Rosen (und Dackel) auf den Weg gestreut

rosenunddackel
Hundsrose. Foto: W.J.Pilsak. Wikimedia Commons

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,

erschreckt sie nicht – sie sind so zart!

Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,

getreulich ihrer Eigenart!

Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:

Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!

 

Wenn sie in ihren Sälen hetzen,

sagt: »Ja und Amen – aber gern!

Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«

Und prügeln sie, so lobt den Herrn.

Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!

Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.

 

Und schießen sie –: du lieber Himmel,

schätzt ihr das Leben so hoch ein?

Das ist ein Pazifisten-Fimmel!

Wer möchte nicht gern Opfer sein?

Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,

gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …

 

Und verspürt ihr auch

in euerm Bauch

den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:

Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,

küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

 

Theobald Tiger, Die Weltbühne, 31.03.1931, Nr. 13, S. 452.


 

Presseerklärung der Polizei Leinfelden-Echterdingen: Bundesparteitag der AfD auf der Landesmesse Stuttgart – Meldung Nr. 2

Martin Heller, Die Welt:

Erste der rund 400 in den frühen Morgenstunden verhafteten Gegendemonstranten wurden nach etwa 9 Stunden in Polizeigewahrsam wieder freigelassen. Die Nummer des Ermittlungsausschuß: 0152/13072867

Leipziger Internetzeitung: Polizei gegen Presse: Mitteilung der vier festgenommenen Fotografen während der Dokumentation der Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag in Stuttgart

 


 

Extra 3 streut dem fleißig Dackel, eine Auswahl:

Hach…


 

Stuttgarter Zeitung und Rheinische Post unterhalten Liveblogs vom AfD-Bundesparteitag, das bislang einzige, tatsächlich erwähnenswerte Ergebnis (RP) um 15h42:

Die Mehrheit hat für die Auflösung der Saarland-AfD gestimmt. 51,9 Prozent stimmten dafür, 42 dagegen. 6,1 Prozent enthielten sich. Die letztendliche Entscheidung wird aber beim Schiedsgericht der Partei liegen.

Anmerkung von Julia Rathcke (RP), 18h46:

Liebe Leser, nein ich bin noch nicht eingeschlafen, allerdings gestaltet sich der wohl demokratischste Parteitag aller Zeiten einigermaßen zäh. Anträge um Anträge zur Änderung des Leitantrags werden vorgetragen. Ausgetragen werden die Diskussionen inhaltlich wohl erst morgen. Träge.

Lenz Jacobsen ca. 16h45:

Es ist jetzt nach 6 Stunden noch immer kein Satz zu den eigentlichen Programmanträgen gefallen. Aber wir sind sooo kurz davor.

Am Rande: Marcus Pretzell schließt sich der ENF-Fraktion im Europa Parlament an, der auch die Front National angehört.
Ein durchgängiger Livestream vom AfD-Bundesparteitag kam offenbar nicht zustande, Video trage ich ggbfs. nach.
Here we go: phoenix, Bundesparteitag AfD


 

Lese 30.4.

ZON, Lenz Jacobsen: Am letzten Tag ohne Programm
Spon, Severin Weiland: AfD verkauft sich als Anti-Establishment-Partei
nd: Tausende protestieren gegen AfD
Al Jazeera: 400 arrested at protest against AfD congress
ZON, Bernd Ulrich und Matthias Geis im Gespräch mit Alexander Gauland: „Hitler hat den Deutschen das Rückgrat gebrochen“
übermedien, Michalis Pantelouris: Der AfD-Mann vom „Focus“ und sein rassistisches Fanal

 


 

Lese 1.5.

indymedia: [LEAK] Über 2.000 Namen und Adressen von AfD-Mitgliedern vom Parteitag in Stuttgart 2016

Liveblog der Stuttgarter Zeitung:

Der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen gibt bekannt, dass die Namen und Adressen der Parteitagsteilnehmer von Linksradikalen gehackt und veröffentlicht worden sind. Es gebe deshalb große Unruhe. Die AfD will Strafanzeige stellen, sagt unser Redakteur Roland Pichler.

