Nebenwidersprüche

nebenwidersprüche
Freitag. Illustration von W. Paget. Wikimedia Commons gemeinfrei. Symbolbild.
Beim Freitag nimmt man sich heute des Themas ‚Köln Hbf Silvester, Hintergründe und Folgen‘ an. Um nicht zu sagen, sich das Thema zur Brust. Alle drei Artikel sind äußerst lesenswert, weil engagiert, gut geschrieben, mit klugen neuen und mit klugen alten Gedanken.

Teresa Bücker: Das geht #ausnahmslos alle etwas an

Hans Hütt: Sterbehilfe für Stereotype

Jakob Augstein: Deutschland erwacht

Trotz aller Freude an den klugen Gedanken und aller Übereinstimmung mit den Absagen an den rechtspopulistischen Mißbrauch der in der Silvesternacht „Mißbrauchten“ landete mein Kopf in den Händen. Die Denkfehler der beiden Herren illustrieren ganz nebenbei meine Hauptdesillusionierung in 6 Jahren Bloggerei beim Freitag: der Nebenwiderspruch lebt und feiert fröhliche Urständ.

2 Zitate, die einen Satz aus dem sehr gern gelesenen Artikel von Teresa Bücker belegen:

Auch wenn wir das Bett oder die Vorstandssitzung miteinander teilen, die Geschlechter in Deutschland leben nach wie vor in verschiedenen Realitäten.

Oder die Redaktionskonferenz.

Jakob Augstein:

Es ist die gleiche Legitimation, mit der plötzlich jeder jetzt erzählen darf, welche üblen Erfahrungen er mal mit einem Ausländer gemacht hat – und das mit immer weniger schlechtem Gewissen. Die Journalistin Antonia Baum hat das gerade in der FAS vorgemacht. (link von mir eingefügt) Anfangs kämpft sie noch mit den Skrupeln der Rücksicht auf vergangene, zivilere Konventionen oder der Verantwortung für die brisante öffentliche Stimmung.

Dann aber rafft sie sich zur Erkenntnis auf, sie sei „kein Pädagoge, und Leser sind keine Schüler“ und berichtet, ganz befreit, von ihrer eigenen sexuellen Ausländer-Fantasie: „Du läufst durch die Straßen, siehst, dir kommt eine Gruppe von Männern entgegen, die schwarze Haare haben und die du sofort reflexhaft als Araber, Kurden, Türken oder von mir aus Nordafrikaner identifizierst, und du weißt, es dauert noch ein paar Schritte und dann sagen sie was. Ob du ficken willst, dass dein Arsch und deine Titten gut sind …“

Die Worte in ihrer pornografischen Härte sind wichtig. Sie sind das Pendant zum jüngsten Focus-Titel, der eine nackte blonde Frau zeigt, deren Körper von den Abdrücken schwarzer Hände gezeichnet ist. So enthüllen sich eigene rassistische und sexistische Projektionen.

Hans Hütt:

Darauf muss man erst mal kommen, dass die Übergriffe auf Frauen, die Macht einer Männerhorde, die individuelle sozial konstruierte Impotenz ihrer Mitglieder maskiert. Das Strafrecht kann und wird die Vergehen ahnden, den zugrundeliegenden Sachverhalt aber auch verfehlen. Die Zuflucht unter die schwarzen Fahnen des Islamischen Staats ist der letzte Kurzschluss auf der Flucht vor dem symbolischen Tod, den diese jungen Männer in sich selbst erleben und (noch) nicht verstehen. Die nächste Revolution der arabischen Welt liegt deshalb in den Händen ihrer Frauen. Nur sie können sich selbst und ihre Söhne befreien. Um die Väter ist es geschehen.

Die beiden Herren scheinen selbst seltsam unbetroffen und sie scheinen Trümmerfrauen zu wollen und zu brauchen, die den Mund über Gewalterfahrung und -bedrohung, „überwiegend minderschwere Straftaten„, „sexuelle Ausländer-Fantasie„, „rassistischen und sexistischen Projektionen“ zu halten haben, bzw. erlebte Gewalt schnellstens weglächeln müssen, damit es um sie nicht auch noch geschehen ist und man sie noch nutzbringend zur nächsten Revolution einsetzen kann.

Sie, sehr geehrter Herr Hütt, sind vermutlich über Gewalt gegen Frauen auch weltweit im Bilde, jede 3. Frau ist betroffen. Es ist aber leider nicht jede Superwoman, um Ihrer Arbeitsplatzbeschreibung in der Revolution auch entsprechen zu können.

Erstens kann und wird das Strafrecht sehr viele der „Vergehen“ in Köln (und anderswo) gar nicht ahnden, da absehbar nicht sehr viele Täter ermittelt werden und weil Kameraüberwachung und Polizei bei Gewaltdelikten nicht nur sowieso ziemlich nutzlos sind (da meist zu spät) sondern auch durch qualitativ lausig wie in Köln nicht besser werden. Zweitens ist das Strafrecht generell nicht allzu gut geeignet, zivilgesellschaftlichen (und #ausnahmslos alle betreffende) Mißständen abzuhelfen.

Selbst, wenn man von den 95% Prozent aller vergewaltigten Frauen in Deutschland absieht, die aus guten Gründen nicht anzeigen und den keinen 10% der angezeigten Tatverdächtigen, die dann tatsächlich verurteilt werden: Strafrecht hilft nicht. Es kommt zu spät.

