NomNom: Orangenmandelkuchen

nomnomorangenmandelkuchen

Man nehme:

2 ungespritzte Orangen

180g Mandeln

180g Puderzucker

4-5 Eier (je nach Größe)

1 gut gehäufter Teelöffel Backpulver

1 Spritzer Bittermandelaroma

Die beste 70%-Schokolade, die sich finden läßt, ein paar Orangenzesten und ein bißchen Butter (oder Albaöl) für die Form


 

Die Orangen eineinhalb bis zwei Stunden in reichlich Wasser leise weich kochen lassen. Aufschneiden, bißchen abkühlen lassen, den weißen Mittelteil und eventuelle Kerne entfernen und mit einem Stabmixer pürieren.

Die Mandeln überbrühen, häuten, leicht anrösten und in Mandelmehl verwandeln (mein Stabmixer hatte zu kämpfen). Den Backofen auf 190°C Ober-/Unterhitze vorheizen, eine Backform der Wahl (26er Spring- oder Tarteform, Guglhupf, was Ihnen gerade in die Hände fällt, der Kuchen geht nicht allzu sehr auf und er fällt gen Ende der Backzeit wieder etwas zusammen) buttern und mit Mandelmehl ausstreuen.

Eier und Puderzucker hellschaumig rühren (dauert leicht vierfünf Minuten), Orangenpüree, Mandelmehl, Bittermandelöl und Backpulver vorsichtig unterheben, den Teig in die Backform laufen lassen und, je nach Form, für 35-50 Minuten auf die mittlere Schiene in den Backofen schieben.

Freuen, weil: die ganze Wohnung duftet.

Ab einer halben Stunde Backzeit die Oberfläche im Auge behalten, sie u.U. abdecken, damit sie nicht zu dunkel wird und immer mal wieder einen Stäbchentest machen (es bleibt aber auch am Ende ein klein bißchen Teig daran hängen). Den Kuchen auskühlen lassen und derweil die Schokolade im Wasserbad schmelzen. Den abgekühlten Kuchen stürzen, bzw. aus der Form lösen, dünn mit der flüssigen Schokolade überziehen und mit Orangenzesten bestreuen.

Das Ergebnis ist ein fluffiger, saftiger, fruchtiger Kuchen mit einer feinen bitteren Note durch Orangenschale und Schokolade, der sich leicht eine Woche hält.

Falls er sich so lange hält.


 

Die Orangen werden nicht nur gekocht, um eine pürierfähige Konsistenz zu erreichen, sondern auch, um das Bittere im weißen Teil der Schale abzumildern. Trotzdem sollte man möglichst dünnschalige Orangen verwenden. Oder Zitronen oder eine Kombination, mein heutiger besteht aus 2 kleinen Limetten und 1 großen Sevilla-Spät-Orange und wurde in einer relativ flachen Silikon-Guglhupfform eine gute Stunde gebacken (weil ich versehentlich zwischendrin die Temperatur runtergedreht hatte, grmpf…)

Der Kuchen geht – vom Orangenkochen, Mandelnhäuten und -mahlen einmal abgesehen – ziemlich fix, er ist watscheneinfach zu machen, verzeiht viele Ungenauigkeiten, ist glutenfrei und er schmeckt göttlich, das reine pure Winterglück.

Die Grundrezeptidee mit den im Ganzen gekochten Orangen habe ich aus Andalusien, der Ursprung ist vermutlich arabisch. Das Rezept verließ Spanien mit den im 15./16. Jahrhundert vertriebenen Juden und Muslimen (in den andalusischen Bergen blieb aber noch einiges mehr ihrer Kulturen erhalten) und verbreitete sich in der Levante und in der ganzen Welt. Eigentlich wird viel mehr Zucker verwendet und eigentlich wird er auch noch mit Puderzucker bestäubt. Mir ist er so aber viel zu süß und ich liebe die Kombination von Orangen und dunkler Schokolade.


 

Mit diesem Blog gibt’s hier eine neue Kategorie – NomNom – ich werde ab jetzt auch hin und wieder über Lebensmittel und deren Zubereitung schreiben. Das gute Leben findet schließlich oft an Tischen statt und liebevoll zubereitetes Essen ist ganz zuverlässig das mindestens zweitbeste dabei!


