Dota


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Brian Eno

Irgendwann in den 80ern stolperte ich durch Berlin und geriet – ich glaube, in der Nähe der Potsdamer Straße – in eine höchst eigenartige Ausstellung. Der Eingang war tiefschwarz verhängt, dahinter wurde es noch dunkler und das mir, ich bin stocknachtblind.

Fallgruben! Stolperdrähte! Angst!

Es dauerte eine Weile, bis ich mich bewegen konnte, weil ich ein schwaches farbiges Leuchten ausmachte. Darunter eine Installation verdrehter und seltsam proportionierter Stühle an einem Tisch, deren Kanten aus unterschiedlichen Richtungen in sehr langsam wechselnden Farben beleuchtet waren. Ganz allmählich weitete sich das Tiefschwarzdunkel zu Räumen, an den Wänden sich in Farbe und Textur unmerklich verändernde Flächen und es lief Musik, alles nur knapp oberhalb der Wahrnehmungsschwelle.

Ich mäanderte gefühlte 20 Minuten durch die Ausstellung. Als ich wieder auf der Straße stand, waren fast 3 Stunden vergangen und es war wie Aufwachen aus einem langen erholsamen Schlaf.

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Dies und das

Warum eigentlich kennt jede/r die RAF, aber kaum jemand die Hepp-Kexel-Gruppe? Oder die Aktion Widerstand, die Nationalsozialistische Kampfgruppe Ost-Westfalen, Volkssozialistische Bewegung Deutschland, Kommando Omega, Gruppe Ludwig, Odfried Hepp, Peter Naumann, Karl-Heinz Lembke, Ekkehard Weil, Manfred Roeder, Frank Schubert? Allenfalls die Wehrsportgruppe Hofmann bildet die regelbestätigende Ausnahme.

Aus welchem Grund wird der Terror des NSU als „neue Qualität des Rechtsextremismus“ und nicht als Teil einer kontinuierlich ausgeübten, rechtsradikalen Terrortradition seit den 1960er Jahren verstanden?

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Dies und das

Wer wählt, investiert alles was er hat, nämlich die eigene Stimme, in ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Dieser so schöne wie prophetische Satz stammt vom designierten Verkehrsminister. Was man zu dem sonst noch so wissen müßte, steht in seiner „Doktorarbeit„.

Ich überlege ja ernstlich, ob ich nicht alles, was ich habe, darauf verwenden sollte, Politik in den kommenden Jahren konsequent zu ignorieren. Am gernsten würde ich vorne spitz zulaufende Scheuklappen anlegen, die Musik aufdrehen und gelegentlich in eine Tüte atmen – Politikmüdigkeit ist gar kein Ausdruck für meine vorauseilende Scham angesichts des kommenden Kabinetts Merkel lV (mit inkludierter SPD-Erneuerung)

Statt Jammern und Klagen also lieber ein paar Schnipsel über lauter kluge Frauen, schließlich ist heute Weltfrauentag.

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Sugar Man

Wahres TV-Gold: Searching for Sugar Man (noch bis zum 23.3.17 bei arte+7 oder hier)

Das ist eine der schönsten Musik-Dokumentationen, die ich kenne. Malik Bendjelloul bekam 2013 sehr verdient einen Oscar dafür, nachdem ihm während der Arbeit am Film so das Geld ausgegangen war, daß er Teile des Films mit dem iPhone fertigstellen mußte. Es geht um (Sixto Diaz) Rodriguez, der in den 1970ern in den USA zwei großartige, aber völlig unerfolgreiche Platten herausbrachte, danach seine Musikerkarriere an den Nagel hing und Gelegenheitsjobs nachging, um seine Familie ernähren zu können.

Südafrika wurde damals von Musikern boykottiert und war völlig isoliert, das meiste seiner Musik stand auf dem südafrikanischen Index. Das Abspielen der indizierten Stücke im Radio wurde verhindert, indem man seine Platten zerkratzte. Rodriguez‘ Musik verbreitete sich unter jungen weißen Südafrikanern via raubkopierten Kassetten und schwarzgepressten Platten wie verrückt, sie entsprach dem Lebensgefühl und trug zum weißen Widerstand gegen die Apartheid bei. Der Mann war in Südafrika wie Bob Dylan, Cat Stevens, die Stones und Jimi Hendrix, nur beliebter. Einer seiner Fans hieß Steve Biko.

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Songs and Stories from Moby Dick

mobydick

Immer wenn ich merke, daß ich um den Mund herum grimmig werde; immer wenn in meiner Seele nasser, niesliger November herrscht; immer wenn ich merke, daß ich vor Sarglagern stehenbleibe und jedem Leichenzug hinterhertrotte, der mir begegnet; und besonders immer dann, wenn meine schwarze Galle so sehr überhandnimmt, daß nur starke moralische Grundsätze mich davon abhalten können, mit Vorsatz auf die Straße zu treten und den Leuten mit Bedacht die Hüte vom Kopf zu hauen – dann ist es höchste Zeit für mich, so bald ich kann auf See zu kommen.

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Lala: Elis Regina

elisregina

Heute ist sie 35 Jahre tot, gestorben mit 36 an versehentlicher Überdosierung von Kokain und Alkohol. Kokain, weil sie sich vor jedem Bühnenauftritt zu Tode fürchtete. Eigentlich war sie fast so etwas wie ein Kinderstar, sie sang schon mit 14 im brasilianischen Radio, später auch im Fernsehen, trat mit 20 auf Festivals auf und war die zeitweilig bekannteste und beliebteste Sängerin Brasiliens. Elis Regina ist die weibliche Personifizierung des Bossa Nova und ihre Musik ist bestens geeignet für schwere See und komplizierte Lebenslagen.

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