Zirkeltag

 

Nun ist die deutsche Teilung also länger vorbei, als sie bestanden hat. Und ich habe schlimmes Heimweh nach dem Vorwende-Berlin.

Denn ich bin vor über 30 Jahren nicht trotz, sondern wegen der Mauer nach Berlin gezogen, ich liebte die Spuren verlassener urbaner Betriebsamkeit, Birken in den S-Bahngleisen, lange Gänge immer an der Mauer längs vom Wedding nach Frohnau, die fast dörflichen Nischenfreiheiten in Kreuzberg, den Talmi am Kudamm, die Westberliner Seite der Mauerstadt und ihre Möglichkeiten, mit wenig Geld eigenwillige Lebensentwürfe umzusetzen. So lange ich damals lebte, war Deutschland zweigeteilt, das war mir ganz selbstverständlich und ich hasste die Blödzeitung auch dafür, die DDR in Anführungszeichen zu setzen oder sie gleich SBZ zu nennen. ‚Geh doch nach drüben!‘ war Standardkommentar zu vielem, das mir politisch und gesellschaftlich wichtig war.

Am 9. November ’89 war ich nicht in Berlin, sondern arbeitete mit einer Kollegin in München und war froh darum, denn der Berliner Freudentaumel mit angeschlossenen Bananengeschenken war mir suspekt. Mir war schon blümerant geworden, als Wir sind das Volk zu Wir sind ein Volk wurde und der Mann, der das Schild mit der Aufschrift „Ich bin Volker!“ hochhielt, ist für mich bis heute die Personifizierung von herrlichem Humor Ost.

Mein einziges Moment ungetrübter Freude über den Mauerfall war die Aussicht, meine Ostberliner Freunde endlich auch an meinen Küchentisch bitten zu können, denn nur wenige von ihnen waren so prominente Künstler, daß sie gelegentlich nach Westberlin fahren konnten. Zwei Jahre lang war ich fast jeden Sonntag in Ostberlin gewesen und die Abschiede kurz vor Mitternacht waren ein immer schmerzlicher Abbruch. Ich war so beeindruckt von Offenheit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft, von großartigen Kulturveranstaltungen, die nur durch vieler Hände Arbeit möglich wurden, von der Vielfalt im marktunabhängigen künstlerischen Schaffen.

Schmerz über den Verlust fast aller dieser Kontakte war später schon auch da, denn alle Welt war in aller Welt, man reiste, machte Karriere und alles war wichtiger als eine Einladung an einen Westberliner Küchentisch. Viele Jahre später traf ich Sibylle Bergemann zufällig auf der Straße, wir tranken Kaffee, plauderten über vergangene Zeiten und sie erzählte von der Gründung der Agentur Ostkreuz – nicht zuletzt wegen der Geringschätzigkeit, die ihr und anderen Fotografen ins Gesicht schlug, als sie sich bei West-Verlagen vorstellten.

Ich schämte mich dafür. Ich schämte mich, als ich meine gebrechliche Nachbarin im Wedding 10 Tage nach Mauerfall zum Einkaufen begleitete und ihr eine grobschlächtige Frau mit den Worten „Das steht jetzt uns alles zu!“ das letzte Glas Bohnen im Supermarkt aus dem Einkaufswagen nahm. Ich schämte mich bei Ausflügen ins Berliner Umland für arrogante Westberliner und sowieso für die betrügerischen Gebrauchtwagenhändler, für die Missionare der Sekten, Parteien, Banken, Versicherungen, Nazis, für die Y-Liga aus westdeutscher Politik und Verwaltung, die den Osten überrollten und sich dabei sanierten.

Und wieder war ich so beeindruckt von den klugen Fragen, die am Runden Tisch an das Demokratieverständnis der Bonner Republik gestellt wurden, vom Verfassungsentwurf, der dort entstand und bemerkte daran überhaupt erst die Schere im eigenen Kopf, die ganz im Takt des Schmidt’schen Credo klapperte: Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen. 

Was hätten wir im Westen von nur ein paar Jahren Fortbestand einer besseren, demokratischen, freiheitlichen DDR lernen können!

