Zimt und Erinnerung

 

Hat der Leser etwas von gleichlaufenden und zweigleisigen Zeitsträngen gehört? Ja, es gibt Nebengleise der Zeit, ein wenig illegal und problematisch, doch wenn man solche Konterbande mit sich führt wie wir, ein überzähliges Ereignis, das nicht einzureihen ist, darf man nicht wählerisch sein.

 


 

Ich bin heute morgen mit einem Melodiefragment im Kopf aufgewacht, das ich nicht zuordnen konnte und das mich schier verrückt machte. Bis mir ein in jeder Hinsicht phantastischer Abend im Theater am Ufer vor einem Vierteljahrhundert wieder einfiel: Die Zimtläden, Teatr Kreatur.

Das Theater am Ufer war damals, vor dem Umbau, winzig klein, es war intim und schön und es roch intensiv nach Zimt. Wir kuschelten uns aneinander und ließen uns von der überreichen, verschwundenen, ermordeten, ewig lebenden Welt von Bruno Schulz davontragen.

 


 

Vor einem Vierteljahrhundert war selbst Matthias Matussek noch Journalist zu nennen, er schrieb damals für den Spiegel:

Doch Woron träumte vom ganz eigenen Theater, das mehr mit seinen Innenwelten, seinen Bildern zu tun hatte als mit Methoden und Schauspieltheorien – einem Theater, das er als Staffelei für seine Phantasien nutzen konnte. Vor drei Jahren war es soweit. Ein Freund hatte eine Erbschaft gemacht. Es war der Start eines Off-Theater-Märchens.

Im „Theater Am Ufer“, einem schmalen Raum mit 99 Plätzen, ersann Woron eine Theaterfassung der „Zimtläden“ von Bruno Schulz. Schulz, der von den Nazis umgebracht wurde, erzählt von der Kleinstadt Drohobycz in einer Collage aus Erinnerungen und Träumen, und Woron inszenierte sie als vergnügtes und gleichzeitig todtrauriges Puppentheater, mit selbstgebastelten Maschinen und Fratzen und Masken.

„Ich wollte immer ein Theater machen, das die Leute angreift“, sagt Woron. Seines ergreift sie – viele Zuschauer weinten während der Vorstellung. „Das deutsche Theater hat seine Stärke im Text, in der Analyse, in der Dramaturgie. Das können sie besser als jeder andere auf der Welt. Doch es fehlt die Emotion. Und wir Polen sind sehr gefühlsbetonte Menschen.“

Über 130 ausverkaufte Vorstellungen – und Woron und seine Schauspieler pfiffen auf dem letzten Loch. Sie jobbten als Kellner oder synchronisierten, um nebenher Geld zu verdienen. Alle, auch polnische Stars wie die schöne Danuta Kisiel, bekamen 16 Mark pro Vorstellung. Doch während die Millionen-Betriebe der Stadt über zu geringe Subventionen lamentierten, blühte da, in einer kleinen, verborgenen Kreuzberger Fabriketage, ein Theaterwunder.

… Um ein Haar wäre seine Gruppe zum prestigeträchtigen Berliner Theatertreffen eingeladen worden – doch nur zwei statt der erforderlichen drei Jurymitglieder hatten den beschwerlichen Weg nach Kreuzberg gefunden.

 


 

Es gibt zahllose Künstler aller Genres auf der ganzen Welt, die Bruno Schulz verehren und seine beiden überlieferten Bücher als Bergwerk nutzen – Isaac Bashevis Singer, Maxim Biller, Stephen und Timothy Quay, Simon McBurney, Vladimir Martynov, Frank Soehnle, David Grossman, Roberto Bolaño und viele andere mehr. Darunter auch Jonathan Safran Foer, der aus dem Originaltext der Zimtläden durch z.T. ins Papier geschnittene Leerstellen einen zeitlosen, allgemein gültigen Text machte. Johannes Thumfart, Zeit Online schreibt über Tree of Codes:

ein Text, der sich garantiert nicht digitalisieren lässt. …

Aber das zerschnittene Buch ist auch eine überaus gelungene Hommage an Schulz. Schon Foers Debütroman Alles ist erleuchtet (<-falls Sie das noch nicht gelesen haben sollten, nix wie los und gleich anschließend Extrem laut und unglaublich nah, beides herrliche Bücher, dvw) schuldete den Zimtläden die Schilderungen des fiktiven Schtetls Trachimbrod. Jetzt, mit der Ausschneidetechnik, soll der Charakter des Originals als einer fragmentarischen Überlieferung verdeutlicht werden, wie im Nachwort erläutert wird. Schulz stehe exemplarisch für das Schicksal der zerstörten jüdischen Kultur Ostmitteleuropas. Wie die Tzetel in der Mauer des zerstörten zweiten Tempels verwiesen dessen Kurzgeschichten auf einen größeren, verlorenen Zusammenhang – unter anderem auch auf seinen Roman Messias , der in den Wirren der Pogrome verschollen sei. In den Lücken des Textes wird also gerade das thematisiert, was von der Kultur Galiziens nicht überliefert werden konnte.

