„Klagt nicht, kämpft“

Dirk Niebel, untauglichster Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aller Zeiten, folgte schon 2015 seiner MützeBerufung und wechselte zu Rheinmetall, als Cheflobbyist.

Denn Rheinmetall beabsichtigt, „die Internationalisierungsstrategie des Konzerns konsequent fortzusetzen und weiter zu forcieren„. Dirk Niebel werde den Konzernvorstand „in allen Fragen und Aufgaben der internationalen Strategieentwicklung und beim Ausbau der globalen Regierungsbeziehungen unterstützen„.

Noch ein paar Sprüche gefällig?

„Wir sind nicht mehr das Hirseschüssel-Ministerium meiner Vorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, sondern das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.“ Seine Aufgabe sei es gewesen, die Entwicklungspolitik aus der „Ecke der Schlabber-Pullis und Alt-68er in die Mitte der Gesellschaft zu führen“.
Zu Beginn habe seine umstrittene Militärmütze im Ministerium „Schnappatmung“ bei vielen „Berufsbetroffenen“ ausgelöst, so Niebel. „Aber wenn die ‚taz‘ schlecht über mich schreibt und die Linke schäumt, dann habe ich nicht alles falsch gemacht“ … „Füttern allein bekämpft keine Armut.“ … „Mit jedem Euro Entwicklungszusammenarbeit fließen langfristig zwei Euro zurück zu uns.“

(Das mit den zurückfließenden 2 Euronen war übrigens schon beim Hirseschüssel-Ministerium von Heidemarie Wieczorek-Zeul der Fall, Niebel hat von Wieczorek-Zeuls vergleichsweise guter Arbeit in jeder Hinsicht profitiert. Einer der Unterschiede: seit Niebel sind deutsche Entwicklungsexperten in Scharen zu anderen Organisationen gewechselt. Bei der von Niebel geschaffenen GIZ (Zusammenschluß von GTZ, DED, Inwent) will kaum noch jemand arbeiten, der an guter und nachhaltiger Entwicklungsarbeit interessiert ist)

Während die Ermittlungen zum rechtsradikalen Terrornetzwerk in der Bundeswehr laufen und Ursula von der Leyen Wehrmachtsdevotionalien aus Kasernen entfernen (bzw. in den Spinden verschwinden) läßt, wechselte Dirk Niebel gestern sein Facebook-Profilbild.

Aber sind das nicht alles traumhafte Metamorphosen?

Vom Kibbuznik zum Spruch: „Es ist für Israel fünf Minuten vor zwölf“ (nachdem Niebel 2010 an der Einreise nach Gaza gehindert wurde), von der Bundeswehr (Studium 1) zum Arbeitsamt (Studium 2), vom Arbeitsvermittler (im gehobenen Dienst) zum Berufspolitiker, vom Plan der Abschaffung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu dessen Chef und zur Erpressung und Gefährdung ziviler NGOs zur Kooperation mit dem Militär, vom Bundesminister zum Rüstungslobbyisten zum Wehrmachtsdevotionalien-Fan.

Der jetzt folgerichtige Schritt wäre der Wechsel von der FDP zur AfD. Obwohl das gar nicht nötig ist, denn die FDP war nach rechtsaußen noch nie ganz dicht. Ein bißchen gespannt bin ich aber noch, ob/wie der smarte Herr Lindner darauf reagiert.

Ah, der scheint soeben bei Niebel angerufen und Fraktur gesprochen zu haben:

Wenn das alles nicht so bitter wäre, wäre es irre komisch, nein?


Bild1: Screenshot auf Dirk Niebels FB-Seite Bild2: Screenshot bei Twitter


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28 Gedanken zu „„Klagt nicht, kämpft“

  1. Nee, ich fürchte auch, gegen xenophobe Tendenzen ist Herr Lindner kein guter Schutz.
    Schade eigentlich. Ich hätte eigentlich ganz gerne eine gute liberale Partei. Aber andererseits gibt’s ja auch sonst nur Pfeifen, warum sollten die Liberalen da eine Ausnahme sein?

