WTF?

nazinachrichten1311                   Bild: CC BY-SA 2.0 ©Milan Nykodym (beschnitten)

In Bad Belzig wurde am Mittwoch eine im 8. Monat schwangere Frau aus Somalia von zwei Jungen im Alter von 14 und 15 Jahren und einem 14-jährigen Mädchen zu Boden geschlagen und getreten. Sie hatte ihre Einkäufe, einen Sack Kartoffeln, nicht in der Hand, sondern auf dem Kopf getragen und dabei telefoniert. Die Frau wurde ins Krankenhaus eingeliefert und kann, mit Rücksicht auf ihre Gesundheit, erst Anfang kommender Woche als Zeugin befragt werden.

Wtf? Was ist bloß im Leben von Kindern passiert, daß sie eine hochschwangere Frau schlagen und treten? Was bringt alle Instinkt- und Zivilisationsdämme so zum brechen?

Von den Tätern ist inzwischen bekannt, dass sie Schüler der Oberschule sind, die nur wenige hundert Meter vom Flüchtlingsheim entfernt steht. Sie stammen aus Belzig und Nachbargemeinden.

Zwar gebe es Klabunde-Quast (<-die parteilose Bürgermeisterin von Bad Belzig) zufolge eine Handvoll rechter Aktivisten im Ort. „Um bei Veranstaltungen 15 Leute zusammenzubekommen, brauchen die aber Unterstützung aus dem Havelland.“ Sie sei, auch angesichts weiter steigender Flüchtlingszahlen, noch entspannt, „wie wohl die meisten Belziger.“ Laut dem Leiter des Flüchtlingsheimes, Lutz Kuligk, sei auch unter den Asylbewerbern die Stimmung gelassen. Sie gingen wie gewohnt weiterhin in die Innenstadt.

Im Infocafé bewertet man die Lage anders und zeigte sich gestern wenig überrascht von dem Übergriff. Seit Monaten versuche die rechtsextreme Szene, in Belzig Fuß zu fassen, sagte der Sozialarbeiter Benjamin Stamer. Besonders aktiv seien Gruppierungen rund um die Kleinstpartei „Der III. Weg“ im Jugendbereich und im Fußball. Auch kritisierte er die Jugendarbeit in der Stadt heftig. So hätten über einen längeren Zeitraum rechtsextreme Bands im Jugendzentrum proben dürfen. „Belzig hat einen gewissen Nachholbedarf in der Jugendarbeit“, sagte er. Das nutze die Szene und biete eine rechtsextreme Erlebniswelt. Die Bürgermeisterin bestreitet das. Das Jugendzentrum sei ein Erfolg.

In Belzig leben rund 12.000, im Flüchtlingsheim rund 250 Menschen.

Soviel zur analogen Welt in Bad Belzig.



Zur virtuellen Welt haben Bento und Netz gegen Nazis (featuring no-nazi.net) kürzlich über rechtsradikale Facebookseiten berichtet.

Eine ‚Nein zum Heim‘-Seite gibt es auch für Bad Belzig (<-direkter link zu FB). 930 Menschen haben die Fanpage der „Nein zum Heim“-Bürgerinitiative geliked.

Als Kronzeugen der Belziger Nein-zum-Heim-Dependance dient ntv, Focus, Deutsche Wirtschaftsnachrichten, mopo24, Contra-Magazin, einschlägige YouTube-Kanäle, zur Organisation sicherlich auch der Leitfaden des lll.Weg.

no-nazi.net schreibt allgemeingültiger über Nein-zum-Heim-FB-Seiten:

Inhaltlich sind sie ein Hort von Stimmungsmache und Fehlinformationen. Dies geschieht über eigene vorgebliche „Erlebnis“-Berichte (in der Regel von angeblicher Gewalt, Diebstählen, Belästigungen oder Vergewaltigungen), die sich bei genauerer Betrachtung entweder nicht verifizieren lassen (das heißt, Strafvollzubehörden oder angeblich betroffene Supermärkte wissen nichts von Anzeigen oder Straftaten zu berichten), oder es sind seit Jahren geteilte Internet-Hoaxes. Oft werden „Nachrichten“ oft aus nicht seriösen, rechtspopulistischen Quellen geteilt oder Nachrichten großer Medien aus dem Zusammenhang gerissen oder tendenziös kommentiert. Auch Beiträge von rechtsextremen Parteien wie der NPD, „Die Rechte“ oder „Der III. Weg“ werden offen geteilt. In den Kommentarspalten zu den Beiträgen kocht die Stimmung schnell hoch, die User_innen versuchen, sich in Hass-Botschaften zu übertreffen. Dies sind vor allem rassistische und islamfeindliche Kommentare, aber auch das Wettern gegen die Demokratie, demokratische Politik, „Gutmenschen“ und „Lügenpresse“ gehört dazu – ebenso wie Verabredungen oder Aufrufe zu konkreten Aktionen.

