Nazinachrichten 8.12.2015

nazinachrichten8-12 Pegida Dresden Screenshot web.de (beschnitten)

Mann aus Ghana zu Boden geprügelt

Betrunkene dringen in Asylunterkunft am Brühl und beleidigen Flüchtlinge

Vermummte wollten Unterkunft stürmen

Polizei toleriert in Dresden unangemeldete Demos vor Asylbewerber-Unterkünften

Feuer in Asylbewerberunterkunft in Altenburg gelegt

Pegida: Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung und Pegida in einer Reihe mit Neonazis

Anzeige gegen CSU-Facebook-Seite – Mordaufrufe gegen Merkel und Roth

Hausdurchsuchung bei Thüringer Polizist

Fensterscheibe in Flüchtlingsunterkunft eingeworfen

Schifferstadt/Speyer: Neonazi-Demos und Gegenkundgebungen

Polizei verhindert rechtes Rockkonzert

Neonazis sorgten für Schlägerei bei Krampuslauf

Neonazi wegen Landfriedensbruchs verurteilt

Hohe Strafe, weil er gegen Flüchtlinge hetzte

Magdeburg: Gerücht über den Tod einer 19-Jährigen stimmt nicht

„Widerstandsbewegung Südbrandenburg“ steuert Anti-Asyl-Protest:Verbotenes Neonazi-Netzwerk aktiv

Holocaust-Leugnerin bei der NPD

Krawalle in Heidenau: 48 Tatverdächtige ermittelt


 

Lageso-Mitarbeiter berichten:Das Chaos gibt es wirklich (<-must read!)

Beweisbeschlüsse des 1. NSU-Untersuchungsausschusses

NPD-Verbotsverfahren wird eröffnet, dazu noch einmal lesenswert NPD-Verbot: Staatliche Abschiedsgeschenke für NPD-Funktionäre

Neonazis vertreten Neonazis – Die Anwälte im Ballstädt Verfahren

Antisemitismus: Einer hat mich angespuckt

Lügt die Presse? So erkennen Sie es.

Die sechs Rhetoriktricks der Frauke Petry
PEGIDA – Dresden, selbst Schuld

Bildungsmangel und emotionale Kälte: Die AfD und ihre (saudummen) Anhänger

Die völkische Bewegung stellt sich vor


 

NSU-Untersuchungsausschuß: Die neun größten Rätsel

Für morgen wird mit der Erklärung von Beate Zschäpe gerechnet, die ich dann noch nachtrage.


 

Deshalb ist Marine Le Pen so erfolgreich und Frankreich: Rechtsruck unaufhaltsam? und Beate Klarsfeld zum Erfolg des Front National und noch einmal lesenswert Front National soll 40 Millionen Euro aus Russland erhalten

Von Rechts gegen Flüchtlinge in Europa

„Graue Wölfe“ vor der Krim

US lawmakers protest statue honoring Hungarian who deported Jews

Donald Trump wants to shut out all Muslims from getting into the US

Jews Are Still the Biggest Target of Religious Hate Crimes

Halal-Fleisch: Nach Spar-Rückzieher nun Kampagne gegen Merkur

Australia’s shameful treatment of Sayed Abdellatif


 

Die Antilopengang bekam für ‚Beate Zschäpe hört U2‘ einen Preis von der Amadeu-Antonio-Stiftung zugesprochen.

 


 

Wie immer alles mögliche, aber kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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42 Gedanken zu „Nazinachrichten 8.12.2015

  1. Ja, das sollte schon lange mal gesagt werden: danke für das unermüdliche Sammeln, das leider nötig und wichtig ist! Es müsste eigentlich eine Erschwernis-/Schmutzzulage dafür geben.
    Grüßle, Diander

  2. Zum LaGeSo gibt’s bei Edition F ein feines Interview von Teresa Bücker mit-> Jouanna Hassoun.

    Jouanna Hassoun hat am Lageso in Berlin die gesundheitliche Erstversorgung aufgebaut, bei Miles vermittelt sie queere Flüchtlinge in sichere Unterkünfte. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was bei der Aufnahme von Geflüchteten schief läuft, wie Integration gelingen kann und wie man am besten hilft.

    Die Morgenpost hat 12 Stunden vom nächtlichen LaGeSo-> getwittert

    +++ 4.05 Uhr +++ Ein Mann mit Herzfehler musste gerade wiederbelebt werden. Er durfte nach Intervention von @moabithilft-Helfern nun rein.

    +++ 3.11 Uhr +++ Es ist schon verrückt: Da die leeren beheizten Zelte, direkt daneben die frierenden Menschen.

    +++ 15:44 Uhr +++ Flüchtlinge aus Afghanistan harren vor dem Lageso aus. Sie sitzen hier bereits seit vier Tagen.

    Als Kontrastprogramm zum Berliner Vollversagen seit! Anfang! August! ein Bericht über das, was Lenz Jacobsen als „Provinz“ bezeichnet-> Herr Bunsen bringt da mal Struktur rein

    Der Landrat sagt über die Flüchtlinge den schönen Satz: „Die Erwartung ist, dass wir das so wegregeln wie, sag ich mal, die Einkommenssteuer.“ Er grinst dabei etwas, fremde Menschen sind ja doch was anderes als Zahlen, klar. Aber eigentlich versucht er genau das: wegregeln.

    Gern erzählt Ludwig zum Beispiel von der IAGA, die habe er ja bereits vor über einem Jahr gegründet, die sei ganz wichtig. Wenn man ihn unterbricht und fragt, was das denn eigentlich sei, stutzt er kurz, bevor er erklärt: Interne Arbeitsgruppe Asyl. IAGA heißt: die Leute im Landratsamt reden miteinander.

    Auch Ludwig spricht nicht von Politik, da ist er ganz wie Bunsen. „Infrastrukturanbieter und Sozialdienstleister“ sei der Kreis, sagt er. 600 Kilometer Straßen, 26 Schulen: die Zahlen hat er immer im Kopf. Nun fahren eben auch Flüchtlinge auf diesen Straßen, sitzen in diesen Klassen. „Die Menschen werden in die bestehenden Strukturen hineinintegriert“, sagt Ludwig.

    Sein Amt hat dazu viele neue Leute eingestellt. 2012 haben sich noch drei Mitarbeiter um das Thema Asyl gekümmert, mittlerweile sind es 28, heute Morgen erst hat Ludwig neue Kollegen begrüßt. 2016 werden es dann 40 sein.

    Als Landrat ist Ludwig, das geht gar nicht anders, einer der Knotenpunkte des engen Netzes aus Gremien, Vereinen, aus alten Bekannt- und Nachbarschaften, das sich über die Provinz legt und sie zusammenhält. Später am Abend muss Ludwig noch zur Freiwilligen Feuerwehr Weidelbach, da feiert einer 40-jähriges Dienstjubiläum. „So was ist wichtig“, sagt der Landrat.