Das Thema der Vergänglichkeit spiegelt sich auch in der neu erzeugten Erzählung. Dort heißt es: „Wir sind keine langfristigen Wesen, keine Helden aus Romanen mit mehreren Bänden. Gib offen zu: Unsere Schöpfungen werden nur vorübergehend sein. Das sollen wir als unser Ziel haben: Eine Geste.“ Bei Schulz selbst hatte die Passage noch von der Eigenschaft von Modepuppen gehandelt, jetzt wird sie allgemein.

In den titelgebenden Stellen thematisieren die neu gewonnenen Zeilen auch die digitalisierte Gegenwart des Global Village: „Unsere Stadt ist auf einen Baum von Codes reduziert“, liest man dort. „Das letzte Geheimnis dieses Baumes ist, dass niemals etwas abgeschlossen sein wird. Nirgendwo so sehr wie hier fühlen wir Möglichkeiten, wogend ob ihrer nahen Verwirklichung.“ Die Auslassungen bewirken ein folgendes Mal eine Verallgemeinerung. Bei Schulz waren diese Worte noch im Zusammenhang mit dem „amerikanisierten“ Stadtviertel der „Straße der Krokodile“ genannt, der Ulica Krokodyli. Im neuen Text gelten sie für die ganze Welt.

Nicht zuletzt illustriert Tree of Codes eine bemerkenswerte Dynamik von Schrift, Auslassung und Universalität. Foer … zeigt sich überraschend demütig im Umgang mit Schulz‘ Text. In seinem neuen Buch erinnert der Autor an Herman Melvilles Figur Bartleby: Er schreibt, indem er nicht schreibt. Dabei steigern gerade seine Auslassungen die Universalität des Wortes.

 


 

Bruno Schulz schrieb aber nicht nur wunderbare Bücher.

Arkadiusz Luba, Dradio Kultur: Geboren als Österreicher, gelebt als Pole, gestorben als Jude: Bruno Schulz

… hatte sich zuerst als Zeichner einen Namen gemacht. In seiner Heimatstadt Drohobycz, die polnisch und österreichisch war und – nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich ukrainisch wurde – war er ein Zeichen- und Handwerklehrer in einem Gymnasium. Seine Zeichnungen zeigen vor allem chassidische Szenen und sich den Frauen unterwerfende Männer.

„Bruno Schulz hatte keine Familie, er hatte keine Kinder gehabt. Die Schüler haben ihn sehr lieb gehabt. Er war sehr bescheiden. Das war ein Mensch, welchen man nicht sieht und nicht hört. Alle Schüler waren für Schulz ähnlich. Es gab dazwischen solche, welche malen oder zeichnen konnten, und das waren seine Lieblingsschüler“, erinnert Alfred Schreyer. Der 90-Jährige ist der letzte lebende Drohobyczer Jude, der Bruno Schulz noch persönlich kannte und dessen Schulklasse er besuchte.

Physisch sehr schwach, ruhig und ängstlich, immer in demselben, grauen Anzug, ging Schulz seinen Pflichten nach. Erst nach der Schule schuf er zurückgezogen seine Kunst. In seinen Erzählungen hielt er die Tuchläden seines Vaters und die damit verbundene Erinnerungen fest. In Folge des Ersten Weltkriegs und des Zerfalls der Habsburger Monarchie verfiel seine Kindheit in gespenstische Mythen, gefüllt von Blüten des Wahnsinns und von Sehnsucht nach der Heimat und dem Tod.

„Schulz war ein einsamer Mensch und schuf eine fiktive Welt. Er flüchtete in diese Welt und kämpfte in ihr gegen seine grausame Existenz. In der fiktiven Welt suchte er nach seiner verlorenen Kindheit, der sogenannten ‚Republik der Träume‘. Hier wollte er sich vor dem Alptraum hüten, in dem er lebte“, erklärt Adam Michnik, Publizist und Geschichtswissenschaftler.

