Menotoxin

Ich war 11, als ich zum ersten Mal blutete, als Erste in meiner Klasse. Im Biologieunterricht war zwar ein grober Überblick über die menschliche Fortpflanzung vermittelt worden, das Blut zwischen meinen Beinen und die Schmerzen im Bauch machten mir trotzdem Angst. Meine Mutter händigte mir wortlos eine pißgelbe knisternde Plastikhose und dicke Baumwollbinden mit Fortsätzen an den Schmalseiten aus, die durch Laschen innen an der Knisterhose zu fädeln waren. Ich war fest davon überzeugt, daß jeder schon anhand des Knistergeräuschs von meinem erbärmlichen Ausnahmezustand wissen mußte – für den unwahrscheinlichen Fall, daß ich es nicht sowieso schon – trotz der windelartigen Binde – zu signalroten Flecken an der Oberbekleidung gebracht hätte. Weiße Jeans, helle Sofas, breitbeiniges Sitzen waren ab da tabu. Verschämt und im Flüsterton mußte der Sportlehrer um Befreiung gebeten werden, schlimmer war nur noch die Sportlehrerin, die keine Wehleidigkeiten duldete. Ich investierte einen Großteil meines Taschengelds in Tampons, die in meinem Elterhaus als neumodisch, anstößig und gefährlich galten. Der o.b.-Packung entnahm ich mehr hilfreiche Information als dem Biologieunterricht und der Moralinsäure meiner Mutter (was hätte ich für eine Menstruationskappe gegeben, aber die waren noch nicht erhältlich)

Wenige Jahre später brauste mein damaliger Prinz auf und fühlte sich sehr stark entmännlicht, als ich ihn bat, mir Tampons aus dem Supermarkt mitzubringen. Kein Mensch schämt sich, Heftpflaster oder Verbandsmull offen auf den Tisch zu legen. Bei Tampons ist das etwas anderes. Nein, das ist noch nicht sehr lange her, gerade mal 30 Jahre. Gut 20 Jahre sind vergangen, seit man mich unterrichtete, daß die Menstruation – eine Geschichte voller Mißverständnisseganz natürlich, sauber und diskret in der weiblichen Handfläche stattfindet. Bis heute ist Menstruationsblut in der Werbung stets blau und durchsichtig – bestimmt eines der vielen Beispiele der Geschichte voller Mißverständnisse und gar keine Verklemmtheit, bewahre!


 

Monatsblutung. Periode. Menstruation. Ich habe die Rosen. Es ist Besuch da. Tante Rosa ist auf Besuch. Besuch aus Rotenburg. Erdbeertage.

Sahne wird nicht steif, Milch sauer, Mayonaise gerinnt, eingemachtes Obst wird schlecht, Wein sauer, Blumen welken, Setzlinge verdorren, Hefeteig geht nicht auf. Menstruierende Frauen sind unrein, minderwertig, verderblich besonders für Männer, sie haben den bösen Blick, lassen Spiegel erblinden, Silber schwarz und Schwerter stumpf werden und rosten – so einige der Menstruationsmythen.

Wenn ein Weib ihres Leibes Blutfluß hat, die soll sieben Tage unrein geachtet werden; wer sie anrührt, der wird unrein sein bis auf den Abend. Und alles, worauf sie liegt, solange sie ihre Zeit hat, und worauf sie sitzt, wird unrein sein. Und wer ihr Lager anrührt, der soll seine Kleider waschen und sich mit Wasser baden und unrein sein bis auf den Abend. Und wer anrührt irgend etwas, darauf sie gesessen hat, soll seine Kleider waschen und sich mit Wasser baden und unrein sein bis auf den Abend. Und wer anrührt irgend etwas, das auf ihrem Lager gewesen ist oder da, wo sie gesessen hat soll unrein sein bis auf den Abend. Und wenn ein Mann bei ihr liegt und es kommt sie ihre Zeit an bei ihm, der wird sieben Tage unrein sein, und das Lager, auf dem er gelegen hat, wird unrein sein.

Drittes Buch Mose, Kapitel 15, 19-24

 

Menstruationsblut ist eine Unflat, dem kein Gift auf Erden gleichen mag – schädlicher als alles andere.