(Vorsicht, altmodisches Wort:) Solidarität würde vorher helfen. Aufmerksamkeit, Empathie, Zivilcourage, Eintreten gegen jede sexistische Kackscheiße. Menschenrechte immer und zuerst als die Rechte „der Anderen“ begreifen und zwar #ausnahmslos. Und „den Anderen“ hinterher nicht das Maul stopfen wollen. Das würde helfen.

Wie schade, denn auch in den Artikeln von Hütt und Augstein steht so viel Interessantes und Kluges zu lesen, bei Teresa Bücker sowieso.

Das was-jetzt-zu-tun/nicht-zu-tun-ist-Expertentum ohne Hinterfragung der eigenen Scheuklappen (auch eine Art ‚geschlechtsspezifischer Situationsverkennung‘, in Ermangelung jeder Erfahrung mit sexualisierter Belästigung bis Nötigung am eigenen Leib), das ärgert mich immens. Das ähnelt nämlich dem interessengeleiteten Mißbrauch betroffener Frauen durch die brandneuen Frauenrechtler von Seehofer bis Festerling sehr. Bloß eben mit umgekehrten Vorzeichen und ohne jede falsche Vorspiegelung eines Interesses an Menschenrechten für #ausnahmslos alle, auch für Frauen.

Frauen haben sich der linken Sache unterzuordnen und nach erfolgreich absolvierter Weltrevolution kann mann dann auch über Augenhöhe nachzudenken beginnen. Vorher aber haben Frauen den Nebenwiderspruch hinzunehmen, immer mindestens eine Revolution mehr als Männer zu absolvieren und in der Gemeinde zu schweigen, wenn es der Sache undienlich sein könnte.


 

Bonusfrage an Sie, lieber Jakob Augstein: wodurch unterscheidet sich eigentlich der von Antonia Baum befürchtete „Beifall von Vollidioten“ grundlegend von Ihrem Pranger und Ihrem Versuch der Maulstopfung, außer durch die umgekehrten Vorzeichen?

Ich find’s ja sowieso immer schlimm, wenn Sie unter Ihren intellektuellen Möglichkeiten bleiben. Ihr Kommentar bei Facebook und der aktuelle im Freitag aber ist zusätzlich noch ein Tritt ins Gesicht aller Frauen, auf die übergegriffen wurde, wird, werden wird und die nachts nie allein und immer komische Umwege nach Hause gehen, um das Übergreifen vielleicht verhindern zu können, um sich dann zu Hause am für sie gefährlichsten Ort überhaupt aufzuhalten und die schon gar nicht mehr zählen, wie oft auf sie übergegriffen wird. Das ist eine Realität, die Sie nicht kennen und die Sie verleugnen.

Für Frauen ist es übrigens und meistens ziemlich unerheblich, ob ein Übergreifer blütenweiße oder dunkle Haut hat. Nicht egal ist, daß ständig und überall von hauptsächlich Männern (auf Männer und) auf Frauen übergegriffen wird und auf diese Weise Menschenrechte im öffentlichen wie privaten Raum vorenthalten werden. Nicht egal ist auch, wenn das von einem der klügsten und zivil(isierte)sten Journalisten in Deutschland unter „minderschwer„, unter „sexuelle Ausländer-Fantasie“ und unter „rassistische und sexistische Projektionen“ schubladiert wird.

Mit Verlaub, Herr Augstein, Sie sind leider auch ein „Vollidiot„. Sorry to say so.

Ihre dame.von.welt

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40 Gedanken zu „Nebenwidersprüche

  1. Typisch für Augsteins problemflankierende Sprachregelungsanästhesie ist die Verwendung von Begriffen wie „überwiegend minderschwere Straftaten“ und „sexuell bedrängt“ um die Bezeichnung Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu meiden. Er und andre linke Männer, insbesondere auch einige Blogger, gegen die ich mir einen Wolf argumentiere, eignen sich auf diese Weise die Definitionsmacht an. Hartmut Finkeldey vom Blog „Kritik und Kunst“ führt z. B. seit Tagen mit immer neuen Threads einen Diskurs, mit dem er seine These Falschanzeigen durch Frauen zu stützen vesucht. Ein Hammer.

    Sexismus als Nebenwiderspruch wurde schon in den 90er Jahren als Quatsch widerlegt. Innerhalb der linksradikalen autonomen Szene wurde die Triple-Oppression-Theorie Mitte der 1990er Jahre intensiv diskutiert anhand des Buches „Drei zu Eins. Klassenwiderspruch, Rassismus und Sexismus.“ auch die Frage nach dem revolutionären Subjekt gestellt. Heute sprechen wir Alt-Linke sogar von Multiple Opression, weil Speziezismus dazu gehört.

    Ich erinnere mich auch noch an die in der autonomen Szene geführte sogenannte „Vergewaltigungsdebatte der Antifa M (Göttingen)“, in der der Vergewaltigungsbegriff viel weiter als im bürgerlich strafrechtlichen Sinne ausgelegt wurde. Denn dazu gehört auch die psychische Vergewaltigung, das Brechen des ursprünglichen Willens des Opfers durch hartnäckiges oder sanftes Insistieren, auch verharmlosend Verführung genannt. Die Definitionsmacht lag eindeutig bei den Opfern, nicht bei den Tätern. Die Kontroverse gipfelte unter anderem in der Frage, ob das Erzählen von Altherrenwitzen bzw. sexualisierten Witzen von anwesenden Frauen als Belästigung angesehen werden könnte. Am Ende gab es den Vorschlag, Vergewaltiger lebenslang aus linken Zusammenhängen auszuschließen.

