„nicht beeinträchtigt“

broder

Foto: Bernd Schwabe, Wikimedia Commons

Du fragst mich, ob ich in meiner „Lebensfreiheit und Lebenslust eingeschränkt“ werde „durch die Flüchtlinge in Berlin“. Ob ich „keine U-Bahn mehr betreten, in keinem Restaurant mehr essen, nicht mehr ungestört aus dem Hause gehen“ kann, „weil überall die Flüchtlinge sitzen, liegen, schreien, streiten“.

Weißt du, im Dritten Reich konnten die Menschen auch ganz normal leben, ohne einen Verlust an Lebensfreiheit und Lebensfreude, so lange sie nicht jüdisch, nicht schwul, keine Kommunisten, keine Zeugen Jehovas waren und den Blockwart immer höflich grüßten. So betrachtet, ist meine Lebensqualität bis jetzt nicht beeinträchtigt worden.

Broders Nazi-Flüchtlinge-Vergleich, am Tag der Befreiung bei Welt-online veröffentlicht, zieht bei mir Zorn-wise ungefähr gleich mit dem letzten Mal, zu dem ich ihn nicht nicht mal ignorieren konnte, aus dem Tagesspiegel am 24.7.2011:

Auf die Frage, ob er sich jetzt irgendwelche Sorgen mache, dass er nun weltweit in so einem Zusammenhang exponiert werde, antwortete Broder, der zurzeit in England ist: „Das einzige, worüber ich mir Sorgen mache, ist, woher ich Ersatzteile für meinen Morris Traveller aus dem Jahre 1971 bekomme. Sogar in England werden die Teile knapp.“

Kurz nachdem Tagesspiegel.de Henryk M. Broder mit den „Manifest“-Auszügen konfrontiert hatte, stellte der Publizist ebenjene Auszüge in den Blog „Achse des Guten“ ein.

In so einem Zusammenhang“ will sagen, daß Broders ausgeprägter Muslimhaß Anders Behring Breivik als Inspiration diente und Broders Texte Eingang in Breiviks „Manifest“ fanden.

Felix Werdermann, Der Freitag: Rechtsdenker. Im dunkeldeutschen Wald

Henryk M. Broder ist ein Moralist. Und wie mancher vor ihm ist er über die Welt verbittert. Das ist für ihn traurig, für seine Leser aber noch mehr. Denn der verbitterte Moralist kennt keine Grenzen, er haut auf alles und jeden ein. Im Springer-Verlag haust er nun in einem rechten Winkel und schimpft auf Moslems, Grüne und Linke. Noam Chomsky ist für ihn ein „absoluter Psycho“, das Urgestein der Friedensbewegung Horst-Eberhard Richter betreibt „Psychoanalyse auf Al-Kaida-Niveau“. Dann gibt es noch die „1,5 Milliarden Moslems in aller Welt, die chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen“.

Das für mich Unerträgliche an Broder ist die Vorhersehbarkeit seiner Reaktionen.

Ich verstehe nicht, wie das geht. Wie das geht, daß Broder seinen inzwischen kindisch anmutenden Trotz mit Haltung verwechseln und mit merklicher Lust Nazis füttern kann.

Dankbar war, bin und bleibe ich, daß er den wahren und klugen Satz von Zvi Rex in Deutschland prominent gemacht hat:

Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.

Und ich verzeihe Broder seine fortdauernde Nazi-Förderung nicht.

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6 Gedanken zu „„nicht beeinträchtigt“

  1. Nun ja, ich kann Broder auch nicht immer etwas abgewinnen. Er ist in den letzten Jahren auch zunehmend radikaler geworden (Die Achse des Guten war ja, allerspätestens seit Pirincci da seinen Unsinn verzapfen konnte, nicht mehr lesbar). Aber ich sehe das auch nicht ganz so radikal. Er hat auch schon kluge Sachen von sich gegeben und ich würde ihm viel unterstellen, aber „Nazi-Förderung“ sicher nicht.

  2. Ach je nun .. Christian Bommarius zog 2015 in der Frankfurter Rundschau die Verbindungslinien zwischen dem letzten Rest der „Achse des Guten“ und der AfD bzw. Pegida ziemlich deutlich: „An das deutsch-nationale Pöbel-Pack“.
    Mit etwas feinerer Klinge war da Alan Posener 2011 vorgegangen, der mit „Radfahrer, Juden und andere Sündenböcke“ nicht nur den Antiislamismus, sondern auch den Broderscher Prägung aufs Korn nahm: Als „Mem ‚Angst vor dem Fremden'“. Mag ein Grund sein, dass Broder in der Köppelisierung (WELT, Weltwoche) meint, seinen letzten Schutz gefunden zu haben, vor allem wenn Letztere „die Fremden“ im Cover so karikiert wie einst der Stürmer „die Juden“.
    http://www.watson.ch/imgdb/bfe6/Qx,B,293,333,352,447,798,451,319,180/4330222532567699
    Dann ist natürlich^^ jede Relativierung gestattet.

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