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Ein Gedicht von Warsan Shire, gelesen von Yanna McIntosh. Hören Sie sich das an, zum Mitlesen der Text:

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Dies und das

Alle, die bis zum 3. Oktober im Oberbayerischen sind oder gar dort leben, sollten unbedingt nach Herrenchiemsee pilgern und die Königsklasse IV besuchen! Der Chiemsee ist sowieso immer eine Reise wert, die Insel ein Traum, die Bootsfahrt dahin hochvergnüglich und die Ausstellung wird Ihren Blick auf barocke Architektur und auf zeitgenössische Kunst verändern.

Schloß Herrenchiemsee wurde innen nicht fertig ausgebaut. Im Nordflügel erwartet Sie kein Stuck mit viel Gold und Spiegeln, sondern nackige Ziegelwände und davor liebevoll gehängte Bilder und sorgfältig platzierte Skulpturen, die endlich alle mal genug Platz haben, interessanteste Bezüge zueinander herstellen und in diesem Jahr wird es dort auch noch sehr gut riechen. Gönnen Sie sich das, Sie werden begeistert sein, versprochen! Ich finde es oberschade, daß ich in diesem Jahr schon wieder nicht hinfahren kann, denn mich hat die erste und zweite Ausstellung schwer begeistert. Danke an die Schachnerin für die Begleitungen und jetzt für die stete Versorgung mit verlockenden links, mehr davon später in den Kommentaren – vielleicht hat ja die verehrte Katastrophenchronistin Lust, einen Besuch der Königsklasse in ihre still-alpinen Ferienpläne einzubinden.

 


 

Herrenchiemsee ist aber nicht nur eine Kulisse für einen herrlichen Tag, sondern dort tagte ab Sommer 1948 der parlamentarische Rat und erarbeitete das Grundgesetz. Zu Zeiten, als es in Deutschland rund 13 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den ex-deutschen Ostgebieten, zahllose Ausgebombte, Obdachlose und staatenlos gemachte Displaced Persons gab.

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Brian Eno

Irgendwann in den 80ern stolperte ich durch Berlin und geriet – ich glaube, in der Nähe der Potsdamer Straße – in eine höchst eigenartige Ausstellung. Der Eingang war tiefschwarz verhängt, dahinter wurde es noch dunkler und das mir, ich bin stocknachtblind.

Fallgruben! Stolperdrähte! Angst!

Es dauerte eine Weile, bis ich mich bewegen konnte, weil ich ein schwaches farbiges Leuchten ausmachte. Darunter eine Installation verdrehter und seltsam proportionierter Stühle an einem Tisch, deren Kanten aus unterschiedlichen Richtungen in sehr langsam wechselnden Farben beleuchtet waren. Ganz allmählich weitete sich das Tiefschwarzdunkel zu Räumen, an den Wänden sich in Farbe und Textur unmerklich verändernde Flächen und es lief Musik, alles nur knapp oberhalb der Wahrnehmungsschwelle.

Ich mäanderte gefühlte 20 Minuten durch die Ausstellung. Als ich wieder auf der Straße stand, waren fast 3 Stunden vergangen und es war wie Aufwachen aus einem langen erholsamen Schlaf.

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Dies und das

Wer wählt, investiert alles was er hat, nämlich die eigene Stimme, in ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Dieser so schöne wie prophetische Satz stammt vom designierten Verkehrsminister. Was man zu dem sonst noch so wissen müßte, steht in seiner „Doktorarbeit„.

Ich überlege ja ernstlich, ob ich nicht alles, was ich habe, darauf verwenden sollte, Politik in den kommenden Jahren konsequent zu ignorieren. Am gernsten würde ich vorne spitz zulaufende Scheuklappen anlegen, die Musik aufdrehen und gelegentlich in eine Tüte atmen – Politikmüdigkeit ist gar kein Ausdruck für meine vorauseilende Scham angesichts des kommenden Kabinetts Merkel lV (mit inkludierter SPD-Erneuerung)

Statt Jammern und Klagen also lieber ein paar Schnipsel über lauter kluge Frauen, schließlich ist heute Weltfrauentag.