Die Berliner Zeitung im Juli 2015: Nein zum Heim, Ja zum Hass

Bundesweit, heißt es in Sicherheitskreisen, suche die rechtsextreme Szene Anschluss an die politische Mitte. Mit dem Thema Flüchtlinge habe sie ein dafür geeignetes Thema gefunden. Demnach richten sich bereits 44 Prozent aller rechtsextremistischen Aufmärsche gegen Asylheime – Tendenz steigend. Immer wieder zeigt sich dabei ein Zusammenspiel aus Anwohnerprotest auf der Straße und im Internet, aus Anti-Asyl-Aufmärschen und Aktivitäten rechter Parteien. …

Auch bei diesen Facebook-Gruppen ziehen oft Rechtsextremisten unter Pseudonym die Strippen. Dafür haben sowohl Berlins wie Sachsens Verfassungsschutz und auch Brandenburgs Innenministerium konkrete Hinweise – von einschlägigen Mailkonten bis zu Klarnamen. Die Reichweite solcher Gruppen, die offen Hass und Gewalt propagieren,  ist dabei enorm: So hat die Leipziger „Bürgerinitiative Gohlis sagt nein“ als Spitzenreiter fast zehn Mal so viele Fans wie die sächsischen Grünen oder die CDU-Landtagsfraktion.

Bento: (Stand: 22.Oktober 2015):

Anfang des Jahres, Pegida stand auf der Straße und war in aller Munde, ergab die Zählung von no-nazi.net rund 100 flüchtlingsfeindliche Internetseiten. Nun ergab eine erneute Zählung: Inzwischen sind es 225 Seiten. Diese verteilen sich in ihrer Ausrichtung regional sehr unterschiedlich. Die meisten kommen, das passt zum Stimmungsbild, aus Sachsen (76).

Sachsen – 76
Brandenburg – 40
Baden-Württemberg –  21
Mecklenburg-Vorpommern – 17
Bayern – 13
Thüringen – 10
Sachsen-Anhalt – 9
Berlin – 9
Hessen – 9
NRW – 8
Niedersachsen – 5
Rheinland-Pfalz – 2
Schleswig-Holstein – 1
Hamburg – 0
Bremen – 0
Saarland – 0

Im Durchschnitt haben die Seiten ca. 1500 Likes.


Es ist gesellschaftliche Brunzblödheit an der Grenze zur Erfüllungsgehilfenschaft, die Wechselwirkungen von virtueller und analoger Welt zu unterschätzen und hauptsächlich „entspannt“ zu sein und es ist ein virtueller Offenbarungseid, lieber gegen Nippel als gegen systematische, organisierte und bestens vernetzte Menschenfeindlichkeit einzuschreiten. Wtf?

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41 Gedanken zu „WTF?

  1. „oder es sind seit Jahren geteilte Internet-Hoaxes“
    Von einem habe ich per Mail berichtet.

    Hoffentlich überlebt das Kind und die Frau ohne bleibende Schäden!!!!!!!!!!!

    Auf der Seite von der Schule und auch der Stadt gibts übrigens keinen Hinweis darauf, das wäre wohl das Mindeste gewesen!
    Es gibt keine heile Welt, aber Schwangere am hellichten Tag zusammenzutreten und das auch noch als Mädel ist mehr als krank. Ist nicht MEIN Land…

    • Hallo Hugo,
      aber genau das ist doch unser Problem: ES IST UNSER VERKACKTES LAND; und wir haben es in der Hand, ob wir es uns immer weiter zuscheissen lassen von dem braunen Mob, ob wir also kapitulieren und letztlich nur noch die Wahl haben, es/uns zu verleugnen, und es irgendwann als Flüchtlinge hinter uns zu lassen.
      Oder wir kämpfen darum, die Hoheit von Anstand, Menschenrechten und Demokratie zu retten bzw. (wieder) herzustellen. Denn durch Wen oder Was die bedroht sind, nämlich durch uns selbst und unsere unsäglich armselige „Wertegemeinschaft“, die auf nichts als anderem beruht als Besitz, Geld, Konsum und Gier, das sollte doch allmählich jedem klar geworden sein, der nicht sein Resthirn bei Googel, Fratzbuch und Konsorten abgegeben hat?