Aber das war nicht vorgesehen, der Dicke versprach die blühenden Landschaften und so war die DDR mit der Währungsunion nach einem knappen Jahr Zwischenzeit Geschichte und jede Diskussion beendet. Beendet spätestens mit Kohls Wiederwahl 1990, die ohne die Stimmen der Ex-DDR-Bürger nicht möglich gewesen wäre – als ich das erste Mal wählen ging, kam Kohl an die Macht, ich war 35, als er endlich abgewählt wurde, ist schon auch prägend. An jedem 3. Oktober ärgere ich mich über unseren Nationalfeiertag. Als wäre der 9. November 1989 nicht der wichtigere Tag auf dem Weg zu einer deutschen Einheit und als würde ein staatlicher Feiertag der Erinnerung an die gewaltlose Öffnung der Mauer 1989, an die Erschießung von Robert Blum 1848, an die Novemberrevolution 1918, den Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 und an die judenfeindlichen Pogrome 1938 nicht nationalistischem Dünkel eine Absage erteilen. 

Im Osten wurde über Nacht alles anders, der Westen blieb sich viel länger gleich. Wo auf die „Jammerossis“ mit maximaler Verachtung herabgesehen wurde, während 16,5 Millionen Brüder und Schwestern in Folge der Abwicklung der DDR-Betriebe durch die Treuhand um ihre Existenz fürchten mußten, ihre Biografien negiert wurden und ihre Heimat nur noch im Zusammenhang mit dem Wort Unrechtstaat Erwähnung fand. Berlin war der einzige Ort, an dem eine Einheit in größerem Maßstab wenigstens versucht wurde. Aber auch die Neugier auf die Biografien der jeweils anderen Deutschen kam im Windschatten der wenig freundlichen Westübernahme der Neuen Bundesländer abhanden, während sich für Linke haltende Westberliner in Ostbezirke zogen, „weil da weniger Ölaugen sind“. Überhaupt die West-Linken! Seit der Wende, seit der Implosion von ‚Geh doch nach drüben!‘ in Schockstarre, wenn sie sich nicht gerade mit Spaltungen und Querfronten aller Art beschäftigen. Als wären Sowjetunion und DDR Hort und Ende aller Utopie gewesen.

Erst mit dem 25. Geburtstag des Mauerfalls dämmerte es allmählich auch im Westen, daß nicht nur die DDR geschleift worden, sondern auch die gute alte Bonner BRD abhanden gekommen war (nicht ohne diese Blitzmerkerei mit dem Wunsch nach hin und wieder etwas mehr Demut der Ex-DDR-Bürger zu verknüpfen, die Antwort darauf war allerdings auch nicht besser).

Integration tut weh, sie klappt nur unter Beteiligung aller Seiten und sie dauert immer mehrere Generationen. Auch die türkischen Einwanderer im Westen fanden es nach dem Fall der Mauer nicht komisch, Ostdeutsche integrieren zu sollen und zeitgleich zu Bürgern 2. Klasse erklärt zu werden. Das wurde ihnen in den Progromen der 90er in Ost und West buchstäblich warm vermittelt, anschließend wunderte man sich über mehr Kopftücher und über Parallelgesellschaften. Ein bißchen ähnlich verhält es sich vielleicht auch mit Pegida und AfD-Wählern im Osten, auch das könnten ins Stocken geratenen Integrationgeschichten mit identitätsstiftenden Parallelgesellschaften sein (nicht, daß es nicht auch andere Möglichkeiten gäbe!), in denen der Feind – Antifaschismus, Völkerfreundschaft – des Feindes – Unrechtstaat DDR – zum Freund und zu einem Kanal geworden ist, es denen im Westen zu zeigen.

Nur, daß die Grenze längst nicht mehr zwischen Westen und Osten verläuft. Sondern, wie immer, zwischen Mächtigen und Ohnmächtigen und: die deutsche Teilung ist größer geworden.

45 obszön reiche Deutsche besitzen ebensoviel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung und damit das auch so bleibt, sterben an den Außengrenzen der von Deutschland dominierten EU in einem Monat wesentlich mehr Menschen als in 28 Jahren, 2 Monaten und 26 Tagen an der Berliner Mauer.

