Mely Kiyak


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5 Gedanken zu „Mely Kiyak

  1. Übermedien schreibt von einer „Festrede, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte“. Daran ist mbMn eines grundfalsch, eines richtig und eines eine fatale Fehleinschätzung. 1. Das war keine Festrede, sondern eine Philippika. 2. Sie wurde genauso gewürdigt, nämlich mit betretenem bis eisigem Beschweigen. 3. Nach C. Emcke am 23.10. hat die Kamarilla der dt. Meinungsbildung inkl. BuPrä (https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article159011043/Und-was-ist-mit-der-Nation-Frau-Emcke.html ) bereits den letzten Strahl einer miserabel dünnen Tinte verspritzt. Diese Nationalversammlung dt. Publizistik hält den Atem an, auf dass ein neuer Völkischer Beobachter die Bühne betritt.

    • Hmnuja, diese miserable dünne Tinte der Welt ist leicht weggeputzt: „Kultur“ ist keine statische oder nationale bis nationalistische Größe. In Kunst und Kultur setzt sich durch – wird zur Kenntnis genommen, erregt Aufmerksamkeit, geht in die Geschichtsschreibung ein usw. – wer besonders, eigenartig, ungewöhnlich, herausragend ist.
      Allein das schon widerspricht jedem Narrativ einer kollektiv-nationalen Kultur.

      Mely Kiyak und Carolin Emcke sprechen beide, wie sie schreiben. Mely Kiyak wirkt zorniger als Carolin Emcke und bietet damit mehr Angriffsfläche, sie gibt sich viel mehr preis.
      Bei Carolin Emcke habe ich oft das Gefühl, daß sie sich sehr diszipliniert – womöglich auch, um sich nicht durch Zorn zu exponieren und sich auf diese Weise zusätzlich verletzlich zu machen. Carolin Emckes Paulskirchenrede wurde alles andere als beschwiegen, sie wurde auf ausgesprochen kleinkrämerisch-besserwisserische Weise zerpflückt und klein zu machen versucht. Mely Kiyak hat das Nationalheiligtum der deutschen Reaktionäre angetastet, als sie Sarrazin (in Unkenntnis der körperlichen Ursache seiner Entstelltheit) beleidigte – ich könnte mir vorstellen, daß man bei Welt und Co beschlossen hat, sie noch nicht mal zu ignorieren.

      Ich bin ziemlich sicher, daß Kiyak und Emcke bei Texten der jeweils anderen beifällig nicken, ich nicke mit und freue mich sehr, daß es gleich zwei dermaßen großartige Publizistinnen in Deutschland gibt.

  2. Mehr Mely Kiyak, nämlich die allmittwöchliche Kolume bei Zeit Online: Schluss mit dem dummen Geschwätz!, daraus:

    Man hört das neuerdings wieder öfter: Die Political Correctness gehöre abgeschafft. Weniger Political Correctness würde weniger Rechtsextremismus erzeugen oder wenigstens dafür sorgen, dass Wähler sich nicht von Rechtspopulisten verführen ließen. Denn das Abdriften in die Radikalität sei eine Reaktion auf Sprechtabus.

    Political Correctness kann man weder überziehen noch übertreiben. Es sei denn, man hat genug vom Denken und von der Lust, Gleichheit unter Menschen zu schaffen. Genug davon, Vielfalt als Gleichwertigkeit zu betrachten. Wer degradierende Begriffe für Schwarze, Homosexuelle oder Muslime im politischen Diskurs für unverzichtbar hält, muss von vorn beginnen. Nicht diejenigen, die diesen Zivilisationssprung schon hinter sich gebracht haben, müssen sich den politisch Unkorrekten anpassen, sondern umgekehrt. Wer keine Veranlassung darin sieht, in Flüchtlingen Kriminelle zu sehen, in Muslimen eine Staatsgefahr, der muss sich nicht dafür einsetzen, dass das so diskutiert werden darf.

    Wenn Politiker hier in Deutschland glauben, dass man den rechtsextremen und autoritätssehnsüchtigen AfD-Wählern und Pegida-Mitmarschierern offiziell erlauben müsse, auch mal politisch inkorrekt sein zu dürfen – was immer damit gemeint sei – , damit die wieder CDU, SPD oder Grüne wählen, dann haben sie nicht verstanden, dass die Grenzen des Sagbaren schon längst, schon ganz längst überschritten sind.

    Mutig wäre es, wenn einer auf den Tisch hauen und sagen würde: Schluss mit dem ekelhaften, dummen und unaufgeklärten Geschwätz über die Fremden, die Ausländer, Schwulen, Muslime oder Flüchtlinge. Das würde Eindruck machen! Unserem Land fehlt der Mut für Aufklärung, Anstand und Eleganz im Umgang mit Mitmenschen. Es ist nämlich eine Ehre, in Sprache und Handeln politisch, ökonomisch, sozial und einfach menschlich korrekt zu sein.

  3. Ich muß das mal irgendwo hinschreiben: bei Carolin Emcke werde ich immer unsicher, ob ich wirklich so hetero bin wie es mich die Erfahrung lehrt und bei Mely Kiyak finde ich allein schon die nicht weggepuderte Engagiertheit sexy und rührend und toll und alles.
    Will sagen: Geist ist geil!
    Zum Geist beider Frauen addiert sich noch der Mut zur persönlichen Preisgabe durch Zeugenschaft – ’schmagdas, sehr sogar.

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