Illustration: Citrus sinensis (L.) Histoire et culture des orangers A. Risso et A. Poiteau. – Paris, Henri Plon, 1872


Advertisements

4 Gedanken zu „NomNom: Orangenmandelkuchen

  1. Uuuh, das hört sich fein an, danke.

    Ich ergänze hier mal – zu „Winterglück“ passend – ein Rezept für Orangenplätzchen:

    375 gr Butter
    200 gr Puderzucker
    Abgeriebene Schale von 3 Bio-Orangen
    1 Prise Salz
    Mark einer Vanilleschote
    2 cl Orangenlikör oder nach Wahl Saft der Orangen
    50 gr feingehacktes Orangeat
    600 gr Mehl
    150 gr geriebene Mandeln
    1 Ei

    Alle Zutaten verkneten und ca. 3 Std. kühlen, danach nach Gusto ausstechen, bei 160 Grad ca. 10 Minuten backen. Danach entweder mit Zartbitterkuvertüre verzieren oder vorher noch mit Orangenmarmelade-Orangenlikörgemisch zu Doppeldeckern zusammensetzen. Riecht und schmeckt intensivst orangig.

    Das hört sich zuerst nach großer Menge an, aber reicht meist nicht lange. Die entsprechende Dose wird hier statistisch am häufigsten geöffnet.

    Grüßle, Diander

    • Derdiedas Gibassier in Portland sieht viel leckererererer aus als das provenzalische Original, nomnomnom….
      Olivenöl in Verbindung mit Zucker und Anis ist sowieso unterschätzt, kennen Sie Tortas de Aceite? Ist sehr fein morgens zum ersten Kaffee und auch sehr gut mit Blauschimmelkäse und nicht zu trockenem Sherry oder Port.

      Den Niedergang des Freitag kann man auch anhand der Kaum-noch-Resonanz auf Jörn Kabischs großartige Artikel beschreiben, was für ein schönes taz-Interview, danke! Man merkt sofort, daß beide Enthusiasten sind und auf Augenhöhe miteinander sprechen. Ich freue mich auch, daß das Stollenlagermärchen als solches benannt wurde und bin ganz einer Meinung mit dem Schelli über Orangeat vs Zitronat. Aus dem Supermarkt ist zusätzlich auch jedes Orangeat für die Tonne – das von Rapunzel finde ich ziemlich gut (bzw. habe es auch schon selber gemacht, ist kein Hexenwerk: klein geschnittene Orangenschalen 3 Mal kurz mit Wasser aufkochen, jeweils das Wasser abgießen, anschließend die gleiche Menge Zucker wie Orangenschalen mit knapp bedeckendem Wasser so lange kochen, bis sie transparent sind – dauert ein Stündchen – abseien (Sirup auffangen, sehr lecker zum schnellen Aromatisieren von was auch immer) und das transparente Dunkelgold trocknen, fertig)

      Aber: was hat denn der Kristallzucker auf dem Angie-Stollen verloren? Das muß Puderzucker sein, immer! Sonst bildet sich diese obergeile, im Mund schmelzende Schicht aus mehreren Behandlungen mit flüssiger Butter und Staubzucker gar nicht, sondern man hat störende Zuckerkristalle im Mund.

      Mit gesäuertem Hefeteig experimentiere ich schon seit einer Weile in Sachen Pizza vor mich hin, ich mache inzwischen immer die mindestens doppelte Menge (aus 550er und 1050er Mehl, Olivenöl, Salz, Prise Zucker, wenig Wasser zum Hefelösen, kein Vorteig, nur auf mindestens doppeltes Volumen gehen lassen) und schiebe den nicht benötigten Teig unter Stretchfolie in den Kühlschrank – der säuert spätestens nach 24 Stunden und ist auch nach einer Woche immer noch gut. Nicht nur für Pizza, auch für Baguette ist gesäuerter Teig fein und man braucht erstaunlich wenig Hefe dazu – viel weniger als nach der Faustregel 1 Würfel Hefe auf 1 Kilo Mehl, höchstens ein Drittel.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s