Geh denken, Martin Lejeune!

gehdenkenmartinlejeune

Vor etwa zweieinhalb Jahren, während des letzten „Rasenmähens“ in Gaza, hatte ich noch einen Text aus Martin Lejeunes Blog übernommen: The Days of Oil and Za’atar.

Damals erschienen mir die Absagen vereinbarter Interviews durch x Medien – wegen Lejeunes mangelnder Objektivität und Distanz – und das allgemeine Lejeune-Bashing als völlig überzogen, als etwas nahe am Rufmord und als Mundtotmachung einer journalistischen Stimme in Gaza – während die meisten Korrespondenten über, nicht durchgängig aus Gaza berichteten.

Besonders auf die Nerven fiel mir damals Tilo Jung, der kein Problem damit zu haben schien, einen IDF-Sprecher sein Narrativ verkünden zu lassen, ohne größere kritische oder auch naive Hinterfragung – und sich aber wortreich von seinem Interview mit Martin Lejeune distanzieren mußte, denn:

Für Jung & Naiv habe ich in drei Wochen 23 Folgen in Israel und Palästina produziert. Wir haben viele Stimmen und Positionen zum Konflikt hörbar gemacht, die ein anderes Bild davon vermitteln, worum es in dem Krieg tatsächlich geht. Diesen journalistischen Ertrag will ich durch Martin Lejeune nicht kompromittieren.

Der allerseits heftig kritisierte Satz Lejeunes über die Hamas, die Angehörige von (wegen Kollaboration mit dem israelischen Geheimdienst) Hingerichteten „sehr sozial“ versorge, war für mich kein k.o.-Kriterium, da mir alles andere als eine Form von Sippenhaft erschiene.

Vielleicht hatten alle damals einen besseren Instinkt als ich. Jedenfalls hat sich meine Haltung zu Lejeunes Publizistik inzwischen grundlegend geändert.

Und zwar allerspätestens durch den folgenden Text:

Wenn wirklich sechs Millionen Juden umgekommen sein sollen, dann darf ich doch annehmen, dass die, die das Leid erfahren haben sollen, etwas menschlicher umgehen mit den Palästinensern. Das sehe ich aber nicht. Und wenn es so ist, wie es leider gerade geschieht, dass die Juden so unmenschlich sind zu den Palästinensern, dann müssen bei mir zumindest leider Zweifel entstehen, ob Juden wirklich so ein Unglück erlebt haben, weil sonst müssten sie sich wirklich mehr einfühlen. (…) Und daher auch meine Hoffnung,  (dass) das große Feuer in Israel die Palästinenser, also die Christen und die Muslime, verschont. Und ich kann mir leider im Augenblick nicht wünschen, dass die Juden von diesem Feuer verschont werden, weil sie so unmenschlich umgehen mit den Palästinensern.

Das Zitat aus Lejeunes VideoWie die Palästinenser leiden und die Medien schweigen‚ (das noch eine ganze Menge Müll mehr enthält) ist übernommen von den Ruhrbaronen, die wie auch vor allem Patrick Gensing zu Lejeunes jüngster Verlautbarung schon Einiges geschrieben haben.


 

Ein Aspekt fehlt mir jedoch dabei:

Nach der Lejeune-Logik muß die Shoa – wenn sie denn überhaupt stattgefunden hat (wtf?) – wohl als moralische Besserungsanstalt verstanden werden, die Menschen zu besonders wertvollen und mitfühlenden Menschen formt. Und wenn diese Erziehung doch noch nicht hinreichend gefruchtet hat, dann kommt der Lejeune des Weges und kann sich leider im Augenblick gar nicht wünschen, daß die Juden vom Feuer verschont werden.

Das ist Antisemitismus in Reinkultur. Geh denken, Martin Lejeune!


