„Und das ist super, das bringt jedes Mal Geld.“

kenjebsengeld

Gute Güte, der Jebsen schon wieder!

Ich wunderte mich über den Traffic von der (mir bis dahin nicht bekannten) Plattform Planet Interview zu meinem Blog und entdeckte dort ein langes, lesenswertes, da tapfer geführtes Interview mit Ken Jebsen vom 6.10.2016 (auch die Anmerkungen dazu sind lesenswert), daraus:

Sie selbst schalteten mehrfach Anwälte ein, um Berichte über Ihre Person aus dem Netz zu entfernen. Warum?
Jebsen: Weil die gelogen sind. Wer Fakten oder Aussagen erfindet, um mich zu belasten, tut das vorsätzlich und muss mit Post von meinen Anwälten rechnen. Ich halte das für legitim. Jeder der über öffentliche Personen Fakten erfindet, um ihnen zu schaden, bekommt in einem Rechtsstaat irgendwann ein Problem mit der Justiz. Er muss eine Gegendarstellung bringen oder eine Unterlassungserklärung unterschreiben.

Auch ein Bericht auf freitag.de von 2014 verschwand Anfang 2016 zwischenzeitlich, über 190 Kommentare wurden gelöscht. Wie lässt sich das vereinbaren mit Ihrem Streben nach Pressefreiheit?
Jebsen: Wenn ich Sie verleumden würde, dann hat das mit Pressefreiheit nichts zu tun, das ist durch die Pressefreiheit nicht gedeckt und auch nicht durch die Meinungsfreiheit. Wenn jemand vorsätzlich Dinge über mich behauptet, die nachweislich nicht stimmen, dann gehe ich dagegen vor. Wir sind hier in einer Rechtsanwaltskanzlei und ich habe mehrere Leute, die machen den ganzen Tag nur das. Und das ist super, das bringt jedes Mal Geld.

Was ist super? Was bringt jedes Mal Geld?
Jebsen: Es gibt dann jedes Mal eine Abmahnung. Da gibt es eine Schadensersatzklage. Das ist die einzige Methode, auf etwas, was immer wieder absichtlich falsch behauptet wird, zu reagieren. Wenn Sie einmal Post vom Anwalt bekommen haben, dann machen Sie das nie wieder, weil das so teuer ist. Und da weiß ich: Die ganzen Journalisten und Zeitungen haben eine begrenzte Kriegskasse.
Mir werden immer wieder Dinge unterstellt, was ich sei. Das ist durch die Meinungsfreiheit nicht gedeckt. Und wer so etwas schreibt, als Journalist, der muss mit den Konsequenzen rechnen.

Der Monolog mit dem Titel „Zionismus ist Rassismus“. Sie könnten ja auch mit Ihren Kritikern reden, mit der Autorin des Artikels – anstatt den Artikel löschen zu lassen.
Jebsen: Sie meinen, die würde mit mir reden?
Der Beitrag heißt im Übrigen nicht „Zionismus ist Rassismus“ sondern „Zionistischer Rassismus“. Ist das ein Unterschied? Aber sicher. Der Unterschied ist erheblich. Zionismus ist Rassismus würde bedeuten, jede Form des Zionismus wäre Rassismus. Das ist falsch und wurde von mir nie behauptet. Im Beitrag „Zionistischer Rassismus“ geht es um den politischen Zionismus, der extrem rassistische Begründungen für sein Handeln anführt. Sehen sie sich in den seit 1967 von der israelischen Armee besetzen Gebieten um – ohne Rassistische Auslegung einer Ideologie wäre das gar nicht möglich. Mein Beitrag basiert übrigens zu 100% auf israelischen Quellen. Ilan Pappe, Shlomo Sand, Moshe Zuckermann, Gideon Levy und den Tagebüchern von Ben Gurion.
Es ist eine Zusammenfassung von Fakten, die den Status quo Israels zum Kern haben. Die Staatsgründung 1948 lief alles andere als friedlich ab. Im Gegenteil, sie lief extrem blutig und brutal ab. Massenerschießungen, Terroranschläge, Massenvertreibungen, Massenenteignungen waren schon über Monate im Vorfeld das Leid, das man den Ureinwohnern, den Palästinensern, zugemutet hatte. Auf Befehl von ganz oben. Das Problem von Deutschland auch 2016 ist, dass wir aufgrund unserer Geschichte nicht den Mumm haben, auf diese israelischen Kriegsverbrechen hinzuweisen. Ich tue das dennoch, immer wieder und befinde mich damit in einer Reihe mit den oben genannten Autoren. Wenn wir etwas aus unsere Geschichte lernen sollten, dann ist es, gegen Willkür und Terror aufzustehen. Man kann nicht von den Türken verlangen sich endlich zu ihren Untaten an den Armeniern zu bekennen und parallel dazu die Nakba totschweigen. Das ist verlogen und feige und da mache ich nicht mit.
Aber zurück zu ihrer Frage
Sie meinen, die Autorin des Freitag würde mit mir reden?

