„Dummheit und Journalismus“

antwortaugstein

Prolog:

Planet Interview hatte im November ’16 ein Interview mit Nikolaus Blome geführt, der einen großen Teil seiner Äußerungen im Nachhinein nicht mehr autorisisieren wollte. Die dazugehörigen Fragen wurden veröffentlicht und sprechen für sich, nicht für Blome. Darauf bezog sich Augstein mit obigem Tweet und wurde ebenfalls zum Interview gebeten, bei Planet Interview erschienen am 17.2.17:

Viele Zeitungen vertreten nicht das Interesse ihrer Leser

Aus der Mitte des Interviews:

Jakob Buhre: Gibt es eine Blattlinie beim „Freitag“?

Jakob Augstein: Es gibt keine Blattlinien. Aber es gibt den Charakter und die Identität einer Zeitung. Wir sind eine linke Zeitung. Wir würden nie einen Artikel drucken –  jedenfalls nicht, wenn ich es vorher weiß – der auf dem Rücken von Schwächeren, von sozial ausgegrenzten Menschen oder von Migranten Stimmung machen will.

Da mußte ich das erste Mal auflachen.

(Noch eine Vorbemerkung: eigentlich wollte ich nichts mehr über Der Freitag, Jakob Augstein usw. schreiben, denn im Grunde ist alles gesagt und der Drops längst gelutscht. Ist eine Ausnahme: Jakob Buhre, zu dem ich anläßlich seines Interviews mit Ken Jebsen Kontakt aufnahm, hatte mich im Vorfeld des Augstein-Interviews angerufen und mich … (auf Wunsch von Jakob Buhre gelöscht, dvw). Man sehe mir bitte nach, daß ich das Interview nur ausschnittweise abhandele und für jede von Augsteins Unwahrheiten auf nur je einen Gegenbeleg verweise, obwohl es besonders zur Profilierung „auf dem Rücken von Schwächeren“ durch Journalisten von Der Freitag und zu dem von Augstein vermissten „lokalen Community-Journalismus“ sehr viele Gegenbeispiele gäbe – zu mehr Recherche ist mir die Zeit zu schade)

1 unter x Beispielen für Stimmungmache auf dem Rücken von Marginalisierten folgte dem 3-wöchigen lauten Schweigen aus der Redaktion zur (auch z.T. in der Freitag-Community) unerträglich geführten Beschneidungsdebatte nach dem Kölner Urteil. Gebrochen wurde das redaktionelle Schweigen, indem Christian Füller dem selbsternannten Sprecher aller von sexualisierter Gewalt in der Kindheit Betroffenen, Christian Bahls, eine Bühne gab. Denn Christian Füller und Christian Bahls sind „Experten“, Bahls hält auch alle als Jungen Beschnittenen für sexuell mißbraucht, viele Artikel von Christian Füller über sexualisierte Gewalt gegen Kinder im Umfeld der Grünen, an der Odenwaldschule, bei den Regensburger Domspatzen folgen dem gleichen Muster: Mißbrauch von Betroffenen, Verbreitung von Meinung und Fake News, an Stelle der erforderlichen Recherche.

Jede Zeitung hat eine Blattlinie, man nennt das auch Profil, vornehme Aufgabe von Chefredaktion und Herausgeber, Tendenzbetrieb, Alleinstellungsmerkmal und Argument, sie zu lesen oder eben nicht zu lesen. Der Freitag allerdings hat längst keine linke Blattlinie mehr, dazu steht dort viel zuviel schlecht recherchiertes, mäßig gut geschriebenes, unseriös gemeintes, boulevardaeskes Zeuch.

Mit Augsteins Lob von Blödzeitung und Boulevardjournalismus geht es über weite Strecken des Interviews weiter (das ich in Gänze zur Lektüre empfehlen möchte), mein zweiter Auflacher:

Jakob Buhre: Nun verletzt die „Bild“ nicht nur sehr oft den Pressekodex sondern auch das Urheberrecht, da sie häufig – auch das hat Bildblog immer wieder aufgezeigt – Fotos druckt, ohne dafür eine Genehmigung vom Urheber zu haben.

Augstein: Ist das so? Ich muss zugeben, dass ich mich um dieses Thema bislang nicht gekümmert habe. Wir beim „Freitag“ verletzen keine Urheberrechte, jedenfalls nicht systematisch.

Ja ne, ist klar. Der Freitag-Community wird in puncto Urheberrechtsverletzungen so mißtraut, daß alle von Nutzern verlinkten Bilder gelöscht und alle FC-Blogs in Bleiwüsten verwandelt wurden, systematisch. Es wurden auch alle Bilder gelöscht, für die die Urheberrechte eindeutig bei den Bloggern selbst liegen, 1 Beispiel beim Freitag und die wiederhergestellte 5-teilige Graphic Novel mit 100 Zeichnungen im WordPress-Exil der Weinbeeren. Und wieder 3 Blogger vertrieben.

Mehr Auflachen:

Jakob Buhre: Freitag.de zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass bei Ihnen auch User komplette Artikel einstellen können. Wie fällt bislang Ihre Bilanz hinsichtlich der Community aus?

Augstein: Die Bilanz ist gemischt. Wir hatten große Hoffnungen auf lokalen Community-Journalismus. Also darauf, dass die Leute von Dingen berichten, die in ihrer Umgebung geschehen. Diese Hoffnungen haben sich nicht wirklich erfüllt. Andererseits funktionieren aber die Debatten über Fragen, die wir im „Freitag“ behandeln sehr gut. Die Community begleitet die Zeitung sozusagen und befruchtet sie mit Ideen und Texten. Die große Mehrheit unseres Netz-Inhalts stammt inzwischen aus der Community.

Jakob Buhre: Woran liegt es, dass kein lokaler Community-Journalismus herangewachsen ist?

Augstein: Das liegt vielleicht daran, dass Journalismus eben doch ein Handwerk ist, das man lernen muss. Den Leuten fällt es leichter, Meinungsbeiträge zu schreiben als sachorientierte Texte.

Das liegt vielleicht daran, daß Augstein entweder glatt lügt oder es zeugt von erbärmlicher Unkenntnis der Freitag-Community und ihrer Blogs. Es gab „lokalen Community-Journalismus“ ohne Ende, viel aus Berlin, mehrere Blogger schrieben über Frankfurt/Main, über Hamburg, aus Halle, aus dem ländlichen Bayern, aus Frankreich, aus Spanien, aus x Orten auf der ganzen Welt. 1 Beispiel, das ich besonders schön finde: die Damaszener Scharaden von Isam Almatlub. In welcher Zeitung hätte man zwischen 2009 und 2012 fast 100 Berichte eines homosexuellen Deutsch-Syrers über Damaskus lesen können, dazu noch toll geschrieben? Nicht einer seiner Blogs wurde von Der Freitag produziert.