… In den späten dreißiger Jahren wurde Schulz in die damalige literarische Elite Polens aufgenommen.

Nur kurz freute er sich über diese Anerkennung. Dem Hitler-Stalin-Pakt zufolge fiel Drohobycz 1939 an die Sowjetunion. Im Juli 1941 wurde die Stadt durch die deutschen Truppen besetzt. Sie errichteten ein Ghetto und die jüdische Bevölkerung hatte keine Rechte mehr. Bruno Schulz hatte Glück. Auf Geheiß des SS-Haupt-Schar-Führers Felix Landau malte Schulz unter anderem Wandbilder in der Villa, die Landaus Familie besetzt hatte. So wurde Schulz zu einem Haus- und Kunst-Sklaven, aber auch zu einem Schützling.

„Fast jeder SS-Mann hatte seine Juden gehabt. Natürlich bis zur Zeit. An diesem sogenannten ‚wilden Donnerstag‘ haben die SS-Leute eine Aktion gemacht, sogenannte ‚wilde Aktion‘. Warum ‚wilde Aktion‘ – weil an diesem Tag wurden die Juden nicht irgendwo versammelt, sondern jeder Jude, welcher auf der Straße getroffen war, wurde erschossen. Du erschießt meine Juden, ich erschieße deine Juden“, bezeugt Alfred Schreyer.

So gab es auch für Schulz schließlich keine Rettung. Am 19. November 1942 gegen Mittag ging er zum Judenrat, um Brot zu holen. Auf dem Rückweg wurde er von einem mit Landau verfeindeten SS-Mann auf offener Straße erschossen. Sein Tod ist legenden-umrankt. Doch Alfred Schreyer war zu der Zeit in Drohobycz und weiß, wie es geschah:

 „Zweimal von hinten in den Kopf geschossen. Bruno Schulz lag den Trottoir entlang. Man hat es von oben, vom Judenrat alles gesehen. Und da war eine Bekanntmachung, die Leiche soll da liegen. Am nächsten Tag man hat telefoniert aus der Polizei: ‚Nimmt ihre Leiche, weil’s stinkt!‘.“

 


 

Um die erpressten Bilder im Kinderzimmer der von Landau besetzten Villa gibt es auch eine bemerkenswerte Geschichte – Jurko Prohaska, Die Zeit – Märchenbilder für den Mörder:

Am 9. Februar 2001 haben der Hamburger Dokumentarfilmer Benjamin Geissler, sein Vater, der Schriftsteller Christian Geissler, und eine kleine internationale Crew unter mindestens drei verschiedenfarbigen Übermalungen an den Wänden der Vorratskammer einer Villa im ostgalizischen Drohobycz, heute Ukraine, die Bilder von Bruno Schulz wieder gefunden. Es ist eine berühmte Villa, und es ist ein berühmter Dichter, der die Bilder gemalt hat, berühmt geworden sind sie aber durch den SS-Mann, der in dieser Villa gelebt hat und zum Zeitvertreib auf jüdische Passanten zu schießen pflegte. Sein Name ist Felix Landau.

Wenn das heutige Ostgalizien in seiner morbiden Schönheit und seinem malerischen Verfall an Kuba erinnert, so ist Drohobycz zweifelsohne sein Havanna. Die große Epoche der Stadt begann in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, als in der Gegend die größten Erdölvorkommen der Donaumonarchie entdeckt worden waren, und endete 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen. …

Es vergingen Jahre nach dem Krieg, bis man sich, zunächst in Polen, wieder an Schulz erinnerte. Drohobycz aber gehörte inzwischen zur UdSSR. Zehn Jahre lang, von 1948 bis 1958 wohnten Menschen in der Wohnung Landaus und konnten jeden Tag die Märchengestalten an den Wänden des kleinen Raumes sehen: König und Königin, Flötespieler und Tänzer, Pferdekutsche, Zwerge und ein Ungeheuer. Doch sie ahnten nichts von Schulz. Niemand durfte damals in der UdSSR etwas von Schulz ahnen. Erst nach weiteren zehn Jahre durften polnische Forscher, allen voran Jerzy Ficowski, Dichter, Schulz-Kenner und ehemaliger KZ-Häftling, nach Drohobycz. Doch die Malereien waren überall längst zugedeckt oder entfernt. Ficowski suchte die Bilder, fand sie aber nicht. …

Bilder finden heißt nun aber der Film, den Benjamin Geissler und sein Vater über ihre tatsächliche Entdeckung der Wandmalereien zu drehen begonnen haben.