Sicher. Sie schreibt auch in ihrem Blog, dass ihr nicht mitgeteilt wurde, aus welchem Grund der Artikel gelöscht wurde. Warum so eine Vorgehensweise, wenn Sie für eine freie Presse plädieren?
Jebsen: Weil es Spielregeln gibt. Ich mahne immer ab, wenn jemand behauptet, ich wäre wegen antisemitischer Äußerungen beim RBB geflogen. Weil es nicht stimmt. Und das stand bestimmt in diesem Artikel.
Ich muss allerdings dazu sagen: Ich selbst mache das gar nicht. Da gibt es eine Abteilung, die macht das, die haben dafür ein Standardschreiben. Ich selbst habe doch dafür keine Zeit, ich lese doch nicht den Freitag, um zu gucken, ob da irgendetwas über mich drin steht. Ich lese den ganzen Tag Bücher. Und irgendwann am Ende des Monats gibt es eine Besprechung, wo ich erfahre, wie die Verfahren gelaufen sind: Da haben wir gewonnen, da gibt es eine Gegendarstellung usw.

Und Ihr Rauswurf beim RBB basierte nicht auf antisemitischen Äußerungen.
Jebsen: Geschickt gemacht. Sie tun so als wüsten Sie das nicht genau. Durch das Wiederholen speziell falscher Tatsachen, gerne auch unter dem Vorwand es journalistisch nur ganz genau wissen zu wollen, reiben Sie dem Leser immer wieder ein, es wäre doch so. Kann ich auch.
Bitte denken Sie jetzt njcht an einen rosa Elefanten.! Stimmt es das Sie ihre Frau nicht mehr schlagen? – Damit ist dieser Teil des Gesprächs zu Ende. Ich bin nicht dumm.
(Anmerkung von PI: Ken Jebsen hat an dieser Stelle fünf seiner Antworten gestrichen und durch eine andere ersetzt. Er wirft uns Interviewern nachträglich vor, dass wir den Leser falsch informieren wollen. Diesem Vorwurf widersprechen wir. Leider hat Ken Jebsen es abgelehnt, seine Streichung rückgängig zu machen.)


Anders als im Interview kolportiert, verschwand nicht nur mein Blog vorübergehend, sondern die meisten Blogs und Artikel über Ken Jebsen dauerhaft aus Der Freitag. Dort wurde inzwischen sogar einen Buh-Wort-Algorithmus installiert, eins der bösen Wörter lautet „Ken Jebsen“. Wer dessen Namen in einem Blog oder Kommentar nennt, muß seinen Text bei der On-Red „einreichen“ und vor Veröffentlichung prüfen lassen.

Glückwunsch zu diesem gelungenen Einsatz für Presse- und Meinungsfreiheit, Herr Jebsen, Herr Augstein!^^

Wobei ich mühelos verstehen kann, daß der Augstein kein Interesse an einer Anwaltskanzlei mit angeschlossenem Zeitungsbetrieb hat.

Und der Jebsen hat durch seine Weise der wundersamen Geldvermehrung jetzt eben eine Reihe Reblogs zum KenFM-Video „Zionistischer Rassismus“ mehr, mit besten Grüßen von Barbara Streisand. Hier auch noch einmal das wortgetreue Transskript des Videos, mein Blog beim Freitag/hier/Reblogs ist ja nur ein Teiltransskript.


Nun weiß ich aber immer noch nicht, was an meiner Sichtweise einer intriganten Einflußnahme durch den sauberen Herrn Broder auf den rbb und des wenig fairen Rauswurfes von Ken Jebsen gegen journalistische Spielregeln verstoßen hätte. Was daran unter Verleumdung oder Lüge fallen könnte, unter „vorsätzlich Dinge … behauptet, die nachweislich nicht stimmen“ und „absichtlich falsch behauptet„. Wo genau ich geschrieben hätte, Jebsen sei „wegen antisemitischer Äußerungen beim RBB geflogen„.