 

Falls jemand über Lejeunes Werdegang in den letzten beiden Jahren und über seine bemerkenswerten Allianzen lesen möchte (für den groben Überblick reicht schon Wikipedia: Martin Lejeune (Aktivist))

Ulrike Märkel, taz: Auf dem Weg verirrt

Ulrike Märkel, Ruhrbarone: Bizarre Querfront – Salafisten im Schulterschluss mit Islamhassern, einem Journalisten und der Mahnwache

indymedia mit einem Foto: Martin Lejeune mit Curd Schumacher

Bernhard Clasen, Anne Fromm, taz: Aber sie nennen sich Journalisten

Robin Dullinge, Sechel: „Ansaar International“, Martin Lejeune und Nachfolge der „Lies!“-Kampagne


Foto: Screenshot bei der taz


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21 Gedanken zu „Geh denken, Martin Lejeune!

    • Der Artikel von Petra Sorge ist einer, den ich von damals gut erinnere und den ich als ein bißchen unredlich empfand – ähnlich wie die eilige Distanzierung von Tilo Jung – beide dienten nach meinem Eindruck vor allem der Rettung der eigenen journalistischen Reputation.

      Was bitte ist falsch daran, „Hamas-Versteher“ zu sein? Die Hamas ist als gewählte Regierung in Gaza (ja, ich weiß, nur 44% der Stimmen, Fatahangehörige wurden mit brutaler Gewalt verjagt und werden weiterhin verfolgt und eine Wahl in Gaza ist mehr als überfällig) der einzige Verhandlungspartner der Israelis und mir scheint, daß das Verstehen der Hamas auch zu einer halbwegs fairen Berichterstattung über Israel/Palästina beiträgt. Auch die nötige scharfe Kritik an der Hamas läßt sich mit einem Minimum an Kenntnis aka Verstehen weit stichhaltiger äußern als wenn man mindestens die Hamas, gern und oft auch die gesamte Bevölkerung in Gaza unter „Terroristen“ subsummiert.

      Weite Teile der deutschen Berichterstattung über die letzte Strafaktion in Gaza wirkten auf mich, als habe man die Journalisten gegen israelische Regierungs- oder IDF-Sprecher ausgetauscht. Kritische Artikel über z.B. unverhältnismäßige Beeinträchtigung der Zivilbevölkerung in Gaza oder über die öffentlich geäußerten Genozidwünsche rechter israelischer Politiker wie Moshe Feiglin und Ayelet Shaked wie gab es bis auf wenige Ausnahmen (wie z.B. Monika Bolliger, NZZ) nur in englischsprachigen Medien, z.B. beim Independent, bei Haaretz und +972mag.

      Mir wäre auch neu, daß Korrespondenten in z.B. den USA abverlangt wird, sich per Disclaimer von der dortigen Todesstrafe zu distanzieren. Nun mag man einwenden, daß in den USA verhängte Todesurteile von ordentlichen Gerichten gesprochen werden, was in Gaza nicht unbedingt der Fall ist. Dagegen ließe sich wiederum argumentieren, daß weder eine Zivilgesellschaft friedfertiger noch Gerichte rechtsstaatlicher werden, wenn ein Land 3 mal in 6 Jahren zerstört wird und ansonsten Blockade, Checkpoint-Schikanen, Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit herrschen.

      Ohne die Hamas, die Gaza auch zu verwalten und zu regieren versucht und auch ohne die der Blockade geschuldeten Tunnelwirtschaft (in deutschen Medien gern pauschal unter „Terrortunnel“ gefasst, was einfach nicht zutrifft) wäre alles noch viel schlimmer.

      Ich fürchte den Tag, an dem die Hamas von IS-Filialen o.ä. abgelöst wird, was dann u.a. auch daran liegen wird, daß Hamaspolitiker von keiner israelischen Regierung je als Verhandlungspartner akzeptiert wurde und sie *auch dadurch* keine politischen Erfolge und kaum Verbesserung der Lebensbedingungen in Gaza vorzuweisen haben.