Auf dem AfD-Parteitag soll über Kultur diskutiert werden, doch alle reden über den Islam. Für viele Mitglieder scheint er tatsächlich die größte Bedrohung für Deutschland zu sein – gerade so, als habe das Land die letzten Jahre in einer Art Vor-Bürgerkriegszustand gelebt.

Der Sitzungsleiter will die Diskussionen abbrechen. Die Delegierten sollen an dieser Stelle das komplette Parteiprogramm akzeptieren. Doch die Delegierten stimmen dagegen. Die Diskussion über den Islam geht unvermindert weiter.

taz, Christina Schmidt: Ein brodelnder Kessel Braunes
nd, John Malamatinas: 13 Stunden Schikane, daraus:

Mein persönliches Fazit des Tages: Polizeiübergiffe gegen Gefangene, Minderjährige ohne jeglichen Rechtsschutz in Gewahrsam, Toilettengang, Wasser und Luft zum Atmen nur auf Gnadengesuch. Was bei der AfD noch autoritäre Sehnsüchte eines Rechtsaußen-Programms sein mögen, ist hierzulande teils längst Realität. Der autoritäre Staat schert sich nicht um Grundrechte, wenn diese ihm nicht in den Kram passen. Er legitimiert sein Vorgehen mit dreisten Lügen – und die veröffentlichte Meinung drückt in den meisten Fällen mehrheitlich beide Augen zu. Im Land der Maultaschenliebhaber, Fahrradfahrer und Abschiebefreunde liegen den Reaktionären von der AfD die Rosen bereits auf dem Weg.

bento, Felix Huesmann: Alte genervte Herren in Sakkos: So geht es auf dem AfD-Parteitag zu
Süddeutsche/dpa: Zentralrat der Juden: AfD verlässt Boden des Grundgesetzes
Guardian/Reuters: German far-right party calls for ban on minarets and burqa
Tagesschau: Moderate Töne werden ausgepfiffen, daraus:

Die Stimmung steigt noch mal und Jubel bricht aus, als der sächsische Generalsekretär Uwe Wurlitzer begeistert mitteilt, dass Rechtsradikale die Maikundgebung in Zwickau mit Justizminister Maas gestört haben. Gestern hatte die Partei noch die linke Gewalt verurteilt. Bei rechter Gewalt ist man offenbar großzügiger.

Selbst die FAZ titelt Die AfD will Deutschland einzäunen und Die AfD ist zurück im 19. Jahrhundert

 


 

Meanwhile auf dem SPD-Parteitag: Mann mit falschem Bart votiert gegen Michael Müller

 


 

Wäre das alles nicht so bitter, wär’s extrem komisch.

 


 

Der guten Ordnung halber: ich trage Aktualisierungen nach, ohne das jedes Mal extra zu erwähnen.

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4 Gedanken zu „Rosen (und Dackel) auf den Weg gestreut

  1. Was macht Sinn?
    Immer und immer wieder ganz klar sagen, was Sache ist. Deutlichst. Direkt. Klar.
    Rassistisch ist nogo.
    Diskriminierend ist nogo.
    Faschistisch ist nogo.
    Demokratie zu nutzen, um die Demokratie abzuschaffen ist evtl möglich, aber nogo.
    Die Schmierenkomödie aufzudecken: go for it.
    Jeden neuen Tag. Kraftvoll. Und laut. Deutlichst. Direkt. Klar.
    Gern auch satirisch, wenns trifft, wens trifft.
    Profiteure von was auch immer aufdecken. Direkt. Klar. Ohne Umschweife.
    Jetzt.
    Und Solidarität mit den weniger Mutigen, sie brauchen jede Stimme. Hier. Dort. Und jetzt.
    Demaskieren, wer eine Maske trägt. Deutlichst. Direkt. Klar.
    Und wieder von vorn, ohne Unterlass. Jetzt. Deutlichst. Direkt. Klar.

  2. Ein gewisser Kurt Tucholsky, seeeehr eng verbandelt mit Theobald Tiger (;)) schrieb dagegen:
    „Daß unsere Welt in Deutschland zu existieren aufgehört hat, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen. Und daher: Werde ich erst amal das Maul halten. Gegen einen Ozean pfeift man nicht an.“

    In diesem Sinne danke für das stete Anpfeifen. Und ein Bildchen noch dazu

    Grüßle, Diander

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