Tarte Tatin mit Zwetschgen

Zwetschgen sind eine jute Jabe Jottes, vom Hefeblechkuchen mit Zimtzucker und Streuseln bis zu höllescharfem Pickles mit Essig, Ingwer und Chilies. Die Schwestern Tatin machten zwar aus einem schwerkraftbedingten Apfelkuchenunglück eine Oberköstlichkeit, die aber auch mit Zwetschgen kommodiert. Übrigens auch mit Aprikosen und Rosmarin. Oder eben klassisch mit ge12telten Äpfeln, z.B. Boskoop.

Man nehme für das Unten, das später das Oben wird:

je nach Größe 9-12 reife Zwetschgen (ebensoviel Aprikosen, 2 Boskoop)

100g Zucker

40g Butter

bißchen gemörserter Piment, schwarzer Pfeffer oder Chili, Nelken, evtl. Zimt (Aprikosen: stattdessen knapper Teelöffel frischer Rosmarin)

 

Für das Oben, das später das Unten wird:

60g weiche (und nicht flüssige) Butter

30g Zucker (ich: Rohrohrzucker)

1 amtliche Prise Salz

1 Eigelb

100g Mehl

15 fein gemörserte Mandeln (ich: mit Haut)

 


 

Mit Zeit und Ruhe die Butter cremig rühren, ebenso Zucker und Salz einrühren, das Eigelb dazu, geduldig rühren, Mehl und Mandeln dazu und solange rühren, bis sich immer größere Streusel bilden. Die werden auf Frischhaltefolie gestürzt und (möglichst ohne Hände, weil warm) in eine flache Teigscheibe verwandelt, die für etwa eine halbe Stunde in den Kühlschrank wandert.

Inzwischen die Zwetschgen halbieren, entsteinen und die Hälften zur Hälfte einschneiden. Der Backofen kann nun schon langsam auf 180°C Oberunterhitze vorgeheizt werden – Backöfen sind Individualisten und sie betrügen meist bei der Temperaturanzeige, weswegen Hitze und Backdauer – halbe Stunde – nur Richtwerte sind: machen Sie das nach Augenmaß.

Der Zucker wird in einer Pfanne geschmolzen (nicht rühren, schütteln) die gemörserten Gewürze dazu gegeben und mit der Butter aufgeschäumt. (übrigens muß niemand Furcht vor ewig klebenden Töpfen und Geräten hegen – Wasser drauf, Minütchen warten, Zucker gelöst, fertig) Der so entstandene Karamell kommt in eine 26er Tarteform und wird dort gleichmäßig verteilt. Die Zwetschgen werden im Kreis von außen nach innen – mit einem bißchen Platz am Rand – und mit der Schnittfläche nach unten wie Dachziegel überlappend im Karamell angeordnet und evtl. zum Schluß mit der Hand noch ein bißchen flachgedrückt.

Der Teig war jetzt lange genug im Kühlschrank und wird zwischen zwei Lagen Frischhaltefolie dünn und so groß ausgerollt, daß er die Tarteform großzügig bedeckt. An einer Seite Folie haftend wird er über die Zwetschgen balanciert und die Folie vorsichtig abgelöst. Dann drücken Sie ihn um die äußere Zwetschgenreihe herum auf dem Tarteboden fest, ungefähr so, wie man eine Bettdecke um kalte Kinderfüße stopft. Es macht rein gar nichts, daß die Teigoberfläche buckelig ist – das soll so, egalisiert sich beim Backen und ist sowieso später unten. Nun noch mit einer Gabel eine Reihe Löcher einstechen und nix wie in den Backofen mit der Herrlichkeit.

Freuen, denn der Duft nach Karamell, Zwetschgen, Gewürzen, luxuriösem Mürbeteig zieht durch den Raum. Von Blätterteig-Sturz-Tarte halte ich nicht so viel – dafür finde ich Blätterteig zu aufwändig (und die gleichnamige Fälschung aus dem Supermarkt ist voller fieser Transfette statt GuterButter und schmeckt so eklig, daß dagegen selbst die besten Zwetschgen nicht ankämen).

Derweil könnte schon mal Sahne halbsteif geschlagen und die Lieblingsnachbarn zum Kaffee gebeten werden, denn am allerleckersten schmeckt die Tarte lauwarm. Wenn also der Teigdeckel im Ofen goldbraun und keksig geworden, der Karamell an den Seiten hochgekrabbelt und der Duft kaum noch auszuhalten ist, wird das Wunderwerk aus dem Ofen geholt und genau 2 Minuten bewundert – bis der Karamell ein ganz klein bißchen angezogen ist. Dann greife man beherzt zu einem flachen Teller, lege ihn auf die Oberseite der Tarteform, platziere eine Hand auf dem Tellerboden, die andere (Handschuh!) auf dem Tarteboden und wende das Unten nach oben, das Oben nach unten. Abhängig von der Menge an Zwetschgensaft und Karamell: Obacht! Karamell ist wie Lava, bloß viel heißer.

Und falls Ihnen zustoßen sollte, was mir vorhin passiert ist, daß nämlich die ganze Tarte beim Wenden desintegriert, weil die Zwetschgen schon zu gut und zu saftig sind: das macht überhaupt gar nichts. Sie füllen die kuchenhaltige Masse in ein hübsches Glas, kleckern einen Schlag der halbsteifen Sahne obendrauf und krümeln ein bißchen Mandelkrokant und ein paar Chilifäden darüber. Dann behaupten Sie, das gehöre so.