      • Oder wir kämpfen darum, die Hoheit von Anstand, Menschenrechten und Demokratie zu retten bzw. (wieder) herzustellen. Denn durch Wen oder Was die bedroht sind, nämlich durch uns selbst und unsere unsäglich armselige “Wertegemeinschaft”, die auf nichts als anderem beruht als Besitz, Geld, Konsum und Gier, das sollte doch allmählich jedem klar geworden sein, der nicht sein Resthirn bei Googel, Fratzbuch und Konsorten abgegeben hat?

        Darauf, daß die Weltrevolution erfolgreich absolviert ist, werden wir leider nicht warten können.

        Es wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung, wenn Linke ihre Berührungsängste mit dem Wort „Heimat“ (übersetzbar auch mit: öffentlicher Raum) mal ablegen würden und auch die Heimatliebe nicht länger verstrahlten Faschisten überlassen würden.

        • Patrick Gensing schreibt dazu:

          Eine Diskussion darüber, wie der alte und sehr deutsche -Begriff Heimat progressiv besetzt werden könnte, löst kein einziges Problem. Sinnvoller wäre es zu erörtern, wie noch mehr Menschen in Verhältnissen leben können, in denen sie zu starken Individuen reifen, die sich ihrer selbst bewusst und offen gegenüber Neuem sind – und keine diffusen Gefühle benötigen, um sich notdürftig eine Identität zu konstruieren.

          http://publikative.org/2015/10/18/heimat-debatte-immer-nur-vergangenheit/

          Zumindest das Geographische – Berge, Wasser, Klima – und vielleicht auch Sprache muss er dann aus seinem Identitätsbegriff tilgen.

          • „Heimattümelei und Identitätsbildung durch Ausgrenzung sind in der Rechten beheimatet.“ schreibt Patrick Gensing. Da hat er absolut recht. Der fundamentale Denkfehler in dieser Art Heimatdebatte scheint mir jedoch die Gleichsetzung von Heimatttümelei und Heimat, und damit die Diskreditierung des Heimatbegriffes per se zu sein.
            Heimat und das Bedürfnis danach ist urmenschlich. Und vor allem ist Heimat, kann Heimat immer nur das sein, was wir daraus machen. Und zwar gemeinsam mit allen, die dort beheimatet sind oder sein wollen, und ohne irgend jemandem unsere Definition von Heimat aufzunötigen.
            So einfach könnte das sein, wenn wir es denn wollten. Alles andere ist Ideologie.

          • Hmnuja, Patrick Gensing arbeitet sich gründlich an einem toitschen Heimatbegriff ab, ich frage mich angesichts solcher Wortmeldungen eigentlich eher, warum rechtem Propagandamüll noch Extra-Aufmerksamkeit gewidmet werden muß, weil: ist auch Werbung.

            Ich bin links und habe nicht nur eine Haupt-, sondern noch mehrere Nebenheimaten, denen ich mich geografisch, klimatisch, menschlich, sprachlich, kulinarisch, kulturell sehr verbunden und mich dort zuhause fühle. Der Heimatbegriff ist also rettbar^^.

            Auf die Idee, daß Heimat exkludierend sein müßte oder ich meine Identität aus einem Landstrich oder einer Nationalität ziehen könnte, käme ich nicht. Umgekehrt wird ein Schuh daraus, meine Identität kommt nicht überall gut klar, z.B. Düsseldorf, Aachen, München sind für mich schwierige Pflaster.

            Bemühen darum (bzw. bei Gensing die Erörterung), daß

            noch mehr Menschen in Verhältnissen leben können, in denen sie zu starken Individuen reifen, die sich ihrer selbst bewusst und offen gegenüber Neuem sind – und keine diffusen Gefühle benötigen, um sich notdürftig eine Identität zu konstruieren

            fällt unter das Eine tun, das Andere nicht lassen.

        • Hat die, äh, etablierte Linke vor paar Jahren in Form der damaligen Vorsitzenden der Linken/PDS Gabriele Zimmer, gemacht; da hats sowas von Kritik seitens der radikalen Linken gegeben!!!
          Versteht auch kein (radikaler) Linker im Rest der Welt nicht; also den Heimatverneinungstrieb. Wo mensch lebt, isser dehemm, und ich meine jetzt nicht Deutschland, sondern die jeweilige Region!!!
          Nun guck ich aber erstmal rum, wie es der Somalierin mit ihrem ungeborenen?!? Kind geht!!!

  2. Es gab in den Neunzigern den Fall, in dem drei Jugendliche aus M-V jemanden mit einem „Bordsteinkick“ getötet haben, vorher über Stunden gequält. Das wurde auch verfilmt und auf Bühnen gebracht. Mir fällt gerade der Name des Regisseurs nicht ein. War es Dresen? Da wurde jedenfalls die komplette Verrohung deutlich. Minderwertigkeitskomplexe, Versagen, Langeweile. Dann kommen Verführer und beschreiben den Feind.

