Supreme Gentlemen

 

Das Glück des Mannes heißt: ich will. Das Glück des Weibes heißt: er will.

(Friedrich Nietzsche, Werke Bd. I (Zarathustra), hrsg. von Karl Schlechta, München 1972)

 

Why was I condemned to live a life of misery and worthlessness while other men were able to experience the pleasures of sex and love with women? …

All I ever wanted was to love women, and in turn to be loved by them back. Their behavior towards me has only earned my hatred, and rightfully so! I am the true victim in all of this. I am the good guy. Humanitiy struck at me first by comdemning me to experience so much suffering. I didn’t ask for this. I didn’t want this. I didn’t start this war… I wasn’t the one who struck first. But I will finish it by striking back. I will punish everyone. And it will be beautiful. Finally, at long last, I can show the world my true worth.

(Elliot Rodger, Seite 137, Ende von My twisted world)

 

The Incel Rebellion has already begun! We will overthrow all the Chads and Stacys! All hail the Supreme Gentleman Elliot Rodger!

(Alek Minassian, unmittelbar vor dem Attentat auf Facebook. Incel: involuntarily celibate, unfreiwilliges Zölibat, Chads: Männer, Stacys: Frauen, die beide keine Probleme mit Sex und/oder Partnerschaft haben)

 

Hass gegen Frauen, insbesondere gegen Feministinnen ist nicht nur die Querfront schlechthin, es ist auch augenfällig, wie viele Attentäter ihre Gewalt mit Frauenhass rechtfertigen. Weil Frauen ihnen ihr angemaßtes Menschenrecht auf Sex mit einem anderen Menschen vorenthalten (wobei Sex auch als Metapher für Zuwendung dienen dürfte). Das ist bei Islamisten nicht recht viel anders als bei z.B. Breivik.

Er zürnt der Frau, weil er sie nötig hat, wo er sie doch lieber zum entbehrlichen Anhängsel erklären würde. … Er träumt von einer uniformen, gleichgeschalteten Welt; sie dagegen verkörpert das eindeutig und irreduzibel Andere, die Freiheit, nicht Mann zu sein, und die Fähigkeit, Vielfalt in die Welt zu bringen.

Die „Anderen“ müssen besessen und gezähmt werden! Das findet auch Robert Timm:

There is no such thing as Penisneid. Wenigstens sind kaum Frauen bekannt, die wahllos und willkürlich morden, weil ihnen Männer wasauchimmer vorenthalten. Gebärmutterneid und Neid auf (als weiblich erachtete) Sozialkompetenz liegt näher.

Und: dieser Diskurs trägt einen hundertjährigen Bart.

 


Bild (beschnitten): Elsie esq., Wikimedia Commons


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24 Gedanken zu „Supreme Gentlemen

  1. redfox hat im Zeitforum mal eine Sammlung misogyner Klassiker zusammengestellt – von Voltaire, Rosseau, Diderot, Nietzsche, Herder, Fichte, Schopenhauer, Horkheimer, Marcuse und weiteren Großdenkern – deren gestörtes Verhältnis zu Frauen immer noch wirkmächtig ist.

    Lesenswert fand ich auch The Global Echo of Violent Misogynie von David Futrelle und Anders Breivik’s chilling anti-feminism von Jane Clare Jones, Guardian.

    Zum Attentat in Toronto – Ben Collins, Brandy Zadrozny, nbcnews – After Toronto attack, online misogynists praise suspect as ’new saint‘, Dan Bilefsky and Ian Austen, NYT – Toronto Van Attack Suspect Expressed Anger at Women, Charmaine Noronha, David Crary, Chicago Tribune – Toronto van driver posted anti-women Facebook message before attack, police say, Jennifer Yang, The Star – Facebook post linked to Alek Minassian cites ‘incel rebellion,’ mass murderer, Angela Gruber, SPON – Netzbewegung Incel. War der Amokfahrer von Toronto ein Frauenhasser? , Focus – Femi-Faschismus: Jetzt zeigt sich, wie Toronto-Amokläufer von Frauenhass besessen war

      • Es gibt ja diverse Fetische mit Urin, für solche Leute sind diese Pissoirs doch ganz angenehm. Dann bleibt es bei der Theorie und die Urinfetischisten sind es zufrieden. Und vielleicht gibt es Frauen, die sich gerne anpinkeln lassen und vielleicht gibt es auch Männermünder, in die man reinpinkeln kann. Irgendwie ist das eine ganz interessante Kunstform: Man muss pinkeln, geht aufs Klo und muss dann in diesen Mund reinpinkeln. Man kann sich dabei Gedanken über sein Verhältnis zu Frauen machen, vielleicht kommt etwas Wegweisendes dabei raus. Ich werde das Ding für die nächste documenta vorschlagen.

        Das ist so abwegig, dass es interessant ist. Im Übrigen bitte ich von der Diskriminierung nicht mehrheitsfähiger Sexualpraktiken abzusehen. Auch Urinerotiker haben ein Recht auf Minderheitenschutz.

