„The Policy Perspective“

thepolicyperspectivePostkarte, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Und ich dachte schon, mich könnte eigentlich nichts mehr schockieren an der australischen „Pacific Solution“. Hätte falscher kaum sein können.

Da ist der iranische Flüchtling, der sich anläßlich des Besuches von UNHCR-Vertretern auf Nauru selbst anzündete und heute verstarb, nachdem man ihn zunächst im örtlichen Krankenhaus nicht adäquat behandeln konnte und zu spät nach Australien brachte.

Und dann ist da die Frau aus Somalia, mit 16 an einen gewalttätigen Mann verheiratet, der sie später der Al-Shabaab-Miliz überließ, sie ist in Nauru interniert, sie ist anerkannter Flüchtling. Sie ist Epileptikerin und wurde während eines schweren Anfalls vergewaltigt. Sie ist schwanger, sie will eine Abtreibung.

5 verschiedene Ärzte, darunter ein Neurologe und ein Psychiater, haben sie unabhängig voneinander begutachtet und die Notwendigkeit einer sofortigen Abtreibung und ihre Verlegung dazu nach Australien festgestellt. Auch, weil die Schwangerschaft inzwischen jenseits der 12. Woche ist und sie operiert werden muß, wozu sie wegen ihrer Epilepsie und wegen der erlittenen posttraumatischen Belastungsstörung nach der Vergewaltigung (sie hat bereits einen Suizidversuch hinter sich) eine Versorgung benötigt, die weder auf Nauru noch in Papua-Neuguinea möglich ist.

Abtreibung ist auf Nauru verboten, ebenso in Papua-Neuguinea.

Die australischen Behörden haben sie dennoch nach Port Moresby (Papua-Neuguinea) gebracht, wo sie bisher nicht behandelt wurde, nachdem per Eilverfahren das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen in Papua-Neuguinea bekräftigt wurde. Papua-Neuguinea hat unabhängig davon vor 3 Tagen die Verfassungswidrigkeit des australischen Lagers auf Manus festgestellt.

Die australische Regierung interessiert das wenig: obwohl auf Schwangerschaftsabbruch in Papua-Neuguinea bis zu 7 Jahre Freiheitsentzug steht (und ein Paar deswegen im vergangenen Jahr zu jeweils 5 Jahren Gefängnis verurteilt wurde), halten die australischen Behörden die Wahrscheinlichkeit einer Anklage für vernachlässigbar.

David Nockels, stellvertretender Sekretär des Australian Border Force’s Detention Services Division, holte telefonischen Rat bei einem Gynäkologen, Geburtshelfer und Aktionär des Krankenhauses in Port Moresby ein, der ihm versicherte, den Eingriff vornehmen zu können, obwohl das Krankenhaus weder über eine Neurologie noch über psychologische Betreuung verfügt.

David Nockels:

„From a policy perspective in terms of bringing people back to Australia if there are other alternatives … we would pursue that. That’s why we have Nauru and Manus … that’s the policy perspective.“

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