    • Hmnuja, mit Xenophobie hat Niebels geschmackvolles Profilbild allenfalls mittelbar zu tun – wobei Lindner auch dagegen garantiert keine Hilfe wäre.
      Es geht um Niebels mehr als unkritischen Rückgriff auf Eliteeinheit-Propaganda der Wehrmacht.

      Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe 2008 (Seite 26/27):

      Bemerkenswert ist der Fall eines Seekadetten, der sich kritisch mit dem Verkaufsangebot in zwei Mannschaftsheimen auseinandergesetzt hatte und dies in seiner Eingabe schilderte. So seien Feuerzeuge mit eingraviertenBildern, beispielsweise einem Wehrmachtssoldaten und dem Spruch „Klagt nicht, kämpft“…
      Der Petent rügte, dass es sich dabei um Gegenstände mit Symbolen handele, die dem Traditionsverständnis der Bundeswehr nicht entsprächen.
      Dem pflichtete das Bundesministerium der Verteidigung in seiner Stellungnahme bei und trug dafür Sorge, dass die beanstandeten Gegenstände aus dem Warenangebot in den Verkaufsräumen der Heimbetriebe entnommen wurden. Das Bundesministerium der Verteidigung räumte ein, dass die fraglichen Gegenstände geeignet seien, dem Ansehen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit zu schaden. Ich stimme dem voll und ganz zu.

      Das Verteidigungsministerium, namentlich der Herr parlamentarischer Staatssekretär Thomas Kossendey, sah das 2013 schon wieder ganz anders.

      Lauter Einzelfälle^^

      • Naja, ich denke, die Bundeswehrsache muss man, wie alles, differenziert sehen. Natürlich hat die ein Problem mit ihrer Einstellung, als Organisation, wie auch unsere ganze Gesellschaft, nur konzentrierter. Muss sie ja sozusagen aus ihrer Struktur heraus, und dagegen wird zu wenig getan.
        Ob man der Sache dient, indem man sich an Mützen und Feuerzeugen abarbeitet, bezweifle ich allerdings. Es gibt viele Gründe, aus denen jemand solchen Kram hat und ausstellt und benutzt, und nicht alle davon fließen aus gefährlicher Gesinnung. Und umgekehrt nützt es ja sogar bei denen, die sie wirklich aus Überzeugung verwenden, wenig, die Gegenstände zu untersagen.
        Man müsste am Ende den lange, schweren Weg über Bildung, Coaching, Training gehen, der sehr langfristig eine Verbesserung bewirkt, aber natürlich wenig tauglich ist für eine öffentliche Debatte, die permanentes Durchgreifen und Aufdentischhauen erwartet und nicht
        Find ich.

        • O ich hätte es schon vor mehr als 30 Jahren Spitze gefunden, wenn rechtsradikale Devotionalien, Propaganda, Kasernennamen, Verhalten in der Bundeswehr differenziert gesehen, nämlich unterbunden worden wäre. Mich erheitert auch nicht allzu sehr, daß seit Jahrzehnten rechtsradikale Gefährder/Terroristen bei der Bundeswehr eine Superausbildung bekommen.

          Solange die Bundeswehr eine Staatsbürger-in-Uniform-Armee war, hatte ich noch einen kleinen Hauch Verständnis mehr für die Vielzahl der „Einzelfälle“, Spiegel der Gesellschaft usw. Seit die BW aber eine Berufsarmee ist, stinkt der Fisch ohne Gnade vom Kopf. Der Mangel an Berufssoldaten kann kein Vorwand sein, um Minimalanforderungen zu senken.

          Welche vielen Gründe könnten das denn sein, aus denen jemand Wehrmachtsdevotionalien ohne gefährliche Gesinnung besitzt?

          • Jemand kann sie aus humoristischen Gründen haben (Ich weiß nicht, ob bei mir irgendwo welche rumliegen, will es aber zumindest nicht ausschließen.), aus historischen (Manche Leuten sammeln ja Kram.) oder emotionalen (Erbstück vom Vater, Großvater, Schwager des Onkels, Wasweißich), zum Beispiel.