    „Es gibt weltweit kein erfolgreicheres Konzept als das des deutschen Vereins“, sagt Ludwig. „Muss man auch mal sehen.“ Er selbst kommt mittlerweile auf 49 Ämter und Mitgliedschaften. In der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Tierkörperbeseitigung Gunzenhausen, im Kuratorium der Diakonie Neuendettelsau, der Teichgenossenschaft Ansbach.

    Es sitzt natürlich kein einziger Flüchtling in der Teichgenossenschaft Ansbach, was soll er da auch. Es kommen ein paar Flüchtlinge zum Fußballtraining und vielleicht fängt demnächst einer eine Ausbildung an beim Metzger hier direkt um die Ecke der Kneipe, in der jetzt der Landrat sitzt. Es gibt ja nicht mehr viele deutsche Jugendliche in der Region, die Tiere ausnehmen wollen. Aber gehören die Flüchtlinge dann schon dazu? Sind sie dann integriert? „Also, Integration ist mir jetzt ein zu schillernder Begriff“, sagt Ludwig.

    Was heißt das denn auch: dazugehören. Das dauert sowieso lange hier. Es gibt Menschen, die wohnen seit Jahrzehnten in Dinkelsbühl oder Feuchtwangen oder Herrieden und gelten noch immer als die Zugezogenen. … Das hier ist nicht Berlin-Neukölln, wo manche sich schon nach fünf Jahren zu den Eingeborenen zählen. Das hier ist die deutsche Provinz. Wenn hier integriert wird, dann langsam und gründlich.

    • Mehr LaGeSo-Geschichten: nun wünscht der Herr Regierender Bürgermeister Müller, daß der Herr Sozialsenator Czaja den Herrn LaGeSo-Leiter Allert feuert-> Tagesspiegel

      „Wir brauchen hier eine neue Spitze im Lageso, die ihre Verantwortung wirklich wahrnimmt. Dafür ist die Sozialverwaltung zuständig, das zu organisieren“, sagte Müller. „Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir nicht mehr länger warten können.“

      Bürgermeister Müller kündigte zudem an, die untragbaren Zustände vor dem Lageso in den nächsten Tagen spürbar zu verbessern. Die Wartezelte sollen für Flüchtlinge geöffnet und das Zugangssystem optimiert werden.

      Sowohl in der SPD-CDU-Koalition als auch in der Opposition wird nun auf eine Stellungnahme von Senator Czaja gewartet. Müller hatte die CDU immer wieder indirekt für die Krise rund um das Lageso verantwortlich gemacht – und wie viele Christdemokraten offenbar nicht nachvollziehen können, dass Czaja zu Lageso-Chef Allert hielt. Allert war vom Sozialsenator vor einigen Monaten wegen des so genannten Patensohn-Affäre um fragwürdige Heimbetreiber-Verträge schon degradiert, aber nicht vom Amtsleiterposten enthoben.

      Seit spätestens Anfang August herrscht humanitärer Notstand am LaGeSo, Versagen im Amt, auch mangels Personal, gibt es schon wesentlich länger. Könnte es wohl möglich sein, daß dem Herrn Regierenden Bürgermeister die endlich aus dem Knick gekommenen Medien nicht behagen, die in den letzten Tagen endlich das tun, was die Blogosphäre schon seit Anfang August tut, nämlich diese Schande zu ihrem Thema zu machen?

  3. Mely Kiyak-> Germany und seine People

    Der Bayerische Rundfunk beteiligt sich an der Aktion Wegweiser für Flüchtlinge mit-> bebilderten Schautafeln, die den Flüchtlingen uns Deutsche erklären sollen. Schaut man sich die Tafeln an, schleicht sich der Verdacht des image tunings ein. Wir kommen totally friendly, tolerant and peaceful rüber.

    Tafel 1:Männer und Frauen (auch untereinander) geben sich zur Begrüßung und zum Abschied die Hand.

    Sollte ein Syrer oder Afghane jemals dieses Dossier lesen, kommt er aus dem Staunen sicher nicht heraus. Mit Handschlag? Echt? Wie genau? Handaußenflächen aneinander? Innenflächen reiben? How? Why?

    (Lange überlegt, wann mir das letzte Mal die Hand gegeben wurde.)

    Tafel 2:Schauen Sie der Person, mit der Sie sprechen, immer in die Augen.

    Einfach mal am DB-Schalter ausprobieren. Erst anfangen zu reden, wenn man mit Handschlag begrüßt und angeschaut wurde. Klappt auch auf der Ausländerbehörde! Nämlich nie.

    Tafel 5:Wenn Sie etwas nicht verstanden haben, können Sie jederzeit nachfragen. Das ist nicht unhöflich.

    (Überlege immer noch, wann mir das letzte Mal jemand die Hand gab und wie auf Schaubild 1, 2, 3, und 4 strahlte.)

    Tafel 6:Frauen gehören respektiert, unabhängig davon, welche Kleidung sie tragen. Gilt auch für Männer.

    Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Gesundheit – anderer Kontext aber gleiches Thema: „Nach der repräsentativen Untersuchung – Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland – von 2004 haben insgesamt 58,2 Prozent aller befragten Frauen Situationen sexueller Belästigung erlebt, sei es in der Öffentlichkeit, im Kontext von Arbeit und Ausbildung oder im sozialen Nahraum. Zu einem vergleichbaren Ergebnis für Deutschland kommt auch die im März 2014 veröffentlichte repräsentative Studie der Europäischen Grundrechteagentur zum Ausmaß von Gewalt gegen Frauen in Europa.“

    Tafel 7: In Deutschland ist es Homosexuellen erlaubt ihre sexuellen Präferenzen zu zeigen.

    Erlaubt ja. Aber auch anerkannt? Einfach mal einen Fußballspieler fragen. Außerdem. Händchen halten ja, Adoptionsrecht nein.

    Tafel 8: Auch ältere Menschen dürfen freundlich und ruhig um Hilfe gebeten werden.

    Ja. Aber nicht empfehlenswert. Jedenfalls nicht überall in Deutschland. Montags abends in Dresden ist es eher ungünstig aufgebrachte sächsische Rentner um Hilfe zu bitten, wenn diese sich gerade auf einer Pegida Demo befinden. (Himmel noch einmal, wann wurde ich denn das letzte Mal mit Handschlag begrüßt?)

    Tafel 9:In Deutschland dürfen Konflikte nicht mit Gewalt gelöst werden.

    Gilt wirklich absolut nur für Deutschland. Hätte man dazu schreiben sollen.

    Tafel 10: … sonst kommt man ins Gefängnis.

    Ausnahme: rechtsradikale Bürger, die Asylbewerberheime anzünden.

    Tafel 11: … oder bekommt Nachteile im Asylbeantragungsprozess.

    Ja, aber bis man endlich einen Asylantrag in Deutschland stellen darf, ist die Schlägerei vielleicht schon verjährt.