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Zimt und Erinnerung

 

Hat der Leser etwas von gleichlaufenden und zweigleisigen Zeitsträngen gehört? Ja, es gibt Nebengleise der Zeit, ein wenig illegal und problematisch, doch wenn man solche Konterbande mit sich führt wie wir, ein überzähliges Ereignis, das nicht einzureihen ist, darf man nicht wählerisch sein.

 


 

Ich bin heute morgen mit einem Melodiefragment im Kopf aufgewacht, das ich nicht zuordnen konnte und das mich schier verrückt machte. Bis mir ein in jeder Hinsicht phantastischer Abend im Theater am Ufer vor einem Vierteljahrhundert wieder einfiel: Die Zimtläden, Teatr Kreatur.

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Das gute Leben für alle

 

Extrem bedrohlich im Nachhall des G20-Gipfel ist die aktuelle Fabrikation des Feindes, die Fabrikation der verabscheuungswürdigen linken Verbrechernaturen. Die dazu schon erklärt werden, wenn sie bei der Distanziererei von der Kriminalität auf der Schanze nicht spuren. Laut Verfassungsschutzbericht (S. 99/100) sind – Gewaltverzicht hin oder her – Sie, ich, alle hier Linksextremisten.

Gegen den fabrizierten linken Feind im Inneren werden Forderungen nach mehr Überwachung des öffentlichen wie des grundgesetzlich hochgeschützten privaten Raums, SEKs auf jeder Demo, Ausschnüffelung linker Anwälten, Erklärung linker Journalisten zum Sicherheitsrisiko bemüht. Jede Brutstätte der Gewalt von Roter Flora über Rigaer 54 bis Conne Island muß geschlossen, der Sumpf ausgetrocknet werden. Polizei und Dienste sind Helden ohne Fehl und Tadel und es kommt dem Landesverrat gleich, ihren Machtmißbrauch zu kritisieren. Das ist ungefähr die Rhetorik, die nicht nur von Hardlinern der C-Parteien gepflegt wird, sondern in die auch SPD, FDP und Teile der Grünen einstimmen.

Grundrechte wie Meinungs-, Versammlungs-, Pressefreiheit sollen zu Schönwetter- und Gnadenrechten erklärt werden, ein reaktionärer Wunsch nach Rechtsstaatsabschaffung, wie zu besten RAF-Zeiten. Mit dem Unterschied, daß heute die Menschen- und Bürgerrechte im Parlament nur noch von Teilen der Linken vertreten werden – in den 70/80er Jahren fanden sich dafür noch Teile der SPD und FDP zuständig. Und dann die Grünen, achachach…

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Haare

Irgendwann war ich es leid. Das Gewicht, das an meinem Nacken zog und mir Kopfweh machte. Das schlimme Gefühl an den Wurzeln nach dem Lösen von Zopf oder hochgesteckter Haare. Der bleibende Gestank nach einem Abend in der Kneipe, denn sehr lange Haare wollen nicht jeden Tag gewaschen werden. Die 100 Bürstenstriche an jedem Morgen und an jedem Abend. Das ewige Catcalling, die unerbetenen Griffe in meine Haare und die enttäuschten Männerblicke, die offenbar mein Gesicht im Verhältnis zur blonden Mähne als zu alt empfanden. Ich war süße 36.

Die Friseurin weinte fast, als sie den Zopf abschnitt, einen halben Meter honigblonde, dicke, wellige Haare. Ich fand es herrlich! Es dauerte, bis ich andere Verlegenheitsgesten etablierte. Vorher hatte ich mit dem Zopfende gestikuliert und mir Strähnen um die Finger gedreht, nun griffen die Hände in leere Luft. Von Anfang an liebte ich meinen raspelkurz geschnittenen Nacken. Was für eine Lust, dort jeden Luftzug zu spüren oder mit den Fingern gegen den Strich zu fahren!

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