Choices

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Screenshot bei Twitter, Karikatur: Khalid Albaih

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8 Gedanken zu „Choices

  1. Aktivisten der Gruppe Aleppo Media Center (AMC) haben ein Video dieses Vorfalls veröffentlicht, es wurde demnach im syrischen Aleppo aufgenommen. …

    Ein Korrespondent des britischen „Telegraph“, Raf Sanchez, berichtete, bei dem Jungen handle es sich um den fünfjährigen Omran Daqneesh. Er sei in dem Viertel Qaterji verletzt worden, gemeinsam mit vier anderen Kindern und drei Erwachsenen, schreibt Sanchez und beruft sich dabei auf Angaben von Ärzten. „Das ist jeder Tag, jede Stunde in Aleppo.“

    Auch der australische Sender ABC hat eigenen Angaben zufolge mit Ärzten in Aleppo gesprochen, die Aussagen über den Fall decken sich mit denen des „Telegraph“-Korrespondenten. Demnach entstanden die Bilder am späten Mittwochabend in einem von Rebellen besetzten Gebiet der Stadt Aleppo, kurz nach einem Luftangriff. Der Junge habe das Krankenhaus noch in der Nacht wieder verlassen können. Über den Verbleib seiner Eltern ist den Angaben zufolge bisher nichts bekannt.

    Der Bürgerkrieg in Syrien dauert bereits seit rund fünf Jahren, mehr als 400.000 Menschen sind dem Konflikt seit 2011 zum Opfer gefallen. Aleppo ist derzeit besonders umkämpft: Die zweitgrößten Stadt Syriens und einstige Wirtschaftsmetropole gleicht mittlerweile einem Trümmerfeld. „Nichts und niemand ist sicher“, hatte kürzlich der Präsident des Internationalen Roten Kreuzes gesagt.

  2. Cases like Omran’s are a daily sight in eastern Aleppo, several doctors said, but he was lucky in that he made it to a hospital that was still open.

    On Thursday morning, journalists from around the world were clamoring in an online chat group for more information about Omran and his family. But the doctors had moved on.

    They were handling yet another influx from a bombing in the morning, later posting new images. A boy lay on the floor, his legs missing. A woman in black put her hand to her mouth in anguish.

    Another boy lay on a gurney, soaked in blood, as a clinician worked on him. A few minutes later came another text message: The boy had died. His name was Ibrahim Hadiri, and there was a new photograph of his face, eyes closed. It is not likely to go viral.

  3. Not one single convoy in one month has reached any of the humanitarian besieged areas, not one single convoy,” Staffan de Mistura, who chairs the task force, told reporters. “And why? Because of one thing. Fighting.”

    For Mohammad, who treated Omran, the devastation of this latest attack is worsened by the knowledge that it will not be the last. “We have been living the daily reality of children and innocent civilians being killed for five years,” he said. “The dumb missiles and barrel bombs do not discriminate.“

  4. Der Bruder des syrischen Jungen Omran, dessen Bilder nach einem Luftangriff in Aleppo um die Welt gegangen waren, ist nach Angaben eines Fotografen der Szene gestorben. Der zehnjährige Ali sei am Samstag seinen Wunden im Bauchbereich erlegen, die er bei dem selben Angriff am Mittwochabend erlitten habe, sagte Mahmud Raslan der Deutschen Presse-Agentur. … Dem Fotografen zufolge war der Junge am Freitag nach einer Operation noch stabil. Sein Zustand habe sich am Samstag allerdings drastisch verschlechtert.

  5. Pingback: Choices — dame.von.welt | nz

  6. Süddeutsche: „Ich war geschockt vom Schock der Welt

    Zaher Sahloul ist ein syrisch-amerikanischer Arzt aus Chicago, der sich auf Intensivmedizin spezialisiert hat. Er gründete die Hilfsorganisation „American Relief Coalition for Syria“ und ist ehemaliger Präsident der „Syrian American Medical Society“, einer Stiftung, die humanitäre Hilfe für Syrien, vor allem auf dem Gebiet der Medizin, organisiert. Sahloul hat in den vergangenen Jahren in Aleppo und anderen Teilen Syrien als freiwilliger Arzt gearbeitet.

    Wo wurden Sie in Aleppo zuletzt eingesetzt?

    Wir arbeiteten in Aleppo im M10-Krankenhaus, demselben Krankenhaus, in dem auch Omran Daqneesh behandelt wurde, der verletzte Junge, dessen Foto weltweit Beachtung gefunden hat. Ich habe insgesamt sieben Kliniken in Aleppo besucht.

    Wie viele Kliniken in Aleppo sind derzeit noch in Betrieb?

    Das ist unklar. Nachdem wir die Stadt verlassen hatten, wurden mehrere der Krankenhäuser, die wir besucht haben, von Bomben getroffen und konnten nicht mehr weiterbetrieben werden. Ich glaube, es gibt noch vier Krankenhäuser, in denen noch gearbeitet wird. Nur weil die Krankenhäuser von Bomben getroffen wurden, bedeutet es nicht unbedingt, dass sie geschlossen werden. Oft werden die Patienten in einen intakten Teil des Gebäudes verlegt. Aber viel Fachpersonal ist nicht mehr in Aleppo: Es sind nur noch 35 Ärzte im Osten der Stadt übrig, die mehr als 300 000 Menschen versorgen müssen. Unter ihnen sind nur zwei Gynäkologen und eine einzige Ärztin.

    Wie hat sich die Arbeit der Kliniken durch den Krieg verändert?