    Tafel 12: Konflikte werden durch Reden gelöst oder durch Hilfe Dritter (Ältere Menschen, Assistenten, Wärter).

    Das wäre schön, aber Täter, die Gewalt gegen Flüchtlinge ausüben, wenden sich leider nicht an ältere Menschen, Assistenten oder Wärter. Siehe Statistik Gewalt gegen Flüchtlinge.

    Tafel 13: Das Schlagen von eigenen oder fremden Kindern ist nicht erlaubt.

    Ach, würden die deutschen Eltern doch bloß darauf hören! Vergangenes Jahr wurden 104 Kinder durch Gewalt getötet und 4.204 Kinder misshandelt. Die Dunkelziffer liegt weit höher, weil Kinder darauf angewiesen sind, dass die Fälle entdeckt und gemeldet werden.

    Tafel 14:Wer Gewalt oder Ungerechtigkeit erlebt, kann eine Anzeige erstatten.

    Welche Polizeibehörde ist denn zuständig für einen Flüchtling, der sich noch im Asylbewerberstatus befindet und Gewalt durch Grenzpolizisten, Militär, Lagerkommandeure oder Sicherheitsdienste in Griechenland, Mazedonien oder anderswo auf der Reiseroute erlebt hat? Oder vor dem Lageso in der Warteschlange? Bekommt er einen Pflichtverteidiger vom Staat, wenn er sich keinen Anwalt leisten kann?

  4. Der Herr Lobo hat mal wieder was Kluges geschrieben-> Soziale-Medien-Demokratie: Der Knalleffekt ersetzt die Erkenntnis

    Der Tweet einer Frau mit dem Pseudonym „mamasnark“ von Ende November 2015 erklärt das Phänomen Donald Trump mit einer so lustigen wie klugen, aber bestürzenden Parallele:

    „Im Grunde genommen ist Trump genau das, was passieren würde, wenn sich die Kommentarspalte im Internet in einen Menschen verwandelt und als Präsident kandidiert.“

    In diesem Tweet steckt nicht nur viel Wahres über Donald Trump und das digitale Kommentariat. Dahinter verbirgt sich auch eine mögliche Erklärung für das katastrophale Erstarken der Rechtsradikalen in Europa von Ungarns Premier Viktor Orban bis zu Front-National-Chefin Marine Le Pen. Und ebenso für den Zuspruch für die AfD.

    Internet-Kommentare sind zum Symbol geworden für ungefähr alles, was an der Welt falsch ist, der Blitzhass, die Knalldummheit, die offen rausgerotzte Gewaltbereitschaft. Anfang November hatte ich versucht, den Rechtspopulismus anhand der Internetfigur des Trolls zu erklären. Es gibt dabei erstaunliche Parallelen, vor allem, sich ständig provoziert zu fühlen: Rechtspopulismus entlarvt sich im Netz als simplizistischer Opferkult nach Troll-Art zur Aufstachelung und Ablehnung eigener Verantwortung. Die faschistoide Trump-Eskalation in den USA offenbart nun eine weitere Parallele zwischen den Radikalen und den empörten Netzkommentatoren.

    Ein Internetkommentar muss nur sich selbst und dem Moment genügen, er ist ausschließlich Kommunikation im Jetzt. Internetkommentare werden viel gelesen und oft verbreitet, wenn sie eine Zuspitzung so formulieren, dass sie den Geschmack der Netzmassen treffen, und das ist das einzige Kriterium, es gibt kein wahr oder falsch, keine Recherche, kein Abwägen, es zählt wirklich nur der Moment der Rezeption. Der Klick auf Like, der Retweet, das Sharen ist eine rein situative und emotionale Angelegenheit. Der Internetkommentar steht daher als Symbol für eine Kommunikation ohne jede Verantwortung für Vergangenheit oder Zukunft oder irgendwelche Folgen.

    Der Internetkommentar ist ironischerweise das Symbol für das vorläufige Ende des Diskurses: Es kommt nur noch auf die emotionale Inszenierung des Moments an. Die spontan gefühlte Wahrheit ersetzt die Wahrheit, die momentane Überrumpelung ersetzt das Argument, der plötzliche Knalleffekt ersetzt die Erkenntnis. Bei einer Diskussion kommt es nicht darauf an, wer argumentativ überzeugt, sondern wer so wirkt, als habe er gewonnen. Der völlig verbogene Internetdiskurs vollendet damit, was das Fernsehen begonnen hatte: Politik nur für den Moment, Politik für Leute ohne Gedächtnis, Politik ohne Verantwortung für Vergangenheit oder Zukunft.

    ff.

  5. Über die kaum noch existente Pressefreiheit in Ägypten-> Die Wahrheit auf der letzten Seite

    Die Angst vor den Muslimbrüdern und die lebhafte Erinnerung an den wütenden Eifer der Extremisten zu Zeiten der Mursi-Regierung sind die offensichtliche Erklärung dafür, dass ein Teil der Presse dem Al-Sisi-Regime positiv gegenübersteht. Am 26. Oktober unterzeichneten 17 Chefredakteure der größten staatlichen (wie Al-Ahram) und privaten Tageszeitungen (wie Al-Masry Al-Youm) eine Erklärung, in der sie dazu aufriefen, sich mit Kritik an der Polizei, der Armee und den Justizbehörden zurückzuhalten.

    „Angeblich wollten sie damit der Regierung in ihrem Kampf gegen die islamistische Propaganda und gegen die terroristische Gewalt helfen“, empört sich Shahira Amin, „ein solcher Treueschwur ist in der Geschichte Ägyptens beispiellos.“ Als Reaktion auf diese Form der Selbstzensur unterzeichneten über 600 Journalisten eine Onlinepetition gegen die freiwillige Aufgabe der Pressefreiheit. Denn ein solcher Schritt bedeute den „Verlust der Würde für jeden ägyptischen Journalisten“, und einen „Sieg für den Terrorismus“.

    Die ägyptische Bevölkerung ist ähnlich gespalten wie das journalistische Lager. Ob sie Anhänger des Regimes sind oder Oppositionelle oder einfach nur Skeptiker – die ägyptischen Bürger hegen gegenüber der Presse ein großes Misstrauen. Vom Brotverkäufer auf der Straße bis zum alten Ministerialbeamten, der mit den Tricks der Politiker vertraut ist: In Kairo findet sich niemand, der die Berichterstattung über den Volksaufstand von 2011 vergessen hätte. Die regierungsnahe Presse und die staatlichen Fernsehsender verspielten jegliche Glaubwürdigkeit, als sie die Revolutionäre als Gauner und Verräter darstellten – wie heute die Oppositionellen und die unabhängigen Journalisten.

    Als ich neulich auf einer Straße in Kairo meine Zeitung durchblätterte, gab mir ein alter Mann mit Schnurrbart, der sich gerade eine Zigarette ansteckte, den weisen Ratschlag: „Lesen Sie nur die letzte Seite, nur da steht die Wahrheit.“ Auf der letzten Seite stehen die Todesanzeigen.

