„Das ist mir zu billig“

Wer den Hintergrund nicht kennt, macht sich am besten beim Bildblog schlau. Oder bei der Titanic, bei Arnd Festerling, Frankfurter Rundschau, bei Stefan Kuzmany, Spon, Prof. Volker Lilienthal, Journalist, Journalismusforscher, Christoph Lauer, Tagesspiegel oder bei Twitter unter #miomiogate.

Neben Julian Reichelt schafft es nur noch Jakob Augstein, gleich 5 gedankliche Kurzschlüsse in einem einzigen Tweet unterzubringen.

Titanic hat Bild bewusst getäuscht, mit echtem „kriminellen“ Aufwand.

Nein, Titanic hat der Blödzeitung bloß neun Fake-Emails zugespielt, u.a. mit der bei den Jusos nicht existenten Endung jusos.de. Bei Bild hielt man Überprüfung und Recherche für verzichtbar. <-Das muß für kriminell gehalten werden, nicht die Entlarvung der bei Bild üblichen Idee von Journalismus.

So läßt sich jede Zeitung, jede Institution täuschen.

Nein, Herr Augstein. Beim Freitag greift man allerdings auch zur Angriff-ist-die-beste-Verteidigung-Taktik, wenn dort unjournalistisch gearbeitet wurde. Man denke nur an Ihren üblen Umgang mit Petra Reski.

Ich erkenne das aufklärerische Interesse nicht.

Hmnuja, ich schon. Über die bei Bild übliche bösartige Kampagneritis und die Abwesenheit journalistischer Minimalstandards kann gar nicht oft genug aufgeklärt werden. Gar nicht schlimm, wenn das auch noch höchst amüsant geschieht.

Das ist reine Destruktion.

Äh, nein. Das ist notwendig und sinnvoll. Für die reine Destruktion sorgte btw. weniger die Titanic, das tut Julian Reichelt (und Sie) im Nachklapp auf Twitter.

Die Freude ist groß, weil es gegen Bild geht.

In der Tat. Und mit was? Mit Recht.

Pressekodex, Ziffer 2:
Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt.

Max Goldt (aus Der Krapfen auf dem Sims, Seite 14) über Bild:
Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.

Das ist mir zu billig.

Das lasse ich mal lieber unkommentiert.

 


Bild: Screenshot bei Twitter


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27 Gedanken zu „„Das ist mir zu billig“

  1. Pingback: Presseschredder 22.2.2018 | Schrottpresse

  2. »Während Chefredakteur Julian Reichelt die Berichterstattung seiner Zeitung nach außen vehement verteidigt, gibt er sich intern reumütiger. „Die Gewichtung als Schlagzeile war im Nachhinein falsch. Das geht allein auf mich“, schreibt er in einer Mail an sein Redaktionsteam. «
    Meedia

    Unklar ist allerdings, ob diese Mail ebenfalls ein Fake ist :-)
    »…Ich zitiere hier einmal ausgerechnet Jakob Augstein, der einer unserer schärfsten Kritiker ist« gibt dann doch zu denken.

  3. Augsteins Schwatz-Kumpel bei Phoenix, Blome, hatte wohl die Ente zu verantworten. Jakob musste dem Nikolausi als verfrühter Osterhasi verständnisvoll zur Seite stehen. Und Hubsi Knabe wittert schon die Osterstasi …

    • Was sich schüttelt, ist ein Reim und sowieso gut.
      Nikolaus Blome ist aber bloß Vizechef. Julian Reichelt ist Nachfolger von Kai Diekmann und trägt die redaktionelle Gesamtverantwortung.

      • Aber Nikolausi trägt den Sack der Verantwortung für Politik und Wirtschaft beim größten Drecksblatt des Kontinents und sollte dieserhalb und derowegen dafür zuständig sein, was bei dieser Sache in den Stinkstiefeln der Leser gelandet ist. Dass Reichelt, dem ungekrönten Superstar des Schmierenjournalismus, als Paten der Gang die Ehre des Oberschmutzfinks gebührt, sei unbestritten.

          • Können solche Augen lügen? Ja.
            Aber wenn die gute (!) Story ausnahmsweise mal wahr ist, die SPD ist doch schon lange auf den Hund gekommen. Fragt sich nur woher Nikolausi weiß, dass dies Mitglied aufgenommen wurde, weil es gegen die „GroKo“ stimme. Könnte doch auch dafür bellen?