Zunächst waren alle skeptisch, ob sie sich finden ließen, auch ich, als Benjamin Geissler mich anrief und fragte, ob ich sein Assistent bei den Dreharbeiten sein wolle. Wir nahmen Quartier in derselben Straße, in der das Waisenheim, die Tuberkuloseklinik, die Gärtnerei und die Villa Landau stehen. … In der Wohnung lebt jetzt ein altes Ehepaar. Das Kinderzimmer ist ihre Vorratskammer. Leer ist sie nicht, doch Glück ist hier nicht zu Hause.

Noch zwei Wochen vor dem Tag, als wir an ihre Tür klopfen, lebte hier auch der Sohn. Er ist kurz vor seinem 50. Geburtstag gestorben. Die alte Frau trägt Schwarz und weint die ganze Zeit. Der Mann liegt mit einem gebrochenen Gelenk seit einem halben Jahr im Bett und richtet sich nicht auf. Die Frau lässt uns großzügig die Wände besichtigen. Ich verstehe nicht, warum die anderen vor uns die Bilder nicht gesehen haben. Vielleicht konnten sie nicht glauben, dass die Kinder des großen Landau in einem so kleinen Zimmer gewohnt haben, und suchten in den großen Zimmern. Vielleicht sind die Umrisse erst mit der Zeit unter den Übermalungen wieder hervorgetreten.

Wir aber haben sie gesehen, schattenhaft, undeutlich: Tänzer und Flötenspieler, Zwerg und Pferdekopf … Die Frau wusste nicht, dass in ihrer Wohnung die Bilder sind. Sie wusste nicht, wer Bruno Schulz ist. Sie hat nur von Landau gehört. Sie lebt in ihrem Unglück, freut sich für uns, doch bleibt selbst trostlos. … Eine Woche später kommen schließlich eine junge Restauratorin aus dem Nationalmuseum in Warschau, die einige Wochen davor die Wandbildern in einer Pharaonengruft in Ägypten freilegte, der grippekranke polnische Generalkonsul, zwei Experten aus Lemberg und aus Warschau, schließlich der beunruhigte Kulturbürgermeister von Drohobycz und Alfred Schreier, einer der zwei noch lebenden Schüler von Schulz.

Mehlsäcke und Gläser mit Eingemachtem werden hinausgetragen, Knoblauch und Siebe vorsichtig von den Wänden abgenommen. Die Frau in Schwarz hilft und weint. Der Raum ist sehr eng. An einer Wand sind Holzregale montiert, das macht den Raum noch kleiner. Denkt man diese weg, so kann man sich ganz gut ein oder gar zwei Kinderbetten hier drin vorstellen. Die Geräte der Restauratoren unterscheiden sich von denen der Filmer durch ihre bestechende Einfachheit: nur Skalpell und Watte und Wasser und Spucke. An mehreren Stellen gelingt es, kleine Fragmente freizulegen. Auch hinter den Regalen werden Bilder vermutet und gefunden. Und dann treten sie hervor: Prinzessin und König, Reiter und Tänzer, Pferdekutschen und Zwerge, ein Ungeheuer.

Kurz darauf, im Mai 2001 verschwinden drei Fragmente der Wandbilder nach Israel, nach Yad Vashem – Christian Esch, Berliner Zeitung:

Yad Vashem rechtfertigt sein Vorgehen damit, dass Schulz Andenken in einer Gedenkstätte für Holocaust-Opfer am besten aufgehoben sei. Die Zeichnungen sollten im neu einzurichtenden Historischen Museum, dass voraussichtlich 2003 eröffnet werde, zu sehen sein. In einer offiziellen Pressemitteilung heißt es, nach Meinung ukrainischer, polnischer und israelischer Kunstexperten hätten die Bilder keinen künstlerischen Wert. Das Vorgehen sei mit den Hausbesitzern und den örtlichen Behörden abgesprochen gewesen.

