Toleranz

toleranz Screenshot bei tue-info (beschnitten)

Wir müssen die Toleranz, die wir früher für uns eingefordert haben, nun selber an den Tag legen“, sagte Palmer der Welt. „Es bedarf einer Toleranz gegenüber Menschen, die wir – vielleicht auch zu Recht – für reaktionär und kleingeistig halten. Auch diese Leute haben einen Anspruch darauf, ernstgenommen zu werden.

Es gebe eine Minderheit im Land, die sich ausgegrenzt und zurückgelassen fühle, sagte Palmer. Es sei Aufgabe der Grünen, auf derartige Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. „Da empfinde ich meine Partei als eher widerwillig.

Spoiler: Toleranz beinhaltet exakt null Anspruch, ernstgenommen zu werden. Das zugrundeliegende Verb tolerieren wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen tolerare („erdulden“, „ertragen“) entlehnt.

Und so ist es: ich erdulde und ertrage die reaktionäre AfD und ihre kleingeistigen Konsorten, ich erdulde und ertrage ja auch Palmers Gelaber über Schließung und militärische Verteidigung der EU-Außengrenzen oder seinen jüngsten feinsinnigen Appell zur klaren Unterscheidung zwischen Alltagsrassismus und Rassismus.

Der Mann ist ein zweibeiniges Argument, niemalsnienichtmehr grün zu wählen, seine Geilheit auf eine CSU-kompatible schwarz-grüne Koalition ist zu offensichtlich. Den Das nehme ich sogar sehr ernst (wenn auch nicht ‚eher‘, sondern ausgesprochen widerwillig).


 

Um es mit Wiglaf Droste (1993) zu sagen:

… Alle Welt sucht das Gespräch mit Rechtsradikalen. Warum? Haben sie einem etwas zu sagen? Ist nicht hinlänglich bekannt, was sie denken, fordern und propagieren? …

Muß man an jeder Mülltonne schnuppern? Niemand wählt Nazis oder wird einer, weil er sich über deren Ziele täuscht, – das Gegenteil ist der Fall; Nazis sind Nazis, weil sie welche sein wollen. Eine der unangenehmsten deutschen Eigenschaften, das triefende Mitleid mit sich selbst und den eigenen Landsleuten, aber macht aus solchen Irrläufern der Evolution arme Verführte, ihrem Wesen nach gut, nur eben ein bißchen labil etc., „Menschen“ jedenfalls … „um die wir kämpfen müssen“.

Warum? Das Schicksal von Nazis ist mir komplett gleichgültig; ob sie hungern, frieren, bettnässen, schlecht träumen usw. geht mich nichts an. Was mich an ihnen interessiert, ist nur eins: daß man sie hindert, das zu tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht hindert: die bedrohen und nach Möglichkeit umbringen, die nicht in ihre Zigarettenschachtelwelt passen. …

Wenn sich dabei herausstellen sollte, daß es sich gegen 50, 60, 70, 80 oder 90 Prozent des deutschen Volkes richtet, dann ist das eben so. …


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11 Gedanken zu „Toleranz

        • Ah okay.
          Und was wollen Sie mit „deutscher Herbst“ sagen?
          Ist mir eine terroristische Vereinigung entgangen, die Granden in Politik und Wirtschaft bedroht, entführt, tötet?
          Meines Wissens schwätzt Boris Palmer dummes Zeug ohne Pistole o.ä. an der Schläfe.

          Das von ihm erbetene Verständnis für Reaktionäre und Kleingeister bringe ich nicht auf, fertig bin ich.
          Dazu brauchte es nicht mal mehr die gestrige Meldung über den wahrscheinlichen Wahlbetrug der Berliner AfD.

