NomNom: Hefeschnecken

 

Wenn der Monat – gemessen an der Ebbe im Geldbeutel – noch lang ist, aber auf Luxusessen Wert gelegt wird: investieren Sie in einen Würfel Hefe! Alle anderen Zutaten für Hefeschnecken haben Sie wahrscheinlich sowieso im Haus.

Zunächst müssen Sie die schwierige Entscheidung treffen, ob Sie süße oder salzige Schnecken oder beide Varianten wünschen.

Für den Teig wird gebraucht:

500g Mehl (405er oder 505er)

200 ml Milch (vegan: Soja- oder Mandelmilch oder Wasser)

ein Dreiviertel Würfel Hefe (ca. 30g – was viel Hefe für 500g Mehl ist, weil: schwerer Teig)

1 großes Ei (2 kleine wären auch kein Beinbruch, ebensowenig das vegane kein Ei – dann ein bißchen mehr Öl)

wenn süß: 2-3 Eßlöffel Zucker und eine großzügige Prise Salz – wenn salzig: 2 Teelöffel Salz

knapp 2 Eßlöffel flüssige Butter, wenn salzig: evtl. Olivenöl, wenn vegan: Öl der Wahl


 

Grundsätzliches zum Hefeteig – ist kein Hexenwerk, das kann wirklich jede/r, sofern Sie sich an vier Dinge halten:

1. Hefe mag vor dem Backen keine hohen Temperaturen, weswegen Wasser oder Milch zum Hefeauflösen oder flüssige Butter niemalsnienicht heiß, sondern immer nur warm sind. Erhitzt man Hefe vor dem Backen auf über 45°C, stirbt sie und das Backergebnis besteht aus uneßbaren Kompaktstoffen, die man auf direktem Weg in die Tonne kloppen kann.

2. Hefe liebt Zucker, deswegen auch für salzigen Hefeteig ein bißchen Zucker ins warme Wasser zum Hefeauflösen.

3. Hefeteig braucht ein bißchen Schweiß (oder einen kräftigen Mixer) zum Kneten und

4. Zeit zum Aufgehen (abgedeckt mit einem Handtuch).

Hefe ist ein lebendiger Organismus, sie verstoffwechselt Kohlenhydrate/Zucker und pupst Kohlendioxid, das den Teig fluffig macht und sein Volumen vergrößert – der Teig geht auf. Am besten zwei Mal, beim ersten Mal mindestens 1 Stunde, der Teig sollte dabei sein Volumen entschieden vergrößern, in etwa verdoppeln. Wie und wo Sie das machen, bleibt Ihrer Phantasie überlassen. Den gestrigen Schneckenteig habe ich in die Frühlingssonne ans offene Fenster gestellt, Hightech-Backöfen haben dafür eine Einstellung um die 30°C, genauso geht auch ein beheiztes Wasserbett oder eine Fußbodenheizung oder sonst ein Ort, der körperwarm ist.


 

Vorher: alle trockenen Zutaten mischen, die Hefe in warmer Milch auflösen, zusammen mit Ei und Butter zu den trockenen Dingen geben und dann wird geknetet und geknetet und geknetet und geknetet und geknetet und geknetet. Bis der Bizeps schmerzt, der Teig homogen und elastisch ist und sich herrlich anfühlt. Freund P. orientiert sich dabei an der für ihn idealen Brust, mir erschiene der ideale Teig als ein bißchen weich für mein Busenideal – in jedem Fall ist Hefeteig ein sinnliches Vergnügen.


 

Füllung:

Ich fand ein paar Walnüsse, eine überreife Orange und einen Rest Orangeat. Dazu gesellte sich dunkler Kakao, Karamellsirup, Zimt und Butter (ungefähr 3 Eßlöffel, flüssig) und das ergab zwei süße Füllungen:

Orangenfüllung: Orangensaft, atomisiertes Orangeat (ca. 75g) und Karamellsirup nach Geschmack eine gute halbe Stunde zu einem Breichen zusammenköcheln

Walnuß-Kakao-Zimt-Zuckerfüllung: Walnüsse (ca. 50g) fein hacken, mit Zucker (1 Eßlöffel), Kakao (1 Eßlöffel) und Zimt (2 Teelöffel) mischen (auf die Seite kommt später ein bißchen mehr Butter)

Vielleicht haben Sie noch ein bißchen Pesto oder Ajvar im Kühlschrank oder Speck- oder Zwiebelmarmelade oder der Käse da hinten muß weg, getrocknete Tomaten, Oliven, Kapern, Lauchzwiebeln, eine einsame Sardelle, ein paar Blättchen frischen Majoran oder Thymian, ein trauriger Rest Creme fraiche oder ein bißchen 20%-Quark oder Ihnen fällt sonst irgendetwas zum Füllen ein. Es muß nur kleinteilig sein oder gemacht werden und zusammen mit dem flüssigen Fett die Teigfläche nicht zu dick bedecken.


 

Wenn der Teig also nach der Stunde Hefefurzzeit sein Volumen verdoppelt hat, wird er einmal kräftig in die Mitte geboxt, einzwei Minütchen halbherzig durchgeknetet und auf einer bemehlten Fläche zu einem Rechteck mit einem halben Zentimeter Dicke ausgerollt, ungefähr 30 auf 40 cm. In Ermangelung eines Nudelholzes verwende ich eine bemehlte Weinflasche, ebenso gut ist ein Rundholz aus dem Baumarkt oder was immer Ihnen in die Hände fällt. Zwei Backbleche werden mit Backpapier ausgestattet.

Die Teigfläche wird (bis auf einen Rand an einer der schmalen und an beiden langen Seiten, sonst Schweinkram) mit der flüssigen Butter (oder mit Öl) bedeckt, die Füllungen (der Länge nach getrennt voneinander) gleichmäßig darauf verteilt und der Teig von der bedeckten zur unbedeckten Schmalseite hin aufgerollt.

Die entstandene Rolle wird mit einem scharfen Messer in 2-3 cm dicke Scheiben geschnitten, die am besten gleich mit der flachen Seite des Messers auf das Backblech balanciert, dort ein bißchen hübsch gemacht und flachgedrückt werden, pro Blech 9 Stück.

Anschließend geht die ganze Herrlichkeit abgedeckt eine weitere Stunde auf, wird dann mit Milch (Ei, Karamellsirup, Olivenöl, Butter, Soja- oder Hoisinsoße, Salzwasser oder was Sie zur Hand haben) eingepinselt und anschließend bei 160°C Oberunterhitze (vorheizen!) 20-30 Minuten gebacken. Backöfen sind Indivdualisten und sie lügen, eventuell muß auch das untere gegen das obere Blech ausgetauscht werden: am besten, Sie werfen einen gelegentlichen Blick durch die Ofentür.


 

Es duftet. Das Leben ist schön und außerdem der Frühling endlich da!

Hefeschnecken sind warm aus dem Ofen eine luxuriöse Oberköstlichkeit – Sie müssen unbedingt für genug Mitesser sorgen, denn am nächsten Tag haben sie schon sehr verloren, Hefeteig wird schnell trocken.

Man kann sie aber nach dem Abkühlen sehr gut einfrieren und sie bei Bedarf (wenn man sie dünn genug von der Teigrolle herunter geschnitten hat) gefroren in den Toaster stecken und das gute Leben geht noch tagelang weiter, Schmackofatz!


Foto (beschnitten): Bin im Garten, Wikimedia CommonsGehäuse der Monetaria annulus (Ringkauri)), teilweise aufgefräst. Diese wurden neben der Monetaria moneta (Geldkauri) als Kaurigeld verwendet


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