Ian Traynor, Guardian:

The Kaluzhny family, the present occupants of the flat, merely shrug at the fuss about what they regard as the sub-adolescent scrawls of an unknown writer and painter. „This flat was privatised, it’s our property, we can do what we want,“ Nadezhda Kaluzhnaya said. „No one told us these paintings were valuable. They’re not even paintings, just smears on the wall. „It would be different if they were frescoes, Italian, Michelangelo or something.“

The five fragments of mural depict a princess, two dwarves, a horse and carriage: scenes from Grimms‘ fairytales painted on the orders of Felix Landau, the Austrian Nazi and war criminal who oversaw the murder or deportation of 15,000 Drogobych Jews under the Third Reich. „The coachman in the carriage has the face of Schulz himself,“ Mr Schreyer said. „That’s characteristic. He often puts himself in his paintings.“ …

The former nursery is now a tiny storage room off the Kaluzhnys‘ kitchen, where Mrs Kaluzhnaya keeps her pickles and garlic, and fruit and vegetables from the garden. On May 19 the team from Yad Vashem arrived in the pantry and spent three days chiselling the murals carefully from the walls.

„I got a phone call from Kaluzhny on May 23,“ Mr Schreyer said. „It was an idiotic conversation. „Kaluzhny said: ‚I’ve given them the frescoes.‘ I said: ‚How could you do that?‘ „If he’d called me a day earlier, I would have made sure they wouldn’t have got across the Ukraine border with them. „I said: ‚They probably paid you a lot of money.‘ He said: ‚Not a kopeck.'“

According to the Kaluzhny family, the Israelis originally offered $3,000 (£2,140) for the Schulz works. Local rumour has it that they got $100. But Larisa Artemchenkova, their daughter, insists that they gave away the murals for nothing. „We just wanted to be left in peace. There was talk of making a Schulz museum here, and where would my elderly parents go then?“

She then offered an inspection of the pantry walls. For a price. „What do you think Jews would charge?“ she smirked.

Die drei Fragmente sind seit 2009 in Yad Vashem zu sehen, es wurde nachträglich noch ein Leihvertrag mit der ukrainischen Regierung ausgehandelt. Weitere fünf Fragmente wurden 2002 von ukrainischen Restauratoren entnommen und das Ensemble vollständig zerstört.

Mit dem bei der Wiederentdeckung erstellten Bildmaterial schuf Benjamin Geissler eine maßstabsgetreue virtuelle Rekonstruktion der Bilderkammer des Bruno Schulz, die u.a. in den Deichtorhallen in Hamburg und im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen war.

 


 

Am 19. November 2017 jährt sich die Ermordung von Bruno Schulz zum 75. Mal. Am 19. November 1942 wurden auf offener Straße in Drohobycz 265 Juden totgeprügelt oder erschossen.

Der 19. November ging als ‚Blutiger Donnerstag‘ in die Geschichte ein. Das war so eine Aktion, bei der an einem Tag jeder Deutsche einen Juden töten durfte, wenn er ihn auf der Straße antraf. Die Deutschen hier in Drohobytsch bekamen dafür die Genehmigung von ihren Vorgesetzten in Lemberg, weil ein paar Tage zuvor ein Jude, ein Apotheker namens Kurtz, bewaffnet aus dem Getto geflohen war und auf einen Deutschen geschossen hatte.

 


 

 

 

 

 

 


 

Aus der Geschichte mit mir und meinem handsome Begleiter ins Theater am Ufer wurde leider und aus blöden Gründen nichts, er heiratete zwei Jahre später, hat mit seiner Frau vier Söhne großgezogen, lebt seit langem in einer skandinavischen Stadt und repariert dort mit sehr feinen Stichen die Nerven von Frühchen und Babies.

Aber den besten Zimt in ganz Großberlin (und jedes andere Gewürz, das Sie sich nur vorstellen können) gibt es auf dem Markt am Maybachufer bei Dhani Masala, auf der Häuserseite ungefähr in der Mitte.

 


 

Mein Ideal ist, zur Kindheit heranzureifen. Das wäre erst die wahre Reife.

 


Bild: Selbstbildnis Bruno Schulz, Wikimedia Commons, gemeinfrei
Die Zitate an Anfang und Schluß des Blogs sind aus Die Zimtläden, Bruno Schulz


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5 Gedanken zu „Zimt und Erinnerung

  1. An einem Tag habe ich mir zwei Bücher gekauft, weil sie in der Süddeutschen besprochen wurden, „die Zimtläden“ von Bruno Schulz und „Nachrichten aus Berlin von 1933 – 36“ von Antoni Graf Sobański.
    Beide wurden neu übersetzt.
    In den Zimtläden läßt sich der Vater immer Vogeleier schicken und ausbrüten. Die fliegen im Haus herum, bauen Nester und kreuzen und vermehren sich.

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