            • Aus historischen und/oder emotionalen Gründen kauft irgendwer Wehrmachtsdevotionalien, bzw. wird der Verkauf auf BW-Gelände nicht oder nur zögerlich unterbunden? Och nö.
              Wir scheinen jedenfalls eine unterschiedliche Idee von Humor zu haben. #lasttweet

                • Die mir wichtigeren Punkte stehen in den beiden Absätzen darüber, mir hängen die vielen „Einzelfälle“ bei der Bundeswehr seit Gründung aus dem Hals. Anders als Sie sah/sehe ich so gut wie keine „öffentliche Debatte, die permanentes Durchgreifen und Aufdentischhauen erwartet„, sondern x Rechtsradikale, die ihre militärische Ausbildung im Rahmen ihres Wehrdienstes oder als Zeitsoldat erhielten, nebst redundanter Betonung von „Einzelfall“.

                  Vor 3 Jahrzehnten war mein Liebster bei der Bundeswehr und ich sprach- und fassungslos, was für Preisklassen an Brutalität unter den Wehrdienstlern, an Untergebenendemütigungen und -schikanen und eben auch an Wehrmachtsbezügen in dessen beiden Kasernen unter normal fielen. Angesichts der Karrieren von Franco A. and friends scheint sich daran wenig bis gar nichts geändert zu haben, mit dem Unterschied, daß damals nicht von Bürgerkrieg, richtiger Seite und Widerstandsrecht nach Artikel 20 GG die Rede war.

                  Um Mißverständnissen vorzubeugen: Niebel halte ich nicht für rechtsradikal, sondern für neben dem Kopf auch noch blöd.

                • Joa. Ich hab das anders erlebt, war ja aber auch länger her und mutmaßlich in anderen Kasernen. Kommt im Ergebnis sicher ungefähr hin.

                • Weil es mir gerade in die Hände fiel – Katharina Munz, br: „Die Leute haben mich weiter an der Waffe ausgebildet, obwohl ich bekennender Nazi war“

                  Bei mir auf der Stube waren allein drei, sehr offen mit rechtem Gedankengut sympathisierende Menschen. Ein Mensch, der bei einer nationalkonservativen Männerverbindung war, ein offen für die NPD Sympathie hegender Mensch, der sich auch selber Nationalsozialist genannt hat und dann noch ein Iraner, der das damalige Ahmadinedschad-Regime unterstützt hat und offen antisemitisch gehetzt hat auf der Stube. In der Kompanie waren noch andere Leute, die im weiteren Verbund meiner Kameradschafts aktiv waren, das heißt sie haben ziemlich offen gegen das Existenzrecht Israels agitiert. Wir haben offen über das gesprochen, was verändert werden müsste, damit Deutschland wieder deutsch wird. Dass wir auf Stube sehr offen über rassistische und antisemitische Politik gesprochen haben, war ganz normal.

                  Was haben denn ihre Vorgesetzen dazu gesagt?

                  Zwei Offiziersanwärter hatten kein Problem damit, über Freimaurerei und Verschwörungstheorien zu sprechen. Einer von denen hat die Stube abends mal abgenommen und da hat er dieses Handtuch gefunden, was ich mir von einem Freund ausgeliehen hatte. Das war in den Farben des deutschen Reiches. Das hat er nicht sanktioniert, sondern gesagt: „Das ist nicht schlimm, hängen sie es doch morgen mal über ihren Schrank, da freut sich der andere Herr Fähnrich“. Das hab ich gemacht und die Person hat sich darüber gefreut. Was zumindest heißt, dass entweder ein ziemlich skuriller Humor herrschte oder die Person offen mit dem Reichsgedanken sympathisiert.

                  Und welche Konsequenzen hatte Ihr Verhalten? Sie haben ja offen rassistische Ideen geäußert?

