Kriegsverbrechen

kriegsverbrechen Foto: Chelsea Manning, im Besitz der US Army

Chelsea Manning hat im Oktober einen zweiten Suizidversuch unternommen. Als Strafe für ihren ersten Suizidversuch im Juli wurde sie erneut in Isolationshaft gesteckt. Isolationshaft bedeutet: 23 Stunden/Tag allein in einer Zelle, 1 Stunde/Tag im Kreis gehen, kein Kontakt zur Außenwelt oder zu anderen Gefangenen.

Im Falle von Chelsea Manning bedeutete Isolationshaft auch schon mal: Wegnahme ihrer Kleidung, kein Kissen, kein Laken, nackt vor ihrer Zelle antreten müssen, keinen Zugang zu Nachrichten, keine Entgegennahme ihrer Beschwerde über ihre Haftbedingungen. Diese Bedingungen (in Quantico) wurden als so schwerwiegend betrachtet, daß ihr 112 Tage Haft erlassen wurden. Sie ist derzeit in einem reinen Männergefängnis (Fort Leavenworth) inhaftiert. Sie darf ihre Haare nicht wachsen lassen, obwohl sie die Änderung ihres Namens und eine Hormontherapie erstritten hat.

Die Bestrafung eines Suizidversuchs mit einer Foltermethode ist die gleiche kranke Logik, wie Chelsea Manning für die Veröffentlichung von Kriegsverbrechen zu 35 Jahren Gefängnis zu verurteilen, während die Kriegsverbrecher ohne jede Strafe ausgehen. Kriegsverbrechen bedeutet u.a.: auf Zivilisten und Journalisten zu schießen. In diesem Fall außerdem: auf Kinder zu schießen.

 


 

Aus der New York Times:

A support network member said Thursday that Ms. Manning had been informed by the Army that it would hold another disciplinary hearing on the second attempted suicide and that she possibly faced new punishment. An Army spokesman said he was unable to comment or answer any questions about matters covered by medical information privacy rules.

In her four-page statement, Ms. Manning said she tried to kill herself on the first night of her week in solitary detention, which she was given no warning was about to begin. She was then placed on suicide watch and transferred to a special observation unit, called Alpha Tier, where she continued to be held in solitary confinement, it said.

Most of her statement was devoted to a detailed account of a bizarre sequence of events she said took place several days later.

On the night of Oct. 10, according to her statement, four people impersonating guards conducted an hourslong attack on the prison, during which she said she heard sounds indicating that the attackers were shooting and torturing her cellblock’s actual guards.

These attackers tried to induce Ms. Manning to escape, she said in her statement. Instead, as the night unfolded, she hid in the corner of her cell, telling the impostors she knew they were not actual guards, it said.

At 6 a.m. on Oct. 11, a regular shift of guards familiar to Ms. Manning arrived, and “everything returned to normal, except that several correctional specialists were deep cleaning the entirety of Alpha tier with Pine Sol and bleach,” the statement concluded.

The Army spokesman denied those events had taken place. Mr. Strangio said that Ms. Manning had described them to him in phone calls and that he “couldn’t comment on any of these experiences because I don’t understand them.”

He added, “I am going to visit her later this month due to continuous concerns that she is not getting the health care she needs.”


 

Stefan Zweig wenige Monate vor seinem Freitod 1942:

In der Isolierung lebte man wie ein Taucher unter der Glasglocke im schwarzen Ozean dieses Schweigens und wie ein Taucher sogar, der schon ahnt, dass das Seil nach der Außenwelt abgerissen ist und er nie zurückgeholt werden wird aus der lautlosen Tiefe. Es gab nichts zu tun, nichts zu hören, nichts zu sehen, überall und ununterbrochen war um einen das Nichts, die völlige raumlose und zeitlose Leere. …

… niemand kann schildern, kann messen, kann veranschaulichen, nicht einem anderen, nicht sich selbst, wie lange eine Zeit im Raumlosen, im Zeitlosen währt, und keinem kann man erklären, wie es einen zerfrisst und zerstört, dieses Nichts und Nichts und Nichts um einen, dies immer nur Tisch und Bett und Waschschüssel und Tapete, und immer das Schweigen, immer derselbe Wärter, der, ohne einen anzusehen, das Essen hereinschiebt, immer dieselben Gedanken, die im Nichts um das eine kreisen, bis man irre wird.


Man sollte sich von der irrigen Annahme lösen, die USA seien ein zivilisiertes Land. Ein zivilisierter Staat würde auf Kriegsverbrechen niemals mit noch mehr Verbrechen reagieren.


Wußten Sie aber, daß es Isolationshaft auch in Deutschland gibt?


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5 Gedanken zu „Kriegsverbrechen

  1. Vielleicht sollte man, so als interessierter Schöngeist im „Land der Dichter und Denker“, noch einmal (oder erstmals) Zweigs Schachnovelle zur Hand nehmen. Sie ist sogar gemeinfrei: http://gutenberg.spiegel.de/buch/schachnovelle-7318/1 . Man bekommt dann eine Ahnung davon, dass Weiße Folter keine Erfindung von heute, sondern eine Wiederentdeckung ist, die, abgesehen von den zwischenzeitlichen konkreten Formulierungen, gegen jedes Prinzip der Menschenrechte verstößt. Die Folgen einer solchen Folter sind ebenso universell. Und zeitlos.

    • Und dabei habe ich viele Details nicht mal erwähnt, z.B. daß Chelsea Manning in Quantico alle 5 Minuten (24/7) von einem Wärter angesprochen wurde und ihm zu antworten hatte.

      Es ist so überaus ernüchternd, daß die Menschheit beim Quälen, Foltern und Töten mehr Kreativität zeigt als bei jeder anderen Beschäftigung.

      • Das ist allerdings ernüchternd und erschreckend zugleich. Mich quälen solche Informationen, weil sie mein Vertrauen erschüttern. Am liebsten wüsste ich gar nicht was da läuft und andererseits geht das natürlich auch nicht. Schrecklich.

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