Hä?

Ken Jebsen kann froh sein, daß ich nicht so drauf bin wie er. Andernfalls müßte ich ihn spätestens jetzt anzeigen, wegen übler Nachrede, Verleumdung, Beleidigung – suchen Sie sich was aus.

Denn: Ken Jebsen „behauptet vorsätzlich Dinge über mich, die nachweislich nicht stimmen.“

Zu seinem Rauswurf aus dem rbb schrieb ich, u.a. in „Kritisch. Mutig. Meinungsstark. Der Freitag“:

Das KenFM-Video ‚Zionistischer Rassismus‘ entstand im April 2012, nach Ken Jebsens Rauswurf aus dem rbb im November 2011, nach 10 Jahren KenFM. Ein Hörer hatte sich über Jebsens Inhalte beschwert und eine daraufhin von Jebsen erhaltene Email Henryk M. Broder zugespielt, der sie prompt bei ach gut veröffentlichte. Der rbb ließ die nächste Sendung ausfallen, setzte Jebsen ‚on probation‘ und warf ihn nach einer weiteren Sendung raus. So weit, so unfair.

Anlaß des Videos war der Text von Günter Grass, der eine Medien-Kampagne erster Ordnung nach sich zog (wegen der ich zwei Beschwerden über Josef Joffes Schmähkritik gegen Grass führte, vom Presserat aber als ‚offensichtlich unbegründet‘ abgewiesen).

Da Ken Jebsen und weitere querfrontlerische *Lichtgestalten* derzeit (meint: im Frühjahr 2014, dvw) die Montags- und Friedensdemonstrationen zu übernehmen versuchen und deren Anhänger die FC überlaufen und mit ihrem Sendungsbewußtsein behelligen, sollte schon jede/r hier wissen, welches Maß an tradiert antisemitischen Stereotypen á la ‚Jüdischer Weltverschwörung‘ und ‚Weltfinanzjudentum‘, an journalistischer Unredlichkeit und Falschbehauptung bei Ken Jebsen mitgekauft wird.


Von Der Freitag wurde mir inhaltlich nie begründet, warum meine Sicht auf Jebsens Rauswurf aus dem rbb, warum 197 Kommentare dauerhaft und ohne jede Anmerkung gelöscht werden mußten. Jebsens Anwaltskanzlei gibt aber vielleicht nur gelegentlich „Ken Jebsen“ bei Google ein und verschickt dann pauschal Abmahnungen und Unterlassungserklärungen. Und dazu wollte man mal Anwalt werden? Hmnuja, auch dazu habe ich eine Meinung. Ebenso zu Medien, die vor Jebsens Anwälten einknicken und ihre Blogosphäre mißachten.

Und nein, reden möchte ich mit Herrn Jebsen *inzwischen* sicher nicht mehr. Wer u.a. mir das Maul stopfen läßt, das „super“ findet, weil es „Geld bringt“ und dann noch Unsinn wie im obigen Interview behauptet, och nö…

Legitim“ ist in meinem Moralkosmos etwas anderes als die Unveröffentlichung von O-Tönen, vom daraus gewonnenen Eindruck des politischen Aktivismus und der daran krankenden journalistischen Arbeit. Bedauerlicherweise ist es aber *legal*, daß einer wie der Jebsen ihm nicht genehme Berichterstattung über seine O-Töne und sein Verhalten mittels teurer Unterlassungserklärungen unterbinden kann.

Ken Jebsen scheint sich nicht bewußt zu sein, daß er auf diese Weise zu seinem größten Feind geworden ist. Durch strafbewehrte Zensurerzwingungen wird er weder journalistische Reputation gewinnen noch genügt er seinen eigenen Ansprüchen. Aus dem Messen mit mehrerlei Maß wird kein Journalismus, daraus entstehen allenfalls Glaubensbotschaften. Jebsen wirkt weit eher als Missionar als wie ein Journalist.

Und: der Mann hat offenkundig keine Größe. Andernfalls würde er sich förmlich von den Antisemitismen in „Zionistischer Rassismus“ distanzieren, statt das Video nur „privat“ zu schalten, bei Pedram Shayar nach Verständnis/Entschuldigung zu suchen (ab Minute 36.50) und knapp zwei Jahre später immer noch jeden einen Kopf kürzer machen zu lassen, der das Video/sein Verhalten thematisiert hat. Er würde womöglich gar eine Gegendarstellung zu den gegen u.a. mich vorgebrachten Verleumdungen veröffentlichen.

