Staatsversagen, die soundsovielte

lageso
Berlin. Hauptstadt eines der reichsten Länder der Welt. LaGeSo. Humanitäre Katastrophe.

Ich habe soeben Hausverbot im Landesamt für Gesundheit und Soziales bekommen“, schrieb die junge Frau. Und das nur, weil sie einem kleinen frierenden Jungen eine warme Ski-Hose anziehen wollte. Mit ihr hätten noch andere Helfer ein offizielles Hausverbot bekommen. „Die Begründung: Ich hätte mit dem kleinen Jungen auf die Straße gehen müssen. Im Vivantes-Zelt ist es verboten, Kindern Kleidung anzuziehen. Der Kleine sollte also raus in die Kälte, um sich dort umzuziehen – mitten auf der Straße.“

An dem Rauswurf beteiligt gewesen waren ihren Angaben zufolge mehrere Sicherheitsleute der Firma Gegenbauer, eine Mitarbeiterin von Vivantes und mehrere Polizisten. … Ein Mitarbeiter der Johanniter habe zuvor Frauen mit „anzüglichen Bemerkungen“ traktiert, ein Sicherheitsmann von Gegenbauer sogar gefragt: „Wem wollen Sie denn helfen? Den Ratten?“

Helfer berichten, dass derzeit wieder mehr als tausend Menschen täglich am Lageso anstehen, aber nur etwa 250 Anträge am Tag bearbeitet werden könnten. Viele Flüchtlinge erhielten seit Wochen kein Geld, würden inzwischen hungern oder müssten, um Essen am Lageso zu erhalten, dorthin schwarzfahren.

 

Aber jetzt wird bestimmt alles gut, denn der Unternehmensberater Sebastian Muschter von McKinsey soll das LaGeSo retten. Mehdorn ist vermutlich verhindert.

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18 Gedanken zu „Staatsversagen, die soundsovielte

  1. fefe-> Habt ihr von Lageso gehört?

    Dieser Katastrophen-Behörde in Berlin? Landesamt für Gesundheit und Soziales? Die Leute, die seit Jahren Hartz IV generalstabsmäßig verkacken und jetzt die Versorgung der Flüchtlinge so im Industriemaßstab gegen den Baum gesetzt haben, dass Grönemeyer Busse mit Heizungen schicken musste, damit die Menschen nicht erfrieren? DIE Behörde?
    Wer sich jetzt fragt, wie die Lageso überhaupt so kaputt gekriegt haben…

    Seit dem vergangenen Jahr gehört er dem Mc-Kinsey-Team an, das am Krisenmanagement für die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge beteiligt ist.

    Der Typ ist schon zuständig.

    Flüchtlingsstaatssekretär Dieter Glietsch hatte die externen Berater geholt.

    Der Glietsch möchte sich halt selber aus der Schusslinie bringen und will daher jetzt, dass auf dem McKinsey-Debakel auch McKinsey draufsteht. Dabei ist er ja derjenige, der die überhaupt erst hat machen lassen. Das merken die NIE!!1!

  2. „Stattdessen sollten notfalls Gewerbegebäude beschlagnahmt werden.“
    (aus dem Welt-Artikel)
    Sprich: Eh leerstehende Bürohütten werden umgewidmet und die Investoren kriegen dafür noch einen Haufen Geld hinterhergeschmissen!

    • Nachtrag: Der Henkel will des ICC (alles Gedächtnis, des Ding wo mensch sieht, wenn er vom Süden kommt auf der Avus) wieder klarmachen?!?

        • Asbest ist nur gefährlich, wenn mensch dranrumkratzt…
          Danke für den Link, wußte ich nicht, hatte wohl ne Ahnung.
          Die unbenutzten Gebäude des zukünftügen Flughafens stehen auch leer…

  3. Der Einsatz (und überhaupt die boomende Sparte) privater Wach- und Sicherheitsdienste ist grundsätzlich ein strukturelles Problem und Staatsversagen. In und mit diesen Diensten wird erfolgreich Lohndumping betrieben, was sich auch mit der Einführung des Mindestlohns nicht wesentlich verändert hat. Es waren und sind hier Menschen mit geringstem Einkommen beschäftigt, siehe hier.