Augsteins Spruch vom Journalismus als einem zu erlernenden Handwerk zeigt nicht nur seine Verhaftung in einem überkommenen Holzjournalismus, sondern auch seine Arroganz gegenüber den professionellen Journalisten, die dem Freitag ab 2009 unentgeltlich Blog-Content anlieferten und gegenüber den Bloggern, die sprach- und inhaltlich weit über dem redaktionellen Freitag-Niveau liegen.

Eine meiner Vermutungen zu den Gründen für nur eineinhalb statt der geplanten fünf Stellen in der Online-Redaktion gilt schon lange der gewünschten Kleinhaltung der bloggenden Konkurrenz, durch deren Förderung die Beiträge einiger gelernter „Handwerker“ in Der Freitag noch blasser wirkten als ohnehin. Würde Der Freitag genug Stellen in der On-Red haben, um aktiv nach guten Bloggern suchen und um die in der Community noch vorhandenen pflegen zu können, statt sie zu mißachten, hätte Der Freitag ein Alleinstellungsmerkmal im gesamten deutschsprachigen Raum und mehr Konjunktiv passte jetzt nicht in diesen Satz. Aber Augsteins hehre Versprechungen von der Verschränkung von Journalisten und Bloggern, von Print und Online, von der Schleifung der Hierarchien hat er längst über Bord geworfen, sie wurden in ihr Gegenteil verkehrt. Jakob Augstein versäumt die Zukunft des Journalismus, denn die ist nicht hölzern.

Mehr Gelächter, allmählich mit etwas bitterem Nachgeschmack:

Jakob Buhre: Ist der hohe Anteil an Community-Content auch riskant, weil Sie dadurch in juristische Streitereien reingeraten können?

Augstein: Nein, das ist für uns kein Problem. Das liegt aber auch daran, dass wir als Seite sehr klein sind.

Nein, der vom „sehr kleinen“ Freitag installierte Buhwort-Algorithmus, der die Veröffentlichung jedes Blogs unterbindet, in dem die Worte „Ken Jebsen“ oder „Akif Pirinçci“ vorkommen, fällt in Augstein Verlautbarung unter den Tisch, der ist ja auch ein *sehr großer* Offenbarungseid. Nicht erwähnenswert ist für Jakob Augstein auch die mindestens zeitweise, z.T. dauerhafte De-Publizierung älterer Nutzer-Blogs und redaktioneller Artikel über den äußerst klagefreudigen Ken Jebsen. Auch die Löschung aller von FC-Bloggern verwendeten Bilder wurde damit begründet, daß die Kosten für die juristischen Auseinandersetzungen eben wegen Community-Content astronomisch hoch würden – so hoch, daß sie den Fortbestand von Der Freitag gefährdeten. Die Freitag-Community ist Jakob Augstein nicht nur teuer, sie ist ihm auch gefährlich.

Weiter im Text:

Jakob Buhre: Wenn man durch die Community-Beiträge auf Freitag.de surft, trifft man häufig auf den Alias „ehemaliger Nutzer“. Was hat es damit auf sich?

Augstein: Das sind Leute, die sich abgemeldet haben.

Jakob Buhre: Die wurden also nicht entfernt?

Augstein: Den Fall gibt es sicherlich auch. Das ist ja ein atmender Organismus, ein normaler Prozess. Wir haben aber nicht das Problem, dass wir zugespamt werden von rechts oder links, dass wir Seiten sperren müssen oder nachts keine Freigabe geben können für Kommentare. Das ist nicht unsere Realität.

Der fleißigste Nutzer des Freitag trägt den schönen Nick ‚ehemaliger Nutzer‘ und Jakob Augstein äußert eine schon sehr eigenwillige Sicht der Realität.

Der „normale Prozeß“ beim „atmenden Organismus Freitag“ hat zahllose Nutzer – unter teilweise abenteuerlichen und mit glatten Lügen begründeten Vorwänden – gegen ihren Willen entsorgt und auch ihren Content mitbestraft und gelöscht. Aber auch bei massenhaften Abmeldungen müßte ein Herausgeber und Chefredakteur eigentlich nachdenklich werden, der Unterschied zu massenhaft gekündigten Abonnements liegt „nur“ im Geld.

1 Gegenbeispiel zum verneinten Zugespamtwerden: Augstein unterschlägt den Aufruf des damaligen Freitag-Nutzers The Babyshambler aka Florian Hauschildt (inzwischen ist der irgendwas bei Russia Today) zur „Okkupation und taktischen Infiltration der Freitags-Community“ an die montagswahnmachende Querfront in den Social Media. Die Folge war ein massenhafter Idiotenansturm, mit dem sich die Freitagkommunauten wochenlang allein herum zu schlagen hatten und während dem es zu höchst realer Gewalt kam, als in einem Nutzer-Kommentar die Kontaktdaten eines kurz darauf demissionierten Bloggers bei Der Freitag (übrigens Journalist und Chefredakteur) veröffentlicht und bei YouTube zu seiner „Festhaltung“ aufgerufen worden war, sein Auto nahm dabei Schaden, der Staatsschutz ermittelte. Sein Blog einer Inaugenscheinnahme der Hamburger Mahnwache wurde wegen angeblich fehlender Quellen von Der Freitag gelöscht, mein darauf bezugnehmender Blog über Netznomaden in Augsteins Freitag-Stadt wenige Minuten nach Erscheinen von der Community-Startseite entfernt.

Aber weiter im Text:

Jakob Buhre: Wird es auf Freitag.de eine Paywall geben?

Augstein: Nein.

Die Paywall gibt es längst. Die in Holz veröffentlichten Artikel erscheinen zeitverzögert  oder gar nicht online. Das PDF-Archiv der Printausgabe wurde mit dem Relaunch wegrationalisiert.

Epilog (Jakob Buhre):

Nachbemerkung: Da Jakob Augstein im Interview für harten Boulevardjournalismus plädierte, habe ich ihm nachträglich sechs Boulevard-Fragen geschickt. Augstein lehnte eine Beantwortung ab, mit der Begründung, die Fragen gingen ihm „zu weit und zu nahe“. Mit einer Ausnahme:

Praktizieren Sie irgendeine Religion, oder verträgt sich das nicht mit Ihrem Beruf?