      Für mich persönlich hat Lejeune erst nach seinen Gazareportagen die rote Linie überschritten. Bei seinen jüngsten Ausführungen wird mir nur noch übel.

  1. Juden sind ja nicht einfach „umgekommen“, sondern in deutschen Konzentrationslagern ermordet worden. Die Distanzform „sollen umgekommen sein“ vermittelt zudem den Eindruck, es handele sich dabei um einen noch ungeprüften Sachverhalt nach Hörensagen. Ihre Empfehlung, er möge denken gehen, wird nichts fruchten, denn der mir bis dato unbekannte Aktivist hat wohl auch ein Intelligenzproblem, wenn er sagt, die im Holocaust ermordeten Juden hätte aus ihrer Ermordung lernen müssen, mit den derzeit lebenden Palästinensern memnschlicher umzugehen. Der Gedanke, „die Juden“ (die Rede war von denen, die in Konzentrationslagern „umgekommen“ sind) müssten sich „mehr einfühlen, um zu beweisen, dass man ihnen wirklich Leid angetan hat, disqualifiziert den Mann endgültig.

    • Ihre Empfehlung, er möge denken gehen, wird nichts fruchten, denn der mir bis dato unbekannte Aktivist hat wohl auch ein Intelligenzproblem, wenn er sagt, die im Holocaust ermordeten Juden hätte aus ihrer Ermordung lernen müssen, mit den derzeit lebenden Palästinensern menschlicher umzugehen.

      Der Ihnen bis dato unbekannte Aktivist war mal ein durchaus ernstzunehmender Journalist. Der Gedanke des KZs als moralische Anstalt aber ist ein typisch deutsches antisemitisches Stereotyp, das mir ganz generell zu wenig Be- und Verachtung findet.
      Es gilt nach wie vor der kluge Satz von Zwi Rex: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals verzeihen.“ (hier ist Henryk M. Broder wirklich zu danken, diesen Satz hier bekannt gemacht zu haben und den kann ich sonst sowas von nicht ab)

      Ich bin auch nicht bereit, Lejeune mit einem „Intelligenzproblem“ davonkommen zu lassen, der Mann ist intelligent und weiß genau, was er tut. Vielleicht sollte man aber das Motiv des Narzissmus (gekränkt) nicht zu gering schätzen – auf mich wirken Lejeunes jüngste Äußerungen ähnlich wie die von Ken Jebsen, der sich nach seinem Rauswurf aus dem rbb und dem damit einhergehenden Verlust seiner journalistischen Reputation auf grob antisemitische Volksreden spezialisierte.

      Der Gedanke, „die Juden“ (die Rede war von denen, die in Konzentrationslagern „umgekommen“ sind) müssten sich „mehr einfühlen, um zu beweisen, dass man ihnen wirklich Leid angetan hat, disqualifiziert den Mann endgültig.

      So ist es.

      • Es heißt im Zitat verallgemeinernd „die Juden“, wenn einmal die Opfer des Holocaust gemeint sind, dann die jeweilige israelische Regierung und wie sie mit den Palistinensern umgeht. Weil Lejeune hier nicht diffenrenziert, entsteht das logische Problem, dass er von Ermordeten fordert, sie sollten sich besser einfühlen und anders an den Palistinensern handeln. Diese unmögliche Einfühlung soll dann der Beweis sein, dass sie ermordet wurden. Eine irrwitzige Konstruktion. Das meinte ich mit dem Hinweis auf ein Intelligenzproblem. Vielleicht weiß er genau, was er tut, aber weiß er auch, was er schreibt?

        • Vielleicht weiß er genau, was er tut, aber weiß er auch, was er schreibt?

          Hmnuja, der Herr Lejeune hat jetzt neue Freunde, reicht von deutschen Rechtsradikalen bis zu vollverstrahlten Bärtigen jeder Herkunft. Der schreibt nicht mehr für uns, sondern für die.

