„Opfer“

Das Muster des geschändeten, ehrlosen, unreinen Opfers stammt aus den noch gar nicht lange zurückliegenden Zeiten, als Frauen der Besitz von Männern waren und ihr Wert knapp über dem des lieben Vieh rangierte. Diesen Zeiten entstammt auch der Mythos, Männer hätten den stärkeren Sexualtrieb, den Frauen (notfalls mit dem Gedanken an England) passiv und ohne/mit wenig eigener Lust zu befriedigen hätten. Wenn Frauen Lust empfinden, sie äußern, suchen, wollen und sich verschaffen, sind sie auch heute ruckzuck Ehrlose, Unreine, Matratze, Honigfalle, Schlampe. In diesem magischen Denken sind Frauen selbst an Vergewaltigung schuld und dazu müssen nicht erst konservative muslimische Familien ins Visier genommen werden.

Vergewaltigte Männer kommen in diesem Mythos gar nicht vor, denn nicht selbst zu ficken, sondern gefickt zu werden, zur Frau gemacht zu werden, ist maximal ehrverletzendes Tabu für viele heterosexuelle Männer (zu dem mein Freund J. stets die Empfehlung bereit hält, sie sollten das mal ausprobieren, es entspanne ungemein, fördere die Lebenslust und steigere das Denkvermögen).

Ein weiteres Tabu ist sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Ein Tabu ist ursprünglich ein heiliger Ort, dessen Betreten so verboten ist, daß er von der Landkarte gelöscht ist und nicht einmal gedacht werden kann.

Das Tabu der Vergewaltigung ist ein zweischneidiges Schwert: es läßt die Mehrheit unvergewaltigt, im Falle der vergewaltigten Minderheit aber schützt es die Täter, weil Betroffenen nicht geglaubt und/oder sie für geschändet, ehrlos, unrein, unmännlich gehalten werden. Mit diesem Ausblick auf ihre künftige Behandlung werden Vergewaltigte mundtot gemacht – weswegen Vergewaltigungen weitgehend straffrei in einem riesigen nicht-angezeigten Dunkelfeld stattfinden und Scham und Schande am Opfer, nicht am Täter kleben.


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„Wir haben abgetrieben“

Wir haben abgetrieben Screenshot Lebendiges Museum Online, bearbeitet

Es begab sich zu einer Zeit, als deutsche Männer noch ihre Einwilligung zur Berufstätigkeit ihrer Frauen gaben, nach Belieben über das Geld auf ihrem Konto verfügen durften, einem Rezept für die Pille ein ausführlicher moralischer Vortrag des Arztes voranging, der Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft ein Tabu war und mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafen geahndet wurde, nach einem Gesetz aus dem Jahr 1871. Wohlhabende Frauen fuhren in die Schweiz oder in die Niederlande, weniger wohlhabende riskierten ihre Fruchtbarkeit und Gesundheit bei illegalen Abtreibungen unter zweifelhaften Bedingungen oder im noch zweifelhafteren Selbstversuch oder sie bekamen ihre unerwünschten Kinder. Uneheliche Kinder waren eine Schande, die unverheiratete Frauen und ihre Kinder ständig zu spüren bekamen. Ungewollt schwangere Frauen konnten sich oft niemandem anvertrauen, es gab noch keine Beratungsstellen wie pro familia. Viele 68er waren entgegen landläufiger Kolportage kaum frauenfreundlicher als die katholische Kirche.

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#Köln #Silvester #Hauptbahnhof

silvesternacht
Screenshot Focus (beschnitten)

Bisher bekannt ist, daß in der Silvesternacht in Köln (in geringerem Umfang auch in Hamburg und Stuttgart) sexualisierte Übergriffe auf Frauen und Diebstähle von Mobiltelefonen und Portemonnaies stattfanden. In Köln wurden bis zum Morgen des 5.1.2016 60 Anzeigen erstattet, davon 15 wegen sexualisierter Belästigung, darunter eine, die als Vergewaltigung gewertet wird.

Update: inzwischen sind es 90 Anzeigen über 100 Anzeigen mehr als 120 Anzeigen in Köln. Bei etwa drei Viertel der Angezeigen haben die Betroffenen angegeben, sexuell bedrängt worden zu sein, bei 50 wurden die Frauen zudem bestohlen, es wurden zwei Vergewaltigungen angezeigt. 170 Anzeigen sind inzwischen bei der Polizei eingegangen. Bei 117 davon geht es um sexuelle Gewalt. Demnach kamen seit Donnerstagmittag 49 neue Anzeigen hinzu. Samstagabend: laut Polizei 379 Anzeigen, davon 150 wegen sexualisierter Gewalt Laut Polizei am 10.1.: Insgesamt liegen zu den Geschehnissen in der Silvesternacht am Hauptbahnhof Köln 516 Strafanzeigen vor. In etwa 40 Prozent der Fälle ermitteln die Kriminalbeamten unter anderem wegen Sexualstraftaten. In Hamburg wurden 133 Anzeigen erstattet.

12.1.: Mittlerweile bearbeite die Ermittlungsgruppe Neujahr 653 Anzeigen, wie der Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer mitteilte. In etwa 45 Prozent der Fälle werde unter anderem wegen Sexualdelikten ermittelt. 17.1.: Die Zahl der Strafanzeigen von Opfern der Silvester-Gewalt in Köln stieg bislang auf mehr als 670. 18.1. Bisher seien 766 Strafanzeigen gestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. 21.1. Insgesamt wurden 358 Sexualdelikte angezeigt (mit hübscher Grafik, was wann passierte).

Update 13.1. Der Bericht von Innenminister Jäger zur Silvesternacht,  gefunden in der Süddeutschen (danke an ed2m)

„Schlag ins Gesicht“ – „Handy entrissen, mehrere geschädigte Frauen, bei allen versucht, Finger in Scheide einzuführen, misslang wegen Strumpfhose“ – „einer Geschädigten wurde Finger eingeführt“ – „begrabscht, Griff an Po und Scheide“ – „Geschädigte von zwei Männern umringt, dann an Brüsten und Schritt angefasst“ – „Vergewaltigung durch Gruppe, fassten in den Genitalbereich und führten Finger in Scheide ein“.

27 Seiten lang ist der Bericht, allein 13 Seiten nimmt die Auflistung der Delikte ein.

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