    • Was an dem Hosen-Lied ist „schlimmschrecklich“??? Und Cello-Spieler_innen sind cool!
      Die Hosen engagieren sich u.a. seit und noch etwas länger für „Pro Asyl“!
      Damit: https://www.youtube.com/watch?v=ea9-UE28l04 wurden die auch schon in die Nazi-Ecke gestellt; hören manche Menschen richtig hin?!?

      Der eingebettete Link funktioniert ned direkt, mal so am Rande ;) .
      (Ich bin eigentlich Ärzte-Fan, da gibts sowas wie Beatles vs. Stones, aber auch wenn mensch die einen mag, muß er/sie/es die anderen nicht scheiße finden ;) !)

  6. OMG!!!11eins!!
    Thüringer Antifa aufgeflogen!

    Der Vorsitzende von Die Rechte, Bert Müller, hat einen brisanten USB-Stick gefunden und trägt die daraus gewonnenen Wahrheiten vor (es könnte mal für etwas professionelleres Video-Equipment gesammelt werden, sonst wird’s wieder nix mit dem Endsieg)

    Sturmhaubenvermieter ist bestimmt ein sehr schöner Beruf…;-)…

  7. Süddeutsche (Print) 11.12.2015 Seite 3 Von C. v. Bullion, R. Meinhof und T. Schmitz

    Schande

    Es ist zwanzig nach sechs Uhr am Morgen, die Sachbearbeiterin vom Lageso parkt, steigt aus, zündet sich eine Zigarette an. Sie hat so geparkt, dass die Flüchtlinge sie nicht sehen können. Im Radio melden die Nachrichten, dass ihr Vorgesetzter gefeuert worden ist. Die Sachbearbeiterin sagt: „Bitte, lassen Sie mich in Ruhe.“ Als Angestellte des öffentlichen Dienstes darf sie nicht ohne Erlaubnis mit den Medien reden. Das kann sie den Job kosten.

    Sie sagt dann doch noch einen Satz, zwischen zwei Zügen, einen von großer Wucht: „Es ist die Hölle, für uns und für die.“

    Die Hölle ist in Berlin-Moabit, Turmstraße 21, da, wo das hippe Berlin in Ein-Euro-Shops und Spielcasinos ausfranst. Sie hat einen Namen: „Lageso“, Landesamt für Gesundheit und Soziales. Es ist ein Labyrinth aus den Backsteinhäusern B bis J und einem zehngeschossigen grauen Betonmonster, dem Haus A. Früher befand sich hier das Krankenhaus Moabit, heute ist es die Erstanlaufstelle für Flüchtlinge. Hier müssen sie sich registrieren lassen, jeden Monat ihr Taschengeld abholen, die Lungen röntgen lassen. Bislang sind 75 000 Flüchtlinge in Berlin gestrandet, bis Jahresende wird mit 80 000 gerechnet. Berlin muss damit pro Kopf doppelt so viele Flüchtlinge dauerhaft unterbringen wie Bayern.

    Seit Monaten macht das Lageso Schlagzeilen. Ein Junge wurde von hier entführt und später ermordet aufgefunden. Es gibt Videos, wie Sicherheitsleute Flüchtlinge blutig prügeln und Nazi-Sprüche klopfen. Sogar die New York Times hat sich gerade in einem Artikel darüber gewundert, wie in einem für seine Effizienz bekannten Land so etwas wie das Lageso existieren kann, wo Flüchtlinge stunden- und tagelang im Schlamm in Schlangen anstehen, nur um Nummern zu bekommen für die nächste Schlange.

    Das Lageso ist ein Unort. Ohne Freiwillige würde in dieser Stadt alles kollabieren

    Zum Beispiel die vom Verein „Moabit hilft“. Studentinnen, die nach der Vorlesung für ein paar Stunden Tee ausschenken, Windeln verteilen, gespendete Kleidung sortieren. Solange etwas da ist zum Verteilen. Sind die Plastikbecher aufgebraucht, kann kein Kaffee mehr verteilt werden. Es sei denn, sie kaufen Becher – vom eigenen Geld.

    Auch Ali kommt an fast jedem Tag nach der Arbeit auf das Lageso-Gelände, wo „Moabit hilft“ das Haus D nutzen kann. Ali ist Elektroingenieur bei einem großen deutschen Konzern. Viele seiner Kollegen wissen nicht, was er tut, wenn er seinen Arbeitsplatz verlässt, wissen nicht, dass er täglich eine zweite Schicht fährt, hier, zwischen all den Gestrandeten von Moabit, denen er helfen kann, auch, weil er Farsi spricht, denn seine Eltern kamen einst aus Persien zum Studium nach Deutschland, wo Ali auch geboren ist.

    Was er täglich erlebt, treibt ihm die Tränen in die Augen. „Ich finde das alles so beschämend, mir tut das weh, wie die Menschen behandelt werden. Es sind doch Menschen.“ Ali sammelt unter seinen Freunden Geld. Neulich, erzählt er, haben sie für 7000 Euro Medikamente eingekauft und in den Berliner Flüchtlingsheimen verteilt. „Aber Medikamente und Essen sind ja nur das eine“, sagt er. Über sein schneeweißes Hemd hat er einen Pulli gezogen, vielleicht, weil ein weißes Hemd zwischen all dem Elend unpassend ist. „Die Menschen brauchen dringend psychologische Hilfe.“ Und dann erzählt er von der jungen Frau, die am Boden saß, vor Haus D, und vielleicht gar nicht hörte, als Ali sie fragte, ob sie ein belegtes Brot wolle. Ihr Gesicht war zerkratzt, sie starrte auf den Boden. Ein Verwandter der Frau habe ihm dann erzählt, was ihr geschehen sei, ihr, der Christin aus Syrien. IS-Terroristen hätten vor ihren Augen ihren Mann und zwei ihrer Söhne enthauptet. „Wissen Sie, ich bin kein Heultyp“, sagt Ali, „aber ich liege manchmal nachts bei meiner Frau und kann nur noch weinen.“

    Ahmed Khalil war schon sieben Mal am Lageso. Sieben Mal umsonst. Einmal saß er nach neun Stunden Warten vor einer Sachbearbeiterin. Er hatte die Nacht auf dem Gelände verbracht, um morgens der Erste zu sein, der in Haus A eingelassen wird. Aber die Sachbearbeiterin musste ihn vertrösten: „Sie hat meine Akte nicht gefunden.“ Also bekam er Termin Nummer fünf.