Paracelsus, Vorreiter der naturwissenschaftlichen Medizin

 

Es entspricht dem Geschlechtszwecke und ist normal, dass die Frau, sofort nach Eintritt der Gechlechtsreife concipiren, ihr Kind austragen, nähren und während des Stillens wieder empfangen, also bis zum Aufhören ihrer Geschlechtstätigkeit überhaupt niemals menstruireren würde. Die menstruierende Frau ist durch unsere kulturellen Verhältnisse zwar zur alltäglichen Erscheinung geworden, doch dies vermag den der Blutung als solcher anhaftenden pathologischen Charakter wohl zu verdecken, aber nicht aufzuheben.

Gynäkologische Fachzeitschrift von 1884

 

Menotoxin. 1920 beschreibt der Wiener Professor für Pädiatrie, Bela Schick, in einer klinischen Wochenzeitschrift den Giftcharakter des Menstruationsbluts. In seinen Experimenten gibt er menstruierenden Versuchspersonen frischgeschnittene Blumen in die Hand und misst, nach welcher Zeit die Blüten welken. 1924 kann eine Folgestudie das Gift Menotoxin in Schweiß, Speichel, Milch, Tränen und im Urin menstruierender Frauen nachweisen.

 

Der Mythos vom Menotoxin geistert durch x wissenschaftliche Abhandlungen, obwohl 1958 widerlegt. In vielen Köpfen scheint es ungebrochen zu wirken.


 

Tampons und Binden werden mit 19% Umsatzsteuer veranschlagt, denn sie gelten in Deutschland als Luxusgüter.

Im Dezember 2015 hat das Französische Parlament die Steuer auf Tampons und Binden von 20% auf 5,5% gesenkt. Das ist der Mindestsatz in der EU. Laut der EU-Gesetzgebung dürfen Hygieneartikel nicht niedriger besteuert werden. Irland ist die einzige Ausnahme, weil die Steuerfreiheit auf diese Artikel schon vor den EU-Gesetzen eingeführt wurde. Der Sexismus sitzt also in Brüssel! Und trotzdem könnte Deutschland noch einiges tun. Laut welt.de sind wir auf Platz 2, was die Besteuerung angeht. Nur Schweden liegt höher mit 25%! In Kanada und Kenia z.B. werden gar keine Steuer erhoben.

… Warum müssen diese Produkte überhaupt besteuert werden? Wir suchen es uns nicht aus. Ich wiederhole, wir Frauen suchen es uns nicht aus, ob wir bluten oder nicht.


 

Tatsächliche Luxusgüter sind Binden und Tampons in armen Ländern.

Neun von zehn Mädchen gehen in Indien während ihrer Periode nicht zur Schule, 23 Prozent der 12- bis 18-Jährigen verlassen das Bildungssystem sogar endgültig nach dem Einsetzen der ersten Periode. Grund sind meist Scham und Unwissenheit. 83 Prozent der Mädchen werden von der ersten Blutung völlig überrascht und wissen nicht, was ihnen widerfährt. Sie glauben, sie müssten sterben oder seien von einer schweren Krankheit betroffen.

Es wäre aber nicht Indien, gäbe es nicht auch Muruga, den Menstruationsmann, der eine Monatsbindenrevolution startete

und einen zuckersüßen Clip über den Zusammenhang zwischen Menstruation und Emails


 

Auch in Uganda gehen sehr viele Mädchen während ihrer Blutung nicht zur Schule, weil sie sich keine Binden (geschweige denn, Tampons) leisten können. Präsident Museveni hatte im Wahlkampf 2016 versprochen, im Falle seiner Wiederwahl kostenlose Binden an den Schulen verteilen zu lassen. Nach dem Wahlsieg machte er seine Frau Janet zur Bildungsministerin, die kurz darauf verlauten ließ, zur Einlösung des Wahlversprechens sei kein Geld da. Das brachte die bekannte Feministin Stella Nyanzi so auf, daß sie unter #Pads4GirlsUG (Facebooklink) über soziale Netzwerke und per mobilem Geldtransfer Spenden sammelt, um Binden an Schulen verteilen zu können. Außerdem bezeichnete sie das wortbrüchige Präsidentenpaar als a pair of buttocks. Wofür sie ins Gefängnis gesteckt wurde – wegen Cybermobbing und Unruhestiftung.