        • Der Vergleich mit Marinus Schöberl war hilfreich, danke dafür. Der wurde wegen blondierter Haare, Baggy Pants und Stottern entmenschlicht und ermordet.

          Ich war tagelang sprach- und fassungslos, daß halbe Kinder eine Hochschwangere angreifen, die ihren Einkauf auf dem Kopf trug.

          Frauen, die Lasten auf dem Kopf tragen, sind für mich der Inbegriff von Körperhaltung und Eleganz und für Schwangere mache ich meinen Sitzplatz in der U-Bahn frei. Ich brauchte einen Freund, der mir am Telefon erklärte, wie die Frau zum „Untermenschen“ erklärt wurde, um auf diese Weise angreifbar gemacht zu werden: Hautfarbe.

          Da schreibe ich seit Jahren über Faschismus und habe immer noch nicht verinnerlicht, daß Hautfarbe oder Stottern ausreicht.

          • „Frauen, die Lasten auf dem Kopf tragen, sind für mich der Inbegriff von Körperhaltung und Eleganz […]“
            Hab ich mir auch irgendwann mal abgeguckt; z.B. Heubündel für die Viecher, trägt sich echt besser, ob des bei mir elegant aussieht, äh, nuja, ähm, die Nachbarn haben zumindest erstaunt geguckt ;)…
            Auf Anhieb nix Neues im Net wie es der Hochschwangeren geht; ich habs auf jeden Fall ungefähr mindestens einem Dutzend Leute im realen Leben berichtet und jedesmal wie auch bei den Kommentaren hierzu läuft bei mir im Schädel ein Scheißfilm!!!!

  3. Krisenblogger,

    Gensing meint halt, dass der Heimatbegriff nicht zu retten ist, er verlangt die Akzeptanz mehrerer Identitäten, was in den Heimatbegriff seiner Meinung nach nicht reinpasst. Ich habe damit auch Probleme, wobei ich persönlich mich da identifizieren kann. Ich habe keine Heimat im traditionellen Sinn und ich habe nicht den Eindruck, dass mir da etwas fehlt.

    • Womöglich verhält es sich damit wie mit anderen Dingen, deren Wert man erst schätzen lernt, wenn man ihrer verlustig geht oder sie einem streitig gemacht oder vorenthalten werden. Ganz persönlich bin ich überzeugt, dass Menschen nur unter der Voraussetzung „zu starken Individuen reifen, die sich ihrer selbst bewusst und offen gegenüber Neuem sind“, dass sie eine stabile und positive Identität ausprägen konnten. Die Erfahrung von Heimat, Urvertrauen und Zugehörigkeit ist dafür eine essenzielle Grundvoraussetzung. Wachstum und Reife brauchen Verwurzelung, und das hat mit brauner Ideologie etwa so viel zu tun, wie ein Bio-Bauer mit „Blut und Boden“.

        • Keine Scholle ohne Gülle, aber das hatte ich natürlich so nicht auf dem Schirm und auch nicht gemeint…
          Also präziser: wie ein ideologieresistenter Bio-Bauer…

      • Jo, Naziarsch. Gelaber, Gelaber: „Ganz persönlich bin ich überzeugt, dass Menschen nur unter der Voraussetzung “zu starken Individuen reifen, die sich ihrer selbst bewusst und offen gegenüber Neuem sind”,“
        Ich hab das jetzt ca. 4mal durchgelesen, das ist so ein Rudolf-Steiner-Gedöns!
        Ihr Leute mit so nem Blablabla schmeißt die Gülle in die Köpfe von Kids, wo mal eben kurz ihre Langeweile anders überbrücken!!!!
        Naziarsch!

          • Mea Culpa, aber elaboriertes Gelaber ist Gelaber und aus dem Zusammenhang Gerissenes langweilig!
            Bei nem Bier in der Kneipe würde ich (eher 18 h später am Tag) den Typen zusammenbrüllen, liebste Dame! (Und ich meinte jetzt nicht den Kermanis!)

          • @Krisenblogger, die Rede von Navid Kermani ist zweifellos herzergreifend, was aber hat die mit dem Thema zu tun und wo ist sie „eine Botschaft an alle Ärsche der Welt? Die Rede richtet sich an denkende und fühlende Menschen und ich fürchte, daß selbst Kermani geschlossene Weltbilder nicht aufweichen kann.