Köstlich ist es in jedem Fall und wer sagt denn, daß man Tatin heißen muß, um aus einem Unglück ein großes Glück zu machen?

 


Foto (beschnitten): Eva Kröcher, Wikimedia Commons


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15 Gedanken zu „Tarte Tatin mit Zwetschgen

  1. hmmm, das will ich unbedingt nachmachen, mir ist gerade ein Topf mit mehreren Kilos fies am Boden angebrannt, die eigentlich Pflaumenmus werden sollten, kann ich wohl wegschmeissen

  2. ach…. ich freu mich schon auf die Zwetschgen….. aber schön wäre es, wenn hier oben die Tomaten schon mal langsam eine rote Färbung annehmen könnten. soifz

    • (auch @kaethemargarethe) Meine stammten aus Ungarn – ich bin so zwetschgenverliebt, daß ich es nie abwarten kann, bis auch die hiesigen reif sind. Aus denen aber werde ich dieses Jahr mal Pflaumenmus und Pickles machen. Ich schmiere mir zwar nie Marmelade aufs Brot, aber ich koche so gern mit Pflaumenmus, z.B. eine Angeber-Rotwein-Sauce, die so schmeckt, als hätte man im Morgengrauen Karkassen zerhackt und den ganzen Tag in der Sauce gerührt – dabei ist die in 15 Minuten fertig (halbe Flasche Rotwein, paar Schalotten (ganz), kleine Handvoll schwarze Oliven mit Stein, 1 militante Chili, Lorbeerblatt, Salz, 2 ordentliche Eßlöffel Pflaumenmus auf die Hälfte einkochen, fertig – todesgeil zu Wild, Lamm, Ente).

      Falls sich Ihre Tomaten in unserem schönen nordskandinavischen Sommer weiterhin weigern, rot zu werden – vielleicht grüne-Tomaten-Chutney kochen? Falls Sie ein Rezept brauchen, ich hätte ein feines – sagenSe Bescheid.

      • Jo, ich warte auch auf die roten Tomaten, mit Erschrecken klappt das leider nicht, muß wohl doch mal Sonne geben *grummel*…
        Dafür wächst das grüne Gemüse (Bohnen, Gurken, Zucchini) wie blöd, dem Basilikum und dem Lavendel im Kräuterbeet outdoor isses genauso wie dem Paprika und der Chili zu dunkel, nass und kalt, dem Paprika im Gewächshaus auch zu dunkel. Da erzähle mir noch einer was von Klimaerwärmung und zukünftigen subariden Sommern… (Gag!)

        • Bohnen wie Saubohnen (hmmmm…) oder Bohnen wie Brech-, Schnibbel-, Wachs-, Wasweißich-Bohnen?

          Basilikum ist superzickig mit Wasser (ständig, aber wenig) und ich war noch nie erfolgreich mit welchem im Beet – entweder er verdorrte oder hatte zuviel Wasser/Trauermücken oder die Nacktschnecken feierten Parties.
          Im Moment habe ich zwei in Töpfen auf der Fensterbank (Richtung Nordnordost), einen Normalrundblättrigen und einen kleinblättrigen Albahaca und beide wuchern wie irre – denen scheint die hohe Luftfeuchtigkeit zu behagen. Will sagen: liegt nicht an zu wenig Sonne, der meine hat gar keine.

          • Buschbohnen (Prinzess und Saxonia?!?, hab die Tüten weggeklingelt) und Stangen=Schnibbelbohnen. Muß ich die Woche ans Ernten und Einkochen, am WE hatt ich keine Zeit.
            Im Gewächshaus der Basilikum, jo, nicht zuviel Wasser, ist wunderbar.
            Zwetschgen sind dieses Jahr wie letztes eher wenige und brauchen noch, mittlerweile ist das hier auch alles nur Nachwuchs von den irgendwann eingegangenen Bäumen, Äpfel kommt auf die Sorte an, der auch schon ältere Boskoop trägt so Hälfte von Superjahr, Gloster oder wie die heißen fast nix und Tülmer auch nur so semi.
            Gegen Nacktschnecken hilft nur konsequentes Ablesen und in Übernachbars Garten schmeißen, Runde mit Taschenlampe und Haushaltshandschuh (den Schleim kriegt mensch echt nicht von den Pfoten) grad hinter mir.
            Den Zitronenmatsch ohne Kuchen mal zu machen, hm vorgenommen hab ichs mir schon ein paar mal aber dann immer keine im Hause… Kuchen selber ist mir zu dubios, zuviel Unwägbarkeiten…

  3. Hier in der Region (Rheinhessen/Pfalz) kommt in der Herbstzeit die Kombi *Quetschekuche und Kartoffelsupp*
    auf den Tisch. Lecker!

  4. Köstlich! Hab’s ausprobiert und nebenbei ein paar Erfahrungen gemacht (erster Mürbeteig – sonst nur Hefe, erstes Karamel) Tolles Rezept (wie die meisten, bei denen ich meinen Mörser einsetzen kann)!

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