    Es ist Viertel vor sieben. Ahmed Khalil ist schon um vier Uhr aufgewacht aus Angst, er könnte den Wecker überhören. Er hat dann geduscht, die U-Bahn genommen, jetzt steht er in der Turmstraße und sagt: „Ich fühle mich hier wie der letzte Dreck.“ Er sei kein Mensch, der hasst. „Aber hier hasse ich Deutschland.“

    Noch immer ist es dunkel, als sich Ahmed Khalil in eine Schlange einreiht vor dem Zelt. Es ist die Schlange für die, die einen Termin haben. Die meisten verpassen hier ihren Termin. Zum Sender rbb hat ein Sachbearbeiter gesagt: „Wir bestellen jeden Tag 500 oder mehr Flüchtlinge ein mit Termin neun Uhr. Wir wissen aber seit Wochen, dass wir nur maximal 200 abarbeiten können.“

    Absurd ist auch dies: Irgendwann zwischen 17 und 19 Uhr schließt sich auf den Bildschirmen der Mitarbeiter des Lageso die zentrale Betriebssoftware „Open/Prosoz“. Nur ist um 17 Uhr die Schlange der Wartenden ja nicht verschwunden. Was tun? Sie rufen ein Hilfsprogramm auf. Von jetzt an müssen die Sachbearbeiter alles mit dem Taschenrechner machen, jede Leistung also „händisch“ berechnen. Alles, was sie abends mit dem Taschenrechner berechnet haben, müssen sie am nächsten Morgen in „Open/Prosoz“ übertragen.

    Warum braucht ein Programm Feierabend? Warum läuft es nicht länger?

    „Das müssen Sie mal Herrn Czaja fragen, oder besser noch Herrn Müller“, sagt Karen Busch.

    Wenn man mit den Personalräten spricht, die im Lageso für ihre Mitarbeiter auf irgendwie sehr verlorenem Posten kämpfen, wird man öfter an Berlins Regierenden Bürgermeister verwiesen. Oder an den zuständigen Senator. Astrid Weigert, Karen Busch und Wolf-Dieter Kopp sitzen im sechsten Stock des Lageso vor einem fast leeren Keksteller, der Rücktritt ihres Amtschefs liegt gerade ein paar Stunden zurück. Sie sind wütend, aufgebracht. Schon vor zweieinhalb Jahren, sagen sie, haben sie vor der Katastrophe gewarnt und dringend um mehr Personal gebeten. „Jetzt wird hier plötzlich Personal reingestopft, aber total ohne Vorkenntnisse“, sagt Astrid Weigert. Für die Einarbeitung habe niemand Zeit. Oder sie haben endlich zehn geeignete Bewerber, brauchen aber für die Einstellung die schriftliche Zustimmung des Finanzsenators. Bis die kommt, vergehen zwei Monate. „Zwei Monate!“, sagt Karen Busch. „Das Vorausschauende fehlt völlig in dieser Stadt, Berlin ist ausgeknautscht, total ausgeknautscht.“

    Und die Kollegen im Lageso sind auch ausgeknautscht. Astrid Weigert erzählt, dass Mitarbeiter aus festen Verträgen kündigen, weil sie wissen, dass sie einen zweiten Nervenzusammenbruch nicht überstehen werden, weil sie selber einen pflegebedürftigen Vater haben, zum Beispiel, oder kleine Kinder. Sie sagt: „Die Mitarbeiterin muss auch damit klarkommen, was sie da manchmal erlebt. Dass ein Flüchtling blitzschnell nach der Schere greift, die auf dem Schreibtisch liegt, und sie sich in den Bauch rammt. Das kommt hier vor.“ Aus Verzweiflung.

    Neulich, erzählt sie, stürmte ein anderer im zehnten Stock zum Fenster, riss es auf, um sich herunterzustürzen. Sie konnten ihn gerade noch an den Beinen halten. „Was nützt es denn, wenn die wenigen auch jetzt noch Nachtschichten machen“, fragt Astrid Weigert, „und dann in vier Wochen total zusammenbrechen?“

    Vielleicht sollte man auch das Herrn Müller fragen.

    Wer wissen will, was passieren kann, wenn das Warten zu lang wird, kann den ehemaligen Flughafen Tempelhof besuchen. In historischen Hangars stehen hier Zelte auf Beton, die Flugzeuggaragen sind beheizbar, aber grau. Ein alternativer Zirkus ist zur Aufheiterung gekommen, junge Leute lassen Kinder auf großen Bällen balancieren. Rund 2000 Flüchtlinge leben auf dem Flughafengelände, 4300 sollen es werden. Nun lehnen sich die Verantwortlichen auf, auch der sanitären Zustände wegen.

    Es gibt hier keine Duschen, und wer sich waschen will, kann sich mit dem Bus ins nächste Hallenbad fahren lassen. Alle vier Tage. So geht das nicht weiter, sagt Jaafar, 21, der in Tempelhof beim Sicherheitsdienst arbeitet. Früher war er bei der Kfz-Meldestelle, aber dann, sagt er, „haben die uns gebraucht“. Jaafar kann Arabisch, er hat palästinensische Vorfahren, die Familie ist vor Jahrzehnten über Libanon nach Deutschland geflohen. „Damals haben die Deutschen uns geholfen, jetzt helfen wir den Deutschen“, sagt er.

    Der Sicherheitsmann brüllt: „Die können sich verpissen, wenn sie hier weiter Stress machen!“

    Wenn man so will, dann haben die Syrer und Afghanen hier im Hangar diesem jungen Berliner zu einem ganz neuen Selbstwertgefühl verholfen. „Ich habe Arbeit“, sagt er. „Ich zahle Steuern. Ich komme morgens mit einem Kaffee und gehe abends nach Hause, vielleicht mit einem Lächeln. Das sehen die.“

    Eine Familie mit kleinen Kindern kommt auf ihn zu: ob es noch einen Kinderwagen gibt. Ein Mann kann den Zettel vom Amt nicht lesen. Eine Mutter streckt Jaafar die leere Nuckelflasche hin. Die Neuen sollen nicht so viel fordern, wird er später sagen: „Die müssen da jetzt durch, das mussten wir auch.“

    Ahmed Khalil ist so ein Neuer. Als er, der Sunnit, aus Bagdad floh in einer Augustnacht, weil schiitische Milizen nach seinem Leben trachteten, wusste er, wohin die Reise gehen sollte: nach Deutschland. Das war seine zweite Wahl. Sein Traum sind die USA, bei Apple arbeiten, aber der Atlantik ist zu groß für eine Schlauchbootfahrt. Von Deutschland wusste er nur, dass das Land von einer Frau regiert wird, „und dass in Deutschland eigentlich immer alles klappt“. Seit drei Monaten macht Ahmed Khalil in der Turmstraße 21 die Erfahrung, dass zwischen Deutschlands Ruf und der Realität eine große Lücke klafft.

    Er steht jetzt in der Schlange für Männer. Dicht gedrängt, Schulter an Schulter, lassen sie sich von den Sicherheitsmännern in den roten Windjacken sagen, was sie dürfen und was nicht. Sie dürfen eigentlich gar nichts. Fotografieren schon gar nicht. Ahmed Khalil sagt, er habe schon gesehen, wie 50-Euro-Scheine den Sicherheitsleuten zugesteckt worden seien und Flüchtlinge sich damit Zugang verschafft hätten zu Haus A.