That is what buttocks do. They shake, jiggle, shit and fart. Museveni is just another pair of buttocks … Ugandans should be shocked that we allowed these buttocks to continue leading our country.

Am 10. Mai wurde sie – in sehr schlechtem Gesundheitszustand – auf Kaution entlassen. Ugandas Staatsanwalt verlangte zunächst ein psychiatrisches Gutachten, um ihre Zurechnungsfähigkeit festzustellen, wogegen sie sich zur Wehr setzen konnte, indem sie darauf besteht, daß ihr Arzt und mindestens ein Familienmitglied zugegen sein müsse, falls man eine psychiatrische Untersuchung anstrebe.

Uganda ist auch das Land, wo – auf Anregung us-amerikanischer Evangelikaler – immer mal wieder die Todesstrafe für Homosexuelle erwogen wird.

Ugandas Regierung verfolgt offiziell ein erzkonservatives Wertekonzept: seit 2014 existiert ein Anti-Minirock-Gesetz, wegen dem die Polizei in Nachtclubs Frauen mit zu kurzen Röcken verhaftet. Und ein ausgefeiltes Anti-Pornografie-Gesetz stellt intimes Verhalten in der Öffentlichkeit unter Strafe – auch in den Medien. Ugandas Bevölkerung ist mehrheitlich christlich und auf dem Land besonders konservativ.


 

Und weil ich gerade bei mehrheitlich christlich und besonders konservativ bin: wo, glauben Sie, ist es legal, daß 11jährige Mädchen an ihren Vergewaltiger verheiratet werden? Afghanistan, Saudi-Arabien, Iran? DerIslamistunserUnglück in Form der in Deutschland sofort aufzulösenden Ehen mit Minderjährigen, die meist aus purer Not, zur wirtschaftlichen Versorgung von Mädchen in Flüchtlingslagern geschlossen wurden und zu denen dem deutschen Michel nichts als seine eigenen Kinderficker-Fantasien einfallen?

Verbreitet auch unter Christen in den United States of America: 11 Years Old, a Mom, and Pushed to Marry Her Rapist in Florida

When she was a scrawny 11-year-old, Sherry Johnson found out one day that she was about to be married to a 20-year-old member of her church who had raped her.

“It was forced on me,” she recalls. She had become pregnant, she says, and child welfare authorities were investigating — so her family and church officials decided the simplest way to avoid a messy criminal case was to organize a wedding. “My mom asked me if I wanted to get married, and I said, ‘I don’t know, what is marriage, how do I act like a wife?’” Johnson remembers today, many years later. “She said, ‘Well, I guess you’re just going to get married.’”

So she was. A government clerk in Tampa, Fla., refused to marry an 11-year-old, even though this was legal in the state, so the wedding party went to nearby Pinellas County, where the clerk issued a marriage license. The license (which I’ve examined) lists her birth date, so officials were aware of her age.

In fact, more than 167,000 young people age 17 and under married in 38 states between 2000 and 2010, according to a search of available marriage license data by a group called Unchained at Last, which aims to ban child marriage. The search turned up cases of 12-year-old girls married in Alaska, Louisiana and South Carolina, while other states simply had categories of “14 and younger.” …

Twenty-seven states do not even set a minimum age by statute, according to the Tahirih Justice Center’s Forced Marriage Initiative.

A great majority of the child marriages involve girls and adult men. Such a sexual relationship would often violate statutory rape laws, but marriage sometimes makes it legal.

In New Hampshire, a girl scout named Cassandra Levesque learned that girls in her state could marry at 13. So she set out to change the law. A legislator sponsored Cassandra’s bill to raise the age to 18, and researchers found that two 15-year-olds had recently married in New Hampshire, along with one 13-year-old. But politicians resisted the initiative. …

Lyndsy Duet, now a school counselor in Texas, told me that she was forced into a marriage at 17 after enduring a series of rapes beginning when she was 14, by a young man her conservative Christian family had taken into the house. Confused, shamed and helpless, she didn’t speak up — but her rapist did.
“He asked my parents if he could marry me,” Duet remembers. “My mom was crying, she was so happy.”