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/258788/umfrage/mindestloehne-fuer-sicherheitsmitarbeiter-im-objektschutz-separatwachdienst-nach-bundeslaendern/

    Und nun ein Stück Küchenpsychologie: Gib solchen Beschäftigten an irgendeiner Stelle ein Stück Lufthoheit, und es wird – je nach Veranlagung, Frustrationsschwelle…- zu Auswüchsen führen.

    Das ist kein Berliner Problem, sondern auch in der Provinz so. Selber erlebt, in der Erstaufnahmeeinrichtung. Der Vater einer größeren Familie, die ich dort kennenlernte, bat mich um Hilfe, weil sein kleiner, ca. 2 jähriger Sohn so fror. Der Kleine hatte im Oktober ein kurzärmliges Hemdchen und Sandalen an. In der Unterkunft war ein kleines Lager mit Kleidungsstücken, die Sicherheitsleute weigerten sich aber, die Kleiderkammer zu öffnen, es hätten alle eine Grundausstattung bekommen. Durch Anzapfen privater Kanäle gelang es aber schnell, dem Kleinen passende Klamotten zu besorgen. Aber auch dann gab es Probleme, die Kleidung dann am Sicherheitsdienst vorbei in die Unterkunft zu bringen, mit dem Argument s.o., alle hätten Grundausstattung bekommen, usw. Erst durch ei n freundliches, empathisches (bösartig formuliert: anbiederndes, um der Sache willen) Gespräch mit einer Beschäftigten der Sicherdienstler gelang es dann kurzfristig, die warmen Sachen hineinzubringen und den kleinen Zwack aufzuwärmen.

    An der Stelle aber noch ein weiteres Problem. Freilich erhalten die Neuankommenden eine Erstausstattung. Die Auswahl fällt aber vielen schwer, weil etliche keine Vorstellung davon haben, was der Winter hier bedeutet. Wer im Herbst ankam, bei z.T. spätsommerlichem Wetter, hatte keine Vorstellung, welche Kleidung demnächst, im Winter hier nötig wird. Bei den karitativen Einrichtungen erfolgt die Kleiderausgabe (gespendeter, also verschenkter Kleidung). Wer sich vertat bei der Auswahl der Erstausstattung (zu dünn, luftig), der hat nun schlechte Karten. Die weiteren benötigten Kleidungsstücke, die dann nach der Erstausstattung benötigt werden, können in den Sozialkaufhäusern gekauft werden. Zwar zu reduzierten Preisen, aber immerhin. Und wir sprechen immer noch von gespendeter, verschenkter Kleidung…

    Grüßle, Diander

  4. taz-> Hausverbot für Helferin – oder nicht?

    Inzwischen hat die Behörde allerdings einige Verbesserungsvorschläge der HelferInnen – wie Essensausgabe und Wartezelte – umgesetzt. Dennoch und trotz der Veränderungen beim „Wartemangement“ häufen sich in letzter Zeit wieder die Berichte über verzweifelt wartende unversorgte Flüchtlinge.

    Am Sonntagmittag postete Leonhardt einen neuen Bericht von der Nacht zuvor: Obwohl bereits 50 Flüchtlinge dort seien, neue und solche, die sich bereits für Montag anstellten, sei niemand von Vivantes, die eine 24-Stunden-Versorgung versprochen hätten, anwesend. Empört fragt sie: „Wir reden hier von hygienischen Vorschriften, während Menschen hungern und frieren?“


    Kann ja selbst entschieden werden, wer glaubwürdiger erscheint – die Helferinnen oder Gegenbauer, Vivantes, LaGeSo.

