Supreme Gentlemen

 

Das Glück des Mannes heißt: ich will. Das Glück des Weibes heißt: er will.

(Friedrich Nietzsche, Werke Bd. I (Zarathustra), hrsg. von Karl Schlechta, München 1972)

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„psychisch auffällig“

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen Deutschen, der Medienberichten zufolge aus dem Sauerland stammt und seit längerem in Münster lebte. Nach Informationen von SZ, NDR und WDR war der Mann, Jens R., psychisch auffällig.

Soso. Die Wahrscheinlichkeit, daß Sie, ja genau Sie meine ich, im Laufe Ihres Lebens eine zeitweilige oder dauerhafte psychische Störung erwerben, liegt – je nach Quelle – zwischen 25 und 50%. Ein Viertel bis die Hälfte aller Europäer waren, sind oder werden noch psychisch gestört sein, mögliche Auffälligkeiten inklusive.

Aber die rechtsradikale Hetze gegen die Anderen, gegen Geflüchtete, Menschen mit dunkler Haut und vor allem gegen Muslime ist längst so wirkmächtig, daß ein „psychisch auffälliger“ Täter kartoffeldeutscher Herkunft als beinahe gute Nachricht durchgeht.

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Dies und das

Warum eigentlich kennt jede/r die RAF, aber kaum jemand die Hepp-Kexel-Gruppe? Oder die Aktion Widerstand, die Nationalsozialistische Kampfgruppe Ost-Westfalen, Volkssozialistische Bewegung Deutschland, Kommando Omega, Gruppe Ludwig, Odfried Hepp, Peter Naumann, Karl-Heinz Lembke, Ekkehard Weil, Manfred Roeder, Frank Schubert? Allenfalls die Wehrsportgruppe Hofmann bildet die regelbestätigende Ausnahme.

Aus welchem Grund wird der Terror des NSU als „neue Qualität des Rechtsextremismus“ und nicht als Teil einer kontinuierlich ausgeübten, rechtsradikalen Terrortradition seit den 1960er Jahren verstanden?

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Zirkeltag

 

Nun ist die deutsche Teilung also länger vorbei, als sie bestanden hat. Und ich habe schlimmes Heimweh nach dem Vorwende-Berlin.

Denn ich bin vor über 30 Jahren nicht trotz, sondern wegen der Mauer nach Berlin gezogen, ich liebte die Spuren verlassener urbaner Betriebsamkeit, Birken in den S-Bahngleisen, lange Gänge immer an der Mauer längs vom Wedding nach Frohnau, die fast dörflichen Nischenfreiheiten in Kreuzberg, den Talmi am Kudamm, die Westberliner Seite der Mauerstadt und ihre Möglichkeiten, mit wenig Geld eigenwillige Lebensentwürfe umzusetzen. So lange ich damals lebte, war Deutschland zweigeteilt, das war mir ganz selbstverständlich und ich hasste die Blödzeitung auch dafür, die DDR in Anführungszeichen zu setzen oder sie gleich SBZ zu nennen. ‚Geh doch nach drüben!‘ war Standardkommentar zu vielem, das mir politisch und gesellschaftlich wichtig war.

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Völkermorden

 

 

Gewalt mit krassem Terrorismus und selbst mit Grausamkeit auszuüben, war und ist meine Politik. Ich vernichte die aufständischen Stämme in Strömen von Blut und Strömen von Geld. Nur auf dieser Aussaat kann etwas Neues entstehen.

Lothar von Trotha an Theodor Leutwein, zitiert nach Horst Drechsler: Südwestafrika unter deutscher Kolonialherrschaft. Der Kampf der Herero und Nama gegen den deutschen Imperialismus (1884–1915). 2. Auflage, Berlin 1984, S. 156.

 


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Zimt und Erinnerung

 

Hat der Leser etwas von gleichlaufenden und zweigleisigen Zeitsträngen gehört? Ja, es gibt Nebengleise der Zeit, ein wenig illegal und problematisch, doch wenn man solche Konterbande mit sich führt wie wir, ein überzähliges Ereignis, das nicht einzureihen ist, darf man nicht wählerisch sein.

 


 

Ich bin heute morgen mit einem Melodiefragment im Kopf aufgewacht, das ich nicht zuordnen konnte und das mich schier verrückt machte. Bis mir ein in jeder Hinsicht phantastischer Abend im Theater am Ufer vor einem Vierteljahrhundert wieder einfiel: Die Zimtläden, Teatr Kreatur.

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Unverwundbar

Etwa 790.000 Menschen weltweit töten sich jedes Jahr selbst. Mehr als 500.000 davon sind Männer. Suizid ist die 17.-häufigste Todesursache weltweit, für die 15 bis 29-jährigen die 2.-häufigste (nach Unfällen). In Deutschland bringen sich jeden Tag 3 Jugendliche um und 10 versuchen es. Bei uns nimmt sich alle 52 Minuten ein Mensch das Leben, alle 5 Minuten findet ein Suizidversuch statt, alle 9 Minuten verliert jemand einen ihm lieben Menschen durch Selbsttötung.

73% aller Suizide in Deutschland werden von Männern verübt. Während die Suizidrate generell rückläufig ist (außer bei Kindern und Jugendlichen), steigt die Zahl ungeklärter Todesfälle. Es ist davon auszugehen, daß z.B. eine ganze Menge Verkehrsunfälle eigentlich Suizide sind.

Kaum jemand tötet sich out of the blue. Fast jedem Suizid und jedem Versuch dazu gehen Hinweise und Warnzeichen voran. Sehr viele Suizidale wollen nicht ihrem Leben ein Ende setzen, sondern ihren Problemen.

 


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Peace and Harmony according to Aung San Suu Kyi

Aung San Suu Kyi hat heute eine Rede gehalten, in die die meisten deutschsprachigen Medien (Zeit Online, Tagesspiegel, Welt, FAZ) hineinlesen, sie habe erstmals die Gewalt gegen die Rohingya verurteilt oder gar Partei für sie ergriffen.

Das ist vor allem eins: falsch. Sie hat die Rohingya nicht mal erwähnt, geschweige denn, die ethnischen Säuberungen des Militärs und nationalfaschistischer Buddhisten verurteilt.

“We condemn all human rights violations and unlawful violence” … “We feel deeply for the suffering of all the people caught up in the conflict.”

Ein Äquivalent zu Trumps ‚on many sides‘, das dem schon gewohnten Narrativ der Regierung entspricht, die seit Wochen behauptet, Rohingya würden ihre Dörfer selbst niederbrennen, nichtmuslimische Bürger in Rakhine bedrohen und töten und sie seien sowieso illegale Einwanderer aus Bangladesh.

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Genozid =/= „Kämpfe eskalieren“

Neue Zürcher Zeitung: Die Kämpfe zwischen der Minderheit der Rohingya und der burmesischen Armee eskalieren

Frankfurter Rundschau: Militante Rohingya lösen schwere Kämpfe aus

Das folgende hinkt – wie jeder Vergleich mehr oder minder hinkt – aber wie empfänden Sie eine solche Schlagzeile: „Aufstand im Warschauer Ghetto löst Vernichtung von Juden aus?“

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