            @Hugo, mir geht Gensing auch mitunter auf die Nerven, aber es ist nun mal nicht gleich jeder ein „Naziarsch!„, dessen Gelaber mich nervt. Die Vorstellung einer kleinen Schreierei zwischen Ihnen und Gensing in der Kneipe finde ich allerdings schön, da wäre ich gern dabei…;-)…

            Sie hatten vor Jahren bei Zeit Online eine großartige Definition von Heimat, nämlich das Areal, das Sie in 2 Tagen (?) zu Fuß erlaufen können. Ich krieg’s nicht mehr wörtlich hin, aber die Idee hat sich mir eingeprägt als ‚Heimat ist das, was ich kenne, mag und wo ich gut klarkomme.‘

            Der Grund, warum ich als 14jährige nach unfreiwilligem Wegzug aus NRW in Bayern nicht klarkam, war Ausgrenzung. Ich wurde als Fremdkörper erkannt und behandelt, weil ich kein Bairisch sprach: von Menschen meines Alters in der Schule jahrelang konsequent ignoriert, in Kneipen nicht bedient, in Geschäften beim Wechselgeld beschissen.

            Nur durch den Verlust jedes Heimatgefühls konnte ich insgesamt 8 Jahre in Bayern verbringen, meine Integration war trotz aller Bemühung darum unerfolgreich. Dadurch, daß mir Bayern als Heimat mittels Ausgrenzung verwehrt wurde, verlor ich jeden Gedanken daran, daß sich-zuhause-fühlen wichtig ist. Mich erwischte Heimat (in der Variante Wahl-) beim soundsovielten Berlinbesuch in den 80ern, als ich am Autobahndreieck Funkturm auf einmal Pipi in den Augen hatte – ich konnte zunächst nicht mal das Gefühl zuordnen. Nämlich: wie schön es ist, nach Hause zu kommen (ich bin dann schleunigst umgezogen).

            Das kann der Gensing meinetwegen gern als diffuses Gefühl beschreiben, es war ein für mich intensives Gefühl, das mich immerhin seit 30 Jahren in Berlin hält (obwohl mir hier die Heimat unter dem Hintern weggentrifiziert wird und ich bald mal eine neue brauche).

            Ich habe mich auch nie explizit als Deutsche gefühlt, außer im Ausland. Zum Beispiel durch die häßlichen Bemerkungen eines Holländers, der mich als 12jährige an der Shoa schuldig sprach, durch unschöne Vereinnahmungen von rechtsaußen in Südtirol oder durch Begreifen in Ostafrika, auf Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit Wert zu legen.

            Das ist aber kein Grund, die eigene Identität (die persönliche wie die zufällig deutsche) für alleinmaßgeblich zu halten. Oder die Schnittmengen mit anderen Menschen zugunsten der Unterschiede klein zu reden. Oder die eigenen Aggressionen mit konstruierten und erlogenen Unterschieden zu rechtfertigen und schon sind wir bei-> Albert Memmi.

  4. Thomas Land in analyse & kritik-> Solidarität zuerst für Deutsche (insgesamt sehr lesenswert)

    Mit dem Konzept der Nation sollen sich die Staatsbürger_innen die existierende Konkurrenzgesellschaft als solidarische Gemeinschaft vorstellen. Dem nationalen Erfolg müssen sich alle unterordnen; schließlich sitzen »wir« alle im selben Boot. Dass die einen dabei erster Klasse reisen, während die anderen rudern, wird zur Nebensache, wenn es darum geht, nach außen als potente Einheit aufzutreten. Im globalen Maßstab streitet man schließlich mit anderen »Wirs« um Reichtum und Macht.

    Der Erfolg der einen ist dabei das Elend und Leid der anderen. Die weltweiten Migrations- und Fluchtbewegungen sind der unmittelbare Ausdruck dieses Zusammenhangs. Diesen auszublenden, ist naiv. Zynisch ist es aber, wenn das Konzept der Nation, das die Menschheit in Form von Nationalstaaten gegeneinander antreten lässt, von den Gewinnernationen als Legitimation angeführt wird, um sich von genau den Verlierer_innen abzuschotten, die man selbst mitproduziert hat.

  5. Es war/ist ein Tagesmarsch ;) . So Marathonlänge ganz grob. In einem Umkreis von ein paar km weniger jeden Baum mit Vornamen kennen.
    So Dörfer als Zugezogene/r sind da irgendwie komisch; wenn mensch da geboren ist, sieht die Sache anders aus; da ist mensch in der Crew. Auch wenn er nicht z.B. in der Feuerwehr ist.
    In anderen Ländern seine deutsche Staatsangehörigkeit preisgeben kann auch mal schnell in einem „Heil Hitler“ als Gruß enden; mir persönlich nicht passiert aber Freunden in z.B. Rumänien, Südamerika etc. pp… Und die meinen des ned böse und sind keine Faschos!