    Mehr darüber hier: http://www.redaktion-bahamas.org/auswahl/web32-4.html
    (leider sehr kleine Schrift)

    • Nicht nur leider sehr kleine Schrift, sondern auch leider sehr lang und sehr achichweißesauchnicht, für mich unlesbar jedenfalls. Am Nebenwiderspruch (unabhängig seiner theoretischen Widerlegung in den 90ern) arbeite ich mich seit über 30 Jahren ab und es wird wieder schlimmer.

      Was ist so schwer an der Beherzigung längst flüssig gekauter Selbstverständlichkeiten?
      1. Jede/r hat qua Geburt Menschenwürde.
      1a. Jede/r hat eine andere Wahrnehmung. There is no such thing as die Wahrheit.
      2. Jede/r hat einen Körper mit Trieben und Lust und allem drum und dran.
      2a. Es gibt kein Menschenrecht auf erfüllte Sexualität mit einem anderen Menschen.
      3. Jeder Versuch, einen anderen Menschen dazu zu mißbrauchen, hat mit erfülltem Sex ungefähr soviel zu tun wie der Papst im Darkroom.
      3a. Sondern mit Gewalt, weswegen von sexualisierter (physischer, psychischer) Gewalt gesprochen wird.
      4. Es gibt keine legitimen lebenslänglichen Ausschlüsse aus wasauchimmer. Selbst nach Bürgerkriegen muß man mit denen weitermachen, die da sind.
      4a. Auffallend viele Täter sind Ex-Opfer.
      5. Der Umgang mit zu Opfern Gemachten ist eine Katastrophe und muß sich schnellstens ändern (s. Menschenwürde).
      6. Integration heißt Vorleben der eigenen Regeln und Werte.

      Die Flüchtlinge bringen jeden politischen Fehler, jedes zivilgesellschaftliche Versäumnis an den Tag. Wir müssen über politische Fehler reden und sie korrigieren und über unsere Versäumnisse bei den Regeln und Werten und sie nachholen, schnell.

      Mir hat ein Kommentar zu Augsteins Artikel gefallen, von-> Just Recently:

      Es geht nicht um Meinungen. Es geht um Straftaten, erfolgreiche und professionelle Ermittlungsarbeit und darum, ein Maximum an Meinungs- und Ausdrucksfreiheit zu erhalten.

      Und es geht – darauf aufbauend – darum, keine pauschalen Vorwürfe zu erheben, und auch keine Prioritäten auf Basis von Herkunft, Glauben etc. der Täter und/oder Opfer zu setzen. Priorität hat immer der oder die Einzelne, der oder die konkret bedrängt oder verfolgt wird, deren oder dessen Rechte nicht respektiert werden.

      Das ist gar nicht so schwer. Es braucht auch gar nicht viel Meinung. Nur etwas Anstandsgefühl.

  2. Ach wie erfreulich! Just Recently hat seinen Dissens mit Augsteins Artikel in Blogform gegossen-> Land des Hasses — Die Aggressivität der Oberschicht (den ich vollständig zitiere)

    Das Problem hat Tradition: komplexere Gedankengänge werden dem Leser nicht zugetraut. Aus „Kein Fußbreit den Faschisten“-> wird eine Entweder-Oder-Frage der Solidarisierung: ob man sich mit „den Flüchtlingen“ / den Opfern der Leipziger Angreifer solidarisieren wolle, oder mit den Opfern der Kölner Angriffe.

    Das beleidigt Flüchtlinge und Frauen gleichermaßen, denn die wenigsten Flüchtlinge sind Belästiger und Vergewaltiger, und viele von ihnen sind Frauen. So wie Jakob Augstein bläst man die Brandschatzer von Leipzig zu Kolossen auf: wenn diese Gesellschaft, mit allem, was sie an Zivilgesellschaft und rechtsstaatlichen Mitteln immerhin noch hat, es für angemessen hält, aus den Ereignissen der letzten Wochen eine „with-us-or-against-us“-Aufforderung zu formulieren, dann verliert sie ihre Maßstäbe, und wirft ihr Selbstbewusstsein auf den Müll.

    Ich beantworte die Frage danach, welcher Entweder-oder-Gruppe meine Solidarität gehört, mit „beiden“. Diese Entweder-oder-Gruppen werden in den nächsten Monaten und vielleicht Jahren immer wieder erneut definfiert, und vielleicht auch anders als jetzt, aber immer mit der gleichen, destruktiven Wirkung.

    Wer meint, er müsse eine in ihren Rechten verletzte Gruppe, den einen in seinen Rechten verletzten Menschen, gegen die anderen ausspielen, ist kein Freund von mir. Meine Gesellschaft ist das nicht. Meine Gesellschaft ist die, die nach besten Kräften Fairness und Gerechtigkeit übt, ohne Ansehen der Herkunft, ohne Ansehen des Geschlechts. Meine Gesellschaft ist die, die niemandem, der guten Willens ist, den Mund verbietet oder versucht, ihn propagandistisch zu überfahren.

