Mike Pence: “I was tea party before it was cool.”

trump Foto: Gage Skidmore (beschnitten)

 Ist ja nicht so, daß nur unsere Politiker schwimmen, weil sie keine Telefonnummern von Trump und seinen maids/mates haben.

Oder haben Sie etwa schon mal von Mike Pence gehört? Das ist der amtierende Gouverneur von Indiana und designierte Vizepräsident der USA, Trump wegen seiner Professionalität und Besonnenheit zur Seite gestellt.

Unter Professionalität und Besonnenheit versteht man in Trumpland:

  • Kondome sind irreführend, lebensgefährlich und ein „very very poor“ Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

condoms are a very, very poor protection against sexually transmitted diseases, and in that sense, … the secretary of state may be inadvertently misleading millions of young people and endangering lives …

  • Strikt Pro-Life, gegen Abtreibungen, immer schon. So strikt, daß Planned Parenthood (ein Äquivalent zu pro familia, das u.a. auch Krebsvorsorge und HIV-Tests macht und der in den USA größte Anbieter von Sexualkundeunterricht ist) 2011 endlich die Zuwendungen gestrichen und das in Indiana ohnehin restriktive Abtreibungsgesetz noch weiter verschärft werden konnte.

I believe that a society can be judged by how it deals with its most vulnerable—the aged, the infirm, the disabled and the unborn. … By enacting this legislation, we take an important step in protecting the unborn, while still providing an exception for the life of the mother. I sign this legislation with a prayer that God would continue to bless these precious children, mothers and families.

  • Homosexuelle sind das Übel schlechthin. Homosexuelle sind in Trumpland Ursache und Verbreiter von HIV/Aids, man darf sie gefälligst auch weiterhin ungestraft diskriminieren, denn sie bedrohen die Vater-Mutter-Kind-Familie. Insofern sind in Trumpland Konversionstherapien à la Ex-Gay (in Deutschland heißt das Modell Wuestenstrom) gegen Homosexualität auch

1. wirksam

2. verfassungsgemäß und

3. unterstützenswert.

Congress should oppose any effort to put gay and lesbian relationships on an equal legal status with heterosexual marriage.

Congress should oppose any effort to recognize homosexual’s as a „discreet and insular minority“ entitled to the protection of anti-discrimination laws similar to those extended to women and ethnic minorities.

Congress should support the reauthorization of the Ryan White Care Act only after completion of an audit to ensure that federal dollars were no longer being given to organizations that celebrate and encourage the types of behaviors that facilitate the spreading of the HIV virus. Resources should be directed toward those institutions which provide assistance to those seeking to change their sexual behavior.

  • Bei Frauen wird Pence ein bißchen feingeistiger. Es sind nicht alle Frauen von Übel. Unentgeltlich arbeitende Vollzeitmütter sind unerläßlich, arbeitende Mütter und US-Soldatinnen eine „bad idea“.

You see, now stay with me on this, many young men find many young women to be attractive sexually. Many young women find many young men to be attractive sexually. Put them together, in close quarters, for long periods of time, and things will get interesting. … Moral of story: women in military, bad idea.

Sure, you can have it all. But your day-care kids get the short end of the emotional stick. … I am critizising a culture that has sold the big lie that „Mom doesn’t matter“. … We should seriously rethink a tax code that makes it less and less possible for one parent to stay home with the kids and replace it with a family-friendly system of tax collection. Or we could just settle with another generation of adults with good language and cognitive skills but stunted emotional growth.

Weswegen er auch stets gegen Gesetze stimmt, die arme Familien besser stellen und gleich drei Mal gegen Gesetze stimmte, die Frauen die gleiche Bezahlung wie Männern garantieren sollten (in den USA für die gleiche Arbeit: Frau 73 Cent, Mann 1 Dollar).

Bleibt noch seine Klimaskepsis, seine Intelligent-Design-Anhängerschaft, seine Stimme für den ‚Patriot Act‘ als permanente Einrichtung, sein Zuspruch zu Trumps Muslimaussperrung und seine Befürwortung der mexikanischen Mauer als „job number one“ usw.usw.

Der Mann ist nach eigener Aussage “evangelical Catholic” und „a Christian, a conservative, and a Republican, in that order„.

Trumps designierter Vizepräsident ist reaktionär, er ist religiöser Fundamentalist, er ist Rassist und Sexist und er predigt Haß gegen Muslime, Mexikaner, Homosexuelle und Frauen. Nur etwas gewählter, höflicher und professioneller als Trump.


Johannes Kuhn: American Hustle

Meine Prognose (Educated Guess I): Trump wird der Einheizer mit demagogischen Elementen bleiben, doch hinter den Kulissen wird Pence alles leiten. Und wir hatten geglaubt, Cheney sei mächtig gewesen. Pence wird in Washington Entscheidungen treffen, während The Donald in seinem New Yorker Penthouse sitzt oder auf Kundgebungen gegen die Medien hetzt. Trump ist ein politischer Anfänger, sie werden auf ihm wie auf einer Violine spielen, aber ihn interessiert Politik ohnehin nicht, sondern nur die Reaktion auf ihn selbst.


Meine Oma selig hätte gesagt: Kinder, kauft Kämme. Es kommen lausige Zeiten.


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7 Gedanken zu „Mike Pence: “I was tea party before it was cool.”