Killing Joke!

 


Bild (beschnitten): Lklundin, Wikimedia Commons


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19 Gedanken zu „Zirkeltag

  1. Schöner Artikel, danke.

    Die Herabsetzung der Ostdeutschen ab 1990 ist ein Thema, das irgendwann vielleicht einmal Aufarbeitung findet. Die Linke hängt da genauso drin wie der Durchschnittswessi. Bei den persönlichen Begegnungen (meine halbe Verwandschaft wohnt im Osten) hatte (und habe) ich immer den Eindruck, dass die sich rhetorisch zu wenig wehren. Man hatte gegen den arroganten Wessi zu wenig in der Hand, glaubte man. Und das prägt für die nächsten Generationen.

    Ost-Rhetorik kriege ich jetzt nur via AfD und Pegida mit.

    • Was verstehen Sie denn unter Ost-Rhetorik?

      Man hatte gegen den arroganten Wessi zu wenig in der Hand, glaubte man.

      Aus Schnauze, Wessi (war bis 2014 eine lesenswerte Rubrik beim Stern, von Holger Witzel) – Der moralische Aufbau West

      Wieso konnten sich diese seltsamen Menschen nicht einfach ein Beispiel an ihren erfolgreichen Landsleuten nehmen? Am Vorbild konnte es naturgemäß nicht liegen, sonst hätte man ja das eigene System in Frage stellen müssen. Und so ersparten die Fehlzünder aus Dresden und Torgelow, wie es der Soziologe Thomas Ahbe in seinem Aufsatz „Die Konstruktion der Ostdeutschen“ beschreibt, den Westdeutschen auch noch jede kritische Reflexion über ihr eigenes Leben und die Schablonen, in denen sie denken.

      Mit Leuten, die erst unbedingt Westler werden – aber dann doch keine sein wollten, konnte etwas nicht stimmen. Ihre scheinbaren Defizite und oft putzigen Prägungen dienen seitdem als zusätzlicher Zement für das positive Selbstbild des Westens: „Den Ostdeutschen“, so Ahbe, „werden jene Eigenschaften zugeschrieben, welche die Westdeutschen – wenn man ihrem Eigenbild folgt – erfolgreich abgelegt haben, nämlich Autoritarismus und gefügige Verantwortungslosigkeit, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Indifferenz gegenüber Nationalsozialismus.“

  2. Ich meinte mit Ost-Rhetorik eine spezifische ostdeutsche Sprache. Da kommt mir nur das Pegida-Gejammere in den Sinn, wonach die Ossis seismographisch besser seien, Lügenpresse schneller entlarven können, die Avantgarde Deutschlands darstellten, ihre deutschen Städte – im Gegensatz zu den westdeutschen – bewahren wollen, nicht so gleichgeschaltet sind wie die Wessis. So in dem Stil.

    Die Ossis als Blitzableiter für die Wessis: Jene verkörpern das, was diese hinter sich gelassen haben, mit Hilfe von 68. Das ist eine ganz interessante Beschreibung, da ist sicher etwas dran. Und die Ossis konkurrierten plötzlich mit den Türken um die Gunst der Wessis.

  3. Pingback: Link: Zirkeltag | Martin in Berlin

    • Ja und die legen wir jetzt auch mal auf:

      Ob Nirvana jetzt bei Killing Joke gewildert hat oder beide bei The Damned, ist mir Jacke wie Hose, ich finde alle drei groß.
      Es geht ja die Rede, daß wer sich an die 80er erinnert, sie nicht erlebt hat. Ich erinnere immerhin soviel, daß ich sone Art zeitliches Fernweh habe und zwar schlimm.

      • Der Damned-Link ist nochmal Killing Joke ;) . Damned sind bißchen an mir vorbeigegangen, deswegen kann ich das jetzt leider nicht korrigieren :( . Von Killing Joke hab ich ne Single aus Zweite-Hand-Kiste irgendeines heute vermutlich nicht mehr existierenden Plattenladens, zumindest die fand ich vor wasweißich 20 Jahren ned soo prall, aber des Lied ist gut!