Duet felt powerless to resist her parents’ pressure — and it was eight years before she could flee what she says was a violent marriage. Once, she says, her husband threatened her with a chain saw, and it was only when she went to college on her own and proved a brilliant student (she graduated first in her class) that she was able to escape.

“Most girls who reach out to us love their families,” Reiss says, “and their primary concern is that they don’t want their families to get into trouble.”

Liegt bestimmt auch am Menotoxin, daß Frauen und Mädchen beschämt, entwertet und ihrer Rechte entledigt werden.


Foto: Myrabella, Wikimedia Commons


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25 Gedanken zu „Menotoxin

  1. Dies und das:
    Sehr hübsche Makrofotos von Menstruationsblut
    Eine extrem informative Folge von Quarks & Co mit einem ebenso dümmlichen Titel: Was Männer schon immer über Menstruation wissen wollten!
    Eine anonyme Gastautorin bei kleinerdrei über eine schwere Geburt
    David Signer, NZZ über Uganda, kostenfreie Binden, Stella Nyanzi, Yoweri Museveni, Psychopathologisierung politischer Gegner
    Bwesigye Bwa Mwesigire, African Arguments zum gleichen Thema
    Eva Oer, taz über dreiste Lügerei unserer Regierung über die angeblich endlich erreichten 0,7%/Bruttonationaleinkommen als Entwicklungshilfeetat
    Simone Schlindwein, taz über göttliches Schmiergeld in Uganda
    Elin Martínez, Human Rights Watch, über Mädchen und Bildungschancen in Tanzania

  2. Menotoxin, aber nicht weitersagen, ist das höchstgeheime und auch heute noch übelst schwer nachzuweisende Natriumchlorid und wie wir alle wissen, ist alles wo Chlor drin ist, giftiger als ein Knollenblätterpilz. Es käme ja kein vernünftiger Mensch auf die Idee, Domestos oder andere Chlorbleichen zu trinken und die Erdbeeren damit zu gießen…

  3. Meanwhile in India, Vidhi Doshi, Washington Post über eine erfolgreiche Idee gegen die in Indien so verbotene wie verbreitete Verheiratung Minderjähriger: Indian teens pick up the phone to save their friends from child marriage

    Two months ago, an Indian police superintendent set up a new helpline that people could call to report child marriages. And then, teenagers started calling.

    According to the Hindu newspaper, police are receiving more tipoffs than ever about illegal child marriages in remote, rural areas after a campaign in high schools in the state of Karnataka. Around 90 percent of calls, police say, come from other children, usually friends of the child brides-to-be.

    Child marriages, though banned, continue in India. The country has the world’s highest number of child brides, with an estimated 47 percent of girls married off before their 18th birthdays, according to a non-governmental organization called Girls Not Brides.

    As a result of the new campaign, police say, 157 child marriages were stopped in a single district in just the first five months of this year, more than double the number of rescues in all of 2016.

    In May alone, police rescued 43 child brides aged between 13 and 16, including a 16-year-old whose marriage had been arranged with a 48-year-old man.

    The tactic of asking children to help prevent child marriages is far more effective than an earlier strategy of counseling parents, Vittal Chikhani, a member of the state’s Child Welfare Committee, told the Hindu. “Earlier, we used to stop the marriage and return after getting a written undertaking from the parents that they would not get their child married until she/he attains the age of 18. The method, however, did not yield desired results as the marriages were reorganized. In 2014, for instance, 54 of the 88 children rescued were married off within a few days or weeks,” he said.

  4. Andrea Dernbach, Tagesspiegel: Der Arzt von Lampedusa erzählt „An das Leid gewöhnt man sich nie“

    Die Frauen, sagt Pietro Bartolo, zahlen den höchsten Preis. Es gab nicht eine unter den Migrantinnen, die der Gynäkologe in 26 Jahren untersuchte, die auf ihrem langen Weg nach Norden nicht vergewaltigt wurde. Die vielen Schwangerschaftsbäuche, die in den Medien zu sehen sind, sind sehr oft Ergebnis der Gewalt. Gewalt, die selbst Kinder trifft, wie die Neunjährige, die sich nach dem Tod der Großmutter allein auf den Weg zur Mutter in Europa machte.