    • Erstmal Respekt, ich hab meinen Arsch immernoch nicht bewegt…
      Klamotten, grade für Kinder, dürften wohl eh nicht so das Problem sein, ich hab einmal die Woche nen Umsonstladen in einem Hausprojekt gemacht, der überwiegende Teil dort waren Kindersachen und komischerweise Plüschtiere. Und die Hose, wo ich grade trage, sogar Lamawolle, auch meinen Teddy hab ich noch…

  5. Berlin. Wir können alles. Nur nichts richtig. Außentemperatur: -9°C

    Sophia Deeg-> Ort der Verheißung

    Wir sind um 5.30 Uhr aufgestanden, um rechtzeitig um 7 Uhr, wie uns geraten wurde, für einen Termin um 9 Uhr bei den beheizten Zelten einzutreffen, die inzwischen auf dem Gelände für die Wartenden aufgestellt worden sein sollen. Wir werden ein paar Stunden warten müssen, ich habe uns eine Tafel Schokolade eingepackt. Es geht heute für Nivin und ihre Familie nur darum, den rechtzeitig verlängerten Ausweis vorzulegen und die Kontonummer anzugeben, auf die das Lageso die finanziellen Leistungen für die 3-köpfige Familie-im-Asylverfahren überweisen wird.
    … (17h dvw:)
    Der Kopf unseres gemeinsamen Nachbarn ist inzwischen auf die unruhige Schulter des Mannes gesunken, der von einer Frage zur nächsten springt und plötzlich erbittert rauslässt, was ihn umtreibt: Frau Merkel hat einen großen Fehler gemacht! Warum hat sie gesagt, dass wir willkommen sind? Wenn wir es gar nicht sind? Und er weist mit einer Rundumbewegung des Arms auf das hier alles. Ich gebe ihm Recht und nicht Recht, verteidige auf einmal Frau Merkel und „Deutschland“: In keiner Stadt ist es so wie hier. Seufzend gibt es der andere auf, Ruhe zu finden. Er rappelt sich hoch und nimmt seinen Zettel zurück, auf dem vermerkt ist, dass mit ihm zusammen 30 andere warten. Nivin hat längst kapiert, was ich immer noch nicht wahrhaben will: Aus unserem Termin wird heute nichts mehr. Jemand hat ihr geraten, lieber jetzt zu gehen. Gleich wenn es durchgesagt würde, gebe es einen Aufruhr. Der von Frau Merkel Betrogene sagt, er wolle nur noch zurück nach Syrien.

    Dann öffnet sich die Glastür vor uns, niemand schreit zurück, zurück! und wir laufen ungeordnet los. Zum Ort der Verheißung dieses ganzen Tages. Ungezählter verwarteter Tage. Wir werden belohnt! Wir dürfen das Gebäude betreten, und jeder bekommt ein Blatt gereicht – hunderte Blätter insgesamt, die von langer Hand für uns vorbereitet wurden. Später werden wir erfahren, dass es in Wahrheit darum geht, an 15 solcher Tage 15 solcher Blätter zu sammeln, um einen Armring mit einer magischen Zahl darauf zu erwerben, der alle Türen öffnet. Und die unsichtbare Hyperschlange, die sich über 15 Tage dahin windet, speit dich direkt ins herrliche Lageso, an allen Securities und Wartenden, am ersten und zweiten Stock vorbei in den dritten und direkt in die Arme einer liebenswürdigen Sachbearbeiterin. Unser Blatt, unser erstes von fünfzehn (aber das wissen wir noch nicht), ist geschmückt mit Stempel und Unterschrift unter der Bescheinigung, dass wir gewartet haben und morgen wiederkommen dürfen. Selbe Zeit, selber Ort. Selbe Aussicht auf Erlösung.

  6. Was ich da nicht kapiere und irgendwie auch keine Antwort im I-Net gefunden habe, warum ist es so schwer, die Leute erst irgendwo unterzubringen und den ganzen Verwaltungskram danach zu erledigen?
    Auch wenn sich des jetzt irgendwie zynisch liest; weggerannt sind die schon…

  7. Rheinische Post-> Mehr als 200 Flüchtlinge verklagen den Bund

    Mehr als 200 Asylbewerber insbesondere aus Syrien und Eritrea haben in NRW das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vor den sieben Verwaltungsgerichten verklagt.