                  Das wurde an die Vorgesetzten weitergegeben und dadurch wurde ich zum einen zwangsversetzt und dann 28 Tage inhaftiert, vier Tage davon im sogenannten „Cafe Viereck“, eine Art Bundeswehrgefängnis, und dann gab es noch 14 Tage beschränkte Ausgangssperre. Die habe ich dann gar nicht abgesessen, weil ich dann schon entlassen wurde. Von daher war der Sanktionsmechanismus gleich null. Ich bin entlassen worden, aber ansonsten ist nichts passiert. Die Leute haben mich erstmal weiter an der Waffe ausgebildet, obwohl ich bekennender Nazi war. Das schien kein Problem zu sein. Das Ganze wurde nicht so ernst genommen, um einen zivilen Prozess einzuleiten, was man hätte machen können.

                  Glauben Sie, dass die Verantwortlichen bei der Bundeswehr von dem Rassismus-Problem in den eigenen Reihen nichts wissen? Oder decken Vorgesetzte rechtsextreme Soldaten?

                  Das ist eine dieser Fragen, die ich nicht sinnvoll beantworten kann, weil ich eben schon seit neun Jahren nicht mehr in der Bundeswehr bin. Ich kann höchstens darüber spekulieren, ausgehend von den Dingen, die ich erlebt habe. Damals ist es so gewesen, dass es kein Problem war, rassistische Witze zu machen, es ist auch kein Problem gewesen, dass Offiziere in ihrer Freizeit in Nazi-Kneipen gehen. Wie in der Gesellschaft auch, gibt es in der Bundeswehr sehr viel Alltagsrassismus und es gibt Leute, die daraus tatsächlich ein extrem rechtes Denken ableiten und das wird sicherlich in den einzelnen Gruppe gedeckt. Dass es stattfindet, davon bin ich fest überzeugt. Es herauszufinden, wo es genau stattfindet, ist die Aufgabe von funktionierenden, geheimdienstlichen Maßnahmen innerhalb der Bundeswehr, die offensichtlich genau so gut funktionieren wie der Verfassungsschutz – nämlich so gut wie gar nicht.

                • Du predigst ein bisschen zum Chor, aber danke!

                  Immer gern zu Diensten…;-)…

                  Andreas Förster, FR: Die Offiziere und die Neue Rechte

                  Auch einer der wichtigsten aktuellen Protagonisten der Neuen Rechten ist Bundeswehroffizier: Götz Kubitschek, Gründer der im Jahr 2000 entstandenen neurechten Denkfabrik Institut für Staatspolitik (IfS) im sachsen-anhaltischen Schnellroda. Kubitschek führte 1998 als Leutnant der Reserve einen Einsatzzug des Bataillons für Operative Informationen in Sarajevo. 2001 wurde er zunächst aus der Bundeswehr entlassen, nachdem seine Redaktionstätigkeit für die rechte Zeitung „Junge Freiheit“ (JF) bekanntgeworden war. Nach einem von der JF initiierten „Appell an die Bundeswehr“, den viele Offiziere und Reserve-Offiziere unterzeichnet hatten, wurde die Entlassung wieder aufgehoben. 2005 trug sein IfS den Aufruf „Gegen das Vergessen“ mit, der sich gegen die Interpretation des 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung wandte. Unterzeichnet hatten auch zwölf pensionierte Bundeswehrgeneräle. Kubitschek ist zudem Chefredakteur des Theoriemagazins „Sezession“, in dem maßgebliche neurechte Ideologen publizieren.

                  Zu den Autoren gehört auch Brigadegeneral a. D. Erich Vad. Das CDU-Mitglied referierte zudem in Kubitscheks IfS und schrieb unter anderem auch für die JF. In einem seiner Texte kritisierte er, dass in der damaligen Wehrmachts-Ausstellung „nicht hinreichend erkennbar (sei), dass vieles, was damals – insbesondere im Partisanenkrieg und bei Repressalien sowie Geiselerschießungen – geschah, vom damaligen Kriegsrecht gedeckt war“. Bis zu seiner Außerdienststellung im Mai 2013 galt der heute 60-jährige Vad als der einflussreichste General in der Bundesrepublik – als Chef der Gruppe 22 in der Außen- und Sicherheitspolitischen Abteilung des Kanzleramtes war er der oberste Militärberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

                  Kubitschek ist Mitgründer der EinProzentbewegung, Liane Bednarz hat sich mal die Mühe gemacht, seine Widerstandsrethorik genauer in Augenschein zu nehmen.