    Plötzlich Schreie, Hiebe, Rangelei. Drei Männer brüllen einen Sicherheitsmann an. In der Taschengeld-Schlange habe sich ein Mann aus Afghanistan vorgedrängt. Der Sicherheitsmann brüllt alle drei Männer auf Deutsch an. Er wendet sich an einen, der die Rangelei neugierig beobachtet hat: „Ey, du, sprichst du die Sprache von denen? Sag denen, sie sollen nicht rumnerven. Die können sich sonst verpissen, wenn sie hier weiter Stress machen.“

    Der Mann, der übersetzen soll, fragt nach, was mit Verpissen gemeint sei. Er lerne erst seit zwei Monaten Deutsch und kenne das Wort nicht.

    Ein paar Kilometer von Moabit entfernt, eine Turnhalle in Friedrichshain-Kreuzberg. Die Kletterwände sind mit Kleidern zugehängt, und die elektronische Anzeigetafel ist schon längst abgestellt. Die Halle ist vollgestellt mit Klappbetten für Flüchtlinge, es gibt keine Privatsphäre und keinen Sichtschutz für die Frauen, die deshalb hier auch nachts das Kopftuch nicht ablegen. Im Eingangsbereich riecht es scharf. „Drei Wochen“, sagt Philipp Erdmann. Er meint die Zeit, die sie hier mailen, telefonieren und betteln mussten, bis endlich einer kam und die verstopften Klos gereinigt hat.

    Philipp Erdmann heißt eigentlich anders, er darf nicht mit der Presse reden, tut es aber doch, weil er hofft, dass das hilft gegen die Unfähigkeit der Verwaltung. Erdmann ist Anfang 30, Student, und über Nacht von der Agentur für Arbeit zum „Heimleiter“ in der Halle ernannt worden. Jetzt ist er verantwortlich für 150 Flüchtlinge und zwei Dutzend Freiwillige, die erledigen, was der Staat so liegen lässt.

    Kleiderspenden verteilen, Formulare erklären, Kranke zum Arzt schaffen, Bettwäsche waschen. Es gibt hier keine Waschmaschine, in den Duschen sitzt der Schimmel, aber das ist nicht das Schlimmste, findet Erdmann. Das Schlimmste sei, wenn man vom Lageso etwas braucht: „Egal, was man von denen will, es führt in die Sackgasse“, sagt der Heimleiter. „Manchmal kriegt man von denen eine Antwort. In der Regel nicht.“ Kommen Briefe von der Flüchtlingsbehörde, dann beginnt nicht selten erst einmal ein Detektivspiel, wer und was da gemeint sein könnte. „Diese ganzen Unterlagen sind so unglaublich fehlerhaft“, sagt Erdmann. Es komme vor, dass ein Name in einem einzigen Dokument fünfmal anders geschrieben werde. Dann wieder werde zu Terminen vorgeladen, die in der Vergangenheit liegen. Und was auch immer angeschafft oder bestellt wird: Es ist davon auszugehen, dass das Lageso nicht dafür bezahlt. Viele Flüchtlinge haben inzwischen mitgekriegt, dass die Behörde kollabiert. „Manche kriegen dann Angst“, sagt der junge Heimleiter, „dass sie vergessen werden.“

    Das Lageso, ein kafkaesker Ort. Hunderte Menschen irren umher zwischen den Häusern A, B, C, D, E, F, G und J. Nirgends ein Schild, das erklären würde, an wen man sich wenden muss, wenn man gerade 4000 Kilometer aus Syrien in die Turmstraße nach Moabit geflohen ist. Jemand hat ein Kryptogramm an einen Baum genagelt. Windeln wechseln darf man zwischen 11 und 13 Uhr und zwischen 14.30 und 17 Uhr in Haus C. Die frierenden Menschen halten Zettel in den Händen, manche in Klarsichtfolien verpackt. Sie verstehen nicht, was auf den Zetteln steht und wohin sie gehen müssen. Auf den Zetteln stehen Sätze wie dieser auf dem Zettel von Ahmed Khalil: „Ihr Anliegen konnte heute nicht bearbeitet werden. Bitte erscheinen Sie morgen wieder.“ Es ist das siebte Mal, dass Ahmed Khalil so einen Zettel bekommen hat. Es ist halb acht, und Khalils Schlange hat sich kaum bewegt.

    Nach zehneinhalb Stunden Warten bekommt er einen Zettel: „Kommen Sie morgen wieder!“

    Berlin sitzt auf einem Schuldenberg von 60 Milliarden Euro. Die Stadt spart, mit einem harten Programm. Von 200 000 Stellen im öffentlichen Dienst wurden 95 000 gestrichen. Auch das muss man wissen.

    Es ist jetzt Viertel vor neun, Ahmed Khalil steht seit drei Stunden vor Haus A, die Hände sind blaugefroren. Er könnte sich einen Tee holen, draußen, in der Turmstraße, wo ein Wagen der Feuerwehr Kaffee und Tee verteilt, aber dann wäre sein Warteplatz verloren. Plötzlich ein markerschütternder Schrei. Es ist eine Frau, die brüllt, auf der anderen Seite von Haus A, wo sich eine andere Schlange gebildet hat. Alle Augen sind auf die Frau gerichtet. Ist sie verrückt geworden? Sie hat die Absperrgitter überwunden, ihr Mann an ihrer Seite versucht, sie zu beruhigen. Fünf Polizisten reden auf die Frau ein, die aber kein Deutsch versteht. Ein Sicherheitsmann erklärt ihrem Mann: „Was macht ihr hier für ein Theater, ich hab dir doch erklärt, hier muss jeder warten. Ihr seid hier nicht allein, hier stehen Tausende wie ihr.“ Die Frau schreit wieder, hysterisch. Der Polizist fragt den Mann: „Sollen wir einen Arzt holen?“

    Es ist kurz vor halb fünf am Nachmittag, Ahmed Kahlil ist seit zehneinhalb Stunden auf dem Lageso-Gelände. Man muss hier jetzt nicht mehr knöcheltief im Schlamm stehen, wenn es regnet. Ein Teppich aus Plastiknoppen-Quadraten bedeckt jetzt den Boden im Innenhof des Lageso-Geländes. Fünf Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben den Schlammschutz seit dem frühen Morgen verlegt. Auch das Herbstlaub haben sie beiseitegefegt.

    Ahmed Khalil hält einen Zettel in der Hand. Den ganzen Tag hat er Schlange gestanden, bis er endlich vor einem Sachbearbeiter saß, der ihm diesen Zettel gab. Auch diesmal war das Warten umsonst. Er soll morgen wiederkommen.