          • Ich bin schon der Meinung, dass das, was an Brandanschlägen, Überfall auf Andersaussehende und/oder -sprechende, Belagerungen von Heimen etc.pp. geschieht, unter die Kategorie Terrorismus fällt. Und gleichfalls bin ich der Auffassung, dass dieser sich von einem Terrorismus des Jahres 1977 vielleicht ideologisch, erst recht von der damals generalstabsmäßig-paramilitärischen Ausführung unterscheidet. Aber sich dazu aufzuschwingen, Richter und Vollstrecker zu sein, um anderen das Leben abzusprechen und zu nehmen, ist beiden gemeinsam. Wenn auch sehr spät hat das der deutsche Staat zur Kenntnis genommen, seitdem seine Vollzugsbeamten ins Visier sogenannter Reichsbürger geraten sind. Sie nicht nur dem deutschen Staat gegenüber feindlich, sondern durch und durch fremdenfeindlich konnotiert.

            Palmer gehört zu den geistigen Brandstiftern, wenn er genau diese Tendenzen als tolerabel und damit als erträglich einstuft, ohne jedwede notwendige Abgrenzung. Aber ist Palmer damit für die Grünen repräsentativ?

            Meiner bescheidenen Meinung nach: Nein. Denn zwar spielt sich Herr Palmer gerne in TV-Shows und ist gern gesehener Gast sogenannter konservativer Medien. Aber er spielt zumindest derzeit bei den Bundes- und Landesgrünen (BaWü) keine Rolle, auch nicht bei den Plänen zu künftigen Wahlen. Demgegenüber steht Gesine Agena, Mitglied im Bundesvorstand und frauenpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die mitteilt, in Dresden und andernorts würden „keine besorgten, sondern besorgniserregende Bürger“ auf die Straße gehen – da brauche es „kein Verständnis, sondern klare Kante“ (https://www.gruene.de/ueber-uns/bundesvorstand-bestaetigt-parteirat-neu-gewaehlt.html). Ich glaube, mich zu erinnern, auch bei Ihnen nicht gänzlich unähnliche Formulierungen gelesen zu haben.

          • Der Unterschied zwischen dem jetzigen und dem ‚deutschen Herbst‘: die derzeit rund 350 untergetauchten Nazis werden nicht mit Steckbrief in jedem öffentlich-staatlichen Gebäude gesucht, die Geschichte rund um den NSU ist weder geklärt noch ist sie, fürchte ich, vorbei. Der Hintergrund für die unterschiedlichen staatlichen Reaktionen auf Terror: Menschen mit dunkler Haut und andere Minderheiten im Nazi-Visier sind keine Granden aus Politik und Wirtschaft.

            Boris Palmer dient hier nur als Stellvertreter einer bei den Grünen zunehmenden Tendenz zur Gier nach Macht um jeden Preis. Von Thomas de Mazière und Konsorten erwarte ich mit Nazis sympathisierendes Gewäsch und verfassungswidrige Wünsche und Parolen, bei einem Grünen schmerzt mich das (es gab mal Zeiten, zu denen mich das sogar von der SPD schmerzte).

          • Nachsatz:

            … in Dresden und andernorts würden „keine besorgten, sondern besorgniserregende Bürger“ auf die Straße gehen – da brauche es „kein Verständnis, sondern klare Kante“ … Ich glaube, mich zu erinnern, auch bei Ihnen nicht gänzlich unähnliche Formulierungen gelesen zu haben.

            Die Formulierung ‚besorgniserregende Bürger‘ (dient hier auch Schlagwort für 27 Blogs) habe ich vor Jahren von Kallewirsch übernommen, Sie erinnern sich vielleicht: er ließ seinen FC-Account löschen, nachdem Christian Füller klandestin einen seiner Kommentare beim Freitag editieren ließ, in dem er Peter Nowak, Kallewirsch, Sie und mich u.a. als „Metöken“ bezeichnete. Kallewirsch und ich kommentieren – k.o.-Kriterium – seither nicht mehr bei Der Freitag. Sie werden Gründe haben, das dennoch und ungebrochen zu tun.

            Ich habe die Grünen vor einer gefühlten Ewigkeit in Bayern mal mitgegründet und habe Gründe, schon lange kein Mitglied mehr zu sein und sie inzwischen auch nicht mehr zu wählen – Boris Palmers Gewäsch ist nur ein kleines Beispiel dafür. Es geht nicht darum, ob Palmer „repräsentativ“ für die Grünen ist, sondern darum, daß solche oder ähnliche Positionen bei den Grünen immer mal wieder vorkommen. Für mich ist auch das ein k.o.-Kriterium.

