Journalismus in Zeiten der Social Media

Facebook betont gern und oft die hauseigene Sicherheit und Familienfreundlichkeit.

Ein Team der BBC beschäftigt sich seit 2015 mit der Verbreitung pädokrimineller Inhalte und mit ‚closed groups‘ bei Facebook, mit klingenden Namen wie ‚We ♥ Skoolgirlz‘. In solchen Gruppen werden sexualisierte Kinderbilder und -filme verbreitet, mit gestohlenen unverfänglichen Kinderbildern und -filmen aus Medien, Katalogen und Blogs gemischt und von Nutzern sexualisiert kommentiert.

Unter den Betreibern der von der BBC beobachteten Gruppen firmiert u.a. ein einschlägig vorbestrafter Pädokrimineller als Initiator und Moderator, der im britischen ’sex offenders register‘ gelistet ist.

Facebook hatte nach der ersten BBC-Recherche erklärt, die Sicherheitsstandards erhöht zu haben und „solicitation of sexual material, any sexual content involving minors, threats to share intimate images and offers of sexual services“ sofort löschen zu wollen.

Das wollte das BBC-Team kürzlich genau wissen und meldete gegen die Nutzerrichtlinien verstoßende Bilder über das facebookeigene System.

To test Facebook’s claim, the BBC used the report button to alert the company to 100 images which appeared to break its guidelines. They included:

  • pages explicitly for men with a sexual interest in children
  • images of under-16s in highly sexualised poses, with obscene comments posted beside them
  • groups with names such as „hot xxxx schoolgirls“ containing stolen images of real children
  • an image that appeared to be a still from a video of child abuse, with a request below it to share „child pornography“

Of the 100 images only 18 were removed.

According to Facebook’s automated replies, the other 82 did not breach „community standards“. They included the apparent freeze frame.

Die BBC bat den zuständigen Facebook-Mitarbeiter, Simon Milner (Facebooks Policy Director für Großbritannien, Mittleren Osten, Afrika) um ein Interview, das auch in Aussicht gestellt wurde, sobald Facebook Beispiele besagter Inhalte übermittelt würden. Also schickte das BBC-Team die geforderten Beispiele und wurde – halten Sie sich fest – von Facebook an die Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Das Interview wurde gecancelt. Überraschung.

It is against the law for anyone to distribute images of child exploitation,” Facebook later said in a statement. “When the BBC sent us such images we followed our industry’s standard practice and reported them to CEOP. We also reported the child exploitation images that had been shared on our own platform. This matter is now in the hands of the authorities.”

Anyone being sent such images is required to inform the police so that they can be investigated. But it isn’t clear why Facebook asked for the images to be sent in the first place.

The BBC said that sending the images had been a requirement for organising an interview with Simon Milner, Facebook’s UK head of policy, to discuss them. When it provided the examples, it was reported to the National Crime Agency.

Mit anderen Worten: Facebook hat erst verlangt, Beispiele für nicht gelöschte Inhalte geschickt zu bekommen. Nachdem das geschehen war, hat sich das Unternehmen auf den Standpunkt gestellt, dass der Versand gegen das Gesetz verstößt und die Polizei eingeschaltet.

Die bisher treffenste Erklärung für Chuzpe – Elternmörder bittet vor Gericht um Strafrabatt, weil Vollwaise – ist damit Geschichte.


 

Es gibt meines Wissens nur ein deutschsprachiges Medium, das permanent mit einem britischen Medium kooperiert und dessen Artikel übersetzen und veröffentlichen darf: Der Freitag in Syndikatspartnerschaft mit The Guardian, der am 7.3.17 berichtete.

Am 15. März wird bei Der Freitag ein Experte für „Mißbrauch“ (sexualisierte Gewalt gegen Kinder) und Pisaverstehen Chefredakteur, der bis zu diesem Karrieresprung Caravaggios Gemälde ‚Amor als Sieger‘ in seinem Twitterprofil ausstellte. Seine Karriere bekam vor 3 Jahren eine Beule, mit seinem Rauswurf aus der taz , in seiner Kurzbio unerwähnt. Obwohl er m.W. 16 Jahre dort gearbeitet hatte, bis die Veröffentlichung eines journalistisch ungenügenden Textes von der damaligen Chefredakteurin Ines Pohl gestoppt wurde. Vielmehr, bis er den gestoppten Text – grundlegend überarbeitet, sodaß er journalistischem Minimalstandard entsprach – prominent bei der FAS unterbrachte und sich als verfolgte Pressefreiheit feiern ließ.

Der Experte drückte jüngst Deniz Yücel an seine Wir-Journalisten-Freundes-Brust, um ihn wenige Tage später „Provo-Redakteur“ zu nennen und eine Empfehlung an alle Journalisten auszusprechen: „Vielleicht sollten wir Deniz einfach tiefer hängen„.

Der Experte arbeitet sich immer noch an Heike Faller ab und an ihrem preisgekrönten Portrait eines Pädophilen, der kein Kinderficker werden will. Er entlastet die übergroße nichtpädophile Tätermehrheit sexualisierter Gewalt gegen Kinder mit seinem Befund „Mitläufertaten„, im Bezug auf Straftaten pädophiler Pädokrimineller. Er läßt die Mehrheit sexualisiert mißhandelter Kinder – Mädchen – zugunsten seiner Fokussierung auf pädophile Päderasten ganz unter den Tisch fallen.

Der Experte wünscht sich auch schon mal „ein bißchen mehr Inquisition„, er nimmt für sich in Anspruch, „sich Opfern zuzuwenden“ und geriert sich als „Opfer“-Versteher und -Sprecher. Als Beleg für seine Positionen verweist er auf Nachfrage meist auf eigene Texte. Die Gefahren im Internet für Kinder macht er vor allem in deren Smartphone-Nutzung aus.