    Er will jetzt nur noch in seine Notunterkunft nach Wilmersdorf, etwas essen, schlafen, den Tag vergessen. „Die“, sagt er auf dem Weg zur U-Bahn, „brechen mir hier das Herz.“

  8. Laut-> Katharina König wurde Pfarrer König bei den Protesten gegen den Naziaufmarsch in Leipzig-Connewitz gewaltsam von der Polizei festgenommen worden, sie twittert von einem Faustschlag ins Gesicht und von einer anschließend schiefen Nase. Die Polizei wirft ihm mal wieder Widerstand gegen die Staatsgewalt und Landfriedensbruch vor, alles 2011 schon dagewesen. Das sind „sächsische Verhältnisse“ und ich glaube der Polizei kein Wort °_O

    Über Nazidemo und Gegenproteste in Leipzig-> nd -> mdr und -> #le1212

    • Das Vermummungsgebot wurde in Leipzig einmal mehr höchst einseitig-> umgesetzt.

      Immerhin wurde Lothar König inzwischen wieder freigelassen-> mdr.

      Der deutschlandweit bekannte Stadtjugendpfarrer Lothar König aus Jena ist bei einer Demonstration in Leipzig vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Ein Sprecher der Leipziger Polizei sagte MDR THÜRINGEN, König würden Landfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Die Polizei bestätigte außerdem, dass sie den von König gesteuerten Kleinbus sichergestellt hat. Am Abend wurde König dann wieder entlassen, auch der Kleinbus wurde wieder freigegeben.

      Ein MDR-Reporter wurde in Leipzig Augenzeuge des Geschehens. Er berichtete, König sei mit dem Kleinbus der Jenaer Jungen Gemeinde (JG) Stadtmitte in einer Nebenstraße gefahren, in der die Polizei eine Absperrung aus Einsatzfahrzeugen gebildet habe. Fünf bis zehn Meter vor den Fahrzeugen sei der Kleinbus zum Stehen gekommen. Die Absperrung aus Polizeifahrzeugen habe sich hinter einer Kurve befunden, sodass sie König möglicherweise erst spät gesehen habe. Nachdem der Kleinbus stand, sei er von Polizisten eingekesselt und König als Fahrer abgeführt worden.

      Die Tochter des Pfarrers und Thüringer Landtagsabgeordnete der Linken, Katharina König, hatte bei Twitter behauptet, ihr Vater sei von Polizisten ins Gesicht geschlagen worden. Diesen Vorwurf bestätigte die Polizei in Leipzig nicht. König veröffentlichte einen Tweet mit einem Foto, das den beschlagnahmten Kleinbus zeigt. Am Steuer und auf dem Beifahrersitz sind Polizeibeamte in Einsatzuniform zu sehen. König selbst sagte nach seiner Freilassung einem MDR-Reporter, ein Polizist habe ihm nach einem Gerangel um den Schlüssel für seinen Kleinbus geschlagen.

      Bei Twitter ist außerdem mehrfach die Rede von einem jungen Mann, der von der Polizei offenbar so zusammengeprügelt wurde, daß er mit schweren Kopfverletzungen und Krampfanfällen ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte und in kritischem Zustand sein soll. Zunächst wurde berichtet, daß er tot ist.

    • Von Jule Nagel gibt es ein-> Statement zum 12. Dezember 2015.

      „Die Stadtverwaltung hat Protest in direkter Nähe des Naziaufmarsches verunmöglicht und die Route weiträumig abgeschirmt. Demokratischer Protest wurde so an den Rand und aus dem Blickfeld der Nazis gedrängt. Gerade mit Blick auf die schon lange erfolgreich erprobte Protestkultur in Leipzig halte ich diese Strategie des Aussperrens für verfehlt. Auch damit wird dafür gesorgt, dass Menschen ihre Wut an anderen Stellen entladen.“

      „Gerade in der Nähe einer Unterkunft für Asylsuchende sind solche Eskalationen mehr als deplatziert. Hier haben einige scheinbar eine Art Ersatz-Beschäftigung für den verhinderten Protest gegen den Naziaufmarsch gesucht. Das finde ich kontraproduktiv, zudem die Nazis genau diese Eskalationen mit ihren Anmeldungen erreichen wollten.
      Jedoch darf nicht verschwiegen werden, dass auch die Polizei an vielen Stellen unverhältnismässig agiert hat. Mit Tränengasgeschossen und körperlicher Gewalt gegen Demonstrierende wurden an vielen Stellen Grenzen überschritten. Zum Ende hin wurden Straßen mit Wasserwerfern freigeräumt und willkürlich Menschen eingekesselt.
      Nach Augenzeugenberichten war zudem wieder der Bereitschaftspolizist Fernando V. im Einsatz, dem Verbindungen zum Vorsitzenden der Partei DIE RECHTE Sachsen nachgewiesen worden. Laut Aussagen des Innenministers soll der Beamte unlängst in den Innendienst versetzt worden sein.“

        • Guter Kommentar im Sprachlosblog-> Sicher kein „Straßenterror“

          Als sei der Terrorbegriff nicht schon restlos überladen, muss er nun auch noch kaputte Scheiben, Dixis und Autos abdecken. Dabei hat das Kompositum Straßenterror konkrete historische Bezüge. Ein Ausflug zu Wikipedia reicht bereits, um dessen Geschichtsträchtigkeit zu erkennen. „Der Begriff Straßenterror wurde und wird meist im Zusammenhang mit nationalsozialistischem Terror verwendet“ (siehe hier). Bei solchen Aktionen, von der SA und der SS durchgeführt, starben regelmäßig Menschen; jene, die nicht in das Weltbild der deutschen Rassenideologie passten. Seit Samstag allerdings ist das Wort neu codiert, weil mediale Zitationsketten die Suchalgorithmen überfrachten. So tilgt man historische Spuren und verharmlost die Verbrechen, die im Namen des NS verübt wurden.

          Auf der einen Seite wird verniedlichend von „besorgten Bürgern“ und „Asylkritikern“ gefaselt und auf der anderen vom „Straßenterror“ schwadroniert. Eine Vermutung: Wenn notorisch (wie Werner Patzelt und andere Extremismusversessene mit ungebrochener Leidenschaft vorführen) ein vermeintlich gleicher Abstand der guten weil demokratischen Mitte zu links und rechs vermessen werden muss, während die politische Kultur bedrohlich nach rechts kippt, dann braucht es zweierlei Maß. Und die Wahl der Worte ist wie immer „geschwätzig“.

          tldr-> Cartoon.