  2. „Solange die Bundeswehr eine Staatsbürger-in-Uniform-Armee war, hatte ich noch einen kleinen Hauch Verständnis mehr für die Vielzahl der „Einzelfälle“, Spiegel der Gesellschaft usw.“
    Irgendein CDU-Fuzzi hat die Aussetzung der Aussetzung der Wehrpflicht gefordert. Der begründet das mit den zeitweilig uniformierten Staatsbürgern. Logik geht anders.

    Der verstorbene Motörhead-Sänger Lemmy hat Wehrmachtskrempel gesammelt und sich deswegen immer gegen den Naziverdacht wehren müssen. Die Engländer haben statistisch diesbezüglich wohl auch nen besonderen Spleen…

    In Kasernen hat außerhalb von kommentierten Ausstellungen sowas nix verloren, ebenso muß peinlichst auf Verherrlichen und/oder Verharmlosung der Wehrmacht geachtet werden. Mal sehen, ob da endlich wirklich aufgeräumt wird. In der BW ist es aber ein offenes Geheimnis, wie lax mit der Verantwortung aus der Vergangenheit umgegangen wird…

  3. Der Lobbyist Niebel und sein Brötchengeber hat einen Friedenspreis in der Kategorie „Global Franchise“ verliehen bekommen. Ihr Beitrag kommt genau richtig, Danke.

  4. Niebel war an Waffengeschäften seines jetzigen Brötchengebers schon als Bundesminister beteiligt.
    Doppelt intransparent, weil sowohl die Entscheidungen über die Waffenlieferung als auch die Hermes-Bürgschaften zur Absicherung der Exportrisiken nicht öffentlich beschlossen werden.
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/dirk-niebel-und-rheinmetall-die-ruestungsdeals-des-ex-ministers-a-978764.html
    Der Panzerdeal mit Saudi-Arabien war anscheinend schon vor Jahren nicht durchsetzbar, diente aber der Ablenkung der Öffentlichkeit, bis den Saudis das zuviel wurde und sie ihn brüsk für längst erledigt erklärten. Solange konnte die Kooperation mit der Türkei zur Auslagerung von Waffenproduktionen vorbereitet werden,
    https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/rheinmetall-dieser-panzerdeal-macht-%C3%A4rger/ar-BBAjMqn

    Erinnert mich an die Geschäftstüchtigkeit, mit der Gaddafi seinerzeit eine Chemiewaffenproduktion ermöglicht wurde. Falls Niebel mit geschlossenem Fallschirm abstürzt, dann nicht wegen wegen seines Landserbildchens, genausowenig wie Möllemann wegen Chips für Einkaufswagen vom Himmel fiel.

  5. Da gabs doch immer wieder in der FDP einen rechtslastigen Flügel. In Berlin unter Alexander von Stahl. Das ist eine lange Geschichte, die ich einstmals sogar vom Osten her noch verfolgt habe.
    Der Niebel war in der Tat ein Tiefpunkt. Das mit dem facebook-Profil ist wirklich ein Hammer. Dazwischen aber gabs immer wieder Nachjustierungen in der FDP je nach Machtoptionen. Neoliberal, sozialliberal – usw.

  6. Fundstück – Ute Frevert im Tagesspiegel zum Heldenbegriff im Wandel der Zeiten:

    Der Erste Weltkrieg verschaffte Millionen von Männern die Gelegenheit, aktives Heldentum zu bezeugen. Auch wenn sich längst nicht alle danach drängten, fiel vor allem bei den jugendlichen, oft aus bildungsbürgerlichen Familien stammenden Freiwilligen das hohe Maß an heroischer Begeisterung auf, mit der sie in den Krieg zogen. Hier hatte die patriotisch-militärische Erziehung durch Schule, Literatur und Jugendbewegung Früchte getragen. Viele von ihnen trugen Friedrich Nietzsches „Zarathustra“ im Gepäck, in einer haltbaren Kriegsausgabe.