Augstein: Journalismus und Religiösität widersprechen sich nicht. Nur Dummheit und Journalismus liegen im Widerspruch miteinander.

Jakob Augsteins Unkenntnis (Dummheit trifft es wahrscheinlich im Bezug auf die Zukunft des Journalismus, den Rest halte ich eher für fortgeschrittenes Desinteresse), ebenso seine Unwahrheiten vertragen sich in der Tat nicht mit Journalismus.

Weil: den Lügenpresse-Krakeelern müßte der Inhaber, Herausgeber und Chefredakteur einer „linken Zeitung“ nicht auch noch Argumente liefern.

Und: die Zukunft des Journalismus wird nicht hölzern sein.


Bild: Screenshot bei Twitter


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28 Gedanken zu „„Dummheit und Journalismus“

    • Hmnuja, Jakob Augstein sucht so das Rampenlicht und verkauft sich so penetrant als linker Journalist mit angeschlossenem Zeitungsbetrieb, daß der Abgleich zwischen dem, was er öffentlicht sagt und dem, was er beim Freitag davon einhält, einen Beitrag zum Gesamtbild liefert. Ginge es nur um Freitag-Interna, wäre mir das keine Sekunde Zeit wert, Grüße zurück!

  1. Aus „Gründen“ hätten Sie Ihr Bloggen beim Freitag aufgegeben, steht in Ihrer Selbstbeschreibung. Der heutige Beitrag lässt einige der Gründe aufscheinen. Die Idee und der Anspruch, dass Blogs und Print sich wechselseitig ergänzen können, gefällt mir grundsätztlich gut. Das war im Jahr 2009 noch anders, als Bernd Graff, damals leitender Kulturredakteur der Süddeutschen Zeitung, das Internet „in der Hand von Idiotae“ sah und Gregor Dotzauer im Tagesspiegel unter dem Titel „Graswurzelverwilderung“ von der „bloggenden Gewaltwillkür (…) pseudonymer Existenzen“ dünkelte, die aus purer Selbstherrlichkeit einen „Kulturkampf“ angezettelt hätten.

    Dass Augstein mit dem Freitag einen anderen Weg gehen wollte, aber Anspruch und Wirklichkeit so auseinander klaffen, wie von Ihnen dargestellt, zeigt dass Printjournalisten sich trotz guter Absichten und besserer Einsicht noch immer schwer tun mit .der „bloggenden Gewaltwillkür (…) pseudonymer Existenzen.“

    • Konnten Sie sich denn 2009 der Meinung von Bernd Graff und Gregor Dotzauer anschließen?
      Ich war bei der Süddeutschen und beim Tagespiegel nie im Forum unterwegs, kann das also nicht beurteilen. Sondern bei Zeit Online, als die dortige Community noch die bei weitem interessanteste im deutschsprachigen Raum war. Das wurde möglich durch die Community-Leitung von Johannes Kuhn, der zwar auch nicht unfehlbar war, aber echtes Interesse an den Online-Graswurzeln hatte. Das aber wurde Mitte 2009 durch den Relaunch und die Aussetzung jeder Regel und Moderation zerstört. Ich fand 2009 insgesamt den Ton wesentlich angenehmer als heute und es gab viel mehr Leute, die an erkenntnisstiftendem Austausch interessiert waren.

      Das mit den Pseudonymen und dem Gehabe von Printjournalisten halte ich für albern, die genießen den Schutz und die Rechtsabteilung ihrer Zeitungen. Ich war bei Zeit Online wie auch beim Freitag der Online-Redaktion von Anfang an namentlich und mit ladungsfähiger Adresse bekannt, ich blogge nicht anonym, sondern unter einem Internet-Synonym. Daß ich zu WordPress gewechselt bin und hier jede Auskunft zu meiner Person verweigere, liegt an unschönen Erfahrungen mit übergriffigen Arschlöchern aller Couleur, an der Klagefreudigkeit der Jebsens dieser Erde und dem mangelnden Schutz einer Zeitung und Rechtsabteilung. Der letzte Grund zum Ausscheiden beim Freitag war eine öffentliche Beleidigung von Christian Füller an u.a. mich, ich bin nämlich ‚Mitläufer und Metöke‘ zu Kinderfickern und Pädoaktivisten. Das wurde kurze Zeit später von der Online-Redaktion klandestin editiert, statt Füller eine wohlformulierte Bitte um Entschuldigung und einen gemäßigteren Umgangston nahezulegen.
      Das war der letzte fette Tropfen in ein in 6 Jahren gut gefülltes Faß aus Gemesse mit zweierlei Maß, extrem unfairen Sperrungen, Nichtsperrungen von Rassisten, Frauenhassern, Antisemiten und einem insgesamt lausigen Umgang mit der Community. Und dann kam noch das Einknicken von Der Freitag vor den Anwälten von Ken Jebsen oben drauf.

      Augstein versprach der Freitag-Community zu Anfang viel und ich hätte kein Problem, wenn er sich heute hinstellte und öffentlich erklären würde, daß er damals den Mund zu voll genommen hat und dieses, jenes und folgendes aus diesen, jenen und folgenden Gründen nicht geht. Das aber tut er nicht, sondern er hat einfach jedes Interesse verloren und zwar ab genau dem Zeitpunkt, als er auf Freitag und Freitag-Community seine Reputation gebaut und jede Menge Preise eingesammelt hatte.

  2. Nein, ich war ganz und gar nicht damit einverstanden, wie Sie hier http://trithemius.de/2009/05/20/ohnmacht-federkiels-macht-tasten-6142736/
    nachlesen können. Da habe ich, was die „pseudonymen Existenzen“ betrifft, ähnlich argumentiert wie Sie. Den Beitrag habe ich von der versunkenen Plattform Blog.de ins neue Teppichhaus importiert, weshalb Links im Text nicht mehr funktionieren. In Foren war ich höchstens lesend unterwegs. Ich bevorzuge das überschaubare Netzwerk meines Blogs, wo ein gepflegter Umgangston herrscht.
    Ich habe das Medium Blog immer gegen die übergriffigen Schmähungen der Kollegen vom Print verteidigt, auch gegen den Stilpapst der Journaille, Wolf Schneider, der in Blogs nur ein „Ausmaß von Geschwätzigkeit“ sah. Meine Replik hat mir eine etwa einjährige E-Mail-Korrespondenz mit seiner Frau Lilo über die Qualität von Blogs eingetragen. Soweit ich ihn hinter ihren Ansichten spürte, war es fruchtlos.
    http://trithemius.de/2012/02/01/huhu-sprachstilpapst-wolf-schneider/

    • Nicht daß Sie denken, ich würde Ihnen nicht antworten wollen, ich brauche bloß noch einen bißchen Zeit, um Ihren langen Artikel zur Federkielohnmacht und Tastenmacht zu lesen. Wahrscheinlich hat jede/r hier gute und/oder schmerzhafte Gründe, bei WordPress zu bloggen – mir ist inzwischen ebenfalls das überschaubare Netzwerk und der weitgehend angenehme Umgangston hier wesentlich lieber als Kommentare und Artikel als verachtetes Anhängsel von Printmedien.