  1. Meine Berliner Oma war eine feinsinnige Frau, die über das Verhältnis Trump-Pence formuliert hätte „Passt wie Deckel auf Topp“. Die Formulierung meiner Mutter, die zu sagen pflegt „Passt wie Arsch auf Eimer“, trifft`s besser.
    Grüßle, Diander

  2. Wärmstens zur Lektüre empfehlen möchte ich den langen Blog von Marian Schraube über den Breitbart-News-Kosmos und Stephen K. Bannon (Trumps gewesener Wahlkampfmanager, soeben zum Chefstrategen und Berater ernannt): „War On“ – Trumps schrille und stille Helfer

    Zum Freitag nur deswegen verlinkt, weil sich der Artikel auf einer Seite besser lesen läßt – bei den Ausrufern kann man ihn nur seitenweise lesen.
    Verdient hat der Freitag diese Superrecherche nicht, der Artikel wurde nicht mal in die Empfehlungen gesetzt noch sonstwie produziert. Aber was rege ich mich noch auf…

    • Inzwischen haben sich auch ein paar Medien mit Bannon beschäftigt, stellvertretend Rieke Havertz, Zeit Online: Die rechte Seite der Macht

      Doch Bannon ist kein tumber Populist, er ist ein bestens ausgebildeter Stratege. Er kommt aus einer irisch-katholischen Arbeiterfamilie – von Haus aus eher demokratisch geprägt, wie er selbst einmal sagte –, hat einen Abschluss von der Harvard Business School, war bei der Navy, verdiente Millionen als Investmentbanker und Produzent der Serie Seinfeld. Trotz des Reichtums tritt er gern in Cargoshorts und Flip-Flops auf. Bevor er sich darauf verlegte, Dokus über konservative Politiker wie Palin zu drehen, und bei Breitbart einstieg, produzierte er auch Hollywoodfilme.

      Bannon hat das Potenzial der Präsidentschaftskandidatur Trumps früher erkannt als viele andere und scheute sich nicht, die Nähe zu dem Republikaner zu suchen, der wie er auf das Establishment schimpft und das zum Kern seines Wahlkampfs gemacht hat. Im April 2014 hieß es vom Team Trump über Bannon: „Ein großer Unterstützer von Mr. Trump.“

      Breitbart hatte Bannon zu diesem Zeitpunkt schon zu einem Sprachrohr für Trump gemacht. Lieblingsfeinde der Seite: Hillary Clinton, aber auch Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses und des konservativen Parteiestablishments. Und selbstverständlich hetzt die Seite gegen alle liberalen Haltungen. Auf Breitbart werden schon einmal Überschriften wie diese veröffentlicht: „Empfängnisverhütung macht Frauen hässlich und verrückt“. Und nachdem ein weißer Rassist im Juni 2015 in einer Kirche in Charleston neun Afroamerikaner erschossen hatte, forderte Breitbart seine Leser auf, die Konföderiertenflagge zu hissen.

      Ansonsten findet im designierten Team Trump erstes Köpferollen statt, die NYT: Firings and Discord Put Trump Transition Team in a State of Disarray oder Zeit Online mit aufgehübschten Agenturmeldungen: Trump führt sein Team ins Chaos

  3. The Intercept: Reckoning With a Trump Presidency and the Elite Democrats Who Helped Deliver It, daraus Jeremy Scarhill über Mike Pence:

    … so when we talk about Mike Pence, I just want to underscore this, because I think a lot of people had never really heard of Mike Pence before he became the vice presidential nominee will be now the vice president. We need to be clear: Mike Pence is a Christian supremacist. He is as radical of a Christian as Mullah Mohammed Omar was radical in his interpretation of Islam as head of the Taliban. This is a guy whose primary view of himself in the world is as a Christian warrior. … I don’t think we’ve seen someone as much of a zealot for Christianity – his warped version of Christianity — as Mike Pence, the incoming VP.

  4. Gestern abend gab’s einen kleinen Zwischenfall im gefeierten Musical ‚Hamilton‘:

    As the play ended, the actor who played Aaron Burr, Brandon Victor Dixon, acknowledged that Mr. Pence was in the audience, thanked him for attending and added, “We hope you will hear us out.”

    “We, sir — we — are the diverse America who are alarmed and anxious that your new administration will not protect us, our planet, our children, our parents, or defend us and uphold our inalienable rights,” he said. “We truly hope that this show has inspired you to uphold our American values and to work on behalf of all of us.”

    Tonight, VP-Elect Mike Pence attended #HamiltonBway. After the show, @BrandonVDixon delivered the following statement on behalf of the show. pic.twitter.com/Jsg9Q1pMZs
    — Hamilton (@HamiltonMusical) Nov. 19, 2016

    The audience broke out in enthusiastic applause and cheers.

    Mr. Pence was leaving as Mr. Dixon began to read the statement from the stage. A show spokesman said that Mr. Pence stood in the hallway outside the entrance to the auditorium and heard the full remarks.
    Mr. Pence made no comment and was photographed smiling as he left the theater. But Mr. Trump, amid meetings on Saturday with possible candidates for White House and cabinet positions, inserted himself into the story with two tweets before 9 a.m. …

    Our wonderful future V.P. Mike Pence was harassed last night at the theater by the cast of Hamilton, cameras blazing.This should not happen!
    — Donald J. Trump (@realDonaldTrump) Nov. 19, 2016

    The Theater must always be a safe and special place.The cast of Hamilton was very rude last night to a very good man, Mike Pence. Apologize!
    — Donald J. Trump (@realDonaldTrump) Nov. 19, 2016

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