  2. dein link zur Dame mit hundertjährigem Bart ist toll (ich weiß, nicht die Dame hat den Bart, sondern das Thema), ich habe mich festgelesen und fand ihn so was von witzig und aktuell! Der Mörder von Toronto und dieser andere Typ, dem sie den Echo-Preis für sein unsägliches Gerappe und Geplapper gegeben haben – ich las davon gestern in einem befreundeten Blog -, sind nur die Spitze eines weit und breit gelagerten Gebirges von Misogynie.

  3. Dazu auch: http://www.taz.de/Europas-Antifeministisches-Netzwerk/!5498934/ und die in einem Kommentar verlinkte Studie: https://www.epfweb.org/sites/epfweb.org/files/rtno_epf_book_lores.pdf
    (Ohne Zitat, die Studie ist auf Englisch und der liebe Gott hat nicht gewollt, daß ich Engländer geworden bin ;) .)

    Es stinkt mich als Katholik (wenn auch nichtpraktizierend) an, daß die Kirche denen sogar Räume zur Verfügung stellt. Da muß Papst Franziskus seine eigenen Worte: „Nicht eine homosexuelle Neigung, sondern die Lobbybildung Homosexueller sei für ihn ein ernstes Problem. Lobbys seien schlecht.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskus_(Papst)#Sexualit%C3%A4t) ernstnehmen.
    Natürlich kann der Stellvertreter des Chefs der einzigen zentralistischen Religion in der Niederlassung „Erde“ nicht den „Großen Sprung“ ins 21. J.h. machen, was so den lege artis angeht, aber homo catholiticus muß nicht (mehr) mit Leuten paktieren, die das mit der Nächstenliebe irgendwie ned kapiert haben (und sich demzufolge auch nicht selbst lieben, will hier aber ned Bibelexegese betreiben haha)!!!

  4. Da hast Du schon recht, Dame von Welt, ein Recht auf Sex gibt es nicht.

    Nun könnte man aber meinen, dass wenn es etwa gleich viel Männlein und Weiblein auf der Welt gibt, die meisten doch eine(n) etwa gleichwertigen Partner/Partnerin finden müssten und nur wenige allein bleiben müssten.
    Tatsächlich verbringen aber sehr viele das meiste Leben allein, über die Gründe kann man spekulieren, Hypergamie spielt dabei sicherlich eine wesentliche Rolle.
    Gewaltiger sozialer Sprengstoff das, wo kommt der her? Wer ist dafür verantwortlich?
    Die Männer, die Frauen, die Natur?
    Was kann man dagegen tun? Oder einfach alles so lassen wie es ist?

    • Hab ich das richtig verstanden?!? Die Typen machen Blödsinn, weil sie alleine sind und die sind alleine weil die Weiber sich lieber dem Kerl mit der vollen Brieftasche an den Hals werfen… meine Fresse!
      Da fehlt noch der Islam, Polygamie, und für die armen Tropfe bleibt nix übrig außer die Verheißung auf 88 Jungfrauen. *kopfschüttel*

    • Willkommen Hannes!
      Hmnuja, ein Recht auf Sex leitet sich ab aus dem Naturrecht aka ganzjähriger Sexualtrieb. Es gibt aber kein Menschenrecht auf Sex mit einer anderen Person. Sondern jede/r ist zunächst für die eigene Lust höchstselbst verantwortlich und niemand sonst. Was der Gründung einer IG Sex oder Ehe nicht im mindesten widerspricht oder auch: wer ficken will, muß freundlich sein.

      Ein Grund, warum viele ihr Leben freiwillig oder unfreiwillig allein und ungevögelt verbringen, hängt damit zusammen, daß Sex als Kommunikationsform extrem unterschätzt wird. Mit einem, der mich für seine Bedürfnisanstalt hält, möchte zum Beispiel ich mich lieber nicht ausführlicher unterhalten.

      Hypergamie als Erklärungsmodell halte ich für veraltet. Auch, wenn Frauen nach wie vor im Durchschnitt weniger verdienen als Männer und wesentlich mehr unentgeltlich verrichtete Arbeit in Haushalt, Pflege und bei der Kindererziehung leisten, sind Frauen heute annähernd vergleichbar gut ausgebildet wie Männer, kommen also ihrerseits in die Lage, sich „nach unten“ zu binden oder aber überkommenen Klassismus zu überdenken und abzulegen.

      Aus verrückten Gründen laufen Frauen aber ausgesprochen selten Amok <-Blogthema
      Hätten Sie dazu auch noch einen Beitrag oder möchten Sie den gewaltigen sozialen Sprengstoff Hypergamie als Erklärungsmodell für misogyn motivierten Terror anführen? Dann lassen Sie sich bitte noch einmal den Begriff Bedürfnisanstalt auf der Zunge zergehen, denn Frauen sind auch keine solche in der beliebten mein-Haus-mein-Boot-mein-Auto-Reihe oder zu sonstiger männlicher Selbstwertgewinnung.