    • Mir gefällt ganz außerordentlich, was Sie über die digitale Hochschule und das semantische Lernen durch die Bloggerei, ebenso, was Sie über die Abwicklung der Bildungspolitik ab Mitte der 70er schreiben – wir waren mit so vielem schon mal so sehr viel weiter.
      Danke für den Text, der ist Klasse.

      Einen Punkt möchte ich im Bezug auf das Augstein-Interview herausgreifen:

      Denn die wirkliche Kraft liegt in der sozialen Vernetzung. Das wird gesellschaftliche Folgen und Einfluss auf das Denken haben, ja, das Internet und die soziale Vernetzung werden das Denken verändern.

      Das ist, was ich Freitag, Zeit-Online und vielen anderen Printmedien mit inzwischen meist erbärmlicher Onlinepräsenz übel nehme: zunächst eine Plattform zur sozialen Vernetzung anzubieten, um sie dann durch Vernachlässigung, Bevormundung, intransparente Regeln, Desinteresse, Konkurrenzangst, Verwertungsinteressen, Herablassung wieder zu zerstören.

      Vernetzung braucht sehr viel Zeit, sie braucht Sorgfalt, Herzblut und Diskurs-Interesse aller Beteiligten und ich finde es frustrierend, all das jahrelang aufgewendet zu haben, um auf der einen Plattform unter Lügen gesperrt und auf der anderen so unter jeder Gürtellinie beleidigt zu werden, daß ich von selbst gegangen bin – interessanterweise hatte beides mit Pädokriminalität zu tun. Was wieder einen Bogen zu Ihrem Text schlägt: Sie erwähnen die Reform-, Montessori-, Waldorffpädagogik usw. und Hartmut von Hentig. Ich habe unerbetene Expertise zu sexualisierter Gewalt in der Kindheit, was mich nicht davon abhält, mich über versuchte Rückdrehung des Rades in u.a. der Pädogogik und über die dazugehörigen Radzurückdreher aufzuregen und Differenzierung in diesem komplexen Diskurs einzufordern. Statt sich mit „Opfern“ zu bewaffnen, um politische Agenden durchzudrücken und das eigene Geschäftsmodell als Journalist zu sichern – auch das ist Mißbrauch.

      • Liebe dame.von.welt,
        was Sier hier und in Ihrem Text am Verhalten der Printjournalisten von Der Freitag und der Zeit kritisieren, zeigt mir, dass zur gegenseitigen Akzeptanz noch ein weiter Weg ist. Ich kann mir vorstellen, dass Kooperationsmodelle in den Redaktionen durchaus umstritten sind und die Widerstände eher wachsen als kleiner werden, je besser die Arbeiten der Blogger sind. Dieser Futterneid hat ja in der Vergangenheit zu den ständigen Schmähungen der Blogs geführt. Inzwischen hat sich die Kritik auf das Microblogging, Facebook und Twitter, verlagert, weil diese Plattformen eine weitaus größere Breitenwirkung haben. Die kurzen Beiträge dort sind mit heißer Nadel gestrickt, oft emotionsgesteuert und die Aufregungsunkultur führt die Idee der sozialen Vernetzung ad absurdum. Facebook ist quasi die Gegenbewegung zu der von mir im Text, zugegeben idealisierten, Vernetzung der Köpfe. Doch mein Text stammt ja von 2009, als noch nicht abzusehen war, wie die Krake Facebook sich der Köpfe bemächtigen und Destruktives zu Tage fördern würde.
        Die Idee des semantischen Lernens durch Bloggen wird davon nicht berührt, denn die genannten Prozesse und Effekte brauchen ein Mindestmaß an Zeit, ruhiger Überlegung, Recherche, schriftsprachlichem Handwerk, darüber hinaus „Sorgfalt, Herzblut und Diskurs-Interesse aller Beteiligten“, wie Sie schreiben. Außerdem erfordert es den Blick über den eigenen Tellerrand, was Facebook-Essensfotografierer eben nicht im Sinn haben. Ich glaube, Sie sind mit Ihren sorgfältig recherchierten, engagierten Beiträgen hier bei wordpress besser aufgehoben als auf einer Anhängsel-Plattform beim Online-Auftritt eines Printmediums. In 12 Jahren als Blogger habe ich gelernt, dass es gut ist, sich hinsichtlich der Reichweite zu begrenzen. Man kann nicht mit 200 Leuten in einen Diskurs eintreten. Zu große Netzwerke dünnen sich an den Rändern aus. Man trifft da auf Leute, die einem Energie abziehen, weil sie nicht genügend eingebunden sind und sich unangemessen verhalten.
        Ein Wort noch zu Hartmut von Hentig. Ich war entsetzt über seine Äußerungen zu den Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule. Das mindert für mich aber nicht seine Bedeutung für die Weiterentwicklung der Reformpädagogik.
        Aber wie Sie sagen, wir waren diesbezüglich schon mal weiter. Wer heute noch von der Schule emanzipatorische Impulse erwartet, reitet ein totes Pferd.

        Beste Grüße aus Hannover,
        Jules

        • Sehr unangenehm berührt haben mich Hentigs fortgesetzte Versuche der Täter-Opfer-Umkehr, es blieb ja nicht bei dem einen üblen Text, laut dem die vergewaltigten Jungen Gerold Becker „verführt“ hätten, sondern er versucht auch nach Kräften, die in der Odenwaldschule Betroffenen, die den großen Mut aufbrachten, ihr Leid öffentlich zu machen, in seinem letzten Buch zu diskreditieren. Mir bleibt der üble und bittere Eindruck einer versuchten Selbstrechtfertigung für das eigene Versagen, denn es gibt mehrere Aussagen von Betroffenen, laut denen Hentig die systematische Gewalt Beckers gegen Jungen in der Odenwaldschule bekannt war.
          Bernhard Pörksen hat das im letzten Mai bei Zeit Online ganz gut zusammengefasst: Reformpädagogik und Missbrauch: Nach dem Schweigen

          Hentig wäre nicht der erste und sicher auch nicht der letzte, der sein Lebenswerk im Alter in die Scheiße reitet. Dafür kann aber das Lebenswerk nichts.