    Die Holländer sollten wegen der Shoa einfach nur die Fresse halten; prozentual haben die die meisten Juden ausgeliefert nach Auschwitz, Treblinka, Sobibor, Maidanak etc.; mit zwölf hab ich des aber auch noch ned gewusst…

    Wenn Du was gefunden hast, was die beiden Somalier/innen angeht, allerbeste und allerliebste Erklärbärin, Link ;) !!! Frauen hauen, und auch noch Hochschwangere, ich bin gegen Gewalt, aber…

    • Das mit dem Bedienen einer Suchmaschine bringe ich Ihnen irgendwann noch bei, liebste Hugoline…;-)… PNN 13.11.2015-> Hochschwangere Somalierin aus Krankenhaus entlassen

      Die hochschwangere Somalierin, die am Mittwoch in Bad Belzig von drei Jugendlichen attackiert wurde, konnte aus dem Krankenhaus entlassen werden. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, sind die Frau und das ungeborene Baby wohlauf. Die 21-Jährige, die im achten Monat schwanger ist, ist inzwischen wieder im Asylbewerberheim untergebracht.

      Am kommenden Montag wolle die Polizei einer Sprecherin der Direktion West zufolge mit der Somalierin die weiteren Details zum Tathergang klären. Auch die Vernehmung der Jugendlichen soll dann beginnen. „Die Jugendlichen müssen vorgeladen werden und in Begleitung eines Erwachsenen erscheinen“, so die Sprecherin gegenüber den PNN. Ende kommender Woche könnten die Gespräche beendet sein.

      Eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung sei aufgenommen. Auf die Jugendlichen sei man durch detaillierte Zeugenaussagen gekommen. Ob ein Gerichtsverfahren gegen die minderjährigen Angreifer eingeleitet wird und wie hoch das mögliche Strafmaß ist, stehe derzeit noch nicht fest.

  6. kann man diese bildungsferne masse mit ihrer weltanschauung überhaupt noch integrieren?
    schaffen wir das? wollen die das? will dieses minderbegabte volk überhaupt in eine demokratische gesellschaft integriert werden? müssen wir diese rückständigen und irgendwie aus der zeit gefallenen unfriedenstifter in unserem land ertragen? was machen wir mit den kriminellen unter ihnen?
    https://campogeno.wordpress.com/2015/10/13/kann-man-dieses-bildungsferne-pack-ueberhaupt-integrieren/

    • Willkommen in meinem Blog @Einsiedler! (ich platze gerade vor Neid wegen Ihres Wohnortes…;-)… hier wird’s schon wieder um 4 am Nachmittag dunkel °_O)

      Mir widerstrebt, alle Nazis unter bildungsfern und unterprivilegiert abzuhaken, die 3 ‚erzchen zum Beispiel, die in Bad Belzig die Schwangere zu Boden geschlagen und getreten haben, gehen in die Oberschule.

      Das Hauptgefahrenbild vom strunzdummen Stiefelnazi entspricht schon lange nicht mehr der Realität, obwohl es die Medien nur zu gern fortschreiben. Das ist nämlich viel weniger bedrohlich als die Rechtsradikalität in der Mitte der Gesellschaft, wie sie sich seit Sarrazin immer bösartiger Luft macht.

      Mir wäre auch neu, daß die ganzen Sarrazins, Seehofers, Gaulands, Höckes, Matusseks, Petrys, Straches, Le Pens usw. unter bildungsfern oder minderbegabt fielen, das Gegenteil ist der Fall. Die sind gebildet, oft wohlhabend und einflußreich, obere Mitte der Gesellschaft und sie sprechen gezielt die Ängste der bürgerlichen Mitte und die besorgniserregenden Bürger an. Da kann gar nix integriert werden, die sind mitten IN der demokratischen Gesellschaft. Und nu?

      • Auch wenn Du grade dazwischengerutscht bist oder hintendran oder wie auch immer, ich war nur undamenhaft ;) , hab aber des Gleiche erzählt…

        • ich war nur undamenhaft ;) , hab aber des Gleiche erzählt…

          Mein Blog muß unbedingt zum Wettkampf um die unfreundlichste und am wenigsten salonfähige Wortwahl werden und ich mir in Zukunft ein Beispiel an Ihrer Kürze nehmen^^

          • Allerbeste und allerliebste Dame, ja, muß es nicht, ich mag es nur nicht (und ich meine nicht Dich!!!!) Blablabla zu lesen, verdammt nochmal, da ist ne Schwangere von Kids verprügelt worden!!!!!!!
            Merde Kurwa svini sobaka shit fuck puja wenn ich mal ganz viel Langeweile haben sollte, stelle ich mal ne Liste sämtlicher Schimpfworte der Welt zusammen! Einfach mal darum, um jeden dann sagen zu können, wann er Scheiße gebaut hat!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