        Um nicht ganz offtopic zu gehen; die Story mit der Oma; da gings um ein Glas Bohnen?!?
        Wenns nüschd gab, aber…, wir haben die immer selber aus dem Garten eingekocht, deswegen weiß ich allerdings nicht wie da die generelle Verfügbarkeit aussah seinerzeit.

        • … die Story mit der Oma; da gings um ein Glas Bohnen?!?

          Der Wedding grenzt an Mitte und Prenzlauer Berg, Einkaufen war dort auch Wochen nach Öffnung der Mauer ein ganz klein bißchen anstrengend. Die Badstraße war bei Ostberlinern so beliebt, daß der Autoverkehr regelmäßig zum Erliegen kam. Meine alte Nachbarin war ein paar Tage zuvor schon vom geballten Konsumwillen über den Haufen gerannt worden, die traute sich ohne Begleitung nicht mehr aus dem Haus.

          Die Welt berichtet das nur vom Kudamm, aber auch im Wedding gab’s die Sprechchöre: „Türken raus, jetzt kommen wir!“

          Viel sympathischer: kurz nach der Wende arbeitete eine junge Frau aus Karl-Marx-Stadt bei mir (sie bestand darauf, daß das ganz sicher nicht Chemnitz heißt). Sie ging eines Tages im Wedding einkaufen und kam und kam und kam nicht wieder. Ich machte mir Gedanken, ging sie suchen und fand sie schließlich weinend vor dem Waschmittelregal eines kleinen Supermarktes – vom Überangebot völlig überfordert. Habe ich sehr gut verstanden, geht mir auch immer so.

          • Chemnitz hätte eher Friedrich-Engels-Stadt heißen müssen, so wegen Textilindustrie und den zugehörigen Maschinenbau…

            @Musik: Die klauen bei sich selber:

            Original:

            Sandow gibts auch die ganze Zeit bzw. aktuell mal wieder.

  4. Danke für den wirklichen schönen Text und die Gedanken, die ich auf zwar andere Weise, weil keine Erfahrungen hinsichtlich eines Vorwende-Berlins, aber wohl Vorwende-Erfahrungen in der Provinz einer DDR. Dieses Eichen auf schnelle Anpassung an eine West-Mentalität, die sich einzig an Erfolg, Karriere und schnellem materiellen Reichtum orientiert, ist mir bis heute fremd geblieben. Besonders tragisch, wenn man wie ich in einem sozialen Bereich tätig ist und seit Jahren miterleben muss, wie sich wirklich alle Lebensbereiche einem Effizienzdenken unterordnen (müssen). Und das nennt sich dann Fortschritt, dem sich ja wohl niemand entziehen wollen kann.

    • Herzlich willkommen, Frau Lehmann und vielen Dank für’s danke.
      Ich bin nicht so sicher, ob die Orientierung an Erfolg, Karriere und schnellem materiellen Reichtum tatsächlich eine West-Mentalität ist. Ich bin im Westen aufgewachsen, mir ist das auch fremd geblieben – wir sind alle und unabhängig von der Himmelsrichtung unter die neoliberalen Räuber gefallen.

      … wenn man wie ich in einem sozialen Bereich tätig ist und seit Jahren miterleben muss, wie sich wirklich alle Lebensbereiche einem Effizienzdenken unterordnen (müssen).

      Keine Ahnung, ob Sie twittern, dreivier Meter #twitternwierueddel sollte wirklich jede/r lesen.

  5. Geschichte der Gegenwart, Gespräch zwischen Jörg Scheller und Andreas Müller: „Treffen sich zwei Ossis auf Arbeit“

    AM: Als die Mauer 1990 fiel, lag die Arbeits­lo­sen­quote aber bei 0,0 Prozent! Und dass die Zahlen sich im Verlaufe der Jahre redu­zierten, hängt auch mit der Abwan­de­rung von Arbeits­kräften in die Altbun­des­länder, der extremen Auswei­tung des Nied­rig­lohn­sek­tors – z.B. im Bereich der Leih­ar­beit – und der Bereit­schaft vieler „Ossis“ zusammen, weit unter­halb ihrer Quali­fi­ka­tion zu arbeiten. Ich erin­nere mich z.B. an eine Inge­nieurin der platt­ge­machten säch­si­schen Textil­in­dus­trie, die als Sekre­tärin arbei­tete, und an einen meiner Möbel­träger-Kollegen, der in der DDR Berg­bau­in­ge­nieur war. In meinem Studio hat sich damals auch eine vorma­lige DDR-Sport­do­zentin als Trai­nerin beworben…Viele Ossis haben sich so irgendwie über Wasser gehalten, ohne Arbeits­lo­sen­geld zu beziehen, aber inner­lich haben sie gekocht vor Wut! Von wegen „blühende Land­schaften!“