          • Danke für den Link.Die Untaten Gerold Beckers und von Hentings erbärmliches Rechtfertigungsbuch haben über die Missbrauchsfälle hinaus die gesamte Reformpädagogik in Misskredit gebracht, wie ja auch der lesenswerte Artikel aus der Zeit eine Klammer herstellt zwischen „Reformpädagogik und Missbrauch“. Nach Rudolf Arnheims Axiom „Paarung wirkt auf die Partner“,machen solche Klammern es hinfort unmöglich, das eine ohne das andere zu denken.

            • … eine Klammer herstellt zwischen „Reformpädagogik und Missbrauch“. Nach Rudolf Arnheims Axiom „Paarung wirkt auf die Partner“,machen solche Klammern es hinfort unmöglich, das eine ohne das andere zu denken.

              Dann hätten die schwarz-weiß-malenden Klammerhersteller gewonnen und das darf nicht passieren, me thinks. Sexualisierte Gewalt ist ein strukturelles Problem in unserer Gesellschaft, es beschränkt sich nicht auf RKK, Grüne, Odenwaldschule und Reformpädagogik.
              Ich finde es außerordentlich traurig, daß und wie die Odenwaldschule geschlossen wurde, denn sie hat sehr vielen Kindern liebloser, dysfunktionaler, anderweitig beschäftigter Eltern das Leben gerettet. Ich fand auch Dr. Däschler-Seiler und Margarita Kaufmann und ihre Versuche der Aufarbeitung einen Schritt in die richtige Richtung, was aber vom Trägerverein der Odenwaldschule konterkariert wurde, der auch die Betroffenen kleinzumachen und wegzulügen versuchte und die Schule schließlich in die Insolvenz trieb.

              Mein Eindruck ist nach wie vor, daß man den Elefanten im Gesellschaftszimmer namens sexualisierte Gewalt gegen Kinder nicht sehen will und das gilt – wegen ihrer Verantwortung für das Anstoßen und Führen von Diskursen – auch für Journalisten, ganz besonders für die mit Geschäftsmodell.

              Wäre man tatsächlich an Kindern und ihrem Schutz und an den Menschenrechten von Betroffenen interessiert, würde über Gewalt gegen Kinder nicht nur an von der eigenen Realität möglichst weit wegliegenden Orten berichtet, für politische Agenden mißbraucht und zur Steigerung von Auflage und Klicks thematisiert, sondern es würde der häufigste Tatort benannt und das ist immer noch die Familie – also known as ‚Keimzelle des Staates‘.
              ‚Kein Täter werden‘ hätte endlich eine solide Finanzierung und müßte nicht jedes Jahr Aberhunderte potentieller Täter abweisen. Es gäbe endlich so viel professionelle Hilfe für Überlebende, wie sie brauchen und das Opferentschädigungsgesetz wäre längst geändert.
              Das alles ist aber nicht der Fall, sondern der Bundesbeauftragte verarscht noch kräftig mit.
              Aber: das alles entfernt sich vom eigentlichen Thema des Blogs.

    • Ayayay, was für eine unappetitliche Personalie! Dagegen wirkte ja selbst Dr.Angele als stellvertretender Chefredakteur noch beinahe wie eine gute Entscheidung.

      Augstein dazu bei Twitter:

      Das ist nicht mehr unter ‚Unkenntnis‘ zu fassen und auch bei ‚Desinteresse‘ habe ich Zweifel.

      Es passt aber ins Bild, daß Christian Füller in seiner Webpräsenz seine berufliche Station taz unter den Tisch fallen läßt, für die er m.W. 16 Jahre festangestellt gearbeitet hat. Das wird vermutlich damit zu tun haben, daß er dort wegen seines äußerst unseriösen Textes Befreites Menschenmaterial rausflog, das zur starken Unterdrückung seiner Pressefreiheit umlog und in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung den grundsätzlich überarbeiteten Text unter dem Titel Sexuelle Befreiung veröffentlichte.

      So wäre der Text auch für die taz akzeptabel gewesen, was zu einer Abmahnung der FAS führte, die nicht mehr behaupten darf, sie hätte denselben Text veröffentlicht, für den Füller bei der taz rausflog. Bedauerlicherweise wurde diese Ausprägung von Füllers journalistischer Unseriosität noch von Stefan Niggemeier sekundiert, den ich sonst wirklich sehr schätze.

      Ins Bild passt auch, daß sich Christian Füller von Die freie Welt interviewen ließ und von der Jungen Freiheit gern und oft zitiert wird.

      Just Recently schrieb mal über den Füller-Style:

      Es gibt einen Jagdinstinkt, der dem Journalismus schlecht bekommt. Der drückt sich in Füllers Artikeln aus …

      • Die Freitag-Community beschäftigt sich ebenfalls mit der Personalie Füller, darunter ist ein sehr lesenswerter Blog von Goedzak: Füller versus Faller, daraus (ich habe nicht alle links eingepflegt):

        Journalismus Es gibt guten und schlechten, na klar, es gibt aber auch sehr guten und sehr schlechten

        Die Journalistin Heike Faller veröffentlichte im Oktober 2012 in der „Zeit“ unter dem Titel „Der Getriebene“ eine längere Reportage über einen pädophilen Mann, der sich hilfesuchend an das Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ des Instituts für Sexualmedizin an der Berliner Charité gewandt hatte.

        Im April 2013 wurde ihr für diesen Text der Henri-Nannen-Preis für die beste Reportage verliehen.

        Ein paar Tage später erschien in der taz die Meinung des „Pisaverstehers“ Christian Füller zu dieser Auszeichnung. (mit dem klangvollen Titel ‚Der Hypnose erlegen‘ und grob wahrheitswidrig, z.B. Füllers Behauptungen zur Finanzierung von ‚Kein Täter werden‘, die wurde über x Jahre nicht vom Justizministerium gestellt, sondern die hätten ohne die VW-Stiftung ganz zumachen müssen, dvw)

        Christian Füller beteuert in seiner Stellungnahme zunächst, die journalistische Qualität der Arbeit Heike Fallers im vollen Umfang anzuerkennen. Ein schlimm falsches Signal sei es aber, einen Text über einen Täter (einen Unterschied zwischen einem potenziellen und einem tatsächlichen Täter meint Füller hier nicht machen zu müssen) auszuzeichnen, denn dies würde bedeuten, die mangelnde Aufmerksamkeit und Hilfe für die Opfer pädophiler Gewalt noch zu bekräftigen. Füllers Beteuerung, nicht die Autorin angreifen zu wollen, wird am Schluss seiner Besprechung allerdings ad absurdum geführt, wenn er meint, Heike Faller „Verständnis für die vermeintliche Ausweglosigkeit des Triebs bei Pädophilen“ unterstellen und dies als leichtfertig in Kauf genommene Relativierung ihrer Taten auslegen zu müssen.