      • hallo dame von welt,
        wer uneinsichtig gewalt einsetzt, sei es auch nur mit seinen worten, hat aus unserer vergangenheit nichts gelernt. und wer aus unserer vergangenheit nichts lernen kann (oder will) ist in meinen augen minderbegabt oder bildungsfern, ich verstehe aber trotzdem was du meinst.
        warum es bedenkliche rechte tendenzen in unserem rechtsstaat gibt und eben nicht immer “klare kante” gezeigt wird frage ich mich auch: wie viel fremdenhass und rechtes gedankengut findet man eigentlich in der deutschen politik, beim verfassungsschutz, in unseren behörden, bei der polizei, oder in der bundeswehr? https://campogeno.wordpress.com/2015/11/01/dunkles-deutschland-hirnfrei-lebende-und-verstaendnismaessig-begrenzte-wutbuerger/

        • Schönen guten Tag, Einsiedler,
          bei Zustimmung zu Ihrem verlinkten Blogbeitrag bin ich ein bißchen irritiert angesichts Ihrer vielfachen Verwendung von „wir“ und „unser“ hier im Fred. Wenn ich Sie richtig verstehe, sind Sie 1. Einsiedler und 2. Aussteiger in Südspanien. Könnte es möglich sein, daß Sie von einer Art Eremitensäule herunterpredigen, während Sie mit den Entwicklungen in Deutschland weder unmittelbar zu tun haben noch nennenswerten Einfluß darauf nehmen? Könnte es auch sein, daß Sie länger nicht mehr in Deutschland waren und nur die Medienkolportage mitbekommen?

          Dazu hätte ich eine persönliche Frage: wo ist für Sie primär Heimat? Ist das Deutschland oder Südspanien? Falls Heimat primär Südspanienist, wovon ich ausgehe – finden Sie dort keine Fremdenfeindlichkeit, keine Gewalt, keine faschistoiden Mißstände, keine Kollaboration des Staates mit Rassisten und Faschisten, kein Betätigungsfeld für Ihre gelernte Lektion aus deutscher Vergangenheit? In Ihrem Blog konnte ich dazu nichts finden. Falls Sie hauptsächlich Ihren Blog bewerben möchten, muß ich davon abraten, meiner hat zwischen 20 und 100 Besuchern/Tag, eignet sich also mangels Traffic nicht besonders gut für Eigenwerbung.

          Ich kenne einen kleinen Kosmos im ländlichen Andalusien seit knapp 30 Jahren ziemlich gut. Mir war immer schon augenfällig, wie oft im öffentlichen spanischen Raum Sprüche zu hören sind, daß es dieses und jenes unter Franco nicht gegeben hätte. Augenfällig sind mir auch Rassismus und Ausbeutung armer Migranten, dazu muß man nicht mal nach El Ejido. Keine Ahnung, ob Sie jemals ernsthaft mit der Guardia Civil zu tun hatten, mir sind die nicht nur als Paramilitärs, wegen Nichtreform nach Ende des Franco-Faschismus und des nur oberflächlichen Austausches ihrer Führung nach dem Putsch unheimlich, sondern vor allem wegen der Rustikalität ihrer Eingriffe in Menschen- und Bürgerrechte. Oder die Allianzen, die Kirche, PP-rechtaußen und Falange miteinander eingehen – gegen alles, was das heutige Spanien zu einem wirklich modernen Staat macht, z.B. für Homosexuelle und ungewollt schwangere Frauen – ich finde es immer wieder erschreckend, wie viele Menschen die Menschenfeinde zu Demonstrationen motivieren können. Oder man denke an das faktische Berufsverbot gegen Baltasar Garzón, als er Verbrechen gegen die Menschlichkeit aus der Amnestie der Transición herauslöste, sie als nicht verjährbar klassifizierte und die ersten Ausgrabungen der Massengräber initiierte. Und ich könnte jetzt noch eine Weile so weitermachen: interessiert Sie das alles nicht? Geht Sie das nichts an?

          Falls Sie mit wer uneinsichtig gewalt einsetzt, sei es auch nur mit seinen worten, hat aus unserer vergangenheit nichts gelernt Hugos Unfreundlichkeit Ihnen gegenüber gemeint haben sollten: derlei bleibt, wie Sie sehen konnten, von mir nicht unkommentiert. Hugo sehe ich so manche Wortwahl nach, weil ich ihn lange aus dem www ‚kenne‘ und weiß, daß er in einer Gegend in Deutschland lebt, in der jeder 4. rechtsradikal ist und er sich aktiv gegen Nazis einsetzt.