  2. Spontane Hirnergüsse nach Lektüre der erwähnten Wikipedia-Artikel zu dem erwähnten Herrn:
    Was ein ekelhaft schwieriges Thema, da kann man nur falsches zu erzählen. Wir haben also ein wiedervereinigtes Volk, dessen eine Hälfte eine historische Wahrheit über eine menschliche Katastrophe mit dem Strafrecht geschützt hat. Die andere Hälfte aber des nichtgenannten Volkes Staat als Ausgeburt des Höllenkapitalismus erklärt bekam.

    Ein einig Volk von Brüdern wollen wir sein.

    Dann, völlig unabhängig davon, finden wir uns wieder in einem mit echten Bomben ausgetragenen Kulturkrieg zwischen Religionen, ganz so wie im Mittelalter. Und journalistisch haben wir niemanden, der uns aus der Perspektive der bösen Bärtigen berichten kann und darf und soll und will. Das klingt ja fast so absurd, also würde eine Supermacht USA ein arabisches Land angreifen, ohne auch nur einen fähigen Übersetzer in ihren oberen Entscheidungsrängen zu haben. Eigentlich kaum vorstellbar.
    Es sollte mal jemand die Realität verklagen, damit die anständigen Leuten nicht immer mit ihren Widersprüchen auf die Nerven geht.

    • Jaja, wir führen bei jeder Diskussion über Israel/Palästina eine deutsche Diskussion, sollte man dabei nie vergessen.

      Und journalistisch haben wir niemanden, der uns aus der Perspektive der bösen Bärtigen berichten kann und darf und soll und will.

      Das beschreibt genau meine Bauchschmerzen.
      Wobei ich nicht ganz sicher bin, ob „Perspektive“ die zutreffende Vokabel ist, mir würde ja schon *Kenntnis* völlig reichen und da fällt mir eigentlich nur Yassin Musharbash ein.

    • Falls Sie Interesse an mehr Lektüre über Israel/Palästina und Lejeune haben – ich habe gestern und heute nochmal die Diskussion meines damaligen Blogs beim Freitag nachgelesen, wo jede Menge lesenswerter Artikel verlinkt sind und ein ziemlich interessanter Meinungsaustausch stattfand.

        • Da weiß man erst mal nicht mehr, was man zu sagen soll. Ob schweigen oder reden oder handeln, es bleibt das dumme Gefühl sich in den Schnüren von Marionetten zu verfangen…

          Marionettenschnüre? Wer bitte zieht denn die Fäden?

          Ich bin mir über eins ziemlich sicher: daß das Denken überhaupt gar nicht wieder aufhören darf. Es gibt keine einfache Erklärung oder Schubladierung von knapp 1.500 Jahren deutschem Antijudaismus, zum daraus hervorgegangenem pseudowissentschaftlichen Antisemitismus und zum Zivilisationsbruch der Shoa und je älter ich werde, desto bewußter wird mir, daß ich mit dem Geburtstsjahr ’63 gerade mal einen kleinen Wimpernschlag nach der Befreiung von den Nazis geboren bin.

          Geschichte ist nicht vergangen, sie ist nicht mal vorbei. Traumata (und zwar als Täter wie als Opfer) überleben locker 3 Generationen – ich glaube eigentlich, sie werden erst dann wirklich sicht- und damit überhaupt bearbeitbar. Umso katastrophaler ist der derzeitige rechte Rollback, in dessen Rahmen man wieder sagen und meinen und glauben zu müssen meint. Face it: die Rechten machen gerade die Revolution, zu der die Linke nicht imstande war.

          Die Linke ist auch deswegen auf so verlorenem Posten, weil sie allenfalls längst als selbstverständlich Angenommenes wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte gegen das allgemeine Geglaube, Gemeine und Gefühle der besorgniserregenden Bürger verteidigen kann. Es gibt nix Neues, Innovativeres, Revolutionäreres als die AEMR nebst Folgekonventionen. Deren Verteidigung ist anstrengend und sie ist sehr wenig populär.