    Der politisch instrumentalisierte Heldenkult setzte sich nach 1918 unvermindert fort, wobei sich vor allem die nationalistische Rechte hervortat. Sie feierte die Gefallenen als Helden: „Klagt nicht, kämpft“. Die Nationalsozialisten machten diesen Appell nach 1933 zum Programm, tauften den Volkstrauertag in Heldengedenktag um und produzierten alsbald tote Helden en masse.

  7. Tom Strohschneider über rechtsdrehende Traditionspflege und Neonazis bei der Bundeswehr – und den falschen Zug einer Debatte

    Nun kann man sagen, die Ministerin ist die politisch Verantwortliche. Verantwortung kann heißen, die Konsequenzen zu ziehen – entweder persönlich, das hieße hier Rücktritt. Oder politisch, im Fall der Bundeswehr und ihrem Naziproblem hieße das, dies zu tun, was von der Leyen jetzt anpackt. Würde dies angepackt, wenn jemand anderes kurz vor der Bundestagswahl ins Amt nachrückt? Nein. Ist, was von der Leyen tut, schon genug? Nein. Ist es womöglich auch fehlerhaft? Mag sein.

    Wer aber der CDU-Ministerin jetzt vorwirft, es sei bisher nichts hinreichend geschehen, wird sich fragen lassen müssen, was er in den vergangenen – sagen wir: 35 Jahren an praktischer Kritik an Traditionsunkultur und politischer Rechtsblindheit der Bundeswehr geübt hat. Man muss sich doch nur einmal die »Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr« von 1982 durchlesen, um erahnen zu können, wie tief eingegraben da unter die Stahlhelme ein Verständnis von sich selbst und von der Armee ist, das mit dem viel beschworenen Bürger in Uniform nur schwerlich in Einklang zu bringen ist.

    Aber auch das muss klar sein: Ursula von der Leyen kämpft hier nicht nur gegen die Opposition und den Koalitionspartner. Sondern gegen eine Organisation, die es sich offenbar nicht gern gefallen lässt, von einer Frau politisch zur Selbstkritik und zur Selbstveränderung gezwungen zu werden.

  8. taz: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

    taz: Stubenkontrolle! Bundeswehrkasernen werden derzeit gefilzt, weil Franco A. womöglich kein Einzelfall ist. Aber ein kleiner Stahlhelm im Spind wird doch noch drin sein, oder?

    Küppersbusch: Nach aktuellem Ermittlungsstand plante Franco A. keinen Überfall auf die Sowjetunion. Auch Wehrmachts-Merchandise und „Rommel“-Kasernen verweisen in die verbrecherische Vergangenheit deutscher Armeen. Da ist noch zu tun, was etwa eben jener Helmut Schmidt bewies, dessen Uniformfoto nun herangezogen wird, die Debatte ins Lächerliche zu ziehen. Bis zum Tode blieb er bei seiner Version, „die Wehrmacht an sich war nicht verbrecherisch … das ist dummes Zeug … die meisten Soldaten haben sich weder an Verbrechen beteiligt noch Kenntnis davon gehabt.“

    Das mag eine tröstliche Selbstbeschwörung für den Offizier Schmidt gewesen sein. Für alle anderen ist es verwirrend und für Neurechte eine Wild Card. Von der Leyen geht das an, die unrühmlichen Namen sollen weg und wichtiger: die „innere Führung“ der nunmehr Berufsarmee soll formuliert werden. Und dann? Wenn der letzte Nazi-Orden entsorgt ist, haben wir besenreine Kasernen und darin: Leute wie Franco A., die Rassismus und Gewaltverbrechen auch ohne NS-Folklore können. Der schwierigere Part ist die Gegenwart. Die Bundeswehr als bewaffneter Arm der Pegida ist ein größerer Horror als die kantige Entschlossenheit, einen toten Drachen noch mal umzubringen.

    (Jener Helmut Schmidt brach übrigens den Kontakt zu Cato Bontjes van Beek und ihrer Familie 1940 oder ’41 ab, weil er ihm als zu gefährlich erschien, woran er sich später nicht mehr unbedingt erinnern konnte oder wollte – er kannte Cato, seit er als 15jähriger in ihrem Elternhaus ein- und ausging, sie war 2 Jahre jünger als er)

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