    Menschenrechte erlauben keine Quantifizierung. Natürlich ist es angebracht, zu deeskalieren, wo es möglich ist. Deeskalation aber war entweder nicht Jakob Augsteins Absicht, oder sie ist ihm gründlich entglitten. Es ist eine Sache zu sagen, die Kölner Ereignisse hätten die Aggressivität der deutschen Mittelschicht offengelegt. Es ist eine andere zu behaupten, nur darum gehe es jetzt noch.

    Ich lebe in einer Welt, in der es diese Mittelschicht gibt. Ich weiß: wer den Mund hält, wenn die Ausfälligkeiten beginnen, gibt sein Recht zur eigenen Positionierung auf, und er vergisst seine Pflicht dazu. Aber ich weiß auch, dass ich mich dabei nur auf Menschen verlassen kann, die ich selber kenne, und die aus ungefähr dem gleichen Stall kommen wie ich.

    Denn neben der Aggressivität der Mittelschicht kenne ich auch etwas anderes: die Aggression der Oberschicht gegen die Mittel- und gegen die Unterschicht.

    Jakob Augstein-> hat ihr am vorigen Donnerstag Worte verliehen.

    Niedlich ist ein Kommentar von-> Magda

    Jakob Augstein hat einen Hang zum „Edlen Nichtwilden“ Und manchmal driftet er ab: Von der Großmut zum Hochmut und dann verfranzt er sich dabei.

  3. Christine Quindeau im Print-Freitag mit einem Beitrag zur Debatte über das-> Lückenhafte Sexualstrafrecht

    Natürlich will man nicht sämtliche Erscheinungsformen des Zusammenlebens gesetzlich regeln. Andererseits haben alle Debatten um Gender, Feminismus, Sexismus nichts an den virulent stattfindenden Übergriffen geändert. Im Gegenteil, indem das Gefühl vorherrscht, Frauen seien schon gleichberechtigt und man dürfe ihnen dennoch ungestraft an Brust und Po greifen, hat Sexismus quasi die Feuerprobe des Feminismus überstanden und sich als eine Art Kulturgut etabliert. Wir müssen uns fragen, ob das die Kultur ist, vor der wir bei Angehörigen anderer Kulturen Respekt einfordern wollen.

  4. „Frauen haben sich der linken Sache unterzuordnen und nach erfolgreich absolvierter Weltrevolution kann mann dann auch über Augenhöhe nachzudenken beginnen. Vorher aber haben Frauen den Nebenwiderspruch hinzunehmen, immer mindestens eine Revolution mehr als Männer zu absolvieren und in der Gemeinde zu schweigen, wenn es der Sache undienlich sein könnte.“

    „Auch Du, Genosse, hast die Küche sauberzuhalten!“ ;)
    Im Ernst; Frauen machen die Weltrevolution, nur sollten Frauen dabei nicht in die Versuchung kommen, Mann zu spielen!

    • Im Ernst; Frauen machen die Weltrevolution

      Frauen sind SO praktisch! Jeder sollte mindestens eine davon haben.

      nur sollten Frauen dabei nicht in die Versuchung kommen, Mann zu spielen!

      Ich sag’s ja immer, Frauen werden VIEL zu wenig Ratschläge erteilt.

      • „Ich sag’s ja immer, Frauen werden VIEL zu wenig Ratschläge erteilt.“
        Falsch! Ermutigungen, das Heft in die Hand zu nehmen, so aus lauter Verzweiflung, weil mann es nicht hinkriegt:

        • Falsch! Ermutigungen, das Heft in die Hand zu nehmen, so aus lauter Verzweiflung, weil mann es nicht hinkriegt

          Ojemine Hugo – haben Sie den Eindruck gewonnen, daß speziell ich Ermutigung benötige? Oder anschließend Interesse hätte, „das Heft in die Hand zu nehmen“?
          Das mag ja vielleicht auch und unter anderem Verzweiflung sein, ist aber hauptsächlich Faulheit, um bloß ja keine Männeremanzipation initiieren und absolvieren zu müssen.

          Ich bin an Arbeitsplatzbeschreibungen desinteressiert (dazu noch als Trümmerfrau, geht’s noch?), von Hans Hütt wie von Ihnen.

          • „Das mag ja vielleicht auch und unter anderem Verzweiflung sein, ist aber hauptsächlich Faulheit, um bloß ja keine Männeremanzipation initiieren und absolvieren zu müssen.“
            Tja, und deswegen schreib ich u.a. hier mit, ich fauler Kerl, um mir desöfteren ne virtuelle Backpfeife abzuholen! ;) Männeremanzipation geht blöderweise ned anders, die Frauen müssen die Nebenwidersprüche aufdröseln!
            Und danke daß Du dröselst, liebste Dame!

          • Auch virtuelle-Backpfeifen-Abholungsansprüche sind eine Arbeitsplatzbeschreibung, eine mir sehr unangenehme übrigens. Ich kündige, fristlos! Das ist hier kein kostenloses SM-Studio für faule Kerle. Außerdem ist Emanzipation immer eine Befreiung von.
            Dabei kann Ihnen niemand helfen, das müssen Sie schon selber tun.