Denn: auch Ken Jebsen ist fehlbar. Nur scheint er sich das selbst nicht zu glauben.


Abschließend: ich bin Bloggerin, keine Journalistin, keine „Autorin des Freitag„. Ich halte mich nichtsdestotrotz an den Pressekodex.

Falls sich aber jetzt noch jemand fragen sollte, warum ich niemalsnienicht unter bürgerlichem Namen schreibe und warum ich inzwischen die Bloggerei außerhalb der Reichweite von Jebsen und seiner geldgenerierenden Anwaltskanzlei vorziehe: siehe oben.

Foto: Ken Jebsen, Screenshot bei der jungen Freiheit, beschnitten.


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14 Gedanken zu „„Und das ist super, das bringt jedes Mal Geld.“

  1. So ist das mit vielen dieser Menschen, die „Lügenpresse“ schreien und behaupten, die „Wahrheit“ gepachtet zu haben. Sie selber wollen weder Kritik, noch ertragen sie es in anderer Form auch die Meinung des anderen gelten zu lassen. Herhalten muss dann der Rechtsstaat, der nur solange rechtlich „gut“ ist, solange er die eigenen Interessen vertritt. Leider, leider fällt den blinden Anhängern Jebsens und der anderen Querfronler nicht auf, wie bigott ihre Idole sind. Die großen „Wahrheitsverkünder“ ertragen die Wahrheit nicht.

  2. Guten Abend, Dame von Welt,

    Ken Jebsen hatte bereits unmittelbar nach Veröffentlichung Ihres Blogs bei freitag.de Kenntnis von dessen Inhalt.

    Beleg: https://twitter.com/teamkenfm/status/464386869334401024

    so wie man im Team Jebsen generell das Netz und auch den Freitag wohl nach dem zu crawlen pflegte/pflegt, was den netten Herrn Jebsen angeht, z.B. Beleg: https://www.facebook.com/KenFM.de/posts/10153908090235515.

    Vorsorgliche Anmerkung: Diese und ähnliche Äußerungen aus dem Netz aus der Hand von Ken Jebsen bzw. seines Teams habe ich beweisfest gespeichert.

    Halten wir fest: Kenntnisnahme und trotz leichter Ironie eine positive Bewertung Ihres Beitrags! Warum Herr Jebsen es sich zwei Jahre später anders überlegt hat, weiß der Himmel. Ich habe dazu nur eine Ahnung, die nichts zur Sache tut. Und warum der Verlag von freitag.de an der Stelle eingeknickt ist, kann ich ebenfalls nur vermuten: Dort hatte man vielleicht das Netz nicht so im Blick, wie Sie, ich und ein paar andere.

    Gerichtlich wäre die Begehrlichkeit von Herrn Jebsen jedenfalls gnadenlos untergegangen. Wer sich über ein Stück positiv äußert und es sich zwei Jahre später anders überlegt, hat -so die betreffende juristische Begründung- einen etwaigen Anspruch auf Unterlassung verwirkt und kein Rechtsschutzbedürfnis.

    Zur Klarstellung: Wer veröffentlicht und damit seine Gedankenwelt preisgibt, ist nicht mehr in Intim- oder Privatsphäre tangiert, sondern grundsätzlich nur in Bezug auf ihre/seine Öffentlichkeitssphäre. Grenze ist dann die sogenannte Schmähkritik. Wer sachlich begründete Meinungsäußerung wie Sie, Dame von Welt, abgibt, schmäht nicht, sondern übt die Kritik, die die grundgesetzliche Freiheit der Meinungsäußerung gerade mit Blick auf die Erfahrungen Deutschlands in Diktaturen und deren Gleichschaltungen garantiert und schützt.