    Viele Krankenhäuser sind jetzt komplett unterirdisch. Das M10-Krankenhaus war beispielsweise, als ich die ersten paar Male Syrien besuchte, noch ganz normal: Die Notaufnahme war im Erdgeschoss, die Patientenräume im ersten und zweiten Stock. Aber seitdem wurde M10 siebzehn Mal von Bomben getroffen. Inzwischen hat man alles unter die Erde verlegt, selbst die Schlafquartiere für die Ärzte und Schwestern. Das Gebäude darüber haben sie als zusätzlichen Schutz vor Bomben stehen lassen. Jedes Krankenhaus, das ich besucht habe, hatte ähnliche Pläne.

    Wie steht es um die Versorgung mit medizinischem Gerät und Medikamenten?

    Schlecht. Als ich in Aleppo war, gab es in der ganzen Stadt nur einen CT-Scanner, inzwischen ist der auch kaputt. Wir haben das Arzneimittel-Lager der Krankenhäuser bei der letzten Mission noch mit einem Vorrat für drei bis sechs Monate gefüllt. Doch nun ist der Verbrauch größer, weil es jeden Tag Bombenangriffe und somit mehr Verletzte gibt. Hilfsorganisationen wie die Syrian American Medical Society, für die ich in Syrien war, senden Medikamente und Geräte aus der Türkei nach Syrien und bilden Ärzte und Schwestern aus. Wir stellen Röntgengeräte, Ultraschall-Geräte und andere Maschinen bereit.

    Wie nah kam der Krieg zu Ihnen, als Sie sich in Aleppo aufhielten?

    Sehr nahe, in Aleppo ist es für jeden Menschen gleich gefährlich. Als ich in dem Krankenhaus gearbeitet habe, gab es alle paar Minuten eine riesige Explosion, die das komplette Gebäude erzittern ließ. Dann schaust du alle anderen an, und die Ärzte und Schwester arbeiten weiter, als wäre nichts passiert. Aber weil alle anderen so normal weitergemacht haben, hat man sich selbst auch relativ sicher gefühlt.

    Das klingt nach einem brutalen Alltag – und nach Abstumpfung.

    Die Menschen in Aleppo sind sehr hart im Nehmen – und sie wollen leben. Wenn es wieder einen Bombenangriff gab, dann kommen die Krankenwägen und Sanitäter, ziehen Opfer aus dem Schutt und bringen sie ins Krankenhaus. Die Menschen waschen dann das Blut von den Straßen, und nur wenige Stunden später öffnen die Geschäfte wieder. Die Bombenangriffe sind einfach Teil ihres Lebens geworden.

    Ich habe während meiner Zeit in Aleppo Märkte und Eiscafés besucht, mitten in der Nacht. Es war Ramadan – und die Menschen tendieren dazu, in dieser Zeit länger aufzubleiben. Man sieht Kinder durch die Straßen laufen und über Trümmer von zerstörten Häusern klettern. Es ist genauso wie in diesen postapokalyptischen Filmen.

    Welche Situationen, welche Patienten haben sich bei Ihnen im Kopf eingegraben?

    Bei meinem letzten Einsatz habe ich vor allem Opfer von Fassbomben gesehen. Da war zum Beispiel Ahmad, ein fünfjähriger Junge. Schrapnells haben sich bei ihm in den Nacken und in seine Brust eingebohrt und seine Wirbelsäule durchtrennt – er war deswegen vom Hals ab gelähmt. Seine Atmungsmuskeln waren auch gelähmt, deswegen mussten wir ihn an eine Beatmungsmaschine anschließen. Einen Tag nachdem ich Aleppo verlassen habe, ist er gestorben.

    Die traurigste Geschichte, die ich miterleben musste, war die der schwangeren 25-jährigen Fatima und ihrer Familie. Sie war in ihrem Haus mit ihren drei Kindern im Alter von neun, sieben und drei Jahren, als ihr Haus von zwei Fassbomben getroffen wurde. Das macht die syrische Armee häufig – sie werfen eine Bombe ab, warten, bis Helfer kommen, und werfen dann noch eine zweite Bombe ab, um so viel Tod und Zerstörung wie möglich zu erzielen. Fatimas ältestes und jüngstes Kind konnten nur noch tot geborgen werden. Das Kind, das sie in sich trug, hat sie auch verloren. Fatima hatte innere Blutungen und musste an lebenserhaltende Geräte angeschlossen werden. Auch ihr Mann wurde dabei verwundet. Nur eins ihrer Kinder hat überlebt – Mahmud, sieben Jahre alt.

    Sind Sie überrascht, dass ausgerechnet das Foto des kleinen Omran die Welt so geschockt hat?

    Ich war geschockt vom Schock der Welt. Bilder wie diese sehen wir jeden Tag. Natürlich ist das Bild und das Video des kleinen Omran wirklich herzzerreißend: Wie er überhaupt nicht weint, wie er das Blut an seinen Händen anschaut, wie er, wie jedes Kind, versucht, das Blut am Sitz abzuwischen.

    Aber, es gibt viele Bilder wie die von Omran. Und ich werde inzwischen wirklich zynisch – denn es gab auch schon andere Bilder von syrischen Kindern, die viral wurden. Das Bild vom toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi, die Bilder der verhungernden Kinder in Madaya, die Opfer des Sarin-Massakers in Ghouta, die Bilder der Flüchtlingskinder in Griechenland. Diese Bilder erregen für ein paar Tage Aufmerksamkeit, aber sie bewegen die Menschen nicht dazu, ihre Regierungen und Entscheidungsträger dazu zu drängen, Hilfe zu leisten. Was bringt dieser Ausbruch an Mitleid, wenn dann keine Taten folgen?

    Der Fotograf des ikonografischen Bildes rückte sich übrigens mit seinen Kontakten zur kinderköpfenden Zenki-Miliz in einen sehr unguten Kontext.

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