  5. Eines meiner Bücher unter 2 lfd. Meter „Frauenliteratur“ (Vorsicht! Macker mit feministischer Tarnkappe!)
    beginnt mit dem Zitat: „Frauen drücken schon lange ein Auge zu, am Ende aber nur noch, um zu zielen.“
    Und bei aller Kritik an der Ex-BILD-Journalistin Alice Schwarzer. Sie war seinerzeit diejenige, die für Frauen in der Armee war, weil bekanntlich bewaffnete Frauen vor Vergewaltigung sicherer seien. (scherz)

    Zum angeblichen Nebenwiderspruch zwei ironisch-rhetorische Fragen : Welche Konzerne verdienen denn an der Klitorisbeschneidung ? Und…welche Unternehmen betreiben das Geschäft der Zwangsverheiratung Minderjähriger und sind profitorientiert am Femizid in Indien interessiert? Damit will ich ausdrücken, dass es Herrschaftsformen gibt, die als weiterer Hauptwiderspruch unabhängig von der Herrschaftsform des Kapitalismus auch nach seiner Abschaffung weiterexistieren würden. Womit wir bei der von manchen Neulinken/Linksliberalen in abfälliger Weise kritiserten These wären, dass auch das Private politisch ist.

    • Sie besitzen Frauenliteratur und davon auch noch gleich zwei laufende Meter?
      Damit kann ich nicht dienen, ich habe zwar einige laufende Meter Literatur, mich aber für Ratgeber und Sachbücher nie besonders erwärmen können.

      Was meinen Sie mit „Zwangsverheiratung“? Arrangierte Ehen und deren Vermittler? Das sind sehr oft Männer. Ansonsten profitiert von der Arbeitsleistung junger Ehefrauen die ganze Familie mit in aller Regel einem Patriarchen an der Spitze. Männer und Frauen richten sich im Patriarchat ein. Bei Licht betrachtet schadet aber das Patriarchat Männern mehr als Frauen, Männer sind schließlich Täter wie Opfer von Männergewalt und ich glaube eigentlich immer mehr, daß Sexismus und sexualisierte Gewalt gegen Frauen „nur“ Ausläufer der Rangkämpfe unter Männern sind. Bezweifeln möchte ich, daß dem mit Mitteln der Männergewalt beizukommen ist. Nennen Sie mich gern naiv, aber ich hoffe noch auf Vernunft und auf Einsicht, daß sich Männer mit männlichen Herrschaftsformen selbst am allermeisten schaden.

      Der Femizid in Indien und China ist alles andere als privat, der ist gesellschaftspolitisch weit über China und Indien hinaus relevant. Davon profitieren u.a. Menschenhandel- und Sexindustrie in den umliegenden Ländern. Chinesische Touristen in z.B. Kambodscha sind die Pest, extrem brutal zu Prostituierten. In Vietnam, Philippinen, Kambodscha, Myanmar leeren sich die Dörfer, weil sich viele der wohlhabenderen Chinesen Frauen zum Heiraten kaufen.

      Von der Mädchen-Beschneidung in Subsahara-Afrika profitieren die Beschneiderinnen, die in aller Regel vergleichsweise wohlhabende und angesehene Frauen in Dorfgemeinschaften sind. Weswegen es auch eine gute Idee ist, sie in ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Position auf keinen Fall zu schwächen, sondern sie sich zu Verbündeten zu machen und sie entweder als Anti-FGC-Botschafterinnen direkt zu bezahlen oder ihnen andere Verdienstmöglichkeiten zu verschaffen.

      Zu einer „Waffengleichheit“ würden weniger zusammengedrückte Augen als vielmehr Geschäfts- und Rechtsfähigkeit beitragen. Ich bin auch nicht ganz sicher, was sich mehr gegen Abschaffung wehren würde: Kapitalismus oder Patriarchat (und tippe aufs Patriarchat).

  6. In China gibts nen krassen Männerüberschuss, Einkindpolitik, und da wurde/wird mal schnell das erstgeborene Mädchen um die Ecke gebracht. Kranke Scheiße…

    Frauenbeschneidung in Afrika; ja, machen Frauen; kapiere ich nicht, sprich die gleiche Gewalt, die einem selber zugefügt wurde, den Mädels damit irgendwie das Leben zu versauen. Kranke Scheiße…

    Mensch muß Herrschaft überwinden, und ja, zuerst bei sich selber, schwierig, aber machbar!!!

  7. Dame von Welt: Das von der beschriebenen Frauengewalt immer jemand profitiert, hat mit den Macht-Strukturen des Kapitalismus nicht direkt zu tun. Ärzte ohne Grenzen profitieren auch von meiner Spende.

    Mit Femizid in Indien meine ich die Witwenverbrennung und die Abtreibung weiblicher Föten, die nicht „industriell“ betrieben werden.

    Noch einmal zu meiner Behauptung, dass das Private politisch ist: Wie sehr Männer im privaten Bereich das Verhalten von Frauen kontrollieren, haben z. B. Nancy Henley in „Körperstrategien“ (1993) und Helga Kotthoff in „Das Gelächter der Geschlechter: Humor und Macht in Gesprächen von Frauen und Männern(1988) gut beschrieben.

    Bitte nicht als Belehrung verstehen.

    Einer von Jenen: Triple Opession ist insoweit nicht mehr aktuell, da es inzwischen noch andere Unterdrückungsformen gibt. Danke für den Link.

    • Na und wie das mit den Machtstrukturen des Kapitalismus zu tun hat: weibliche Föten in Indien werden vor der Geburt getötet oder auch weibliche Säuglinge nach der Geburt ermordet, weil sich Familien an der Mitgift für Töchter ruinieren. Töchter=wirtschaftlicher Verlust auf allen Ebenen, Söhne=Zugewinn an Geld und an Arbeitskraft durch Heirat. Witwen können ihre Mitgift mit zurück zu ihrer Herkunftsfamilie nehmen, weswegen gelegentlich auch Witwenverbrennungen noch vorkommen (die aber nie für weibliches Massensterben gesorgt haben). Zahlenmäßig weit gravierender sind Morde an jungen Ehefrauen, bei denen die Mitgift in der Schwiegerfamilie bleibt.