    JS: Was immer noch nicht zwangs­läufig zu einem Rechts­ruck führen muss. Die Rede von den „blühenden Land­schaften“ stammt doch von einem rechts­kon­ser­va­tiven Poli­tiker!

    AM: Dass es die poli­ti­sche Rechte und nicht etwa die poli­ti­sche Linke war, welche die Unzu­frie­den­heit mit den „arro­ganten Besser­wessis“ und der wach­senden Frus­tra­tion in poli­ti­sches Kapital ummünzen konnte, liegt aus meiner Sicht am poli­ti­schen Erbe der SED-Nach­folger als Sammel­be­cken für einer­seits altge­wor­dene „Beton­kom­mu­nisten“, die ihre poli­ti­sche Lebens­leis­tung nicht aufgeben wollen und heute noch die Berliner Mauer recht­fer­tigen, und ande­rer­seits an reform­wü­tigen, aber reali­täts­fernen Welt­ver­bes­se­rern, die am liebsten die „Kommune 1“ aufleben lassen und das Privat­ei­gentum völlig abschaffen wollen. Für die Masse der ostdeut­schen Bevöl­ke­rung ist das keine ernst­hafte gesell­schaft­liche Alter­na­tive. Als dann mit dem wach­senden Flücht­lings­strom über die deut­schen Grenzen hinweg die allge­meine Verun­si­che­rung der ostdeut­schen Bevöl­ke­rung ein unge­ahntes Ausmaß erreichte, gab es faktisch keine gesell­schaft­liche Kraft, die den massen­haft kursie­renden Gerüchten von der isla­mi­schen Über­frem­dung glaub­würdig Einhalt bieten konnte: Die Bundes­re­gie­rung als Verant­wort­liche für Massen­ar­beits­lo­sig­keit und Perspek­tiv­ver­lust war mora­lisch diskre­di­tiert, die linke Oppo­si­tion (Linke und Grüne) galt als Ansamm­lung von Traum­tän­zern und Altka­dern und die FDP als „Partei der Besser­ver­die­nenden“, die es am liebsten noch ärger treiben würden.

    JS: Die AfD hat also das Vakuum erkannt und stra­te­gisch geschickt ausge­nutzt?

    AM: Genau. Sie saugte faktisch alles auf, was die Altpar­teien liegen gelassen haben. Erstens die Zukunfts­angst der ostdeut­schen Mittel­ständler mit ihrem aussichtslos erschei­nenden Kampf gegen die Groß­in­dus­trie. Zwei­tens die Angst vor Krimi­na­lität in den verwahr­losten Neubau­sied­lungen, wo der Sozi­al­neid ohnehin schon längst fest verwur­zelt ist und mit der Ankunft der auslän­di­schen Konkur­renten um Sozi­al­leis­tungen eine unge­ahnte Blühte erlangte. Drit­tens die unge­bremst wuchernde Verschwö­rungs­lyrik, die Erklä­rungen liefert, wo öffent­lich-recht­liche Medien als angeb­lich verlän­gerter Arm der Regie­rungs­ge­wal­tigen unglaub­würdig geworden sind. Legenden wie die der „Verschwö­rung der Weisen von Zion“ werden im deut­schen Osten längst von gebil­deten Mittel­ständ­lern kolpor­tiert – die aus ihrer Sympa­thie für die AfD keinerlei Hehl mehr machen. Und letzt­lich geht es auch um eine sympa­thi­sche Haltung zu Vladimir Putin, der den „US-ameri­ka­ni­schen Welt­po­li­zisten“ wacker Paroli bietet.

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