        … Füller stellt mit voller Absicht Fallers Text in die Linie einer aus seiner Sicht 2000 Jahre andauernden ideologischen Rechtfertigung pädophiler sexueller Praxis. Einen schlimmeren persönlichen Vorwurf an eine Journalistin kann es nicht geben. Das hat schon rufmordartigen Charakter.

        Für mich stellt sich hier die Frage, wer von beiden tatsächlich mehr für eine wirksamere Prävention gegen pädophile Übergriffe auf Kinder tut. Füller, der sich als Aufklärer geriert, aber eher einen missionarischen Kreuzzug gegen Täter, ihre Rechtfertigungsprosa und die Medien ihrer Verbreitung führt, der in gehobener Sprache und mit vielfältiger bildungsbürgerlicher Redundanz letztlich etwas Ähnliches ausdrückt wie der Populisten-Spruch „Todesstrafe für Kinderschänder!“ – Oder Faller, die das Porträt eines pädophilen Menschen vorstellt, der mit aller Kraft versucht, nicht zum Täter zu werden, und damit immerhin für ihrer Neigung wegen potenziell gefährliche Menschen einen gangbaren Weg aufzeigt.

        Christian Füller – ein Aufklärer oder ein Eiferer auf Kreuzzug? Dies ist eine Frage, die man sich nach dem Lesen seines Hauptwerks „Die Revolution missbraucht ihre Kinder“ stellen kann und muss. Ich werde dies demnächst in einer Besprechung zu dem Buch tun. Eine These vorweg: Der Autor gibt den konsequenten Ideologiekritiker, der leider aber nicht so recht zwischen der Ideologie und der Praxis, die zu rechtfertigen, zu befördern und zu legalisieren sie benutzt wird, zu unterscheiden weiß.

        Eine Buchbesprechung, auf die ich sehr gespannt bin.

  3. Das letzte Aufgebot, IMHO. Auf dem Boulevard gehts immer durch Kot und Pisse [Was sagt denn der andere Herausgeber dazu oder kotzt der noch?].

      • Ja es gibt nur einen Herausgeber. Der Verleger Augstein ist zugleich Geschäftsführer.
        Christian „Holt ihn raus“ Füller hat auch das schon erledigt und erklärt dass der Herausgeber Todenhöfer und er sich einig sind über einen Nicht-Rechtskurs des Blattes im Bundestagswahlkampfjahr.
        Frau Kullmann als Stellvertretende geht auch erzählt Magda“lena“. Wenn das stimmt, ist das ein Klopps und die Vorwärtsverteidigung von Augstein „Angele und Kullman bleiben“ das übliche Rotz-um-die Backe-schmieren.

        • Von Katja Kullmanns Website:

          Seit 2016 ist sie Mitglied der Chefredaktion der Wochenzeitung DER FREITAG, seit 2013 war sie in der dortigen Kulturredaktion tätig. Im Sommer 2017 wird sie das Blatt auf eigenen Wunsch verlassen, um sich anderen Aufgaben zu widmen.

          Wikipedia Der Freitag:

          Von Herbst 2008 an war Philip Grassmann, vorher bei der Süddeutschen Zeitung, Chefredakteur der bislang eher basisdemokratisch organisierten Redaktion. Sein Stellvertreter war von 2010 bis 2012 Jörn Kabisch, vorher bei der taz. Ihm folgte zum April 2012 Jana Hensel nach. Sie verließ das Blatt zum Ende des Jahres 2014 „auf eigenen Wunsch“. Ihr Nachfolger war der bisherige Leiter der Ressorts Kultur und Alltag, Michael Angele. Seit März 2016 ist Katja Kullmann stellvertretende Chefredakteurin. Augstein selbst trat zum Februar 2013 in die Chefredaktion ein. Mitte Juni 2010 wechselte Ulrike Winkelmann von der taz zum Freitag und wurde Leiterin des Politikressorts. Sie verließ das Blatt nach nur knapp einem Jahr und kehrte zur taz zurück.

          Seit Beginn des Jahres 2017 ist Jürgen Todenhöfer Herausgeber der Wochenzeitschrift. Augstein hatte ihn im Dezember 2016 für diese Funktion gewinnen können. Todenhöfers Übernahme der Herausgeberschaft nahm Martin Krauß, der dort 26 Jahre als freier Journalist veröffentlicht hatte, zum Anlass, um seine Mitarbeit dort einzustellen. Er begründete dies damit, dass Todenhöfer mit Sätzen wie »Die Gazaner leben im weltgrößten Konzentrationslager« und »Die Palästinenser zahlen den höchsten Preis für Deutschlands schwere Schuld gegenüber den Juden« die antisemitischen Stereotype von den Juden bediene, die an ihrem Leid kassierten, und von den Opfern, die zu Tätern geworden seien.

  4. Hab die Tage auch mal den wikipedia-Eintrag über „Der Freitag“ gelesen.
    Schlußendlich kann ne Wochenzeitung mit was über 20.000 verkauften Exemplaren wohl rein betriebswirtschaftlich nicht ne gegen monatlichen Lohn moderierte virtuelle community stemmen.
    Und das die Blogger und Kommentatoren alle irgendwie dann doch „nur Laien ( https://de.wikipedia.org/wiki/Laie_(Religion) )“ sind, zeugt schon von Überheblichkeit. Bei vielen Online-Artikeln ist das Lesen der Kommentare erhellender als der Artikel selber
    Wo die Zukunft des professionellen Journalismus liegt, hm, gute Recherche kostet Geld, was Leute bereit sein müssen zu bezahlen. Und Journalisten müssen dafür ab und an von ihrem hohen Roß runter und Informationen mit Hintergründen so verpacken, daß es ein halbwegs interessierter Mensch kapiert. Es hat ja nicht jede/r die Zeit un d die Nerven, sich in irgendwas wochenlang reinzuarbeiten. Wie das dann bezahlt wird, keine Ahnung, da müsswen die nen Weg finden; abgeschriebene Presseagenturenmeldungen oder von anderen Zeitungen zitierte „news“ ohne Hintergrundinfos bringts halt auch nicht.