    Ich rate jeder Leserin und jedem Leser an, in dem Zusammenhang das Kontrastprogramm von Michael Bittner unter http://michaelbittner.info/2014/05/08/ken-jebsen-oder-wahnsinn-mit-methode/ zur Kenntnis zu nehmen. Es ist nicht bekannt, dass Herr Jebsen dieser gegen ihn vorgetragenen, regel(ge)rechten Philippika auch nur im Ansatz entgegen getreten wäre, von seinen Anwälten ganz zu schweigen. Frage: Weil das eben Bittner ist und nicht nur eine anonyme Bloggerin in den Weiten des Netzes? Nun ja …

    Ich bringe den letzten, dafür etwas längeren Hinweis unter. In den USA ist es, trotz unterschiedlicher Gesetzgebungen und Verfahrensweisen in den diversen Bundesstaaten, state of the art, derartige Unterlassungsbegehren netzaffin anders zu behandeln als zuvor im Papier.
    Das Beispiel, das sich jede(r) ansehen kann, ist das des bekannten linksliberalen Magazins Mother Jones (MoJo), das einem den Republikanern sehr zugewandten Unternehmer attestiert hatte, sein Unternehmen als Pyramidenspiel aufgezogen zu haben, http://www.motherjones.com/politics/2012/02/mitt-romney-melaleuca-frank-vandersloot.

    In einigen, sehr nebensächlichen Punkten erhielt der Unternehmer vor Gericht recht. Folge war aber, dass nicht der gesamte Artikel zurückgenommen werden musste oder die erfolgreich angefochtenen (nebensächlichen!) Passagen vom Netz genommen wurden. Sondern sie wurden mit jeweils korrigierenden Fußnoten versehen, so dass die Versionen (!) für jede und jeden lesbar bleiben. Die Zusammenfassung des Geschehens konnte MoJo entsprechend publizieren als „We won“, http://www.motherjones.com/media/2015/10/mother-jones-vandersloot-melaleuca-lawsuit. Davon -oder vom Gegenteil- kann sich das Publikum anhand der Versionen (!) überzeugen.

    Einen solchen besseren Zustand, da das Ergebnis tatsächlich auf das Auge der BetrachterInnen zurückgeworfen ist, kann man sich hierzulande nur erträumen. Aber das Beispiel schärft das Problembewusstsein. Was, und zwar: genau wäre eine falsche Tatsachenbehauptung? Und was wäre, abermals: genau eine Schmähung?

    Dass im Ergebnis, wie im Fall des amerikanischen Millionärs, nur die Nebensächlichkeit relevant geworden ist, wie und unter welcher Überschrift Ken Jebsen und der rbb sich getrennt haben, illustriert das: Die Version Ihres Blogs bei freitag.de ist inhaltlich die Gleiche geblieben, geändert wurde (neben den Kommentaren Dritter) nur Ihre Info-Box zur Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses Jebsen/rbb. Dabei haben Sie nichts anderes getan, als das abzubilden, was seit mittlerweile 5 Jahren bei rbb-online (http://presseservice.rbb-online.de/suche/suchergebnisse.phtml?Suchbegriff=jebsen&submit) unwidersprochen steht: rbb hat sich von Jebsen getrennt. So etwas nennt sich Kündigung.

    Meines Erachtens ist das, wie im Fall des amerikanisches Millionärs und Republikaners, eine Nebensache. Schwerer wiegt, ob und inwieweit Herr Jebsen antisemitische (und damit weitergehend: rassistische) Klischees und Bilder verbreitet. Gegen Ihre schlüssigen Argumente hat er keine sachliche Stellungnahme erbracht, sondern nur pseudojuristisches Geschwätz Ihnen gegenüber und seine Anwälte im Verhältnis zu freitag.de wegen seines Verhältnisses zum rbb.

    Das ist nicht nur dünn, das ist dumm. Denn diese Verhaltensweise rechnet damit, dass Leserinnen und Leser samt ihrer schreibenden Pendants kein Gedächtnis hätten. Und keine Sachkenntnis.

    Sie haben es. Und gelegentlich halten sie das sogar fest.

    Beste Grüße, MS

    • Das ist nicht nur dünn, das ist dumm.

      Genau das ist, was mich an Jebsens heutigem Verhalten auch so befremdet. Ich habe KenFM zu rbb-Zeiten eigentlich ganz gern gehört (es geht die Rede, daß Jebsen dort deswegen so lange freie Hand hatte, weil sich keiner der Radio-Doyens am Sonntag vors Gerät bemühte) fand seinen Rauswurf unfair und bedauerlich, da ich aus der Sendung so manches Thema zur weiteren Vertiefung mitgenommen hatte. Von meinem Befremden an den immer wieder erfolgreichen Broder-Fehden mal ganz zu schweigen, zwischen Broder und Jebsen scheint das Testosteron nicht nur zu fließen, sondern zwischenzeitlich Niagarafallstärke zu erreichen.