      Selbstredend ist das Private politisch. Weibliches Verhalten wird aber keineswegs nur von Männern, sondern auch (ich glaube, hauptsächlich) von Frauen kontrolliert. As i sad: Männer und Frauen richten sich im Patriarchat ein und es schadet beiden.

      Der Übersichtlichkeit der Diskussion halber: würden Sie bitte die Antwortfunktion nutzen? Der Knopf ist rechts oben über dem Kommentar, auf den Sie antworten wollen.

      • „Zahlenmäßig weit gravierender sind Morde an jungen Ehefrauen, bei denen die Mitgift in der Schwiegerfamilie bleibt.“ Hab da mal nen Bericht im Weltspiegel (ARD) gesehen, gruselig.

        „Weibliches Verhalten wird aber keineswegs nur von Männern, sondern auch (ich glaube, hauptsächlich) von Frauen kontrolliert. As i sad: Männer und Frauen richten sich im Patriarchat ein und es schadet beiden.“
        Eben, deswegen müssens die Frauen hinbiegen!!!

  8. Noch einer, der es sich lieber leicht macht und dazu Trümmerfrauen braucht – welche zur Bestätigung, daß es heute eigentlich gar nicht mehr viel Sexismus und kaum noch sexualisierte Gewalt gegen Frauen in Deutschland gibt und welche, die die arabischen Männer und Söhne zu erziehen haben: Bernd Ulrich-> Wer ist der arabische Mann?

    Ein weiteres schwieriges Schutzargument kommt dieser Tage von jungen Feministinnen, die in einem Aufruf unter dem Hashtag „#ausnahmslos“ argumentieren, sexualisierte Gewalt sei ein männliches Phänomen, kein arabisches oder muslimisches. Auch das ist zunächst einmal wahr. Die jungen arabischen Männer sind keineswegs nach Egalia, ins Paradies der Gleichberechtigung und Gewaltfreiheit eingewandert, sondern in eine Gesellschaft, in der es immer noch Vergewaltigung und sexuelle Nötigung in erheblichem Ausmaß gibt, auch durch Deutsche.

    Gleichwohl werden in diesem Argument jahrzehntelange Kämpfe für die Gleichberechtigung und die Integrität von Frauen zum Verschwinden gebracht – und ihre Erfolge. Denn natürlich hat es in Deutschland beträchtliche Fortschritte gegeben, unter anderem die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe im Jahre 1997 (übrigens gegen den Widerstand vieler von denen, die jetzt, da es gegen Muslime geht, an die Spitze der feministischen Bewegung drängen). Doch selbst wer der Masseneinwanderung von Konservativen in den avanciertesten Feminismus mit Ironie und Skepsis begegnet, kann doch froh sein über das, was nun Konsens zu sein scheint: Jede Frau kann zu jedem Mann (auch dem Ehemann), an jedem Ort (auch im Bett) und in jeder Bekleidung (auch nackt) und zu jedem Zeitpunkt (auch beim Sex) Nein sagen. Und dieses Nein gilt!

    Nein, Herr Ulrich, dieses Nein gilt nicht mal in der Theorie °_O
    Sondern: der Fluchtweg hat geklärt zu sein und frau hat sich zu wehren. Ihr Wille und ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gilt im Zweifel gar nichts.

    An dieser Stelle sei die Frage an all jene gestellt, die jetzt die persönliche Angst der Frauen in eine politische Angst vor Flüchtlingen ummünzen wollen: Wenn es in Deutschland gelungen ist, die verkorkste Maskulinität einer Mehrheit leidlich zu zivilisieren, wieso sollte das nun mit einer Minderheit nicht auch gelingen? Wenn sogar alte konservative deutsche Knochen zu Feministen werden können, wieso dann nicht auch arabische junge Männer? Deutschland hat nach zwei militärisch und moralisch verlorenen Kriegen, nach Jahren des antiautoritären und antipatriarchalen Kampfes eine immense Fertigkeit darin entwickelt, Männlichkeit zu entgiften. Nicht wahr, liebe Geschlechtsgenossen, wir haben es doch selbst erlebt, am eigenen Leibe: Dem deutschen Stuhlkreis entkommt auf Dauer keiner.

    Wenn man also etwas tun will gegen die Angst der Frauen, dann muss man mehr Polizisten und Sozialarbeiter einstellen, und wenn die AfD sich wirklich sorgt wegen des arabischen Mannes, dann sollte sie ihre Goldreserven möglichst vollständig muslimischen Frauenorganisationen zur Verfügung stellen. Denn die muslimischen Frauen sind es zuallererst, die ihren Männern die Schönheit der Gleichberechtigung beibiegen müssen. Und natürlich den Söhnen.