    Der Grund für die Klagewelle: Ihre Anträge liegen oft schon länger als ein Jahr unbearbeitet herum. Dies ergibt eine Umfrage unserer Redaktion bei den Verwaltungsgerichten des Landes. Mit „Untätigkeitsklagen“ wollen die Menschen die Behörde zwingen, ihre Anträge zu bearbeiten, damit sie endlich eine Arbeit oder Ausbildung aufnehmen können – und um vielleicht Angehörige nachzuholen.

    In der Realität klagen aber praktisch nur Menschen aus Ländern, die mit einer Anerkennung als Asylanten rechnen. Insider in den Gerichten erzählen, dass deren Anträge vom BAMF nun oft vorgezogen werden, um peinliche Niederlagen der Behörde vor Gericht zu vermeiden.

    Zum Hintergrund: Im Sommer waren beim BAMF 250.000 Asylanträge unerledigt, heute ist der Rückstand auf 360.000 unerledigte Verfahren gestiegen.

    Das BAMF erklärt, keine Zahlen zu den Klagen zu haben.

  8. Es ist nicht zu fassen!

    rbb-> Hungernde Flüchtlinge in Berlin

    Die Zustände am Landesamt für Gesundheit und Soziales beherrschten immer wieder die Schlagzeilen – im heißen Sommer etwa stellte die Versorgung der Wartenden mit Trinkwasser alle Beteiligten vor teilweise große Probleme. Nun gibt es einen anderen Hilferuf, der sich in einem Wort zusammenfassen lässt: Hunger.

    Der Grund scheint ebenso unfassbar wie banal: Weil die Schlangen am Lageso sie tagelang davon abhalten, an Geld vom Landesamt zu kommen, leiden mehrere Flüchtlinge in den Heimen Hunger – sie haben schlicht und einfach keine finanziellen Mittel, um sich Essen zu kaufen.

    Berliner Zeitung-> Kein Geld vom Lageso: Flüchtlinge in Berlin müssen hungern

    In Berliner Flüchtlingsheimen hungern Menschen, weil das Landesamt für Gesundheit (Lageso) den Geflüchteten kein Geld für Essen auszahlt. Mit einem regelrechten Hilferuf sind am Montag Heimleiter an die Öffentlichkeit gegangen. … „Manche unserer Bewohner sind aber jetzt fünf oder sechsmal hinter einander erfolglos hingefahren. In dieser Zeit haben sie kein Geld, um sich Lebensmittel zu kaufen“, sagt Hermanns. Beim Lageso habe man ihm wiederholt versichert, die Leute würden versorgt. „Aber heute sind schon wieder welche zurück gekommen, die kein Geld ausbezahlt bekommen haben“, sagt Hermanns.

    Köpenick ist kein Einzelfall. Bei der Caritas und dem Malteser Hilfsdienst sind Bewohner ohne Geld wie auch bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO), mit 13 Heimen einer der größten Träger für Flüchtlingsheime in der Hauptstadt. „Wir haben Familien, die seit Dezember kein Geld bekommen haben“, sagt AWO-Sprecherin Julika Krimphove.

    Tagesspiegel-> Flüchtlinge haben kein Geld für Lebensmittel

    Peter Hermanns, Leiter der Gemeinschaftsunterkunft Allende II in Köpenick, sagte dem Tagesspiegel, dass er von Bewohnern weiß, die erst im März einen Termin bekommen haben, bei dem sie dann hoffentlich Geld ausgezahlt bekämen. … Seit mehreren Wochen, mindestens seit Anfang Januar, habe sich die Situation verschärft. „Die Leute gehen morgens um sechs Uhr zum Lageso und kommen abends um 20 Uhr zurück ins Heim. Ohne Geld, nur mit einem neuen Termin.“ Sogar einem Mann, der gerade operiert wurde, sei es so ergangen, obwohl Hermanns das Lageso gebeten habe, den Mann bevorzugt zu behandeln.

    nd-> Lageso-Chaos: In Berlin hungern Flüchtlinge

    Man berate »intensiv über eine kurzfristige Verbesserung der Situation.« Härtefälle sollten dem Lageso genannt werden. Mitte Januar trat mit Sebastian Muschter übergangsweise ein neuer Chef am Lageso an, um für eine effektivere Organisation zu sorgen.

    Kurzvideo von-> Moabit hilft

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