      Das besagte Video befremdete mich schon 2012 sehr, denn ich halte es – neben der Abscheu vor einer in blanken Antisemitismus entglittenen „Israelkritik“ – für überaus dumm, einem Berufsprovokateur wie Broder so auf den Leim zu kriechen und mit Hilfe von blinder Wut und antisemitischen Stereotypen auf die eigene journalistische Reputation zu scheißen.

      Jebsen hat damit die Boote verbrannt. Es mag ja gut möglich sein, daß er das inzwischen sehr bereut und die anwaltsgestützten Zensurversuche eigentlich der Rückgewinnung seiner Reputation dienen sollen. Nur: auch das wäre überaus dumm, denn das Internet vergißt nichts, sondern es bekommt fleißig Kinder. Ich weiß von mehr als 10 Vollzitaten meines Blogs seit dessen vorübergehender Löschung beim Freitag, es könnten aber inzwischen auch leicht mehr sein, da der Titel nicht immer übernommen wird.

      Mich ärgerte schon 2012 Jebsens Vereinnahmung jüdischer Kritiker an israelischer Politik für sein untaugliches Wortgewitter und mich schreckte dann im Frühjahr 2014 die kritiklose Anhimmelung Jebsens durch die Montagswahnmacher auf. Deswegen hatte ich das Video ja überhaupt verschriftlicht: damit jede/r wissen kann, was bei Jebsen mitgekauft wird und das ist als geschriebenes Wort nachhaltiger als beim gesprochenen. Aber inzwischen ist Jebsen mit seiner Volksrede in Plauen und mit seiner sehr speziellen Art der Geldvermehrung ja ohnehin einen großen Schritt weiter^^

      Bißchen schade daran ist, daß der Jebsen so dermaßen unter seinen intellektuellen Möglichkeiten bleibt, denn ich halte ihn für alles andere als dumm. Er scheint sich aber eher von seinen jeweiligen Emotionen als seinem Intellekt steuern zu lassen und er scheint mit wenig zufrieden zu sein, nämlich dem Applaus seiner buntigen Fangemeinde.

      Vielen Dank für Ihre Ergänzungen, besonders auch für die juristischen. Befremdlich ist ja auch, daß Der Freitag ganz offenbar juristisch sehr schlecht beraten wurde und daß beim Freitag das einzige Alleinstellungsmerkmal – Freitagscommunity/Blogosphäre – so mißachtet und geringgeschätzt wird, daß Jebsens Twitter-Reaktion auf meinen Blog unberücksichtigt blieb.

      Der Freitag und Ken Jebsen, weg mit Schaden! Beide Topics hängt mir kilometerweit aus dem Hals, ich möchte darüber gar nicht mehr bloggen. Dieser Blog dient primär notwendiger Richtigstellung, denn die beiden Journalisten von Planet Interview haben es Jebsen unwidersprochen durchgehen lassen, als er behauptete, ich hätte ihn „verleumdet“ und seinen Rauswurf aus dem rbb „antisemitischen Äußerungen“ zugeschrieben. WTF?

      So tapfer das Interview auch geführt wurde, aber ein ganz klein bißchen mehr Vorbereitung hätte nicht geschadet. Ich hätte es eigentlich auch begrüßt, wenn ich nicht nur verhandelt, sondern vorab kontaktiert worden wäre – ich hätte Adrian Arab und Jakob Buhre eine Menge Material zur Verfügung stellen können. Hmnuja…

      Wie schon gesagt, danke für Ihre Ergänzungen und auch für das sehr freundliche feedback…;-)…
      dvw

  3. Cool, du bist ja schon richtig berühmt :-) Ich schätze mal, die Anwälte von Jebsen haben sich auch meine Artikel durchgelesen. Und haben offenbar nichts gefunden.

    Aber ernsthaft: Es ist traurig, dass man sich von solch einem üblen Demagogen drangsalieren lassen muss. Dass dieser Typ auf dem Ticket des Rechtsstaates sein Unwesen treiben darf. Irgendwas scheint da schiefzulaufen.

    • Ich schätze mal, die Anwälte von Jebsen haben sich auch meine Artikel durchgelesen. Und haben offenbar nichts gefunden.