    Ohne Worte, Kopf->Tisch
    Ich find’s auch ein bißchen eklig, wie sehr und wie offensichtlich der Ulrich für sein „Wohlverhalten“ gelobt werden will. Von allen. Dafür richtet er auch die #ausnahmslos-Frauen hin, statt zu kapieren: bislang mußte noch jede Frauengeneration jeder Männergeneration eigentliche Selbstverständlichkeiten aufs Neue beibringen. Und: für #ausnahmslos hat sich eine erfreuliche große Bandbreite an Feministinnen zusammengeschlossen, statt sich zu beharken. Das könnte Vorbildcharakter für die Menschenfreunde und Verfassungspatrioten jeder politischen und religiösen Couleur haben, sich nämlich gegen Nazis, für Flüchtlinge, gegen ‚Teile und herrsche!‘ und für Teilhabe für alle einzusetzen. Boah, was macht mich das alles müde und zornig.

  9. Um mal Butter bei die Fische zu geben; mann ist irgendwie alles, was mit der Vorsilbe ego anfängt, gibt sich alle erdenkliche Mühe, von einem Fettnapf in den nächsten zu trampeln.
    Und entweder wird er zu nem ignoranten Arschloch, und ihm ist sein Tun und Handeln scheißegal oder er versucht, immermal zu reflektieren. Vorausdenken, jo, wemmer zum Mars fliegen will und nebenbei an der Einheitstheorie arbeitet, zwischenmenschlich, mann kann lernen, der nächste Fettnapf wartet aber schon, betreten zu werden!
    Aber eigentlich rennen wir Männer durchs Leben als kleine Jungs, denen das Matchbox geklaut wurde und Mama grade nicht da ist um sich auszuheulen…

    Wer was anderes behauptet, lügt haha…

  10. @altautonomer:

    Triple Opession ist insoweit nicht mehr aktuell, da es inzwischen noch andere Unterdrückungsformen gibt.

    Das theoretische Konzept ist nicht mehr aktuell, die anderen Unterdrückungsformen (Homophobie, Agism, was auch immer) gab es auch schon von 1990 – würde ich zumindest vermuten. Heute redet man lieber von „Intersektionalität“, also von gaaaanz vielen verschiedenen Identitäten, die sich „intersektional“ überlagern und die alle irgendwie anerkannt werden müssen.
    Ist problematisch, weil ja mindestens einige dieser Identitäten selbst auf repressiven Zuschreibungen basieren: Bevor mensch z.B. als „Homosexueller“ anerkannt werden kann, muss man erst als solcher eingetütet werden (Foucault hat im ersten Band von „Sexualität und Wahrheit“ dazu einiges Sinnvolles gesagt).
    Und der Klassengegensatz scheint mir in dieses Schema auch nicht ganz reinzupassen, sofern man ihn nicht auf ein reines Diskriminierungsverhältnis à la „Klassismus“ runterbricht. Naja, bin gerade ein wenig unter Zeitdruck, und schreib später vielleicht mehr.

        • Und, bringt mich das weiter? Nein. Selbst die Dame versteh ich meistens und sie tut im Zweifelsfall dankbarerweise noch nen Link posten…

          • Hugo, Sie finden einige links in der Diskussion, ansonsten empfiehlt sich selbstständige Suche im Internet und/oder der Gang in ein Kaufgeschäft für Bücher. Das bringt Sie weiter. Ja.

          • Mein Hauptpunkt war eh, dass ich das Konzept nicht sinnvoll finde. Das muss dich nicht weiterbringen – wenn du das Konzept sowieso entweder a) nicht kennst oder b) nicht verstehst, gibt´s da doch gar kein Problem.
            Ansonsten: Ja, Lesen kann lehrreich und oft auch unterhaltsam sein.

  11. „Mein Hauptpunkt war eh, dass ich das Konzept nicht sinnvoll finde. Das muss dich nicht weiterbringen – wenn du das Konzept sowieso entweder a) nicht kennst oder b) nicht verstehst, gibt´s da doch gar kein Problem.“ Doch, gibt es, ich denke mensch nicht als Konzept, sondern als Mensch (siehe weiter oben zum Thema Butter). Widersprüchlich, auch mal ne Drecksau (womit ich grade die Schweine beleidige, weil die sind glaube ich weitaus sozialere Lebewesen als wir Menschen), Liste kann mensch weiterführen und auch sowas wie Altruismus, den ich persönlich als Egoismus ansehe, reinbringen…
    Aber das:
    „Ist problematisch, weil ja mindestens einige dieser Identitäten selbst auf repressiven Zuschreibungen basieren: Bevor mensch z.B. als “Homosexueller” anerkannt werden kann, muss man erst als solcher eingetütet werden (Foucault hat im ersten Band von “Sexualität und Wahrheit” dazu einiges Sinnvolles gesagt).“ kapiere ich sowas von nicht.
    Mensch hat Mensch als gleichwertig zu behandeln. Wenn ich mir ne Semmel hol, denk ich persönlich nicht drüber nach, mit wem die Bäckereifachverkäuferin ihren Feierabend verbringt. Und/oder, um mal Freud zu zitieren; ne Zigarre ist manchmal einfach nur ne Zigarre…

    Und ja, ich stolpere da auch desöfteren ziellos durch die Gegend und ein paar Regalmeter Literatur werdens auch nicht besser machen, angelesenen schlecht widergekäuten Kram hab ich in meinem Leben schon sehr oft gehört/gelesen. Grade die Linken (und ja, da zähl ich mich dazu, wenn es unbedingt sein muß, Anarchist, so als alter Punker, triffts eher) steigern mit wachsender Radikalität das Unverständnis der Schriften.
    Ich möchte des aber kapieren, wie andere Menschen denken, und ja, ich geh mal davon aus, daß Du einer von den Guten bist ;) .
    Und da ich aufm Dorf wohne, so daß ichs kapiere! Ich hab sogar Abitur, Alta…

    • Ich möchte des aber kapieren

      Okay, wenn das so ist… Für mich las es sich eher so, als wolltest du nur ein bissel lustig Rumnörgeln.