    Frauen sind auch die Opfer der „Schlauchbootkrankheit“: Sie haben die schlechten Plätze in den Booten, wo ihnen auslaufendes Benzin, gemischt mit Salzwasser, die Haut verätzt. Großflächige weiße Flächen entstellen ihre Gesichter, in die Körper fräst das Gift tiefe Wunden.

  5. Wenn wir Weiber keine Gebärmutter mehr haben, können wir keine Kinder und keinen Krebs bekommen.
    Die Frauenkastration wurde früher häufig durchgeführt, Totaloperation hat man sie genannt.

  6. Auch kaum zu fassen: Schering hat in den 1950ern, 60ern, 70ern einen – vorsichtig formuliert – rustikalen Schwangerschaftstest vertrieben, bei dem Frauen eine Kombination auf Basis der weiblichen Geschlechtshormone Gestagen und Östrogen verabreicht wurde – wenn sie anschließend trotz der Hormonbombe nicht bluteten, galten sie als schwanger.

    Dieser Test namens Duogynon steht im Verdacht, Hunderte schwerer Fehlbildungen in Deutschland und Großbritannien verursacht zu haben: offene Rücken, Herzfehler, Hirnschädigungen, verkürzte oder fehlende Gliedmaßen, deformierte Därme, Harnblasen oder Genitalien. Heike Harhoff, taz: Dramatische Nebenwirkungen:

    Erstmals nun könnte der schwere Verdacht, der auf dem Präparat von einst lastet, systematisch von unabhängigen Experten und auf dem heutigen Stand der Wissenschaft überprüft werden: Neil Vargesson, Professor für Biologie an der schottischen Universität Aberdeen und seit vielen Jahren in der Forschung zu embryonalen Fehlbildungen durch Arzneimittel tätig, hat mit einem Team seiner Fakultät den Duogynon-Primodos-Wirkstoff nachgebaut und im Labor bereits an Zebrafisch-Embryonen auf seine fruchtschädigende Wirkung getestet.

    Die Eindeutigkeit der Ergebnisse, sagte Vargesson der taz, habe ihn selbst überrascht: „Wir konnten nachweisen, dass Primodos die Fisch-Embryonen tatsächlich schädigt, und zwar abhängig sowohl vom Stadium der embryonalen Entwicklung als auch von seiner Dosierung.“

    Bislang gab es Indizien, aber keinen Nachweis für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Duogynon und den Fehlbildungen. Zum einen, weil entsprechende klinische Studien in den 1950er Jahren, als Schering das Medikament auf den Markt brachte, gar nicht vorgeschrieben waren oder in einer Weise durchgeführt wurden, aus der sich keine Evidenz ableiten ließ. Zum anderen wird Duogynon seit bald 40 Jahren gar nicht mehr hergestellt, sodass auch Folgestudien seitens der Pharmaindustrie unterblieben. Schering wurde schließlich 2006 von der Bayer AG übernommen, und diese schließt Duogynon kategorisch „als Ursache für embryonale Missbildungen aus“.

    Vargesson ist optimistisch: „Bestimmte Stoffe, die in Duogynon enthalten waren, finden sich heute noch in veränderter Form in Antibabypillen. Da sollte es schon ein Interesse geben, mögliche unerwünschte Nebenwirkungen genauestens zu erforschen.“