          Zu Ihrer Meinung und wer aus unserer vergangenheit nichts lernen kann (oder will) ist in meinen augen minderbegabt oder bildungsfern kann ich Sie nur erneut darauf hinweisen, daß die Faschisten in Deutschland schon seit Jahren nicht mehr hauptsächlich aus besoffenen Stiefelnazis und alten unbelehrbaren Männern bestehen, sondern aus gut gebildeten, einflußreichen, oft wohlhabenden, intelligent und taktisch vorgehenden Protagonisten, die seit den 90ern ihre Hausaufgaben gemacht haben, im ganzen Gegensatz zur zerstrittenen und schwachen Linken in Deutschland. Die Rechten haben viel von Linken und aus der Popkultur adaptiert, sie sind bestens vernetzt, in der Mitte angekommen, sie sitzen auf Minister-, Verfassungsschutz-, Polizei-, Staatsanwalt-, Redaktions-, Verleger-Stühlen. Sie ziehen Strippen, verspritzen Gift und spielen ‚Teile und herrsche‘.

          Dem entgegen steht eine stille Revolution aus der Bevölkerung, die völlig ohne Parolen auskommt und in Form der massenhaften Flüchtlingsunterstützung das aktuelle Staatsversagen kompensiert.
          Es ist noch nicht raus, wer gewinnt.

          Von Ihnen würde mich viel mehr interessieren, wer Ihrer Einschätzung nach die Wahl am 20.12. gewinnen wird, was Sie von Podemos halten oder wie sich das Ley Mordaza in Ihrem Umfeld auswirkt. Falls Ihr Spanisch besser ist als meines, wäre ich Ihnen extrem dankbar für Übersetzung interessanter spanischer Blogs und Artikel. Sie finden zwei Texte über das Ley Mordaza in meinem Blog, sollte von Ihnen viel Interessantes kommen, mache ich glatt einen neuen Fred dafür auf. Deal?

  7. hallo dame von welt,

    sorry, dass ich so spät antworte. ich musste meinen hühnerstall ausmisten, den hof von der hundekacke befreien und hatte auch sonst einiges zu tun. einer meiner hunde hat dann noch auf meiner lesebrille rumgekaut, die ich dann erst noch reparieren musste. lange kommentare sind mir eh ein graus. man kann seine energie auch konstruktiver einsetzen. wenn du mir noch etwas mitteilen möchtest, kannst du mir ja eine email senden. wenn ich zeit finde, werde ich diese dann auch lesen.

    dass deine beiträge kaum gelesen werde habe ich jetzt auch schon bemerkt. deine freundin andrea (die mit dem hitlerbärtchen, die lutz bachmann kopie) ist da wohl erfolgreicher. von meiner „eremitensäule“ predige ich an das „wir/uns“, an unsere gesellschaft, an die menschen. in meinen jahren in marbella waren es am ende auch die dort residierenden „damen von welt“ die mich in meine einsiedelei gedrängt haben. in ihren unzähligen und geheuchelten charity-veranstaltungen sammelten sie mal für die flüchtlinge aus afrika, mal für den umweltschutz, oder für den tierschutz. währenddessen wurden gewürzte tote tiere verspeist. hohle werte, nur für das eigene gute gewissen. deren tägliches konsumverhalten macht sie zu komplizen der finanzmächte, umweltzerstörer und ausbeuter von tier und mensch. ihr ökologischer fussabdruck ist so riesig, dass man ihn nicht messen kann. es sind solche menschen, die einen unsichtbaren gott verehren und eine sichtbare natur töten, ohne zu wissen, dass diese natur, die sie vernichten, dieser unsichtbare gott ist, den sie verehren.

    bezweifeln muss ich, dass eure stille revolution, mit deinen mitteln und hugo und fred, zu gewinnen ist. am ende ist es aber auch egal, denn deine nachkommen werden auf der in zukunft schwarzen erde eh nicht überleben können.

    meine kommentare kannst du auch löschen, das kannst du halten wie SIE wollen. deal?

    • Richtig schlau werde ich da auch nicht draus! Ob das mit dem Löschen, nuja, äh, weiß ich immernoch nicht@Dame ;) …
      Aber ich weiß, daß das Zusammentragen von Links ein Haufen Zeit kostet, ich trage die Infos auch weiter, wenn das dann als stille Revolution abgetan wird, isses mir egal!
      Des mit Belzig wissen dank Dame in meinem realen Umfeld mittlerweile ungefähr drei Dutzend Leute…

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