            Apropos „GroKo“:

            >>Baggermatsch

            Wer oder was hat Journalisten und Journalistinnen, Talkmaster und Talkmasterinnen, Politiker und Politikerinnen, Politik“wissenschaftler“ und Leserbriefschreiber jederlei Geschlechts so verzaubert, dass sie, dem Sandkastenalter längst entwachsen, über Nacht statt „Große Koalition“ sage und schreibe nur noch „GroKo“ sagen und schreiben konnten Und wann werden sie die Kanzlerin des Kapitals die „KaKa“ nennen? und im Bundestag statt „Hört, hört!“ „Kuckuck – dada“ zwischenrufen?<< (Michael Schilling, konkret 3/2018, S.10)
            Andrea "Bätschi" Nahles, große Vorsitzende in spe, ist auf einem guten Wege dahin.

  4. In der Netzlese beim Freitag steht ein Beitrag des Journalismusforschers Prof. Volker Lilienthal
    „Vergessen wir nicht, dass „Bild“ hier mit unbewiesenen – und nun auch widerlegten – Behauptungen in einen laufenden politischen Entscheidungsprozess eingegriffen hat.
    In einer solchen Situation mit einer Tendenzberichterstattung zu kommen, die geeignet war, den wortmächtigsten GroKo-Gegner, nämlich Juso-Chef Kevin Kühnert, politisch und moralisch zu deklassieren, war der unzulässige Versuch einer offenkundig politisch motivierten Intervention in einen Meinungsbildungsprozess.“
    http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_83271996/meinung-nach-titanic-vorfall-auf-die-bild-ist-kein-verlass.html

  5. Weil es mir gerade in die Hände fiel – Thomas Fischer bei meedia über Kenntnisfreie „Fakten-Checker“ bei „Hart aber fair“: Plasberg und Bild strapazieren das „gesunde Volksempfinden“, Roman Reusch kommt auch darin vor.

    Ebenfalls meedia – Interview mit RT International zum Bild-Coup: Auftritt von Titanic-Redakteur bei russischem Staatssender stößt auf Kritik

    Ich muß wohl nicht groß betonen, daß ich die Idee, sich beim Kremlfunk besser informieren zu können als bei seriös arbeitenden Medien, für – vorsichtig formuliert – gaga halte.
    Mir fehlt aber in der aktuellen Aufregerei ein Gedanke: was, wenn das Interview bei RT ein wohlüberlegter Schachzug der Titanic war und mit Satire nichts zu tun hat? Was, wenn Hürtgen das Interview gab, um die Lügenpresse-Plärrer (die eine größere Schnittmenge mit Blödzeitungslesern haben dürften) auf eine für sie glaubwürdige Art über Reichelts journalistische „Fähigkeiten“ zu informieren?
    RT gilt denen als glaubwürdiger als alle „Mainstreammedien“ zusammen.

    • „Was, wenn Hürtgen das Interview gab, um die Lügenpresse-Plärrer (die eine größere Schnittmenge mit Blödzeitungslesern haben dürften) auf eine für sie glaubwürdige Art über Reichelts journalistische „Fähigkeiten“ zu informieren?“

      Das wäre ein angenehmer Twist. Allerdings glaube ich nicht, dass die Lügenpresse-Plärrer tatsächlich eine so große Schnittmenge mit Blödzeitungslesern haben – ersteren gilt BILD doch vor allem als Merkels Zentralorgan, oder nicht? Man hüte sich davor, alle Bekloppten in einen Topf zu schmeißen. Die mentalen Allianzen, die derzeit entstehen (Titanic + RT / Antifa + Merkel in Hamburg …) sind wirklich zum Piepen. Mehr Anarchie war nie! ;)

      • Hm, war mißverständlich formuliert – ich meinte nicht nur explizit die Blödzeitung, sondern alle Drecksblätter, die in Blöd-Manier arbeiten. Ich kann mir schon vorstellen, daß die Lügenpresse-Plärrer eher die z.B. SUPERillu kaufen als z.B. Die Zeit.

  6. Schöner Artikel von Jürn Kruse, taz – Schwache Verteidigung

    Man kann das Spiel namens Boulevardjournalismus grundsätzlich ablehnen. Weil es unanständig ist, weil es die Endung -journalismus nicht verdient. Aber einen Hund zum SPD-Mitglied zu machen, um zu verdeutlichen, dass der Mitgliederentscheid anfällig für Manipulationen ist, ist klassischer, gut eingefädelter, pointierter Boulevard. Man kann das ganze Thema seriös aufschreiben – oder man meldet eben einen Hund bei der SPD an.