  7. Wegen der 19% Umsatzsteuer auf Monatsbinden/Tampons:
    „Die Weitergabe einer Umsatzsteuerersparnis an die Kunden läge allein im
    Ermessen des Unternehmers, ist von der Wettbewerbsposition abhängig und könnte
    vom Gesetzgeber nicht sichergestellt werden. Insoweit äußert der Ausschuss die
    Überzeugung, dass die in der Eingabe geforderte Ermäßigung der Umsatzsteuer auf
    die genannten Produkte kein geeignetes Mittel darstellen könnte, um das von der
    Petentin angestrebte Ziel dauerhaft zu erreichen.“
    https://www.openpetition.de/petition/blog/umsatzsteuer-abschaffung-der-mehrwertsteuer-19-auf-hygieneartikel-fuer-frauen-sowie-fuer-verhuetungs
    Hat leider nur 224 Leute interessiert.
    Sind so rein logisch keine Hygieneartikel sondern Medizinbedarf wie halt Verbandsmaterial.
    Da ichs beim Einkaufen am Freitag verrafft habe, nachzugucken, was Tampons kosten, und mal am Rande, ich schreib/schrob mir sowas immer auf, wenn ich die mitbringen soll, weil sowas merkt sich mann nicht, ist halt wirklich außerhalb des unmittelbaren Ereignishorizonts….; jedenfalls online gibts 32 Stück für ca. 2 bis 5€. Sind wohl dann irgendwas bei 100-200 €/Jahr und auf ca. 30 Mio derer Bedürftige hierzulande gerechnet 3-6€ Mrd./Jahr, was einen Steuerunterschied (3Mrd. brutto entspricht 2,52Mrd netto) von ca. 480Mio (19%) vs. 180Mio(7%) bzw. 110Mio(5,5%) ergibt ca. 300/370Mio € bzw. 600/720 Mio bei 6Mrd/Jahr entspricht. Ist schon ne Menge Holz (welches als Brennholz ausm Wald übrigens nur mit 5,5% besteuert wird) und ne leicht umzusetzende Steuersenkung, die den vielbeschworenen kleinen Leuten Punkte bringt. Das Argument, daß die dann nicht billiger würden ist Quatsch, da, wie die Zahlen zeigen, Massenprodukt und außerdem gibts die Wettbewerbsaufsicht…

  8. Unter dem Spielartikel über Hysterektomien in Deutschland
    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/hysterektomie-jeder-sechsten-frau-wird-gebaermutter-entfernt-a-953374.html#js-article-comments-box-pager
    schreibt eine Userin „Mein Orgasmus wurde durch die Gebärmutterentfernung zerstört. Ich war so blöd nicht zu wissen, dass die Kontraktionen, welche ich lange Zeit nach dem Orgasmus im ganzen Unterleib gespürt habe, von der Gebärmutter kamen. Früher habe ich vor Glück beim Orgasmus geweint. Heute weine ich vor Schmerz, was ich verloren habe. Ich kann es nicht fassen, dass man von Ärzten so zur Gebärmutterentfernung gedrängt wird und kein Wort über die Risiken verloren wird. Es ist ein Verbrechen. Denn Ärzte kennen sehr wohl den Zusammenhang Orgasmus und Kontraktionen der Gebärmutter. Ich wurde auf grausamste Weise verstümmelt.“

    Frauen, die stark und schmerzhaft menstruierten schreiben, dass es ihnen nach der Entfernung der Gebärmutter besser geht.

    • Ein User schreibt über mögliche Komplikationen die bei der Myomembolisation auftreten können:
      http://www.spiegel.de/forum/gesundheit/hysterektomien-deutschland-jeder-sechsten-frau-wird-die-gebaermutter-entfernt-thread-113793-1.html#postbit_14924945
      „Herr Prof. Sohn sollte vielleicht die Risiken und Nebenwirkungen und die Indikationen für die s.g. schonenden Alternativen erwähnen? Bei der fokussierten Schallmethode gibt es bundesweit für diese sehr, sehr teure Methode nur ein paar Handvoll Zentren. Die Indikationsstellung ist sehr eng, damit die Nebenwirkungen gering bleiben. Diese können sein: Verjauchung des Myoms, Entzündungen im Bauch etc. Gleiches gilt auch für die Embolisation der Myome/des Myoms (Verstopfung/Unterbindung der Blutversorgung) Die „Ausschälung“ eines/mehrerer Myome ist schon lange Standard. Doch ist die Grenze der Methode ab einer gewissen Anzahl oder Größe erreicht. Wenn mann mit dieser Methode 3/4 der Gebärmutter durch die Myomentfernung entfernt, ist das unsinnig und langwierig (Risiko Narkosedauer z.B.) …

      Im Forum „rettet die Gebärmutter“ berichtet ein Frau über ihre Erfahrung mit der Myomembolisation (die Blutgefäße, die das Myom versorgen, werden unter Röntgenkontrolle mit Kunststoffkügelchen verschlossen) – sie würde es nicht mehr machen lassen
      http://www.rettet-die-gebaermutter.de/node/675

  9. Wie immer, so wunderbar recherchiert und geschrieben und wieder bleibe ich fassungslos zurück, weil ich schon so alt bin und sich immer noch nicht viel geändert hat.