  1. Der Grund, dass ich überhaupt Ihren Blog kommentiert habe, war das apodiktische und gleichzeitig auf die Person Palmer geschnittene Argument, Grüne nicht zu wählen. Nicht, weil ich diese Partei toll finde, sondern weil mir die Personalisierung (also die eine Gans stellvertretend für eine ganze Saison) mindestens so sehr gegen den Strich geht wie eine Editierungspolitik des Christian „Cry Baby“ Füller: Der hat aus „den Grünen“ eine kriminelle Vereinigung gestrickt und bei freitag.de jeden für rechtlos erklärt (erklären lassen), der anderer Auffassung ist.

    Das ist mein Beweggrund und das ist, weil Sie mir freundlicher Weise Raum für Kommentare geben, meine veröffentlichte Meinung, die, so verstehe ich Sie, so sakrosankt ist wie Ihnen die Ihre. Dafür danke ich.

    Ob ich daneben auch auf anderen Plattformen veröffentliche, kommentiere oder es besser nicht tun sollte, ist tatsächlich so: Ich „habe Gründe“, wie Sie schreiben „das dennoch und ungebrochen zu tun“. Sie nicht offen zu legen, ich hoffe Sie gestehen mir das ebenfalls zu, gehört genauso zur Freiheit der Person.

    • … das apodiktische und gleichzeitig auf die Person Palmer geschnittene Argument, Grüne nicht zu wählen. … sondern weil mir die Personalisierung … mindestens so sehr gegen den Strich geht wie eine Editierungspolitik des Christian „Cry Baby“ Füller: Der hat aus „den Grünen“ eine kriminelle Vereinigung gestrickt und bei freitag.de jeden für rechtlos erklärt (erklären lassen), der anderer Auffassung ist.

      Hoppla.

      Ich hoffe, Sie gestehen mir die Äußerung meiner Meinung in meinem Blog zu, in Zukunft gern auch ohne die Unterstellung einer Apodiktik. Oder hätte ich öffentlich dazu aufgerufen, die Grünen nicht zu wählen oder Unwahrheiten über sie verbreitet? Nein, beides habe ich nicht. Unter anderem das unterscheidet meine Blogs von Füllers Geschäftsmodell.

      Ob/was Sie wo aus welchen Gründen kommentieren, ist und bleibt Ihre Sache.
      Sie werden mir aber bitte zubilligen, daß ich hier nachfrage, wenn ich einen Kommentar nicht verstehe.

      Mit anderen Worten: mir ist immer noch unklar, was Sie mir eigentlich sagen wollten.
      Wir können es aber gern auch dabei belassen, mir liegt nichts an Beckmesserei.

  2. „Wir können es aber gern auch dabei belassen, mir liegt nichts an Beckmesserei.“
    Das scheint mir, nach dem treffenden Prinzip „we agree to disagree“, zunächst sehr angemessen.

    Aber!
    Sie schreiben, „mir ist immer noch unklar, was Sie mir eigentlich sagen wollten“
    Sorry, DvW .. ich habe Ihnen nicht nur Gründe genannt, sondern auch Motive: Aus meiner (subjektiven) Warte das Maximum an Transparenz. Ich schreibe es Ihnen gerne auch in Kurzform noch einmal hin: Herr Palmer steht meiner Auffassung nicht für „die Grünen“. Was an der Aussage ist so schwer zu verstehen? Oder übrfordere ich Sie und Ihre Leser, indem ich das in ein Bild kleide?

    • Oder übrfordere ich Sie … , indem ich das in ein Bild kleide?

      Ichsachsmaso: mich überfordern einige Ihrer Sprach-Bilder hier, reicht von ‚Gans‘ über ‚deutschen Herbst‘, ‚Apodiktik‘, Verwechslung von ‚Argument‘ mit Meinung bis zur ’sakrosankten Meinung‘.
      Weswegen ich Ihnen zustimme: let’s agree to disagree.
      Schönen Abend!

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