Im Rahmen seines Versuches, Heribert Prantl ans Bein zu pinkeln, führte der Experte im Cicero u.a. die „milliardenschweren „Kinderporno-Industrie“ im Munde.  Für die Milliardenschwere einer Industrie für Produktion und Handel mit Dokumentationen sexualisierter Gewalt gegen Kinder gibt es keine Wahrscheinlichkeit, keinen seriösen Beleg, keine auch bloß halbwegs validen Hinweise. Sondern diese Industrie und ihre Milliardenschwere wurde von mit Fakten geizenden Organisationen wie Stephanie zu Guttenbergs Innocence in Danger zu einem stehenden Begriff im unerträglich geführten Gewaltdiskurs gemacht. Und auch schon zur Reglementierung des Internets bemüht, als Ursula von der Leyen lieber Stopschilder aufstellen und Internetnutzer kriminalisieren als Kinderfickerseiten löschen lassen wollte.

Das alles, während Verbrechen sexualisierter Gewalt gegen rund 20% aller Kinder vor allem am Haupttatort Familie, bzw. im kindlichen Nahbereich stattfinden, mehrheitlich verübt von nicht-pädophilen Männern. Während die meisten ‚kinderpornografischen Schriften‘ nicht gekauft, sondern getauscht werden oder – im heimischen Kinderzimmer angefertigt – als Einlaßbillet zu klandestinen Tor-Kinderfickerportalen dienen.

Für den Experten allerdings ist weder das noch die Partnerschaft mit The Guardian noch der Umstand, daß sich die beschriebene Facebookpolitik zur Verbreitung sexualisierter Kinderbilder geradezu anbietet noch die Kriminalisierung von investigativem britischem Journalismus durch Facebook ein Thema. Jedenfalls kein Thema, das ihm für einen Artikel oder für seine eifrige Twitterei relevant genug erschienen wäre, vom 6.3.17 bis zur Veröffentlichung dieses Blogs nicht.

Er beschäftigte sich wohl mit einer der klaffendsten Wunden von Facebook:

Er beschäftigte sich auch mit Kindern im United Kingdom:

Nicht aber mit den bei u.a. Heise, Golem, Zeit Online, mimikama auch auf deutsch erschienenen Inhalten, vom Artikel beim Guardian und den Meldungen in so gut wie allen englischen Medien ganz zu schweigen.

Es ließen sich daran ein paar Fragen stellen: aus was des Experten Expertentum wohl bestehen mag, was er sonst noch so alles nicht liest, woraus sich seine Twitter-Filterblase zusammen setzt. Ebenso, wozu er eigentlich die Social Media nutzt, außer zur Bewerbung seiner eigenen Person und zur Pöbelei. Es ließe sich auch die Frage stellen, welche Preisklasse von Ignoranz und Chuzpe dem Freitag-Eigner Jakob Augstein im Rahmen des von ihm gewünschten Boulevardjournalismus noch so vorschweben mag.

Die Experten-Personalie läßt Schlüsse darauf zu.


Bild 1 (beschnitten): Caravaggio, Amor als Sieger, Wikimedia commons, gemeinfrei
Bild 2: Screenshot bei @ciffi
Bild3: dito


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3 Gedanken zu „Journalismus in Zeiten der Social Media

  1. Augstein denkt vielleicht. er hätte sich einen zweiten Diekmann eingestellt. ;-) Die Optik haut ja schon hin auf dem Twitter-Bild. SCNR

    Das Blatt (der Freitag) ist eine Wochenzeitung, Wenn sie tagesaktuell reagieren wollen, haben sie es durchaus auch online zu einem Artikel geschafft. Aber Füller wird kaum als journalistisches Schwergewicht beim Guardian gelten und irgendwas exklusiv bekommen.
    Dass die FB-affine Redaktionsspitze irgendwas gegen den Konzern schreiben wird ist eher unwahrscheinlich. Die 700k Leser des Herausgebers dort sind doch zu verlockend.

    BTW Angele interviewt den Hader und stellt keine Frage, nicht eine, zum Stefan Zweig-Film „Vor der Morgenröte“ worin Joseph Hader den Stefan Zweig spielt. Einer der schönsten Filme 2016.
    Seine erste Frage An Joseph Hader:
    „der Freitag: In Ihrem neuen Film „Wilde Maus“ haben Sie das erste Mal auch Regie geführt. Es geht um die Rachegedanken eines gedemütigten Journalisten. Ich kenne diesen Gedanken sehr gut! Aber wie sind Sie darauf gekommen?“
    Ähh, vom Chefredakteur gedemütigt? ;-))

    https://www.freitag.de/autoren/michael-angele/ich-bin-sozialisiert-im-linkskatholizismus
    und
    http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/kultur/sn/artikel/vor-der-morgenroete-josef-hader-spielt-stefan-zweig-198900/
    und
    https://www.freitag.de/autoren/mdell/der-duenne-mann [Dank an Matthias Dell.]

    Dieser Saftladen kannibalisiert sich gegenseitig die Themen, Zusammenhänge, Verweise, NULL.
    Übrig bleibt Spezlwirschaft, feuilletonbasierte, in einem Schnippselblatt.

    Ansonst, danke für die Zusammenstellung.

  2. Der guten Ordnung halber: in den Satz „Das alles, während Verbrechen sexualisierter Gewalt gegen rund 20% aller Kinder am Haupttatort Familie, bzw. im kindlichen Nahbereich stattfinden, mehrheitlich verübt von nicht-pädophilen Männern.“ habe ich „vor allem“ eingefügt, nachdem ich zurecht per Email darauf aufmerksam gemacht wurde, daß das mißverständlich ist.

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