    • … wieder bleibe ich fassungslos zurück, weil ich schon so alt bin und sich immer noch nicht viel geändert hat.

      Ja. Ich auch. Und das, obwohl wir die Babyboomer sind (sprich: sehr viele) und sich nicht nur immer noch nicht viel geändert hat, sondern die Uhren überall wieder zurückgedreht werden. Nicht nur, daß Frauen immer eine Revolution mehr machen müssen, ich finde es auch so überaus frustrierend, sich immer und immer wieder gegen die Abschaffung längst errungen geglaubter Menschenrechte engagieren zu müssen. Mich befremdet auch, daß sich nur so wenige Feministinnen für Frauengesundheit interessieren, ich bin zum Beispiel fassungslos, daß gleichzeitig die Hebammen ins Aus manövriert und reichlich Geburtsstationen geschlossen werden.

  10. http://www.taz.de/Aktion-an-Kenias-oeffentlichen-Schulen/!5425763/
    Bei dem Artikel kommt im Einzelnen nicht raus, wie das genau mit der Verteilung funktioniert, wieviele es pro Monat gibt, wieviele davon die Familien einsacken, die ganzen miesen Details eben.
    Das mit der Hygiene ist halt auch so ne Sache, deswegen weiß ich halt auch nicht, ob da aus ökologisch korrekter deutscher Perspektive Mehrwegbinden oder die Tassen besser sind. Die Einwegbinden kann mensch in der Schule einfach in nen Eimer tun und anzünden, die brennen ähnlich Babywindeln durchaus gut.

  11. Meine erste Freundin, also mit der ich auch sexuellen Kontakt hatte, hatte Anfang der 80ziger eine Lehre zur Köchin gemacht. Die erzählte mir, dass der Chefkoch und Ausbilder ihr sagte, wenn sie ihre Tage hat, dass sie den Salat nur mit Plastikhandschuhen zubereiten darf. Sie dachte sich, dass ihr Chef nur sehen wollte wer von seinen Kollegininen „die Tage“ hatte und reagierte empört.
    Er erwiderte, wenn sie mit ihren „menstruationsschweissigen“ Händen den Salat zubereit, würde dadurch das Dressing sauer. „Das ist ‚wissenschaftlich‘ erwiesen“. Siehe „Menotoxin“.
    Was das Stigma und die monatliche Menstruation im kulturellen Zusammenhang angeht, verweise ich auf (manche) muslimische Gesellschaften.
    Frauen gelten als „haram“ wenn sie ihre Blutungen haben. Hat aber den Vorteil, dass während Ramadhan das Fastengebot nicht mehr gilt.
    Meine Frau freut sich immer wenn sie während Ramadhan ihre Menstruation hat, ich muss sie dann immer in der Stadt zum lecker essen ausführen, aber immer VOR dem Fastenbrechen, da sonst die Restaurants zu voll sind.
    Hab ich eigentlich erwähnt, dass ich meine Frau sehr liebe? :-)

  12. Vielen Dank, ich will mich nochmals entschuldigen wg. dem „du“.
    Ich respektiere Ihren „Tick“ im Kommentarbereich will ich nur damit sagen.
    PS; Tja das „haram“ und das ausgerechnet mir. Den Fehler mache ich aber immer „gerne“.

    • Alles gut! Mir ist es Jacke wie Hose, ob ich geduzt oder gesiezt werde, solange der ganze große Rest halbwegs freundlich abläuft. Es gibt also gar keinen Anlaß für Ihre Bitte um Entschuldigung…;-)…

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