      Doch, gibt es, ich denke mensch nicht als Konzept, sondern als Mensch (siehe weiter oben zum Thema Butter). Widersprüchlich, auch mal ne Drecksau (womit ich grade die Schweine beleidige, weil die sind glaube ich weitaus sozialere Lebewesen als wir Menschen), Liste kann mensch weiterführen und auch sowas wie Altruismus, den ich persönlich als Egoismus ansehe, reinbringen…

      Das kapiere nun ich wiederum nicht, obwohl ich den Absatz mehrmals gelesen habe… Egal, ich erläutere nochmal das, was ich bei den „Homosexuellen“ meinte. Ist auch ein bissel kompliziert, aber ich versuch es einfach zu halten. Sorry, wenn die nötigen Erläuterungen im Gegenzug ein wenig langatmig werden:

      Erstens: Diese Einteilung in Homo- bzw. Heterosexualität gab es nicht schon immer, sondern die wurde erst im 19. Jahrhundert entwickelt. Bei dem Verweis auf Michel Foucault dachte ich an einen bestimmten Satz von ihm, nämlich diesen: „Der Sodomit war ein Gestrauchelter. der Homosexuelle ist eine Spezies.“ Er bezieht sich dabei darauf, wie es vor dem 19. Jahrhundert aufgefasst wurde, wenn Menschen gleichgeschlechtlichen Sex hatten und wie sich diese frühere Auffassung von der unterschied, die dann ab dem 19. Jh. aufkam.
      Vorher waren bestimmte Sexualpraktiken verboten (also eben auch Analverkehr zwischen Männern = „Sodomie“). Ein „Sodomit“ wurde als jemand aufgefasst, der gestrauchelt, vom rechten Weg abgekommen war, der eine Sünde begangen hatte. Es ging also kurz gesagt um das Tun der Person, während „Homosexueller“ sich auf das Sein bezieht – der Homosexuelle gilt als eigene Spezies, als Art für sich. Insofern unterscheiden sich die beiden Kategorien sehr deutlich.

      Das ist dann repressiv, wie ich meinte, weil diese Identität den Leuten von außen zugeschrieben wird. Da werden dann auch große Unterschiede zwischen Homo- und Heterosexualität gemacht. Heterosexualität gilt eben als „normal“, und deswegen wird auch auch selten gesagt: „Hier, der Dieter, der ist heterosexuell“, weil kaum jemand meinen würde, dass das etwas Wesentliches über die Identität von Dieter aussagt. Während es bei Homosexuellen schnell als das wesentliche Merkmal gilt, dass sie eben gleichgeschlechtlichen Sex haben. Damit werden Leute eingeschränkt, weil sie von außen z.B. als „schwul“ eingeordnet werden und sich auch selbst so einordnen (müssen).

      Das Problem, wenn man z.B. sagt „Der Dieter ist schwul, aber ich toleriere das/ich erkenne das an“ ist dann, dass die Toleranz oder Anerkennung auf derselben Einsortierung beruht wie die Diskriminierung – andere Leute sagen stattdessen eben „Der Dieter ist schwul, aber ich hab gar keine Lust, den anzuerkennen, sondern diskriminiere ihn lieber.“

      Da wäre es sinnvoll, die Einsortierung in Frage zu stellen. Die Frage wäre letztlich, warum das Sexualverhalten von Leuten überhaupt so untergliedert werden muss, also etwa in „normale“ Hetero- und „abweichende“ Homosexualität.
      Man könnte doch auch sagen: Das sollen die Menschen unter sich ausmachen, ob sie Bock haben, miteinander Sex zu haben – dafür müssen sie sich nicht gegenüber irgendwelchen Dritten verantworten, und dazu brauchen sie auch diese Kategorien nicht, um das untereinander zu klären. Im Mittelalter hatten Leute ja auch gleichgeschlechtlichen Sex miteinander, obwohl sie sich damals nicht als „Homosexuelle“ verstanden oder sich so bezeichnet hätten…

      Das wäre, was ich an der Stelle meinte – so ganz grob mit Handpuppen erklärt. Wenn immer noch was unklar ist, versuch konkrete Fragen zu stellen, das würde mir beim Antworten helfen.

    • Jetzt noch „Intersektionalität“ usw. zu erklären, dazu fehlt mir jetzt der Nerv. Ich verweise mal auf diesen Text, den ich letztes gelesen hab und in seiner Kritik ganz gut, jedenfalls bedenkenswert fand:
      http://aufstand.blogsport.eu/2015/12/22/wer-wir-sind-und-was-wir-wollen-teil-2-ueber-identitaetspolitik/

      Hab mir den Rest der Seite nicht genauer angesehen – dafür übernehme ich nun keine Haftung, falls die Leute z.B. eine doofe Haltung zum Nahostkonflikt oder so vertreten ;)

  12. Gerade über den Blog hier gestolpert, Sehr lesenswert und bedenkenswert. Leider finde ich keine Übersicht über die anderen Beiträge oder ich bin zu blöd die aufzurufen?

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