    • Schlußendlich kann ne Wochenzeitung mit was über 20.000 verkauften Exemplaren wohl rein betriebswirtschaftlich nicht ne gegen monatlichen Lohn moderierte virtuelle community stemmen.

      Besagte Wochenzeitung saugt online mehr als die Hälfte ihres angeklickten Kontents unentgeltlich aus der Community und verdient Geld mit der online platzierten Werbung.

      Und Journalisten müssen dafür ab und an von ihrem hohen Roß runter und Informationen mit Hintergründen so verpacken, daß es ein halbwegs interessierter Mensch kapiert. Es hat ja nicht jede/r die Zeit un d die Nerven, sich in irgendwas wochenlang reinzuarbeiten.

      Wenn Sie wünschen, daß Journalisten Ihnen Ihre Arbeit abnehmen, sollten Sie sie dafür bezahlen.

  5. Und eine weitere Episode aus der beliebten Serie „Dummheit und Journalismus“:

    Beim Freitag kann man in die Zukunft der Grassierenden Doppelmoral sehen.

    (der Artikel sollte eigentlich erst am 29.3. dem nichtzahlenden Pöbel zugänglich sein, er wurde gegen 17h auf heute datiert, dvw)
    Christian Füller macht sich über Deniz Yücel her, den er im Vorgängerartikel noch an seine Uns-Journalisten-und-Freundes-Brust gedrückt hatte.

    Los geht’s:

    Das findet passende Kommentierung, von Journalisten – Altpapier: Ende der Karenz

    … nachdem Christian Füller, seit März Chefredakteur des Freitag und ehemaliger Kollege von Deniz Yücel, selbst geholfen hatte, den Inhaftieren auf einen sehr hohen Sockel zu heben, will er nun dabei behilflich sein, ihn da wieder runterzuholen.

    Zum Vergleich. Eine Passage aus seinem Kommentar von vor einer Woche:

    „Deniz Yücel ist so etwas wie die personifizierte Pressefreiheit. Gerade seine Grenzgänge sind es, die unserem Beruf erst Sinn geben. Die besonderen Rechte und der Schutz für Journalisten sind für mutige, manchmal durchgeknallte Kollegen wie Deniz Yücel gemacht. Pressemitteilungen nachplappern kann jeder, Tweets schicken auch. Politik mutig und respektlos zu begleiten und so zuzuspitzen, dass einem beim Lesen der Kopf schmerzt, dazu braucht es Kollegen wie Deniz Yücel. Und übrigens auch Menschen wie ihn. Ich kenne wenige, bei denen Person und Profession so in eins fallen.“

    Und hier ein Absatz aus der aktuellen Ausgabe:

    „Im Fall von Deniz Yücel aber sind alle Grundregeln der publizistischen Schwerkraft außer Kraft gesetzt. Die moralischen Maßstäbe fliegen immer höher. Mit jedem Text wird der ausgesprochen robuste Deniz immer netter, liebenswerter und Pulitzerpreis-verdächtiger. (…) Vielleicht sollten wir Deniz einfach tiefer hängen. Das würde allen helfen – vor allem dem 43-jährigen Provo-Redakteur.“

    Füller schreibt:

    „Hätte man dem linksradikalen Deniz Yücel vor ein paar Jahren erzählt, dass der Springer-Chef einmal ‚Wir sind Deniz‘ skandiert, er hätte gelacht und geweint. Und sich wahrscheinlich übergeben.“

    Was den ehemaligen taz-Kollegen Felix Dachsel, der heute für die Zeit arbeitet, zu folgendem Tweet bewegte.

    Twitter:

    Pressefreiheit bedeutet, dass man auch idiotischen Schwachsinn wie diesen schreiben darf. Ach Christian. https://t.co/QL7i39XCrtfelix dachsel (@xileffff)

    Felix Dachsel etwas ausführlicher:


    Füller an Dachsel:

    Im Falle des Noch-nicht-ganz-Freitag-Chefredakteurs Christian Füller mag es sich um die drangvolle Enge zwischen Tragödie & Komödie drehen, vor allem aber dreht sich Christian Füller um sich selbst und seinen kleinen Horizont.

    Im Falle von Deniz Yücel und etwa 150 inhaftierten Journalisten in der Türkei geht es zur Abwechslung mal nicht um Christian Füller, obwohl der eine neue Wirkungsstätte für sein All-Expertentum anzustreben scheint: Journalistenabbeurteilung unter dem fadenscheinigen Deckmäntelchen des Einsatzes für die Pressefreiheit.

    Und wieder das gleiche Muster: Füller mißbraucht jemanden für sein journalistisches Geschäftsmodell. Wäre das nicht so widerlich, es wäre fast beinahe lustig.

    • Leo Fischer kommentiert beim nd: Pressefreiheit versus Identifikation mit dem Angreifer

      Doch sitzen durch das gesamte Spektrum der Medienerzeugnisse hindurch die größten Feinde Yücels nicht in der AKP oder der AfD, sondern in den Büros der alten Kollegen. Durch das gesamte Spektrum der Medienerzeugnisse hindurch zeigte sich die Unfähigkeit, ein Mindestmaß an Solidarität mit einem verfolgten Journalisten aufzubringen.

      Als vorläufiger Höhepunkt im Ballett der Missgunst muss ein Artikel aus dem »Freitag« gewertet werden, in welchem der Autor gewunden erklärt, dass er diesen Beitrag eigentlich gar nicht verfassen dürfte, weil er ja früher mit Yücel zusammengearbeitet habe, und ansonsten dem Springer-Verlag die Schuld an der Verhaftung gab: Die Redaktion hätte Yücel gar nicht erst zurück nach Ankara schicken dürfen. Dass Yücel selbst, in Kenntnis der Gefahr, auf eigene Faust zurück in die Türkei ging, spielt keine Rolle – Springer hat ihn sozusagen ins Gefängnis gepresst. …

      Hinter all diesen Verdruckstheiten steht letztlich ein aus der Psychologie bekanntes Phänomen: die Identifikation mit dem Angreifer. Ja, Pressefreiheit ist wichtig, aber hier liegt leider ein besonderer Fall vor: Hier war es ein Türke vom Dienst, ein Aktivist, ein Springer-Knecht, noch dazu ohne Kenntnis der Rechtslage – da kann man leider herzlich wenig tun, der Ankläger ist im Recht. Der »Freitag«-Autor beschwor noch die Neutralität der Berichterstattung; seine medienethischen Überlegungen dazu, ob er als Kollege Yücels über ihn schreiben dürfe, führten in letzter Konsequenz dazu, dass alles, was außerhalb der Nachricht steht, schon kein Journalismus mehr ist, sondern interessengeleitet, also Aktivismus – und schon wieder hat Erdogan recht. Kurz und ungut: Die AfD muss die Pressefreiheit in Deutschland gar nicht mehr abschaffen. Sie wird mangels Interesse schon nicht mehr genutzt.