          Die Annahme von Marionettenfäden ist dabei vor allem eins: hinderlich.

          • Vereehrte Dame! Sie haben vollkommen Recht, da habe ich einen falschen und irreführenden Begriff gewählt. Ich bezog mich nun einzig auf den Artikel des Herrn Dejeune, den Sie mir freundlicherweise verlinkt haben. Es ging mir nur um die chronifizierte Katastrophe in Gaza, die meines Erachtens nicht mit deutschem Antisemitismus in Verbindung gebracht werden braucht. Das wenige, was ich dazu weiß und gesehen habe nun stellt sich mir als scheinbar unentwirrbares Netz oder Knäuel dar. Und Eine wiederum unüberschaubare Anzahl von Protagonisten aller möglichen Herkunft sehen eine Gelegenheit, an diesen Fäden zum eigenen Vorteil zu ziehen. Und, nach Ihren Beschreibungen und Zitaten scheint es mir, als ob der Her Dejeune sich schon 2014 – ich hätte fast 1914 geschrieben – unentwirrbar verstrickt hatte in dieses Chaos. Unsere deutsche Katastrophe sehe ich da nur als zufällige Ursache, systematisch scheint mir das Konzept von mehreren, ethnisch streng getrennten Völkern eher zum Verfall des britischen Kolonialreiches zu passen. Denn mir fallen da Pakistan und Bangladesh ein, oder die aktuellen Stammeskriege in Myanmar und und und…

            Zum deutschen Trauma wollte ich mich eigentlich nicht äußern. Zumindest nicht öffentlich, eher privat
            nonnenhutmache(at)gmail.com
            Hier nur so viel, Antisemitismus kam in meiner Familiengeschichte nicht vor, zu stark überwog jüdische Verleugnung und Selbsthaß die wiederum überstrahlt wurden von den anderen, zahlenmäßig viel größeren Massenmorden des zwanzigsten Jahrhunderts. Ich selbst interessierte mich nicht mehr für Shoa und Antifaschismus, seit ich als jugendlicher sah, wie Europa untätig am Fernseher den Völkermord in Bosnien beobachtete.
            Ich würde mich auf Post von Ihnen freuen oder aber wir lassen solch unerfreuliche Themen und ich freue mich auf Ihren nächsten interessanten Blogartikel.
            Alice Wunder

  3. Vor ca. einer Stunde hat Lejeune auf seiner FB-Präsenz noch einmal Stellung bezogen. Ich poste das hier, weil nicht jeder über einen Account bei FB verfügt und die Zeilen nur sichtbar sind, wenn eingeloggt wird. Dazu hat Lejeune den Text auch in einem Video gesprochen, das, so erahne ich es, vor dem Berliner Holocaustmahnmal aufgenommen sein könnte (URL: https://www.facebook.com/lejeune.berlin/videos/924852634282666/ ; die Aufnahmequalität ist eher rauschend).