      Und bevor Sie sich noch auf einen falschen Dampfer begeben: auch Frauen haben sehr mächtige Triebe. Außerdem einen Kopf, der nicht nur dem Unterhalt ihres Friseurs dient.

  5. Jedes Argument, das ein Mensch/Mann vorbringt, um Menschen zu töten, ist verkehrt.
    Wenn wir uns mit den Motiven von Mördern befassen, schenken wir ihnen eine Aufmerksamkeit, die sie nicht verdienen.

    • Bitte entschuldigen Sie, daß mich die Motive von Mördern sehr wohl interessieren. Weil: es ist augenfällig, daß Frauenverachtung in z.B. der Pick-up-Manier grundlegender Bestandteil rechtsradikaler Weltbilder ist und es gibt auffällig viel misogyn motivierten Terror (der aus meiner Sicht viel zu selten auch als solcher benannt wird).

      Mir geht es nicht um „Argumente“, die Gewalt u.U. noch rechtfertigen. Sondern um Erklärung, damit um Möglichkeiten zur Veränderung.

      Haben Sie eine solche Erklärung oder gar eine Idee zur Veränderung oder habe ich bloß mal wieder einen für Sie nicht akzeptablen Blog abgeliefert? Dann bäte ich Sie gleich nochmal um Entschuldigung.

  6. Ich sehe keine (rationalen) Erklärungen für irgend einen Mord und deshalb finde ich auch keine Möglichkeit einer Veränderung der potentiellen Mörder. Ich sehe da keinen Weg von schlechten Motiven zu einer guten Veränderung.
    Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, ist die Vorsicht und der (Selbst)Schutz potentieller Opfer.

    • Wie genau stellen Sie sich Vorsicht und (Selbst)Schutz von Passanten (<-Toronto) vor?
      Wie sollen sich Frauen Ihrer Meinung nach generell vor frauenhassenden Gewalttätern schützen? (mal davon abgesehen, daß besagte Vorsicht/(Selbst)Schutz Frauen eine weitere unentgeltlich verrichtete Arbeit zumutet)

      Sollte man womöglich – statt Solidarität mit den "Anderen", mit Nichtmännlichen, mit Nichtheterosexuellen zu üben – doch besser alle Frauen bewaffnen?

  7. Ich habe keine Antworten auf alle Fragen. Aber mit Automördern muss in Zukunft weiter gerechnet werden. Was da etwas helfen könnte, wäre die gesetzliche Verpflichtung, alle LKWs mit automatischer Notbremsung und die Fußgängerbereiche mit versenkbaren Pollern auszurüsten. Barcelona hat das im gesamten Altstadtbereich, leider nicht an der Rambla. „Bewaffnung“ ist auch nicht verkehrt, soweit es sich um passive Bewaffnung handelt (Notsignalknöpfe wie bei Senioren, Alarmsignalkopf etc.)

  8. ORF:

    Hass auf Frauen – oder zumindest ein äußert schwieriges Verhältnis zu Frauen – zieht sich mittlerweile als Muster bei vielen Amokläufern durch: Nikolas Cruz, der Amokläufer von Parkland (Florida) mit 17 Toten, soll laut Bekannten vor seiner Tat Frauen belästigt und ihnen aufgelauert haben. Omar Mateen, der in einem Nachtclub in Orlando 49 Menschen erschossen hat, soll seine Frau physisch missbraucht und von der Umwelt abgeschnitten haben.

    Seungh Hui Cho tötete im April 2007 32 Menschen an der Virginia Tech, zwei Jahre zuvor musste er sich wegen Belästigung zweier Frauen an der Universität verantworten. Stephen Paddock beschimpfte und erniedrigte seine Freundin regelmäßig in der Öffentlichkeit: Beim Massaker in Las Vegas tötete er 2017 58 Menschen.

    • Das ist eines der Muster, aber es gibt noch mehr: übersteigerter Geltungsdrang gepaart mit Erfolglosigkeit en gros und Erfolglosigkeit en detail. So jemand sucht sich Opfer, um sein krankes Ego aufzurichten.
      Der Krankenhausmörder hat (mindestens) 100 Menschen getötet (Frauen und Männer), um durch die Wiederbelebungsmaßnahmen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. So kann jeder Massenmörder („Attentäter“) heutzutage einmal in seinem Leben volle mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dieses mediale Interesse für den Täter tötet weitere Menschen, weil es Nachahmer anlockt.

  9. Außer in meiner Eigenschaft als Pflegevater war ich in meinem Leben noch nie in einer Position, dass ich einem anderen Menschen etwas „vorschreiben“ wollte oder „vorschreiben“ konnte.
    Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass ich auch Ihnen nichts vorschreiben kann oder vorschreiben will.
    Ich warne allerdings vor den Folgen, die mediale Aufmerksamkeit für Mörder mit Aufmerksamkeitsdefizit nach sich zieht: „Wenn wir uns mit den Motiven von (diesen) Mördern befassen, schenken wir ihnen eine Aufmerksamkeit, die sie nicht verdienen. … Dieses mediale Interesse für den Täter tötet weitere Menschen, weil es Nachahmer anlockt.“

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