      Der letzte Satz stimmt m.M.n. nicht ganz: ich halte das – neben der Identifizierung mit dem Angreifer – eher für etwas wie ‚was schert mich die Pressefreiheit, ich habe schließlich eine und mehr wird nicht gebraucht‘
      Bei Christian Füller kommt der Wunsch nach Aufmerksamkeit um jeden Preis, seine übliche Torquemada-Attitüde und gefühltes Oberwasser als noch-nicht-ganz-Freitag-Chefredakteur dazu.

      Einen größeren Fehler hätte Jakob Augstein kaum machen können.

  6. Törööööt

    „Irrer Qualitäts-Wahnsinn!“

    Der neue Chefredakteur
    „[…] trat bei der Besprechung Sorgen entgegen, mit ihm werde das Blatt zu einem Kotzkübel für funktionale Analphabeten, Soziopathen und neurologisch auffällige Triebtäter verkommen.“

    Noch weniger als 2 Stunden und der Freitag hat einen neuen Scheffe.

    Zitate aus der Fake-News aka Satireseite
    http://www.tagesspiegel.de/kultur/satire/irrer-qualitaets-wahnsinn-bild-mann-blome-wird-spiegel-chefredakteur/8037884.html
    Nicht Christian „holt ihn raus“ Füller ist gemeint gewesen, sondern Blome als neuer Der Spiegel -Scheffe.
    Ich würde keinen Furz drauf wetten, dass Füller seinem Vorbild nacheifern wird und bald wieder in den Sack haut.

    • Der Umstand, daß ich jetzt via Twitter und Googlesuche nachgesehen habe, ob Blome tatsächlich zum zweiten Mal SPON-Chef wird, zeigt Ihnen, was ich bei SPON, Blome, Füller, Freitag und überhaupt allem rund um Augstein für möglich halte. Ich hätte natürlich auch mal aufs Datum Ihres Tagesspiegeldings gucken können. Ayayay.

  7. Jakob Augstein: Der Chef

    Heute sprengen wir den Rahmen. In normalen Zeitungen erscheinen Texte wie dieser nicht. Aber der Freitag ist keine normale Zeitung. Zum Glück. Das ist Philip Grassmann zu verdanken. Im Folgenden ist nur von Philip die Rede. Alles andere wäre Unsinn. Ich …

    Und dann geht es geschlagene 6 Absätze lang um Jakob Augstein, gekleidet in ‚wir‘ und ‚uns‘, inklusive Erhellendem wie

    Obwohl der Freitag als Ost-West-Wochenzeitung eine schöne und würdige Geschichte hatte. Aber auch die schönste Geschichte ist einmal zu Ende erzählt. Und die des Freitags brauchte damals dringend einen Neuanfang.

    und blanker Unverschämtheit wie

    … wie notwendig dieser neue Freitag war: Was fehlte, war kluger, professioneller, linker Journalismus.

    Hm, ist klar, Der Freitag, Gründungsherausgeber Günter Gaus, Wolfgang Ullmann, Gerburg Treusch-Dieter, Christoph Hein und von Augstein rausgeworfene Herausgeber Friedrich Schorlemmer, Daniela Dahn, György Dalos, Frithjof Schmidt standen bekanntlich für dummen, unprofessionellen, rechten Journalismus. Mir fiele das weit eher zum Journalismus des amtierenden Chefredakteurs ein (von Augstein eingeführt mit „Christian Füller kommt. Das ist ein Gewinn. Und nächste Woche erscheint wieder eine Zeitung. Das ist die gnadenlose Schönheit unseres Berufs.„)

    Erst im letzten Absatz geht es tatsächlich (kurz) um Grassmann:

    Einer wie Philip kehrt jetzt dem Journalismus den Rücken und macht Kino. Einerseits ist das normal. Schon viele Menschen waren Journalisten, bevor sie einen anständigen Beruf ergriffen haben. Andererseits ist das besorgniserregend: In einer Zeit, da der widerständige, unabhängige Journalismus für die Demokratie überlebenswichtig ist, kommen dem Beruf die guten Leute abhanden.

    Augsteins letzter Satz ist traurig und wahr und ich will nicht wissen, wer dem Freitag unter Todenhöfer und Füller noch so alles abhanden kommen wird.

    • Ein bißchen lustig ist der Chefredakteureinführungsartikel mit einem der Füllerschen Idee von Journalismus entsprechenden Titel: Die Grünen in der Todeszone, in dem Jürgen Trittin, der der schwarz-grünen Machtgeilheit eines Özdemir und einer Göring-Eckardt eine politische Absage erteilt, als „der illoyale Jürgen Trittin“ firmiert und der Herr Chefredakteur ihm noch die Verantwortung für die lausigen Umfragewerte der Grünen zuschieben will.

      Der Chefredakteur präsentiert sich nicht nur als gleichschrittgeil, sondern auch als erschütternd dumm. Es wählt kaum noch wer grün wegen der beiden schmierigen Spitzenkandidaten, trotz Trittin und anderen, die eher an grüner Programmatik als an Macht interessiert sind.

      Der Chefredakteur läßt journalistische Sorgfalt auch im Umgang mit den Umfrageergebnissen vermissen, er pickt sich für die Bundestagswahl den niedrigsten Wert der Grünen (6,5%) von INSA heraus, besser bekannt als Umfragenmanipulierungsinstitut zugunsten der AfD. Der mittlere Wert der Sonntagsfrage für die Grünen liegt nicht bei 6,5%, sondern bei 7,5% – das seriösere Institut Forsa kommt am 15.3. auf 7%.

      Bei den Umfragen zu Landtagswahlen fällt beim Chefredakteur Schleswig-Holstein völlig unter den Tisch, wo Anfang Mai gewählt wird und die Grünen auf 15% kommen sollen.

      Also known as Fake News, was der Chefredakteur da verbreitet.

      Für Schleswig-Holstein stammt die letzte erhobene Umfrage aus dem Dezember – wer sich über den aktuellen Stand der Dinge informieren möchte, kann das bei Telepolis tun.

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