    „Ich entschuldige mich von ganzem Herzen für meine unbedachten
    Äußerungen zu den Waldbränden in Palästina.
    Ich freue mich, daß das Feuer mittlerweile wieder unter Kontrolle ist.
    Gott Sei Dank haben die Waldbrände kein einziges Menschenleben gekostet.
    Ich bin auch der türkischen Feuerwehr sehr dankbar, daß sie geholfen
    hat, die Waldbrände zu löschen.
    Ich entschuldige mich auch von ganzem Herzen für meine Rede, in der
    ich das Leid bezweifelte, das unseren jüdischen Mitmenschen in der
    Nazizeit angetan wurde.
    Man kann und sollte so etwas Schreckliches wie den Völkermord an den
    Juden nicht bezweifeln.
    Ich bin ein Mensch mit Gefühlen und ich habe mich in meiner Rede von
    dem Leid gegen die Palästinenser, ausgeübt durch die Zionisten,
    überwältigen lassen.
    Unterschwellig hat bei mir die Behauptung Israels, daß Zionismus mit
    dem Judentum gleichzusetzen wäre, gewirkt.
    Aber: Nicht alle Juden sind für den Zionismus.
    Es gibt Juden, die gegen den Zionismus sind.
    Es gibt zum Beispiel die Juden für den gerechten Frieden im Nahen
    Osten. Das sind Menschen jüdischen Glaubens, die gegen den Zionismus
    sind.
    Ich möchte allen Bürgern jüdischen Glaubens meine Hand reichen und
    gemeinsam mit ihnen arbeiten gegen Judenhass, gegen Antisemitismus und
    gegen Zionismus.
    Das Judentum hat – wie das Christentum und der Islam – fruchtbare
    Botschaften der Nächstenliebe.
    Ich mag das Gebot der Nächstenliebe.
    Das Gebot der Nächstenliebe stammt sogar aus der Tora des Judentums
    (Lev 19,18 EU):
    „An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen
    nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
    Ich bin JHWH.“
    Im Koran steht: Vers 32 aus der Sure 5: «Wer einen Menschen tötet,
    tötet die ganze Menschheit, und wer einen Menschen rettet, rettet die
    ganze Menschheit.»
    Und ein Hadith des Hazret Isa lautet: „Was ihr für einen meiner
    geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 5,43–48 EU)
    Das Judentum ist also genauso für die Nächstenliebe wie der Islam und
    das Christentum.
    Ich bin ein Mensch, der Fehler gemacht hat und im Sinne der
    Nächstenliebe um Verzeihung bittet.
    Ich treffe und interviewe regelmäßige Juden, und ich habe Juden als
    Freunde. Ich bitte alle diese Menschen, deren Gefühle ich verletzt
    habe, um Verzeihung.
    Ich bin Journalist und was ich privat poste, hat nichts mit
    Organisationen wie ANSAAR International zu tun, die aufgrund der
    Nächstenliebe humanitäre Arbeit leisten auf der ganzen Welt.
    Meine Entschuldigung kommt aus freien Stücken. Ich fühle mich bestärkt
    in meiner Entschuldigung auch aufgrund des Ratschlags der Mitglieder
    des Vorstands der Hilfsorganisation ANSAAR International, die
    geschockt waren von meinen unbedachten Äußerungen.
    Ich habe meine Posts mit den unbedachten Äußerungen entfernt, aber ich
    weiß: ich kann sie leider dadurch nicht ungesagt machen.
    Ich möchte Rassismus und Diskriminierung auf meinen Sozialen
    Medien-Seiten keine Plattform bieten und daher bitte ich nochmals
    ausdrücklich auf meinen Seiten keine rassistischen oder
    diskriminierenden Inhalte zu posten.
    Jedes Menschenleben, das umgebracht wurde, ist ein Menschenleben zu viel.
    Daher setze ich mich weiterhin ein für einen gerechten Frieden in einem freien Palästina. Martin Martin Lejeune“

    • Lejeune hier zu Wort kommen zu lassen, halte ich für Informationszwecke notwendig. Genauso aber mache ich kein Geheimnis daraus: Diese Doppelzüngigkeit ist unerträglich. Man kann um Verzeihung bitten, aber nicht sich selbst entschulden. Mehr noch: Die Distinktion, die Lejeune nach wie vor macht -Zionisten hier, alle anderen dort- zeigt, zu welcher Chiffre „Zionismus“ in seinen Kreisen verwendet wird – nicht der Nächstenliebe zugänglich. „Ich habe Juden als Freunde“ ist Neusprech für Görings berüchtigten Satz, „wer Jude ist, bestimme ich“.
      Lejeune hat sich dem konkreten Verdacht ausgesetzt, den Holocaust geleugnet zu haben, strafbar als Volksverhetzung gemäß § 130 Absatz III StGB, Sein kurz darauf anhebendes Gekreisch bei Social-Media, er werde jetzt politisch verfolgt, war genau mit Blick auf diese Tat der erste Entlastungsversuch. Mit seinem FB-Eintrag läuft es nun auf die Träne im Knopfloch hinaus.
      Was der Mann hinterlässt, ist verbrannte Erde.

