immer wenn ich merke, daß ich vor Sarglagern stehenbleibe und jedem Leichenzug hinterhertrotte, der mir begegnet; und besonders immer dann, wenn meine schwarze Galle so sehr überhandnimmt, daß nur starke moralische Grundsätze mich davon abhalten können, mit Vorsatz auf die Straße zu treten und den Leuten mit Bedacht die Hüte vom Kopf zu hauen – dann ist es höchste Zeit für mich, so bald ich kann auf See zu kommen.

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Lala: Elis Regina

elisregina

Heute ist sie 35 Jahre tot, gestorben mit 36 an versehentlicher Überdosierung von Kokain und Alkohol. Kokain, weil sie sich vor jedem Bühnenauftritt zu Tode fürchtete. Eigentlich war sie fast so etwas wie ein Kinderstar, sie sang schon mit 14 im brasilianischen Radio, später auch im Fernsehen, trat mit 20 auf Festivals auf und war die zeitweilig bekannteste und beliebteste Sängerin Brasiliens. Elis Regina ist die weibliche Personifizierung des Bossa Nova und ihre Musik ist bestens geeignet für schwere See und komplizierte Lebenslagen.

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The grand Kazoo

thegrandkazoo

Wußten Sie, daß Azurro mitnichten und -neffen von Adriano Celentano stammt, sondern von ihm nur interpretiert wurde? Seine Version war das erste Stück Popmusik, daß ich (neben dem mir unerträglichen ob-la-di-ob-la-da der Beatles) als ziemlich kleine dame.von.welt im Radio erinnere.

Ich hatte damals Windpocken – es war Sommer und zwar 1969 oder ’70, große Ferien, blitzblauer Himmel und 30°C im Schatten. Meine Freunde durften alle ins Freibad und zum Eisessen, während ich allein auf dem Sofa unter einer schlimm juckenden Wolldecke lag und mich auf gar keinen Fall kratzen durfte. Mir wurde Kamillentee kredenzt, ich hatte Fieber und Watte im Kopf und schmerzende Augen. Kurz: Scheiße im Quadrat und die Welt sehr stark unfair.

Bis heute gefällt mir die Version der Toten Hosen um viele Lichtjahre besser als die von Adriano Celentano.

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Lala: Sophie Hunger

sophiehunger

Sophie Hunger ist Diplomatentochter, sie ist aufgewachsen in Bern, London, Bonn und Zürich, sie spricht Schwyzerdütsch, Hochdeutsch, Englisch, Französisch so fließend, daß sie locker in einem Satz die Sprachen wechseln kann, sie schreibt (z.B. an Thomas Bernhardt über die Salzburger Festspiele oder ihre Post aus den USA in Begleitung einer Tournee von Tinariwen), sie spielt Klavier, Gitarre und Bluesharp und sie singt. Und zwar wie.

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Lala: Karen Mantler

karenmantler

Karen Mantler ist Carla Bleys unter dem Klavier aufgezogene Tochter, erkennbar nicht nur an den Haaren. Carla Bley wurde 2016 80 Jahre alt, möge sie bitte hundertdrölf werden!

I was conceived by Carla Bley and Michael Mantler at the Newport Jazz Festival in 1965. Born in 1966, I was immediately swept into the musician’s life on the road. After having checked me at the coatroom of the Berlin Jazz Festival, to the horror of the press, my parents realized that I was going to have to learn to play an instrument in order to be useful. But since I was still just a baby and they couldn’t leave me alone, they had to bring me on stage with them and keep me under the piano.

Like her mother, she has a knack for writing music that’s at once ridiculously funny and deadly serious.

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Lala: Fiona Apple

fionaapple

Hach…

Über sie wollte ich schon ewig einen Blog schreiben, es kam aber immer irgendwas dazwischen. Der willkommene Anlaß zu diesem ist eine Meldung bei Pitchfork über ihren Beitrag zum Christmas-Song-Genre, via Smartphone-Video:

Trump’s nuts roasting on an open fire
As he keeps nipping at his foes.
You’ll cry creepy uncle
Every time he arrives
For he keeps clawing at your clothes
Everybody knows some money and entitlement
Can help to make the season white
Mothers of color with their kids out of sight
Will find it hard to sleep at night.

They know that Trump is on his way.
He’s got black boys in hoodies locked up on his sleigh
And every working man is going to cry
When they learn that Letch don’t care how you live or if you die

So I’m offering this simple phrase
To kids from one to 92
Although it’s been said many times, many ways
Merry Christmas to you
Merry Christmas, Merry Christmas
Donald Trump, fuck you.

(Lyrics c+p beim Rolling Stone, Fiona Apple wildert bei Nat King Cole, Chestnuts roasting on an open fire)

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Lala: Eleni Mandell

elenimandell Foto: Screenshot beim Rolling Stone

Wer Tom Waits liebt, kann kein schlechter Mensch sein! So auch Eleni Mandell, eine weitere immerwährende Bewohnerin meiner welche-50-Platten-würden-Sie-mit-auf-eine-einsame-Insel-nehmen-Liste (und zwar mit gleich 3 Platten). Sie ist ein wunderbares Beispiel, daß Berufung auf Traditionen nullkommagarnichts mit reaktionärer Volkstümelei zu tun haben muß.

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Manfred Krug

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-K0324-0020-001/Katscherowski (verehel. Stark), beschnitten

Ja, Manfred Krug war auch mal Liebling Kreuzberg (die feinen Drehbücher schrieb ihm Jurek Becker auf den Leib) und Tatortkommissar, hat sein Gesicht für die albernste Aktie aller Zeiten und die gefühlte Dauerberechtigung zum Nachbarnverklagen hergegeben und er war ganz groß als Brigadier Balla in Spur der Steine. „War“, weil er vor einer Woche gestorben ist.

Aber er war auch ein großartiger Sänger – vor allem, bevor er in den Westen emigrierte.

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