  9. Nazinachrichten 14.12.2015

    Standard-> Mängel in Asylpension: Aufdeckerplattform wegen Besitzstörung verurteilt (und nicht die Betreiber der unzumutbaren Unterkunft)

    nd-> Frankreich: Front National gewinnt in keiner Region

    Telepolis-> Frankreich: Front National verliert bei den regionalen Stichwahlen

    dradio-> Rechtspopulismus: Einfache Erklärungen für eine komplexe Welt. Armin Nassehi im Gespräch mit Nana Brink

    Endstation rects-> Neonazi-Aufmarsch: „Zurückeroberung“ Leipzigs fällt aus

    BRF-> Mehr Gegner als Anhänger bei Pegida-Demo in Aachen

    bnr-> „Pegida“ steht im Regen

    Leipziger Volkszeitung-> Sechs Neonazi-Schläger aus Delitzsch erwarten Montag vor Landgericht ihr Urteil

    Augsburger Allgemeine-> NPD-Funktionär Sascha Roßmüller droht jahrelange Haft

    NDR-> Deal im Prozess gegen „Besseres Hannover“

    Publikative-> Führt Höcke die AfD ins rechtsextreme Spektrum? (Ist Wasser naß, Herr Gensing?)

    Thüringer Allgemeine-> Carius nennt Thüringens AfD-Chef Rechtsextremisten

    y-net-> Serial arsonist targets Jewish neighbourhood in New York City

    mopo24-> Zwei geplante Flüchtlingsunterkünfte in Flammen (in Dippoldiswalde und Cossebaude)

    mopo24-> Unbekannte werfen Molotow-Cocktail auf Asyl-Notunterkunft in Pirna

    Rheinische Post-> Melanie Dittmer verkündet „Dügida“-Aus (zugunsten der Identitären)

    cbcNews-> Son of Holocaust survivor accuses Amazon of ‚profiting from hate‘

    Halterner Zeitung-> Unbekannte schießen auf die Notunterkunft in Sythen

    Netz gegen Nazis-> Jahresrückblick 2015, Baden-Württemberg: Heimatland der „Besorgten Eltern“

  10. Zu den Riots in Connewitz ist zu bedenken, daß der Stadtteil genauso wie die Dresdener Neustadt und die Nordstadt in Nürnberg (ist übrigens Mittelfranken, mal so am Rande, die legen dort Wert drauf, nicht als Nordbayern bezeichnet zu werden ;) ) eher linke/alternative Ecken sind. Da muß es die Staatsgewalt auch nicht provozieren, ausgerechnet dort Fascho-Demos zu genehmigen!!!

    Ich kenne die JG Stadtmitte in Jena und habe auch mit dem Lothar König schon ein paar Worte gewechselt, irgendwie ist es erstaunlich, daß die evangelische Kirche den noch hält. Netter Kerl und im Gegensatz zu seinem ehemaligen Kollegen aus Rostock labert der nicht nur…
    Und da wir grade bei Rostock sind; Banjo:

    Sind Hansa-Fans…

  11. Nazinachrichten 15.12.2015

    Tagesschau-> Keine 24 Stunden für Hass im Netz

    nordbayern.de-> Plakat bei Pegida-Demo entrissen: Junge Männer verurteilt

    mopo24-> Sechs Monate Haft für Hetzer

    Neue Zürcher Zeitung-> Stoppen wir lügende Politiker!

    Andreas Kemper-> Forderte Höcke bereits 2012 einen biologischen Rassismus?

    Stuttgarter Nachrichten-> Feuer in Türkisch-Islamischer Union in Stuttgart: Video zeigt Täter des Brandanschlags

    Leipziger Volkszeitung-> Überfall auf Konzertgäste: Delitzscher muss knapp acht Jahre ins Gefängnis

    Ostsee Zeitung-> Falsche eidesstattliche Erklärung und mehrere Fahrten ohne Fahrerlaubnis: Das Amtsgericht hat am Montag einen vorbestraften NPD-Stadtvertreter aus Güstrow zu 5 Monaten Haft verurteilt

    Zeit Online-> Feminismus von ganz rechts?

    Zeit Online-> #CampusRassismus „Du Schlampe, ich weiß, wo du studierst“

    Zeit Online-> Straftaten gegen Flüchtlinge nehmen stark zu

    Grüne Sachsen-Anhalt-> Mordaufrufe, Volksverhetzung: „Magida-Demos verbieten“

    nd-> Magdeburg: Pegida-Mordaufrufe gegen Grüne und Linke

    nd-> Kaum gefälschte Pässe

    Tagesspiegel-> Pegida mobilisiert 6300 Anhänger – Lutz Bachmann nicht mehr Versammlungsleiter

    Tagesspiegel-> LaGeSo/Senatskanzlei: Flüchtlingshilfe unerwünscht

    Mitteldeutsche Zeitung-> „Wer auf uns schießt, muss damit rechnen, dass wir auf ihn schießen“

    taz-> Wider den Hakenkreuz-Tourismus

    br-> Neonazi-Partei „Die Rechte“: Gewaltbereite Rechtsextreme sammeln sich in Franken

    Sächsische Zeitung-> Rassistische Motive

    queer-> Griechischer Bischof: Homosexuelle „sind keine Menschen“

    Standard-> Frankreich: Lehrer erfand IS-Messerangriff

    Guardian-> Soldier jailed for making nailbomb avoids terror charge


    Das unermüdliche Dokumentationsarchiv bringt einen schönen Artikel über Esther Bejarano-> ‚Mir lebn ejbig‘ Sie wird heute nämlich 91 Jahre alt<3

  12. Thomas Fischer über-> Wahrheit, Moral und Presse

    Frau Beate Zschäpe wird Ihnen, liebe Leser, Moralisten und Rechtssucher, die Arbeit der „lückenlosen Aufklärung“ und des Verständnisses der „Hintergründe“ mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht abnehmen. Sie ist Beschuldigte in einem Mordprozess. Es ist vollkommen gleichgültig, ob sie schöne oder zauselige Haare hat, weiche oder harte Halstücher trägt, ob sie uns anschaut oder uns den Rücken zuwendet. Sie ist nicht verantwortlich für unsere Projektionen. Der Rechtsstaat ist ihr schuldig, sie wie ein für sich selbst verantwortliches Subjekt zu behandeln und nicht wie ein Ausstellungsstück in einer Fernsehshow zur neuesten deutschen Geschichte. Dem Gericht, das – derzeit als einziges legitimiert – über Schuld oder Unschuld der Angeklagten zu entscheiden hat, schuldet die Öffentlichkeit, so meine ich, ein Minimum an Respekt und Vertrauen. Die Urteilsverkündung mittels Talkshow sollte daher zurückgestellt werden.

    Dass man von den Angehörigen ermordeter Opfer keine Distanz erwarten kann, ist selbstverständlich. Der Rest der Gesellschaft aber sollte sie unbedingt aufbringen. Um des Rechtsstaats willen, den wir gegen die mörderischen Taliban verteidigen.

  13. „Moral und Gewissen lassen sich nicht mit staatlicher Gewalt erzwingen. Diese Erkenntnis ist eines der Elemente dessen, was wir Menschenwürde nennen, und es muss gegen den Staat und gelegentlich auch gegen diejenigen verteidigt werden, die sich auf der Seite des Guten wähnen.“
    (aus dem Link von der Thomas Fischer Kolummne)
    Hat zwar irgendwas von Nietzsche, aber Zustimmung!

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