    Aber: Genauso wie die Bild die SPD vorführte, führte kurz darauf die Titanic die Bild vor. Am Mittwoch, einen Tag nach der Hundegeschichte, ließ das Satiremagazin seine auch schon ein paar Tage länger eingefädelte Story vom Stapel: Die Mails, auf die sich die „Schmutz-Kampagne“-Schlagzeile stützte, stammten von Moritz Hürtgen, einem Titanic-Redakteur. Kein Juri. Kein Kevin Kühnert. Alles ausgedacht, reklamiert die Titanic für sich. Bumm.

    Es ist genau das, was man Reichelt und der Bild bei ihrer Story über Hund, SPD und Mitgliederbefragung vorgeworfen hat. Und auch bei den Geschichten zuvor, als die Bild davor warnte, dass auch Ausländer bei der SPD-Mitgliederbefragung mitmachen dürften. Ausländer!

    Nur scheint Reichelt das entweder nicht zu erkennen. Was blöd wäre. Oder er will es nicht erkennen. Was bigott wäre.

    Am Donnerstag änderte sich die Verteidigungsstrategie: Es ging nun auf Reichelts Twitteraccount fast nur noch darum, dass Hürtgen seinen Coup auch im russischen Sender RT kommentierte. Mehr als zwei Dutzend Mal retweete oder zitierte Reichelt Beiträge, in denen Kühnerts Auftritt bei RT kritisiert wurde. Und kam wieder zu einem eigenwilligen Schluss: „Wer professionell gezielte Desinformation betreibt und damit RT bedient, kann sich nicht auf Freiheit der Satire berufen.“

    Doch, Herr Reichelt, kann er. So wie Sie sich auf die Freiheit der Presse berufen dürfen, wenn Sie einen Hund in die SPD einschleusen.

  7. Der arme Herr Augstein… :-) Sie, liebe dame von welt, haben ihn beim Freitag negativ erlebt, nicht wahr? Ist das denn ein Wichtigtuer? Muss man ihn abschreiben? Immerhin versucht er, linke Inhalte ins Öffentliche zu transportieren.

    • Bitte? Ich habe den armen Herrn Augstein beim Freitag kaum mehr negativ erlebt als Sie, lieber genova. Ich habe Ihnen ein bißchen mehr FC-Bloggerei und eventuell noch einen Freitag-Salon voraus (in dem Hamed Abdel-Samad, von Gastgeber Augstein weitgehend ungestört, sein Islam-Faschismus-Buch bewerben konnte und größere Teile des Publikums aus heutigen AfD-Wählern bestand).

      Augstein hat seine journalistischen und verlegerischen Meriten auf Kosten von Freitag und FC erworben. Sein ursprüngliches, so großartiges wie nicht-eingelöstes Vorhaben der Verflechtung von redaktionellen Beiträgen und Blogosphäre machte ihn prominent und beförderte ihn in Talkshows. Vorbei vorbei, damit auch sein Interesse und seine Spendierhosen, der hat schon lange jedes Interesse am Freitag verloren.

      Falls Sie sich über Inhalte informieren wollen, die er ins Öffentliche transportiert, lesen Sie am besten seine SPON-Kolumne, seine Tweets oder Sie klicken auf den tag Jakob Augstein – darunter auch ein Text, den man eher dem Heimathorst oder Martin Sellner zuordnen würde. Sie sehen das ja vielleicht anders – ich halte weder nationalchauvinistische Heimatbeschwörung noch Verteidigung eines rechten Drecksblattes für linke Inhalte.
      Ich sollte mir wirklich jeden weiteren Blog über Augstein verkneifen.

    • Noch son Augstein-Versuch, „linke Inhalte ins Öffentliche zu transportieren„:

      Da steht also in Essen dieser Tafel-Chef und versucht, die Folgen dieser verfehlten Politik aufzufangen. Das hinterlässt Spuren in seiner Sprache. Syrer und Russlanddeutsche hätten ein „Nehmer-Gen“, hat er dem SPIEGEL gesagt, es fehle an einer „Anstellkultur“.

      Laut Augstein fräst verfehlte Politik rassistische „Spuren“ in die Sprache, dieser Tafel-Chef in Essen konnte gar nicht anders, als über syrische und russlanddeutsche Gene zu philosophieren – im Umkehrschluß: wenn unsere Potzöberen keine verfehlte Politik machen würden, gäbe es keine Rassisten, nirgends °_O

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