  4. Das war bei weitem nicht genug gedacht!

    1. wird um Entschuldigung immer gebeten, sie wird nicht erklärt, nicht mal aus „ganzem Herzen“. Und dann hat man gefälligst abzuwarten, ob irgendjemand zur Ent-Schuldung auch bereit ist. Eine Entschuldigung nützt dem Schuldigen, nicht demjenigen, an dem sich schuldig gemacht wurde.
    2. hat sich Lejeune nicht „unbedacht zu Waldbränden“, sondern zu den durch die Shoa gefälligst geläuterten Juden geäußert, die genau durch den industriellen Massenmord mitfühlende Übermenschen zu sein haben und andernfalls verbrennen sollen.
    3. sollte sich Herr Lejeune schleunigst ein Basiswissen über ‚Zionismus‘ draufschaffen, beginnend bei den Zionistenkongressen unter besonderer Berücksichtigung von z.B. Martin Buber, um zu erfassen, daß es nicht nur rechten bis rechtsradikalen, expansiven, menschenverachtenden Zionismus gibt.
    4. kommt es eigentlich nur mir komisch vorm, daß Lejeune Nachhilfe in Sachen Antisemitismus-geht-gar-nicht von einer salafistischen Organisation mit Verbindungen zum IS benötigt?
    5. erwarte ich von einem Journalisten, daß er seine Worte – ob privat oder beruflich – mit Bedacht wählt, fertig bin ich.

    GehnSe mehr denken, Martin Lejeune!

    • Ganz vergessen:
      6. „Ich treffe und interviewe regelmäßige Juden, und ich habe Juden als
      Freunde.“ ‚Einige meiner besten Freunde sind … (<-Minderheit Ihrer Wahl einsetzen)' – der älteste und dümmste Bemäntelungsversuch für Ressentiments °_O
      7. Das Stelenfeld war als Ortswahl für Lejeunes Reputationsrettungsversuch keine wirklich gute Idee. Obwohl er eine seltsame Anziehung dahin zu verspüren scheint, indem er auch schon die Namen von 2.200 im letzten Gaza-Krieg getöteten Palästinensern dort verlesen wollte.
      #kopfschüttel

  5. Für die Prinzessinnenreporter hat Sebastian Bartoschek ‚Das bessere Ende‘ geschrieben – heute: Das Männchen mit den Zündelhölzern, daraus:

    Leicht vorn über gebeugt und etwas in den Knien nestelt er vor seinem Körper. „Was machst du da?“ ertönt eine Stimme hinter Martin. Er fährt herum, und ist mit einem unauflösbaren Dilemma konfrontiert: „Allah, du, hier? Ich soll mir doch kein Bild von dir machen. Und jetzt stehst du vor mir.“ „Nicht mein Problem,“ erwidert Allah, „zurück zu meiner Frage: was machst du da?“ Martin lässt die Streichhölzer sinken, die er vorhin noch flugs in der Maritimlobby hat mitgehen lassen. „Ich, äh,“ Martin ist unsicher, „ich, äh, vollende die Strafe Gottes. Feuer. Und so.“ „Einen Scheiß tust du, Martin, einen Scheiß, ehrlich“, tadelt Allah. „Aber, aber, die Juden, Israel, die Zionisten …“ „Martin, bitte, werd erwachsen, es ist schlimm genug, dass wir beide nominell den gleichen Glauben teilen. Lass es einfach gut sein. Jahwe macht schon Witze über meine Gläubigen. Das tut mir weh. Wirklich. Lass es.“

    „Na gut,“ sagt da Martin. Ist peinlich berührt. Schleicht von dannen. Und fragt sich, ganz heimlich, ganz tief drinnen, ob dieser Allah nicht eigentlich auch ein Zionist sein könnte …

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