      Hmnuja, die Nichtabmahnerei erkläre ich mir eher über WordPress und deren Sitz in den USA, Grüße…;-)…

      • Na, dann freu ich mich doch, dass ich hinterm Vorhang sitze. Ich habe allerdings schon ein paarmal Mails von Rechtsanwälten bekommen, die die Löschung von Artikeln forderten. Ich habe das bislang immer gemacht, einfach, weil es mir den Streit nicht wert ist. Erst kürzlich bekam ich eine Mail von der Rechtsanwältin eines deutschen Bauunternehmers, der zu den 200 reichsten Deutschen gehört. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass ich nichts strafrechtlich Relevantes geschrieben hatte, aber ich löscheden Artikel dann klaglos. Man sollte nicht meinen, dass so ein reicher Kamerad nicht doch die besseren Karten hat.

        • Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass ich nichts strafrechtlich Relevantes geschrieben hatte, aber ich lösche den Artikel dann klaglos.

          Steht das nicht in einigem Widerspruch zu:

          Aber bleiben Sie dran! Dass Jebsen da so eingreifen kann, ist unglaublich. Und die Hierarchien, dass Sie da nicht durchdringen, ist ebenso unmöglich. Augstein als Kaiser.

          Ich finde nur, wenn ich das pr-technisch sagen darf, dass Ihr Anliegen besser ins Auge springen muss. Überschrift: „Kontrolliert der Antisemit Ken Jebsen den Freitag?“

          Danach in drei klaren Sätzen das Geschehene berichten. Das wird dann auch mehr verlinkt. … Das, was Sie gerade in Ihrer Antwort geschrieben haben, muss in den Artikel ganz obenrein. … Gehen Sie mit dieser story doch mal an die Öffentlichkeit! … Das ist eine prima Geschichte, Mann!

          und zu weiteren Ihrer Ratschläge zum Thema?

  4. Sie haben Jebsens Rede transkribiert und sachliche Kommentare dazu verfasst. Aber selbst da hat der freitag gekniffen. Kneifen tu also nicht nur ich.

    Ich meinte, dass man alles mögliche schreiben sollte, aber ich zumindest in den wenigen Fällen von Klageandrohung zurückziehe. Das ist einfach eine nüchterne Betrachtung von Machtverhältnissen und der Beziehung von Aufwand und Ertrag. 99.9 Prozent dessen, was ich schreibe, bleibt ja stehen.

    Der besagte Artikel über den Bauunternehmer war schon einige Jahre alt, als er ihn entdeckte. Der hatte seine Schuldigkeit getan.

  5. Hach…

    Die taz darf auch zukünftig schreiben: „Auch Ken Jebsen, nach antisemitischen Äußerungen beim Sender rbb rausgeflogen […]“. Das hat am 10.11.2016 das Oberlandesgericht Köln entschieden. ….

    Auch Ken Jebsen, nach antisemitischen Äußerungen beim Sender RBB rausgeflogen, deklamiert sich immer wieder als frei von rechtem Gedankengut. Doch am 16. Februar bestritt er beim Interview mit dem Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Willy Wimmer die „Alleinschuld der Deutschen für den Ersten Weltkrieg, für den Zweiten sowieso“. Kurz darauf verlinkte er einen Text der Israelgegnerin Evelyn Hecht-Galinski, Titel: „Nicht die Kippa ist das Problem, sondern der Kopf darunter!“

    Auf Antrag von Jebsen verbot das Landgericht Köln der taz zunächst die unterstrichene Äußerung. In dem sich anschließenden Klageverfahren argumentierte die taz, dass sie die Äußerungen von Ken Jebsen zulässig als antisemitisch bewerten durfte und dass der in der Formulierung liegende zeitliche und kausale Zusammenhang zwischen Beendigung der Moderatorentätigkeit und der als antisemitisch bewerteten Äußerung wahr sei. Das Landgericht Köln schloß sich schließlich dieser Argumentation dem an. Das OLG, das Jebsen daraufhin angerufen hatte, teilte in einer mündlichen Erörterung der Sache am 10.11.2016 mit, dass die taz die Äußerungen von Jebsen als antisemitisch bewerten durfte.

    Jebsen selbst hat zwischenzeitlich sein Ausscheiden aus dem rbb mit „rausflog“ beschrieben. Ken Jebsen, der gegen verschiedene vergleichbare Äußerungen in der Vergangenheit erfolgreich vorgegangen war, nahm daraufhin seine Berufung zurück.

