Lala: Hindi Zahra

Ton- und Bildqualität der Videos sind nicht exzellent, aber ich habe diese Versionen von Imik Si Mik und Stand up so gern. Beides ist nochmal auf Handmade zu hören, die unter meinen 50 Lieblingsplatten einen immerwährenden Platz hat. Homeland ist musikalisch noch nicht mal ein bißchen schlechter, aber beim Musike-Lieben spielen ja die mit der Musik verbundenen Erlebnisse eine große Rolle und dafür kenne ich die 2015 erschienene Platte nicht lange genug oder habe in letzter Zeit einfach zu wenig Erlebnisse.

Mehr live, Hindi Zahra ist toll auf der Bühne:


 

Aus einem Artikel von Thorsten Bednarz, dradio:

Nein, es ist keine Weltmusik, auch wenn die verschiedensten globalen Einflüsse auf diesem neuen Album Homeland klar vor uns liegen. … Von Song zu Song stellt uns Hindi Zahra immer wieder neue Einflüsse vor, verschiebt Perspektiven. Etwas, was sie schon in ihrer frühen musikalischen Kindheit in Marokko gelernt zu haben scheint.

Wir lebten wie ein eigener Stamm – alle Generationen unter einem Dach. So hörte ich auch die Musik verschiedener Generationen: meine Großmutter hörte die traditionelle Musik, meine Mutter hörte die Beatles, aber auch ägyptische und indische Musik. Und meine Onkels, die hörten psychedelische Musik und Reggae. Sie waren die Hippies bei uns. Ich hörte also all diese Musiken und ihre ganzen Mischformen …

Vor fünf Jahren erschien Hindi Zahras Debütalbum, es folgten Tourneen und ein Kinofilm mit Fatih Akin. Trotzdem ist der Abstand ungewöhnlich lang. Man könnte beinahe meinen, dieses zweite Album sei das erste Comeback. Doch das weist die Sängerin weit von sich.

„Wenn Du zwei Jahre lang auf Tour bist, dann reagiert dein Körper nicht mehr so, wie er soll. Ich wollte mich irgendwo niederlassen, meine Ruhe finden und meinen Körper wieder spüren. Diese angespannte Energie der Tour sollte weichen. Erst dann konnte ich mit meinem Produzenten an der Idee meines neuen Albums arbeiten.

Aber ich muss Dir auch sagen – ich kann nicht einfach so eine neue Geschichte für meine Lieder in einem Jahr finden. Ich musste erst einmal mein altes Reisegepäck loswerden und mit neuen Informationen wieder füllen, um daraus wirklich neue Songs zu machen. Es brauchte ganz einfach diese Zeit und ich wollte das respektieren, um dieses neue Album produzieren zu können.“

Das hört man dem Album an, es strahlt eine tiefe Ruhe aus. Und eine angenehme Leichtigkeit, so als wollte Hindi Zahra allen Vergleichen mit anderen Kolleginnen oder gar einen Wettstreit mit ihnen aus dem Wege gehen.

„Deswegen arbeite ich ja nicht im Studio. Ich schreibe und nehme Zuhause auf und nur das, was ich dort nicht machen kann, mache ich im Studio. Ich versuche das möglichst zu minimieren, denn im Studio hast du ständig die Zeit im Nacken, da herrscht das Regime der Uhr!“

„Vom ersten Album waren viele Marokkaner enttäuscht, weil es da nur einen Song in Berber gab, meiner alten Sprache. Sie wollten mehr davon hören. Aber ich möchte meine Zuhörer in kleinen Schritten in meine Welt einführen. Also schreibe ich nur einen oder zwei Songs in Amasir. Und hier ist es jetzt dieses Lied To the forces, das meine Herkunft ins Spiel bringt. Hier hören wir einen Rhythmus meines Stammes aus Mauretanien, wie er dort von den Tuareg gespielt wird. Aber ich bin viel mehr als nur das! Ich möchte hinausgehen und viel mehr und andere Musik entdecken. Da gehe ich auch nach Südamerika, Indien und in den Nahen Osten.“


 

laut.de:

Woher die Wurzeln von Hindi Zahras Musik stammen, lässt sich schwer sagen. Fest steht, dass sie afrikanische und europäische Einflüsse, Chanson, Folk, Hip Hop und Soul zu einer Einheit vermischt, die schon auf ihrem Debüt „Handmade“ (2010) für großes Interesse sorgt. Kein Wunder also, dass die Platte auf dem ehrwürdigen Jazz-Label Blue Note erscheint.

1979 kommt sie als Zahra Hindi in marokkanischen Khouribga als Tochter eines Militärs und einer lokalen Tänzerin auf der Welt. Dort wächst sie auf, bis sie ihrem 1993 Vater nach Paris folgt. Mit 18 verlässt sie die Schule und heuert im Louvre an. „Das war mein großes Treffen mit der Kunst. Als Kind war ich nachdenklich und eng mit der Natur verbunden. Die Gemälde haben bei mir ganz ähnliche Empfindungen ausgelöst„, erinnert sie sich.

Doch sie beschäftigt sich auch mit Musik. Zu ihren größten Einflüsse zählt sie Aretha Franklin, James Brown, Tupac Shakur und A Tribe Called Quest. Erste Erfahrungen sammelt sie als Background-Sängerin in Hip Hop und Soul-Bands. „Bald hatte ich die Nase voll von Computern und Loops, aber wenigstens habe ich dabei gelernt, was ich machen wollte„.

Giuliano Benassi in der Rezension von Handmade:

Eines kann man ihr aber bestimmt nicht unterstellen: Fantasielosigkeit und Mangel an Originalität. Andere hätten aus den verschiedenen Stimmungen eine halbe Karriere bestritten.

Über Homeland schreibt er:

Bei solch einem hochwertigen Ergebnis darf sich Hindi Zahra bis zum nächsten Album ruhig wieder fünf Jahre Zeit lassen.

Hoffentlich vergeht nicht ganz so viel Zeit und hoffentlich spielt sie auch bittebitte bald noch einmal in Berlin, nachdem ich sie im vergangenen November und gerade im Juni verpasst habe, grmpf… im kommenden November gastiert Hindi Zahra in Zürich (3.11.) und Lissabon (5.11) und an x Orten in Frankreich.


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3 Gedanken zu „Lala: Hindi Zahra

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