    Vielendankeschön, liebe Schachnerin, das wäre mir ohne Sie entgangen!

  6. Der Freitag hat den Artikel „Die Bosse mögens deutsch“ von Petra Renzi gelöscht, weil ein italienischer Geschäftsmann, der in dem Artikel mit Namen genannt wird, dagegen erfolgreich geklagt hat.
    „Wir sind als Zeitung darauf angewiesen, uns auf die korrekte Arbeit unserer Autoren zu verlassen. Wenn wir unwissentlich Behauptungen drucken, die sich als nicht haltbar erweisen, müssen wir die Zusicherung geben, solche Behauptungen nicht zu wiederholen. Das ist in der deutschen Medienlandschaft die übliche Praxis und gerade in Zeiten, die von den Stichworten ‚Fake News‘ und ‚Lügenpresse‘ geprägt sind, richtig und wichtig.“ Auf den Vorwurf der fehlenden rechtlichen Unterstützung angesprochen, sagte er: „Redaktionen sind keine Rechtschutzversicherung für mangelhafte Recherche.“
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wie-der-freitag-zu-seiner-autorin-petra-reski-steht-14951361.html

    • Ich kotze!

      Damit übernimmt Augstein nicht nur ungeprüft die Entscheidung aus Leipzig, sondern diskreditiert auch die zuvor von der Zeitung geschätzte Autorin und teilt mit, was eine freie Mitarbeit beim „Freitag“ bedeuten und kosten kann. Für Petra Reski mag diese Erfahrung ein Argument mehr sein, statt investigativer Artikel und Sachbücher besser Romane über die Mafia zu schreiben. Im August erscheint bei Hoffmann und Campe ihr dritter Roman über die Mafia-Ermittlerin Serena Vitale „Bei aller Liebe“.

      Gute Gründe dafür, das Genre zu wechseln, gibt es für sie schon länger: Angefangen mit jener Begebenheit 2008 in Erfurt, als bei ihrer Lesung ein elegant gekleideter Italiener aufstand, die Kläger gegen ihr Buch „Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ verteidigte und die Autorin ironisch zu ihrem Mut beglückwünschte. „Der Unterlassungsantrag an meine Adresse in Venedig“, so berichtet sie, „enthielt einen Zusatz auf das Stockwerk, obwohl ich das nie angebe. Das kriegt nur raus, wer vor der Wohnungstür gestanden hat.“

      Petra Reski weiß, was ihr damit mitgeteilt wird.

      Ich las auch gerade was, das mir den Augstein immer und immer widerlicher werden läßt: Unsere Heimat, beispielhafte Zitate:

      Zum würdigen Leben gehört mehr als nur soziale Gerechtigkeit. Eine andere Bedingung ist die Identität. Die soziale Gerechtigkeit muss gegen Kapital und Konzerne errungen werden – aber die Identität gegen die Migration. … Migranten sind Konkurrenten um Wohnraum und Arbeitsplätze. Und sie sind zusätzlich Konkurrenten im Lebensstil. … Denn in den Migrantenklassen, in den Migrantenbezirken wachsen die Probleme von morgen heran. Jeder weiß das. … Und wer bei den Linken das Thema mit der großen Geste des guten Gewissens vom Tisch wischen will, überlege noch diesen Satz des Flüchtlings und KZ-Überlebenden Amery: „Man muss Heimat haben, um sie nicht nötig zu haben.“

      Leo Fischer, nd: Nationaler Sozialismus

      Papier errötet nicht und Pixel platzen nicht vor Scham, aber immerhin kann man im Takt der Kommata mit dem Kopf auf den Tisch hauen, so hohl, so bigott dröhnt es da aus dem Kolumnistenmund. Das würdige Leben, so Augsteins Gleichung, kommt nicht ohne Heimatschutz aus, und die Glatzen von Dortmund bis Anklam, die »Heimatschutz« als Lynchsport pflegen, nicken anerkennend. Den Quell der Sorgen, das gierige Ausländermaul, wollen sie ja auch stopfen, und ihre wie Augsteins Solidarität gehört natürlich ausschließlich der arbeitenden Bevölkerung, nicht jedoch unnützen Essern wie etwa Alten, Kranken und denjenigen, die schlussendlich an der Tatsache verrückt wurden, dass jemand wie Augstein seinen national-sozialen Mist unwidersprochen als »links« verhökert.

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